Kleines Plädoyer für das Ungefähre – Wenn Einstein immer pünktlich zum Mittagessen gekommen wär, … – (WehrWolter – ww 14 – Hans Wolter)

Albert Einstein hat unser modernes Leben mit seinen physikalischen Theorien geprägt und unseren Alltag revolutioniert: Ob Fernseher, Kühlschrank, oder GPS – in vielen Dingen steckt heute ein relatives Stück Einstein. 1921 erhielt er für seine Forschungen den Nobelpreis.

Gestern hörte ich zufällig im Radio einen Beitrag zu Einsteins 60sten Todestag (18. April 1955). Er sei sofort seziert worden und man habe sich gewundert, dass sein Hirn leichter und kleiner war, als man es vermutet hatte. Ich denke, dass das Besondere seines Denkens nicht quantitativ zu fassen ist. Das Nasenzählen wird nur selten den Phänomenen der Welt gerecht. Er wird vor allen Dingen ‚qualitativ‘ besonders gedacht haben. Hier wird es um Beweglichkeit und Kreativität gehen. „Phantasie ist wichtiger als Wissen“, war einer seiner Kernsätze.,

einstein zeit1

Auch als Persönlichkeit soll er ein recht eigener Kopf gewesen sein. So konnte es passieren, dass er zu einer Verabredung zwei Tage zu spät erschienen ist. Da er später ein weltweit recht gefragter Mann war, wartete man auf ihn. Nach meiner Einschätzung war er so in der Verfolgung seiner eigenen Dinge verhaftet, dass er die anderen, sowie die zeitlichen Festlegungen streckenweise ausblendete.

Um etwas Neues zu finden, ist ein qualitativer Sprung, ein Perspektivwechsel notwendig. Wenn er sagt: „Geniale Menschen sind selten ordentlich. Ordentliche selten genial.“ dann meint er, dass man innerhalb 1ner Ordnung nichts Neues finden kann. Das verhält sich so wie zwischen Handwerk und Kunst. Der Künstler muss wie ein Perlentaucher in die Tiefe gehen, Perlen finden und an die Oberfläche zu bringen, um dann ein Schmuckstück daraus zu gestalten.

einstein freud1Der Psychoanalytiker Ernst Kris griff die These Freuds von der „Lockerheit der Verdrängung beim Künstler“ auf und entwickelte seine Vorstellung von der „Regression im Dienste des Ich“. Hier geht es um eine erhöhte Flexibilität des Ich beim kreativen Prozess. Der Künstler verfügt über die Fähigkeit, sich unbewussten Prozessen zu überlassen, ohne von diesen überwältigt zu werden.

Ich vermute, dass Einstein auch diese kreative Fähigkeit, seine Flexibilität im Denken hatte. So stellt er fest: „Probleme kann man niemals mit der selben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Zu seinen Entdeckungen, wie z.B. der Relativitätstheorie, gelangte er progressiv. Der Künstler verlässt in einem ersten Schritt das Selbstverständliche, indem er die Kompromisse unseres Alltags sieht, die Begrenztheit unserer Lebensentwürfe wahrnimmt und aufbricht . Das führt zunächst zu einem Verlusterlebnis, welches Angst auslösen kann.

– Kurzer Nebengedanke aus meinem beruflichen Alltag: Dieses Zwischenstadium, zwischen AltVertrautem und NochNichtNeuem, kann psychosomatisch zu Schwindel führen, was ich in meiner psychotherapeutischen Arbeit schon mehrfach beobachten und erfolgreich behandeln konnte. –

Einstein Probleme lösen

Dem Künstler gelingt es nun in einem zweiten Schritt, den Halt wiederzugewinnen, durch die Schaffung eines neuen Lebensentwurfes. Das Kunstwerk gibt unseren Beziehungen zu Dingen, Menschen und Situationen eine neue Form. Einsteins Denken funktionierte auch so, was ihn befähigte, in ganz neue Dimensionen vorzudringen. Eines seiner wohl größten Kunstwerke, war die Entdeckung und Formulierung der Relativität. „Wenn man zwei Stunden lang mit einem netten Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität.“

Einstein lachen

Auch wenn er einmal festgestellt hat:“Nichts in der Welt wird so gefürchtet wie der Einfluss von Männern, die geistig unabhängig sind.“ – muss er insgesamt ein eher sympathischer Zeitgenosse gewesen sein. Die Menschen mochten ihn wohl auch deshalb, weil er auf eine nette Art sonderbar war. Durch seine wirre Frisur wirkte er nicht wie ein strenger Wissenschaftler, sondern immer ein bisschen wie ein kleiner Junge, der sich nicht kämmen will.

Albert Einstein war vor allen Dingen ein Forscher, der sich getraute, Probleme anders anzugehen und anders zu überlegen, als es unter Physikern bis dahin üblich war. Er war aber noch mehr als ein genialer Wissenschaftler. So traf er sich mit Sigmund Freud, um mit ihm gemeinsam zu überlegen, ob und wie sich Kriege verhindern lassen. Sein Leben lang setzte er sich für Völkerverständigung und Frieden ein und er war ein guter Musiker!

Dennoch wird sein Name immer mit der Atombombe in Verbindung gebracht. Tatsächlich spielten seine Forschungsergebnisse bei der Entwicklung eine zentrale Rolle. Er arbeitete aber nicht aktiv am Bau der Bombe mit. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges schrieb er dem damaligen amerikanischen Präsidenten, dass er Angst hatte, die Nazis könnten Atombomben bauen. Er wollte, dass die USA den Deutschen zuvorkommen. Als die USA aber 1945 die ersten Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki abwarfen, war Einstein entsetzt. Er bereute seinen „Fehler“ sein Leben lang. und kämpfte seit dieser Zeit für die friedliche Nutzung der Kernenergie für die Stromgewinnung.„Der Krieg ist gewonnen, aber der Frieden nicht!“

Einstein Wahnsinn

Neues Denken kann sowohl positive, wie negative Auswirkungen haben. Auch in der Natur geht es ja nicht nur friedlich zu.

„Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen.“

Albert Einstein hat bis zu seinem Tod versucht, eine Formel zu finden, die alles erklärt. Er wollte, dass alle Theorien der Physik irgendwie miteinander zusammenhängen. Doch auch nach 30 Jahren Forschung bleibt die „Weltformel“ nur eine Idee.

„Man hat den Eindruck, dass die moderne Physik auf Annahmen beruht, die irgendwie dem Lächeln einer Katze gleichen, die gar nicht da ist.“

Albert Einstein ermutigt uns, neue Wege zu gehen und uns dabei auf unsere Intuition zu verlassen.

“Die intuitive Meinung ist ein heiliges Geschenk, und eine vernünftige Meinung ist ein treuer Diener. –    Wir haben eine Gesellschaft geschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat.”

Einstein0

Zum Abschluss noch die Geschichte um seine ausgestreckte Zunge, zu dem ich ein relativ unbekannten Gedichtes von ihm aufspüren konnte:

„Von Gutem ist ein ernstes Wort

Wann man´s gebraucht am rechten Ort.

Hast du´s zu tun jedoch mit Toren

Ist jedes kluge Wort verloren.

In solchem Fall, wie Ihr entdeckt

Hab´ ich die Zung´ herausgestreckt.

Man kann es wohl nicht besser machen

Als blöde Leute auszulachen.

Umsonst ist´s nicht, dass die Natur

Uns schenkte eine Zung´ nicht nur.

Sondern dazu die Fähigkeit

Sie rauszustrecken ziemlich weit!“

Albert Einstein

Einstein7

(Alle verwendeten Zitate sind vom Meister 1Stein himself)

2 Kommentare

  1. leitzsch d.

    Schön zu lesen….hat aber wieder viel in mir aufgewühlt. …gruß Det

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    1. Danke für Dein freundliches Feedback, lieber Det. Irgendwie bin ich mit diesem BLOG noch nicht so ganz vertraut … das könnte meine späte Antwort vielleicht etwas entschuldigen. Liebe Grüße, Hans

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