Plädoyer gegen den PerfektionsZwang – Good 2go – macht Kinder froh und Erwachsene ebenso! Perfektionismus ist oft AngstBewältigung und häufig nicht gut, sondern NUR „gut gemeint“. (Hans Wolter – ww 29 – WehrWolter)

  • Habt ihr Acht gegeben,
  • was für Menschen am meisten Wert
  • auf strengste Gewissenhaftigkeit legen?
  • Die, welche sich vieler erbärmlicher Empfindungen bewusst sind,
  • ängstlich von sich und an sich denken
  • und Angst vor anderen haben?
  • (Friedrich Wilhelm Nietzsche)

Von Helikopter-Eltern, Curling-Partnern und HänschenKlein

Kinder brauchen hinreichend gute Eltern! – Plädoyer den gegen PerfektionsZwang.

 

Good

„There is no such thing as a baby“ – Ein Baby ist ohne Mutter nicht denkbar.

Damit wollte der englische Psychoanalytiker Donald Winnicott zum Ausdruck bringen, dass man ein Baby ohne seine Mutter nicht denken, erforschen und therapieren kann, da die beiden eine unzertrennliche Dyade bilden. Aber, liebe Mütter & Väter, setzt Euch damit nicht zu sehr unter Druck. Kinder brauchen keine perfekten Eltern. Nur hinreichend gute.

Ein Baby ist normalerweise in seinen ersten Lebensmonaten mit seiner Mutter scheinbar zu einer Einheit verschmolzen. Es nimmt die Mutter als Teil von sich selbst wahr. Winnicott geht hierbei nicht von einer idealisierten Mutter aus, die durch Abweichungen von theoretischen psychologischen Idealverläufen ihr Kind schädigt, sondern führt den Begriff der „hinreichend guten Mutter“ in die Terminologie der Psychoanalyse ein.

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Eine „hinreichend gute Mutter“ („good enough mother“) ist in der Lage, auf die Bedürfnisse des Neugeborenen und des kleinen Kindes einzugehen, zumindest soweit, dass sich das Baby nie komplett verlassen fühlt. Diese Funktion kann natürlich auch ein Vater oder eine andere Person übernehmen. Wenngleich die Mutter natürlich immer die erste Wahl ist. Mir ist es als Vater hinreichend gut gelungen, als ich in den ersten drei Lebensjahren die Vormittagsbetreuung unserer Tochter übernommen habe. Allen Mütter, die gerne sagen: es geht nichts über eine Mutter! antworte ich dann: „beschwert Euch aber nicht, wenn später die Leute sagen: es sind immer die Mütter schuld“, wenn es zu Problemen in der Entwicklung gekommen ist. Natürlich können beide Eltern gute Bindungspersonen für das Kind darstellen!

'First the good news - we've all got to go sometime...'

‚First the good news – we’ve all got to go sometime…‘Der englische Kinderarzt und Psychoanalytiker Donald Winnicott (1896 – 1971) zählt zu den bedeutendsten Wegbereitern der Kinderpsychotherapie. Dabei konnte er sich auf über 60.000 Fälle stützen, die er in seiner vierzigjährigen Arbeit am englichen Kinderkrankenhaus Paddington und in seiner eigenen Praxis behandelt hat.

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Übergangsobjekte erleichtern die Autonomie von unseren Bindungen.

Kleine Kinder haben Teddybären, große Smartphones.

Nach und nach löst sich die Mutter aus dieser engen Verbindung, wenn es gut läuft. Das Kind kann dann lernen, dass die Mutter nicht Teil von ihm ist. In diesem Prozess spielt das sogenannte „Übergangsobjekt“ eine wichtige Rolle. Klassisch ist das ein Stofftier, kann aber auch der Zipfel einer Decke sein, den das Baby benutzt, um sich in Abwesenheit der Mutter zu trösten. Es gehört für das Kind sowohl zur Mutter als auch zur realen Welt. So wie jeder von uns, steht auch das kleine Kind in einem Spannungsfeld bzw. einem Konflikt zwischen Autonomie und Bindung. Es muss lernen ein wenig selbstständig, ein wenig autonom von der Mutter bzw. den Bindungsfiguren zu werden. Das tut auch den Eltern gut. Wenn das Kind die Situation umdrehen kann, d.h. jetzt selbst groß ist und auf den kleinen Teddybären aufpasst, ist mehr Abstand zur Mutter möglich. Das Kind kann besser alleine schlafen.

Meine flotte These ist: das Übergangsobjekte der heutigen Jugend- und Erwachsenenwelt sind unsere Smartphones. Es ist nicht nur eine telefonische Nabelschnur zu unseren Bindungspersonen über Stimme, SMS , WhatsApp und Mail. Darüber hinaus können wir uns auch ablenken durch Spiele, Surfen, GPS-Karten etc.. Wir können also in die weite Welt hinaus ziehen und zugleich eine VerBindung zu uns, Eltern, Freunden, Fremden etc. halten.

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Was passiert, wenn die Mutter nicht hinreichend gut ist?

Dann kommt es zur emotionalen Deprivation. Man kann sagen: das Bild der Mutter stirbt dann im Baby. Deprivation ist eine zentrale Voraussetzung für antisoziales Verhalten und spätere Kriminalität. Durch Stehlen beispielsweise, versucht das Kind seinen Mangel zu kompensieren. Wichtig ist hierbei, dass wir sehen, dass das antisoziale Verhalten ein Hilferuf des Kindes und wenn man so will ein Zeichen der noch vorhandenen Hoffnung darstellt. Hat das Kind keine Hoffnung mehr, wird es sich nach außen angepasst verhalten und wenn es wieder hofft aktiviert es wieder das antisoziale Verhalten zur Kompensation des erlebten Mangels. Dieses Mangelgefühl ist häufig ein emotionales. Da geht es nur sekundär um materielle Werte. Hier geht es primär um das Erleben: „Ich bin meinen Eltern nichts wert“. Das kann übrigens auch als Botschaft bei allzu geizigen Eltern rüberkommen.

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Viele Menschen denken hier merkwürdigerweise zu sachorientiert. Wir können Vieles mit Liebe gleichsetzen. Auch Geld und schöne Dinge. Sonst würde doch der ganze KonsumZauber nicht wirken. Wenn eine Lotion mit dem Slogan wirbt: „Weil ich es mir wert bin“, dann darf dieses Produkt zum einen nicht zu billig daherkommen zum anderen kaufen die Menschen hier einen Mehrwert für sich. Allein schon durch den Slogan und die Verpackung. So sind wir gestrickt. Unsere Kaufentscheidungen sind genauso wenig vernunftsorientiert, wie unsere LiebesEntScheidungen.

 

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Zuviel des Guten ist nicht gut! – Von sogenannten Helikopter-Eltern.

Hubschrauber-Eltern oder Helicopter Parents – engl. helicopter parents oder paranoid parents -, sind übervorsorgliche Eltern, die wie ein BeobachtungsHubschrauber ständig um die Kinder kreisen, um diese zu überwachen und zu behüten. Dieser Erziehungsstil ist geprägt von teils zwanghafter oder paranoider Überbehütung und exzessiver Einmischung in die Angelegenheiten der Kinder und Heranwachsenden.

Als Überbehütung oder Overprotection bezeichnen wir Verhaltensweisen von Eltern, bei denen das Bedürfnis, ihr Kind zu beschützen und zu versorgen, übermäßig ausgeprägt ist. Beim Overparenting geht es, psychologisch gesehen, häufig gar nicht um das Kind, sondern um Bindungsbedürfnisse und Einsamkeitsängste der Eltern. Dieses Phänomen gibt es auch zwischen Ehepartnern. Hier kann vordergründige Sorge um den Partner auch für eigenes ungelebtes eigenes Leben stehen. Ich überwache und verfolge den Anderen, nicht nur um ihn zu kontrollieren, sondern um auch eigene Defizitgefühle von „Freiheit und Abenteuer“ zu kompensieren. Dazu reicht eine Zigarette häufig nicht aus.

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Curling-Partner & -Eltern wischen alle Widerstände weg. Verwöhnung als ÜberbeHütung

Verwöhnung besteht darin, dem Kind oder dem Partner Belastungen und Anstrengungen zu ersparen und ihm möglichst viele Wünsche zu erfüllen. Der israelische Psychologe Haim G. Ginott benutzte schon 1969 das Helicopterbild. In seinem Buch „Between Parent & Teenager“ zitierte er Jugendliche im Verhältnis zu ihren Müttern mit: „Mother hovers over me like a helicopter“.

Bent Hougaard, ein dänischer Psychologe, sprach Ende der 90er Jahre von „Curling-Parents“ oder einem „Curling-child“. Wie beim Curling wischen diese Eltern jegliches Hindernis und alle denkbaren Reibungsmöglichkeiten aus dem Weg des Kindes, so dass es nicht lernt, Widerstände eigenständig zu überwinden.

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Können wir „Hänschen“ in die Welt gehen lassen?

Nicht selten verhindern wir die HansWerdung aus egoistischen Motiven?

 

Der Originaltext von „Hänschen klein“ behandelte gar kein weglaufendes Kind, sondern einen jungen Mann, der in die Welt zieht, um sein Glück zu versuchen. Das Lied beschreibt den Ablösungsprozess von der Mutter als einen Teil des Erwachsenwerdens. Aus Hänschen wird Hans.

Hänschen klein
Ging allein
In die weite Welt hinein.
Stock und Hut
Steht ihm gut,
Ist gar wohlgemut.
Doch die Mutter weinet sehr,
Hat ja nun kein Hänschen mehr!
„Wünsch dir Glück!“
Sagt ihr Blick,
„Kehr’ nur bald zurück!

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Im Ursprung wird hier also die Ablösung des Jungen von der Mutter und der Wiederkehr als erwachsener Mann beschrieben. Trotz der eigenen Trauer, lässt die Mutter ihren Sohn gehen und erkennt ihn dann bei seiner Rückkehr als Mann wieder. Sie begegnet ihm mit Liebe.

Picasso5Die neue und aktuelle Version des Kinderliedes verkehrt den Inhalt ins Gegenteil.

Hänschen klein
ging allein
in die weite Welt hinein.
Stock und Hut
steht ihm gut,
er ist wohlgemut.
Doch die Mutter weinet sehr,
hat ja nun kein Hänschen mehr!
Da besinnt
sich das Kind,
kehrt nach Haus’ geschwind.

Der versuchte Ablösungsprozess von der Mutter gelingt nicht. Die Mutter ist über den Weggang so traurig, dass sie es dem Jungen zu schwer macht. Sie „weint so sehr“, dass Hänschen da bleibt und so nie zum Hans werden kann.

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Wir müssen uns fragen, weshalb dies die immer noch gültige Version des Kinderliedes ist. Hier wird der narzisstische Missbrauch durch die Mutter legitimiert. Das passt auch zu dem Phänomen, dass sexueller Missbrauch durch Mütter ein Tabu darstellt, über das wir sehr ungerne nachdenken. In ca. jedem vierten Fall von Pädophilie sind die Täter Frauen. Wenn wir große Angst vor etwas haben, sind wir bereit die Wirklichkeit zu verleugnen. Auch und besonders in unserer aufgeklärten Gegenwart.

Die Mutter im gegenwärtigen HänschenKleinText steht für Eltern, die mehr an ihre eigenen Bedürfnisse denken, als an die ihrer Kinder. Das ist, wenn wir es zugespitzt formulieren: Missbrauch des Kindes für das eigene Wohlergehen.

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Vom Paradox des GutGemeinten

Also, lasst uns „hinreichend gut“ an die Dinge rangehen. Wenn wir es zu gut meinen, gar perfekt lösen wollen, können wir unseren Kindern, Partnern und uns selbst auch schaden.

Ja, das wäre dann wieder ein Paradox .

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Good1

 

 

 

1 Kommentar

  1. Ich kann das nur bestätigen. Und ich erlebe es gerade wieder selbst. Wie früher bei meinen beiden Söhnen, springe ich jetzt bei meinem kleinen Enkel immer wieder mal ein. Es ist banal. Nicht Perfektion zählt, sondern Empathie, Gelassenheit und ein offener Blick auf die aktuellen Bedürfnisse reichen. Und dabei mehr auf das eigene Gefühls, als auf selbsternannte Ratgeber trauen.

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