Wir sind immer mehr! – Vom inneren Kind über Stefan Raab zu multiplen Persönlichkeiten. – (WehrWolter – ww 38 – Hans Wolter)

Wir gehen heute davon aus, dass wir verschiedene Selbstanteile in unserer Persönlichkeit haben. Hier können wir vereinfacht schon einmal von zwei Anteilen ausgehen: unserem Erwachsenen-Selbst und unserem Kind-Selbst. Wir bleiben nämlich auch lebenslang das Kind, was wir einmal waren. Auch wenn Viele das nicht so wahrhaben wollen. Spätestens Weihnachten oder wenn wir abends den Schlafanzug anziehen, fühlt es aber jeder. Fast jeder. Menschen wie Hitler weniger. Die spalten das Kleine in sich einfach ab und verfolgen es im Außen, in den „minderwertigen“ Anderen.

(Apropos „mehr“: ich habe jetzt neben dieser Website auch endlich eine Homepage: www.HansWolter.wordpress.com)

Raab1Inneres Kind?

Unser „Inneres Kind“ ist aber auch bei vielen Alltagsentscheidungen aktiv. Wenn wir uns z.B. entscheiden, ein neues Auto zu kaufen. Da sprechen einerseits vernünftige Stimmen in uns, die Vieles begründen können. Seien es ökonomische, sicherheitstechnische, umweltrelevante oder ästhetische Erwägungen. Wenn wir uns letztlich für den knallroten VW-Lupo entscheiden, hat unser inneres Kind ein gehöriges Wörtchen mitgeredet. Auch wenn die inneren Buchhalter, Ingenieure und Künstlerinnen gekonnt argumentieren mögen. Wenn wir in einem guten Kontakt zu unserem inneren Kind stehen, hat das viele Vorteile. Das ist leichter, als wenn wir dies verneinen oder abspalten müssen. Müssen Angela Merkel, Jogi Löv, Pabst Franziskus oder Stefan Raab sich zu irgendetwas entscheiden, tun sie auch gut daran, mit ihrem inneren Kind im lebendigen Kontakt zu sein.

Raab5

Eigentlich wollte ich ja über das Erfolgsgeheimnis von Stefan Raab schreiben. Mache ich vielleicht noch … vielleicht komme ich aber auch nicht dazu. Daher hier kurz meine Kernthese: Stefan Raab hat einen sehr guten Kontakt zu seinem inneren Kind, was ihn so ungewöhnlich erfolgreich gemacht hat. Es ist sehr viel mehr als Schadenfreude, was dieser Mann kann und auf die Beine gestellt hat. Indem er rumblödelt, kommt er auf die jungenhaften Einfälle: Mann könnte doch mal mit einem Wok die Bobbahn runter fahren. Daraus macht er nicht nur einen Fernsehbeitrag, sondern eine ganze WM mit millionenstarker Einschaltquote. Wer nicht nur moralische Scheuklappen anhat, wird mir beistimmen können, wie erfolgreich dieser Mann bei den allermeisten Dingen war, die er angepackt hat. Hier war er auch erfrischend anders und mutiger als … sagen wir mal Günter Delling oder Oliver Kahn.

Es gibt ja das Bild vom „Kind im Manne“. Herr Raab hört auf den kleinen Stefan in sich und setzt dies in einer Erwachsenenprofessionalität um. Auch wenn er nur „Wadde hade du denn da“ singt, ist er um Klassen besser als die meisten deutschen Beiträge zum Eurovision Songcontest.

Raab3

Im Sommer/Herbst schreibe ich mal einen ausführlicheren Beitrag hierzu, der in mein geplantes Buch einmünden wird.

Das Modell des inneren Kindes ist auch therapeutisch sinnvoll und fruchtbar. Vor allen Dingen viele Männer wollen das zunächst nicht so gerne hören, weil sie sich in ihrer Männlichkeit bedroht fühlen könnten. Wenn Angst aufkommt, versucht Mann dem mit Kontrolle entgegenzuwirken. Eine einfache Form wäre Distanzierung durch Abwertung: „Das Gerede vom inneren Kind ist doch Psychogefasel!“ Oder Mann gibt sich intellektuell und möchte wissenschaftliche oder am besten körperlich sichtbare Bezüge genannt bekommen.

mehr9

Magie der weißen Götter

Wenn wir es erst einmal in das Reich der Medizin rübergeschoben haben, glauben die Meisten sowieso alles. Da werden die Männer & Frauen nämlich selbst zu kleinen Kindern, wenn die „Götter in Weiß“ irgendetwas faseln. Egal ob es der Pfleger, der Praktikant, Bachelor oder Herr Doktor ist: weißer Kittel ist weißer Kittel. Das nenne ich Magie. Magie, mitten in unserer ach so technisierten Welt. Vergleichbar mit den Weltordnungsversuchen der Primitiven, der Ureinwohner des unentdeckten Regenwaldvolkes.

mehr10

Was soll das PsychoGefasel?

mehrM1

Als Psychologe kann ich diese Männer natürlich schnell überzeugen wenn ich den Umweg über Fußball, Bier und smarte Phones nehme. Letztendlich wollen die meisten … doch auch: „nur spielen“.

In den Sommerferien starte ich übrigens mit meinem Buch zur Geschlechterfrage. Arbeitstitel: „Männer jagen gern im Rudel – Katzen pflegen gut ihr Selbst.“ Oder ist der Titel zu provokant?

Provokation2

Ich könnte auch sagen: „Wir sind unterschiedlich. Das ist nicht nur gut so. Das ist auch fruchtbar.“ Was meint Ihr, liebe Leser, Follower, Neider & Freunde? Lieber glatter oder frecher?

Okay, wir sind immer mehr. Wir haben ein inneres Kind, einen Wolf, eine Madonna & Hure etc. …

Wenn es sich mit den inneren Selbstanteilen allerdings sehr radikalisiert, dann können wir zum Phänomen der „Multiplen Persönlichkeit“ kommen. Hier kann ein echtes Störungs- und Krankheitsbild vorliegen, was psychotherapeutisch behandelt werden kann. Muss?

mehr5

EVA three in one oder: Von den drei Evas

Die multiple Persönlichkeitsstörung, nennt man heute „Dissoziative Identitätsstörung“. Bei dieser psychischen Krankheit scheint sich die Persönlichkeit in zwei oder mehrere Identitäten aufzuspalten. Dieses Phänomen wurde erstmals 1791 von Eberhardt Gmelin beschrieben. Bis heute wurden schon tausende klinische Fälle beschrieben und dokumentiert. Wie kommt es zu einer solch schillernden Symptomatik? Man vermutete als Ursprung Missbrauchserlebnisse aus der Kindheit. Als therapeutische Lösungsmöglichkeit bieten sich Integrationsversuche der Teilaspekte in die Hauptpersönlichkeit an.

mehr8Multiple Persönlichkeitsstörung

Ein berühmt gewordener Fall in der Literatur, ist die 25jährige Eva White. Die junge Frau begab sich 1952 wegen Kopfschmerzen und gelegentlicher Absencen in Behandlung. Sie war verheiratet, Mutter einer vierjährigen Tochter und wurde als bürgerlich und recht gehemmt beschrieben. In ihrer 14 monatigen Behandlung gab sie Einblicke in recht beunruhigende Dinge. So hatte sie z.B. viele extravagante Kleidungsstücke gekauft, an deren Einkauf sie sich aber nicht erinnern konnte. Während ihren Beschreibungen veränderte sie sich in Mimik und Körperhaltung. So verlangte sie mit verruchter Stimme nach einer Zigarette, obwohl sie eigentlich Nichtraucherin war. Hier war auf einmal Eva Black auf der Bühne. Eine Frau, die sich von Eva White sehr deutlich unterschied. Die eine litt sogar an einer Nylonallergie, die die andere nicht hatte. Eva White kannte Eva Black nicht. Umgekehrt schon: Eva Black fand Eva White einschläfernd langweilig.

mehr7

Beide Persönlichkeiten wurden vielen psychologischen Testverfahren unterzogen, die sie mit unterschiedlichen Ergebnissen absolvierten. Der IQ „beider Frauen“ fiel unterschiedlich aus. Beide bewegten sich im Bereich des Normalen. Der Rorschach Test (Deutung von Tintenklecksen) fiel deutlich unterschiedlicher aus. Eva Black war anpassungsfähiger aber hysterischer. Eva White zeigte ängstlich-gehemmte, deutlich zwanghafte Züge und sie konnte mit ihren feindseeligen Affekten und Impulsen nicht gut umgehen. Die behandelnden Therapeuten Thigpen und Cleckley nahmen kindliche Missbrauchserfahrungen an. Bei dem Versuch in der Hypnose beide Persönlichkeiten auf einmal auftreten zu lassen, zeigte sich auf einmal eine dritte Persönlichkeit, die sie Jane nannten. Jane war eine interessante und lebenstüchtige junge Frau, die die beiden Evas zu integrieren schien. Jane kannte beide Evas, was umgekehrt nicht der Fall war. Nun versuchte man Jane zu stärken, um beide Evas in ihr aufgehen zu lassen. Dies ist ein recht seltener Fall einer sogenannten DIS. Leichtere Fälle kommen allerdings recht häufig vor. Heute verfügt man über differenzierte diagnostische Leitlinien, mit denen man diese Störungsbilder mittlerweile gut behandeln kann.

Mehr1

Abschließend noch einmal zu unserem inneren Kind.

RadikalitätApple

Diejenigen, die einen lebendigen Zugang zu ihren kindlichen Persönlichkeitsteilen haben, sind nicht nur glücklicher, sie sind auch interessanter, erfolgreicher und witziger.

ProfilRegenbogen

Bergfest. Das erste Halbjahr liegt hinter uns. Ich liefere hiermit meinen 40sten WehrWolter-Artikel in diesem Halbjahr. Trotz Hitze und Geburtstagsvorbereitungen. Jetzt fühl ich mich reif für mein geplantes Buch. Ich freue mich über eine rege Diskussion mit meinen Lesern & die Schwarmintelligenz des Social Media.

Für die meisten Bilder bedanke ich mich bei meinem FacebookFreund, dem Künstler Sebastian Bieniek, dessen Werk ich sehr schätze. www.sebastianbieniek.com

Weiterlesen?

 

Cast Away 2 – (dt.): Mach Dich raab! – Stefan Raab – Der unschlagbare Kölner wird 50 und spielt mit der NichtPräsenz – Untergetaucht: wahrscheinlich arbeitet er mit Bob Dylan am gemeinsamen Song: „Weniger ist Meer“ – (WehrWolter – ww 198 – Hans Wolter)

6 Kommentare

  1. Bin gespannt, mehr über Stefan Raab und das innere Kind zu lesen.
    Wie auch immer, die bewusste Begegnung und Auseinandersetzung mit dem inneren Kind gehört wohl zu den grössten Abenteuern des Lebens 🙂

    Gefällt mir

  2. […] Wir sind immer mehr! – Vom inneren Kind über Stefan Raab zu multiplen Persönlichkeiten. […]

    Gefällt mir

  3. […] Wir sind immer mehr! – Vom inneren Kind über Stefan Raab zu multiplen Persönlichkeiten. […]

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s