Lufthansa erniedrigt die Angehörigen & Zahlungen – Die Fehler im Umgang mit dem AmokFlug 4U9525 gehen weiter.

Seit dem, vom Co-Piloten Andreas Lubitz absichtlich herbeigeführten Absturz der Germanwingsmaschine am 24. März 2015 habe ich hierzu schon mehrere Stellungnahmen geschrieben. Zunächst habe ich die Vermutung zur Motivlage bzw. zur psychischen Störung des Co-Piloten beschrieben. Wer dies zu der Zeit auf meiner Facebook-Seite mitverfolgte war sicher auch erstaunt über die vielen negativen Reaktionen und Vorwürfe, die da auf mich niederprasselten. Das kam schon an einen Shitstorm ran. Nachdem ich meine Seite nicht mehr für „Freunde von Freunden“ öffnete und ca. 50 Personen blockiert hatte, kehrte wieder Ruhe ein. Dies ist ein Hinweis darauf, wie fassungslos Viele Menschen mit dem Unfassbaren umgingen. Als wenn da keine klaren Worte gesprochen werden durften. Die psychische Abwehr ging so weit, dass die Überbringer der schlechten Nachrichten verurteilt werden sollten. Die Verunsicherung, dass wir selbst einem Piloten nicht mehr vertrauen können, ist ja so gewaltig hoch, dass wir sie allzugerne verdrängen würden. Aber das ist keine gute Lösung. Das ist nur die Verschiebung einer Bombe, die dann zu einem anderen Zeitpunkt woanders explodieren kann.

(Siehe hierzu auch meine Beiträge:

“Vertrauen ist gut, Kontrolle sei besser? Aber der muss man auch erst mal vertrauen” (E. Blanck, deutscher Heilpraktiker, Schriftsteller und Maler)

“Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd” (Buffalo Bill) Konsequenzen nach dem AmokFlug 4U9525

Ausschlaggebend für die Tat ist nicht der Tatbestand der Depression, wie es die meisten Medien berichteten. Damit wurden und werden alle Menschen, die schon mal eine depressive Episode in ihrem Leben erleben mussten oder noch heute darunter leiden stigmatisiert. Ich finde es erschreckend und unglaublich, mit welchem Unwissen hier an die Sache herangegangen wurde und wird. Ein depressiver Mensch hat ein erhöhtes Suizidrisiko. Das heißt aber nicht, dass er auf eine solch spektakuläre Art und Weise 149 Menschen umbringt. Das dieser Pilot planmäßig vorging und davor jahrelang seinen anstrengenden Dienst diszipliniert ausführen konnte, zeigt auch, dass hier keine psychotische Störung vorliegt. Auch solchen Quatsch musste ich in der Berichterstattung lesen.

AmokFlug2

Ausschlaggebend für diese grausame Amoktat ist die psychschiche Krankheit: „Narzisstische Persönlichkeitsstörung“,

Im Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10, wird die narzisstische Persönlichkeitsstörung unter F60.8 („Sonstige spezifische Persönlichkeitsstörungen“) geführt. Im System der American Psychiatric Association, DSM-5, wird sie unter der Kennziffer 301.81 als selbstständiges Störungsbild geführt; sie ist dort auch deutlich weiter gefasst als in ICD-10 und umfasst neben dem klassischen, nach außen stark sichtbaren pathologischen Narzissmus auch weniger auffällige Formen der Störung, bei denen z. B. ein bipolares, zwischen schamvoller Zerknirschung und Grandiosität pendelndes Selbstwertgefühl mit schüchternem Auftreten verbunden sein kann.(Weiter Wikipedia in

https://de.wikipedia.org/wiki/Narzisstische_Pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rung)

Nächste Fehler wurden beim Trauergottesdienst im Dom gemacht. Hier wies der Kölner Kardinal Wölki mehrfach darauf hin, dass 150 Kerzen aufgestellt wurden, da der Pilot ja auch Opfer sei.Das darf man betroffenen Angehörigen nicht zumuten. So wie man einer vergewaltigten Frau ja auch nicht sagt, dass der Täter eigentlich auch Opfer war. Ebenso hat man für Saddam Hussein oder die Todespiloten vom 9/11 auch keine Kerzen aufgestellt. Die Menschen, vor allem die betroffenen, teils traumatisierten Angehörigen, müssen klar trennen können: in Opfer und Täter.

150 Kerzen2

Siehe hierzu auch meinen Beiträge:

150 Kerzen – Plädoyer für “Klare Kante”

Trauer oder Depression? Ein großer Unterschied! – Unnötig erschwerte Trauerprozesse nach dem Amokflug.“)

Weitere Fehler wurden gemacht, als sich die Rückführung der Leichenteile entgegen anderer Ankündigungen mehrfach verschob. M.E. war die Verzögerung bürokratisch bzw. juristisch begründet. Die nächsten Fehler macht jetzt die Lufthansa, in dem sie die Erstattungszahlungen überraschend niedrig ansetzt.

In Zukunft dürfen keine weiteren Fehler mehr begangen werden, damit eine Wiederholung und Nachahmung dieser grausamen Tat möglichst ausgeschlossen wird. Daher ist meine Forderung, dass Piloten nicht nur im Eignungsgespräch, sondern jährlich auch psychologisch untersucht werden. Das lässt sich durch geschulte Psychologen bewältigen. Hier verstehe ich auch nicht die unnötigen Diskussionen und Fehleinschätzungen, man könne psychische Erkrankungen nicht voraussehen. Natürlich ist das bedingt möglich. Mit der gleichen Wahrscheinlichkeit, wie Blutdruckschwankungen etwas über die Wahrscheinlichkeit eines möglichen Herzinfarktes oder eines Schlaganfalls sagen können. Merkwürdigerweise wird den zahlmäßig erfassbaren Körperwerten mehr Vertrauen entgegen gebracht.

AmokFlug 4U9525

Da höre ich z.B. in einem Fernsehbericht von einem sogenannten Luftfahrtexperten, dass die Psyche zu sehr schwanken würde und man deshalb keine Voraussagen treffen könnte. Was soll diese dilettantische Aussage? Wenn ich im Jahrescheck den Blutdruck als normal erfasst habe, dann kann er vorm Abflug des Piloten genauso nach oben ausreißen, wenn dieser sich z.B. am Morgen mit seiner Frau heftig gestritten hat. So wie wir den Verkehrspsychologen bei einer MPU, also dem sogenannten „Idiotentest“, auch vertrauen, dass sie eine Aussage machen können, ob der Fahrer sich noch einmal mit Alkohol ans Steuer setzt, so können wir auch entsprechend spezialisierten Psychologen vertrauen, die einen Piloten testen. Ich kann von mir behaupten, dass ich in einem einstündigen Gespräch herausfinden kann, ob mein Gegenüber Anzeichen einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung zeigt. Das heißt natürlich noch nicht, dass er eine Amoktat begehen würde. Das würde aber bedeuten, dass er daraufhin genauer ins Auge gefasst werden müsste. So wie ein Mediziner bei Auffälligkeiten in der Routineuntersuchung auch sagen würde, dass man vorsichtshalber mal ein MRT oder CT durchführen sollte.

AmokFlug1

Jetzt noch einmal zur aktuellen Situation der Opferentschädigung.

„Die Passagiere haben darauf vertraut, dass im Cockpit kein Mörder sitzt“, sagt Elmar Giemulla, der Anwalt der Germanwings-Hinterbliebenen. Die Lufthansa bietet an, pauschal 25.000,- Euro pro Absturzopfer zu zahlen, sowie 10.000,- Euro für die nächsten Angehörigen. Der Berliner Anwalt vertritt 35 Opferfamilien und beschreibt die Gefühlslage seiner Klienten wie folgt: „Die Angehörigen befinden sich seit dem Angebot in einer Gefühlslage aus Wut, Enttäuschung, Verzweiflung und Verbitterung.“ In seiner Berechnung beläuft sich die Schadensersatzleistung der Fluggesellschaft auf ca. 30 Millionen Euro. Die Versicherungen der Lufthansa haben allerdings 270 Millionen Euro zurückgestellt. Laut Giemulla entspricht das Lufthansa-Angebot gerade einmal 11 Prozent dieser Summe. Daher verlangt er eine deutlich höhere Entschädigungssumme für die betroffenen Familien.

Engelbert T., ein Vater der seine Tochter bei Flug 4U9525 verloren hat, kommentiert die angekündigten Entschädigungszahlungen der Lufthansa:

„Unsere Tochter wurde nur 33 Jahre alt. Sie war unser erstes Kind und kam als Frühchen auf diese Welt. Wir waren die stolzesten Eltern der Welt. Drei Jahre später wurde unsere zweite Tochter geboren. 33 Geburtstage durften wir mit Stefanie feiern. 33 wunderbare Weihnachten haben wir als Familie mit ihr erleben dürfen. Kein Weihnachten bisher ohne sie. Und viele, viele Gemeinsamkeiten.

Beim letzten Weihnachtsfest erzählte sie uns, dass dieses Jahr vielleicht das letzte Weihnachten bei uns sei, da sie das nächste Fest bei ihrem Verlobten feiern würde. Sie wollte zu ihm nach Österreich ziehen und dort als Lehrerin arbeiten und eine Familie gründen. Alles war schon geplant, die Versetzung eingereicht und Kontakt zu Schulen in Passau und Umgebung hergestellt. Unsere Tochter liebte das Leben …

… Viele wünschen uns immer wieder Kraft. Doch wir fragen uns immer wieder, woher wir die Kraft noch nehmen sollen. Wir die Angehörigen möchten eine lückenlose Aufklärung. Nichts darf dabei unversucht bleiben. Viele müssen von den Schwierigkeiten des Co-Piloten etwas mitbekommen haben, auch die Vorgesetzten, die Verantwortlichen bei Germanwings, die Ärztekammern, die Abrechnungsstellen, die verantwortlichen Flugärzte, die Eltern, die Freundin. Hier wurden mit Sicherheit Fürsorgepflichten verletzt oder sogar noch „Schlimmeres“. Das Flugzeug hätte auch auf Marseille abstürzen können. Die Gefahr von Nachahmungstätern oder Terroristen ist auch sehr groß.

AmokFlug2

Wir sind maßlos enttäuscht vom Entschädigungsangebot der Lufthansa. Es kommt auch starke Wut auf. Ich finde es blamabel, wie sich die Lufthansa aus ihrer Verantwortung ziehen will. Unsere Tochter kommt zwar nicht zurück. Doch ihr sinnloser Tod muss gesühnt werden.“ (Engelbert T. im Interview der BamS, 05.07.2015)

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