Davon, dass das Zaudern tödlich ist und der Glaube weiterführt als der Nichtglaube – Dantes Therapie. (WehrWolter – ww 26 – Hans Wolter)

Wo Es war, soll Ich werden: Eine Reise durch die Hölle des Unbewussten, durch heftige depressive Krisen über falsche Bewältigungsstrategien, zur eigenen Göttlichkeit.

Das Ziel der Psychoanalyse brachte Sigmund Freud einmal prägnant auf den Punkt:

„Wo Es war, soll Ich werden.“ Er wollte den Menschen helfen, „Herr im eigenen Hause zu werden“.

Dante

Darum geht es meines Erachtens auch in der „Göttlichen Komödie“ von Dante Alighieri.

Das recht alte Meisterwerk (1307 – 1321) des Italieners wird von Sebastian Baumgarten und dem Ensemble des Schauspielhauses Köln flott & lichtintensiv in Szene gesetzt.

Ich war in der Vorführung: Pfingstsonntag, 24. Mai 2015 im Depot 1, Köln.

Baumgartens Inszenierung ist eine individuelle Interpretation Dantes komplexen Werkes.

Die „fünf Fachkräfte“: Dioskorides/Hippokrates (Arzt), Elektra/Penthesilea/Lucrezia/Julia (Frau/Mädchen), Seneca/Aristoteles/Saladin (Kunsthistoriker/Dichter) wirken aktiv auf den suchenden Dante ein. Sie führen den verzweifelten Dichter durch die Hölle durch das Purgatorium zum Paradies. Dies schaffen sie, indem sie ihn unter Drogen setzen.

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Mala Dia oder Via ist ein schlechter, ein falscher Weg durchs Leben, der mit einem üppigen Bühnenbild ansprechend in Szene gesetzt wird. Wege voller Ablenkung und Abwehr, die Viele in unserer Kultur täglich gehen. Insgesamt hatte ich einen positiv bewegten Abend und immer wieder belebende Assoziationen zu meinem Lieblingswerk: Goethes Faust.

Nachfolgend ein kleiner Bilderspaziergang durch die Mala Via. Alle Fotos sind beiläufige HandySchnappSchüsse von mir. Da wir in der ersten Reihe saßen, ging das recht störungsfrei.

Grausame Kälte, blendendes Licht, plastische Formkraft und unbändige Sprachbilder sind die hervorragenden Merkmale der Divina Commedia. Sie erzählt die visionäre Jenseitswanderung eines jungen Dichters durch das INFERNO (Hölle) über das PURGATORIO (Berg der Läuterung) hinauf zum PARADISO.

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Begleitet von dem römischen Dichter Vergil, gelangt Dante durch das Höllentor zum eisigen Mittelpunkt der Erde und von dort zum paradiesischen Höhenflug mit der geliebten Sehnsuchtsgestalt Beatrice.

Dieser Weg durch die Trichter der Hölle bis zum Höchsten des Himmels – unüberbotene Horrorvision und unendlicher Traum vom Glück – ist eines der lustvollsten und bildreichsten Abenteuer, die jemals geschrieben wurden.
Gelten die von antiker, aristotelischer Ethik und christlichen Geboten geprägten Vorstellungen Dantes heute noch? Ein System, in dem Gutes belohnt und Böses bestraft wird? Was bleibt von dieser Gerechtigkeitsmaschine, von dieser Göttlichen Komödie, in unserer säkularisierten und moralisch wie ethisch diffusen Gesellschaft bei einer zeitgemäßen Betrachtung übrig?

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Sebastian Baumgarten vertritt einen avancierten Regie-Begriff, der gerne große (oft auch musikalische) Bilderreigen inszeniert und damit die Grenzen zwischen Oper und Schauspiel auslotet.

Er sucht die geschichtlich-politische Reflexion auf der Bühne und setzt auf ein Publikum, das sich zum Denken verführen lässt. Dabei adaptiert er mit Vorliebe große Stoffe, denen moralphilosophische Fragestellungen zugrunde liegen und die, wie er sagt, »die dunklen Seiten der Aufklärung« verhandeln. (aus der Kurzbeschreibung des Kölner Schauspiels)Dante4Dante7

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