Sich selbst zu (er)finden, verleiht Flügel. – Mal hast Du einen Lauf … mal hast Du Scheiße am Schuh. Entscheidend ist die Psyche. – Das gilt nicht nur im Fußball, der Bundesliga oder der Champions-League. – Das gilt auch in Deinem Alltag.

Wir sollten dafür sorgen, im guten Kontakt mit uns selbst zu sein und fliegen grundsätzlich für möglich zu halten.

Im Bild des Fußballs lässt sich viel veranschaulichen. Hier können auch NichtBallInteressierte etwas lernen. – Der Ball rollt manchmal komisch. Nehmen wir mal Borussia Mönchengladbach: Ligadritter in der letzten Saison und Champions-League-Debütant gewinnt auf einmal kein Spiel mehr und ist heute auf dem letzten Platz der Liga. In der letzten Saison ist es der anderen Borussia ähnlich ergangen. – „Meine Mannschaft“, der 1. FC-Köln ist dagegen gut in die neue Saison gestartet. Aber auf einmal verlieren sie gegen Eintracht Frankfurt 6:2. Köln hat eigentlich in letzter Zeit eine recht solide Abwehr. Wieso kassieren wir auf einmal 4 Tore in 30 Minuten? Der FC-Coach Peter Stöger meint: „Frankfurt hat Fehlerquellen bei uns gefunden“. Dann lese ich in den Medien, dass Marcel Daum, der Sohn von Christoph Daum, als Video-Analyst die Schwächen des FC erkannt und die Eintracht in der Halbzeit entsprechend informiert habe. Ehrlich gesagt, halte ich das für Quatsch!

Aufbau des Egos – Abbau des Egos

Nach meiner Einschätzung ist nicht die Analyse des Gegners entscheidend für den Sieg einer Mannschaft. Ich denke, wenn es einer Mannschaft gelingt ein unverhofftes, möglichst frühes Tor zu schießen, dann kann das verschiedene Konsequenzen haben. Der Torschütze und seine Mannschaft werden selbstbewusster. Die beschossene Mannschaft kann darauf zunächst irritiert reagieren und dann schnell zunehmend unsicherer werden. Auf der einen Seite baut sich ein Ego auf, auf der anderen Seite kann sich das Gefühl der Selbstwirksamkeit abbauen.

Häufig geht der Auftakt auch von einem Einzelnen aus. Bei Eintracht Frankfurt war das Alex Meier. Er kehrte nach monatelanger Pause in diesem Spiel in die Startelf der Frankfurter zurück. Ihm gelang nach nur 4 Minuten das erste Tor. Im weiteren Verlauf schoss er insgesamt 3 Tore. Er hatte einen Lauf. Ist das der Fall, gelingt auf einmal so gut wie alles. Der Funke sprang rasch auf die gesamte Hessen-Mannschaft über, so dass es nur 11 Minuten brauchte, bis der Ball wieder im Kölner Netzt zappelte. Die Kölner kämpften bis zum Schluss, schossen auch 2 Tore, aber viele Dinge, die sonst gelangen klappten nicht mehr.

Deutschland im 7-auf-einen-Streich-Rausch : Brasilien in der Schockstarre

Noch eindrucksvoller war das Spiel unserer Deutschen Nationalmannschaft bei der letzten WM 2014 gegen die Brasilianer. Als bis dahin höchste Niederlage im Halbfinale einer Fußballweltmeisterschaft erhielt es in Brasilien den Beinamen Mineiraco, sinngemäß etwa „Schock von Mineirão“. Deutschland hatte bis dahin in 21 Länderspielen nur viermal gegen Brasilien gewonnen.

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Brasilien begann zunächst sehr druckvoll und drängte die deutsche Mannschaft durch aggressives Pressing in den Strafraum. Bereits nach zwei Minuten hatten sie die erste Torchance. Der DFB-Elf gelang es diese anfängliche Druckphase torlos zu überstehen. Dann gelang Thomas Müller in der 11. Minute der Führungstreffer. Brasilien intensivierte daraufhin ihre Offensivbemühungen. Aber der Schreck des ersten Tores führte beim fünffachen Weltmeister zu zahlreichen Fehlpässen und überhasteten Abschlüssen. Als Klose in der 23 Minute das 0:2 gelang, brachen die brasilianischen Profis förmlich in sich zusammen. Die deutschen Spieler kamen hingegen in einen unglaublichen, rauschhaften Lauf. Innerhalb der nächsten sechs Minuten gelangen ihnen so drei weitere Tore. In der zweiten Halbzeit kam Schürle für Klose. Er war kaum auf den Platz, schon schoss er zwei weitere Tore. Brasilien gelang erst in der Schlussminute das erste und einzige südamerikanische Tor.

Erbsenzähler und Spielstatistiken sind etwas für zahlengläubige Langweiler. Wirklich erklären können sie nix.

Natürlich kann man im Nachhinein hier Vieles analysieren. Aber was sagen die ganzen Spielstatistiken wirklich aus? Die Zahlengläubigkeit ist immer noch recht hoch in Deutschland, aber eigentlich eher irreführend als erhellend. Nicht nur beim Fußball. Dieses Spiel wurde wie viele andere Partien psychisch entschieden. Das Selbstbewusstsein eines oder mehrerer Spieler überträgt sich nach und nach auf die Mannschaft. Hier entwickelt sich so etwas wie die Gestalt der Überlegenheit. Gelingt der anderen Mannschaft ein selbstbewusstes Gegenhalten, kann das Spiel spannend werden. Baut aber eine Mannschaft, häufig nach einem unverhofft kassierten Tor, im Selbstbewusstsein ab. Dann „klebt auf einmal Scheiße am Schuh“. Den einen gelingt nichts mehr, den anderen zunehmend alles.

In diesen Verläufen sind starke Persönlichkeiten gefragt. Beim Fußball nennt man sie „Führungsspieler“. Solche Dynamiken gibt es nicht nur im Sport. Es gibt sie auch in der Politik, Forschung, Musik und vielen sozialen Kontexten. Schon in der David-Goliath-Geschichte konnte nicht der Stärkere, sondern der Entschlossenere gewinnen.

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David gewinnt gegen Goliath, weil er „einen Lauf“ hat.

In einer entscheidenden Schlacht standen sich die Philister und die Israeliten gegenüber. Aus den Reihen der Philister trat der Riese Goliath hervor. Dieser forderte die Israeliten auf, einen ihrer Männer zu schicken, der gegen ihn kämpfen sollte. Wenn dieser gewinnt, wollten die Philister in den Dienst der Israeliten treten, siegt aber Goliath, so sollen die Israeliten ihre Knechte werden. Jeder wer den Riesen sah, ergriff die Flucht.

Der israelische König Saul versprach demjenigen, der Goliath besiegt, unendlichen Reichtum und die Hand seiner Tochter. Der junge David erklärte sich dazu bereit gegen den Philister anzutreten. Ohne ein Schwertging er auf den Riesen zu. Nur mit einem Sack voll Steine bewaffnet. Mit der Steinschleuder schoss er den Stein genau auf die Stirn Goliaths, so dass dieser tot zu Boden fiel. Als die Philister sahen, dass ihr Stärkster gefallen war, wollten sie vor den Israeliten fliehen. Doch diese kannten keine Gnade. Sie töteten die meisten ihrer Gegner und plünderten deren Lager.

Fußballtrainer können Davide aufbauen

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Die Dortmunder sind mit ihrem neuen Trainer Thomas Tuchel wieder in den Lauf gekommen. Im siebten Jahr des charismatischen Trainers Klopp, ereignete sich in seiner Psyche offenbar eine Veränderung. Über einige Jahre hat er junge, verhältnismäßig unbekannte Männer zu Daviden aufgebaut. Für den Erfolg des BVB war nicht das Geld, sondern das Charisma des Jürgen Klopps verantwortlich. Er formte eine selbstbewusste und spielfreudige Siegertruppe. Während die Bayern viel Geld investierten, um sich die besten Spieler zu kaufen, baute Kloppo in Dortmund wenig bekannte Spieler psychologisch auf. So holten sie sich auch folgerichtig 2012 das Double, indem sie die Bayern in Berlin wegputzten.

BVB-Gala im Pokalfinale gegen Bayern: Mia san Dortmund!

„Welch ein Spektakel! Borussia Dortmund hat den FC Bayern im Pokalfinale gedemütigt und erstmals das Double perfekt gemacht. Überragender Mann war Robert Lewandowski, der drei Tore schoss. Für die Bayern war es die fünfte Pleite gegen den BVB in Serie.

Die Kräfteverhältnisse im deutschen Fußball geraten ins Wanken: In beeindruckender Manier hat Borussia Dortmund das DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern 5:2 (3:1) gewonnen und das Double perfekt gemacht. Vor allem aber hat der BVB den Rekordmeister ein weiteres Mal gedemütigt, ihn zum fünften Mal in Serie besiegt.

Shinji Kagawa (3. Minute) hatte den BVB früh in Führung gebracht, Arjen Robben (25.) glich wenig später per Elfmeter aus. Noch vor der Pause entschied Dortmund die Partie mit einem Doppelschlag durch Mats Hummels (41./Elfmeter) und Robert Lewandowski (45+1.). Nach dem Seitenwechsel traf der polnische Stürmer noch zweimal (58./81.), zwischenzeitlich hatte Franck Ribéry (75.) verkürzt.“ (Spiegel Online, Nils Lehnebach)

Dortmund's striker Marco Reus celebrates scoring during the German first division Bundesliga football match Borussia Dortmund vs Borussia Moenchengladbach in Dortmund, western Germany, on August 15, 2015.  AFP PHOTO / PATRIK STOLLARZ RESTRICTIONS: DURING MATCH TIME: DFL RULES TO LIMIT THE ONLINE USAGE TO 15 PICTURES PER MATCH AND FORBID IMAGE SEQUENCES TO SIMULATE VIDEO.  == RESTRICTED TO EDITORIAL USE == FOR FURTHER QUERIES PLEASE CONTACT DFL DIRECTLY AT + 49 69 650050.

Fazit: Sich selbst zu (er)finden, verleiht Flügel.

Geld schießt Gott sei Dank keine Tore. Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten. Emotionale, teils unbewusste Kräfte sind entscheidend. So wie im Zusammenspiel von Psyche und Alltag

Wir sollten dafür sorgen, im guten Kontakt mit uns selbst zu sein und fliegen grundsätzlich für möglich zu halten.

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Dipl.-Psych. Hans Wolter (www.HansWolter.com)

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