Frauen sind anders. Männer auch. – Auch in der Körperwahrnehmung. – Von dicken Tränen, Heidi Klum, Germany’s next Topmodel und dem Triumphgefühl der Magersucht. – (WehrWolter – ww 66 – Hans Wolter)

Der Körper wird der Scharfrichter der Seele (Jean Paul)

Am Wochenende hab ich mich satt ins Fettnäpfchen gesetzt. Während eines Geburtstagsessens witzelte ich immer mit meiner, bis dahin unbekannten, Tischnachbarin, dass wir uns nicht zu viel am Buffet holen, damit wir noch am jeweils anderen vorbei kommen. Vielleicht lag es auch etwas am guten Rotwein, dass ich in meiner humorigen Art, zur fortgeschrittenen Stunde, zu ihr lachend sagte: „oh, da kommt ja wieder die dicke Sauerländerin“. Die Frau war schlank, sympathisch und … geschockt. Auf der Tanzfläche belehrte mich meine Frau, dass ich so etwas einer Frau nie, nie sagen könnte. Okay! Ich bin kein Freund des Kategorischen, glaube auch dass es einen Unterschied macht, ob sich das in einer Beziehung entwickelt oder hinten rum passiert, aber irgendwo scheint sie richtig zu liegen.

Beide sind eitel. Aber anders eitel. – Beide streben Autonomie und Macht an. Aber anders

Das muss ein extra Kapitel in meinem MännerFrauenBuch bekommen. Frauen sind anders. Männer auch. – Z.B. in der Körperwahrnehmung. Beide sind eitel. Aber anders eitel. Frauen nehmen meist ihren Körper wesentlich deutlicher wahr und können hier auch recht streng mit sich sein. Männer auch. Aber anders. Dass Frauen irgendwie bewusster in ihrem Körper stecken, schützt sie allerdings nicht davor, dass sie Probleme auf ihren Körper verschieben. Unbewusst. Fühlt sich eine Frau z.B. in einer sozialen Situation nicht wohl, kann sie es auf ihren Körper projizieren. Daher ist der Anteil der Essstörungen, als Ausdruck psychischen Unwohlseins, bei Frauen deutlich höher als bei Männern. Bei Männern überwiegen auf der anderen Seite z.B. die harten Suizide. Männer haben auch statistisch eine geringere Lebenserwartung.

„Realitätsprüfung: du kannst nie und nimmer das Abnehmen zum Lösen von Problemen benutzen, die nichts mit deinem Gewicht zu tun haben. Egal ob du dein Wunschgewicht erreicht hast oder nicht, du musst immer noch mit dir selbst zurechtkommen und dich mit deinen Problemen auseinandersetzen. Du wirst immer noch den gleichen Ehemann, den gleichen Job, die gleichen Kinder und das gleiche Leben haben. Gewicht zu verlieren ist nicht die Heilung für dein Leben.“

(Philipp C. McGraw)

 

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„Reality check: you can never, ever, use weight loss to solve problems that are not related to your weight. At your goal weight or not, you still have to live with yourself and deal with your problems. You will still have the same husband, the same job, the same kids, and the same life. Losing weight is not a cure for life.“ – Philipp C. McGraw

An Magersucht – Anorexia Nervosa leidende Frauen haben keinen Appetitmangel. Sie bekämpfen vielmehr ihren (natürlichen) Hunger.

Das Phänomen der hungernden Frauen ist nicht neu. Es war schon im Mittelalter bekannt. Anorexia mirabilis, die seltsame Appetitlosigkeit, trat bei jungen Frauen auf, die aus religiösen Gründen fasteten. Nicht wenige wurden als Heilige verehrt, die bekannteste von ihnen ist Katharina von Siena. Trotz vieler Parallelen zum gegenwärtigen Bild der Magersucht, existieren grundlegende Unterschiede. Die Asketin im Mittelalter strebte danach, im Sinne eines religiösen Ideals, durch Fasten die Schönheit der Seele zu vervollkommnen. Die Anorektikerin des 21. Jahrhunderts strebt eher nach einer Vollkommenheit des Körpers im Sinne eines gesellschaftlichen Schönheitsideals.

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Anorexia nervosa ist als Krankheitsbild erstmals bereits 1873 beschrieben worden. Als häufigere Diagnose taucht sie aber erst seit den siebziger Jahren auf. Es kann aber wohl nicht eindeutig gesagt werden, ob die Krankheit heutzutage tatsächlich häufiger auftritt, oder ob die gestiegene Aufmerksamkeit dazu führt, dass die Krankheit häufiger diagnostiziert wird. Anorexie übersetzt man mit „Appetitverlust oder -verminderung“. Das ist irreführend, da nicht der Appetit, sondern in erster Linie das Essverhalten gestört ist. Der Zusatz „nervosa“ weist darauf hin, dass die Ursachen in der Psyche zu suchen sind.

An dieser Störung leidende Frauen haben keinen Appetitmangel. Sie bekämpfen vielmehr ihren (natürlichen) Hunger. Die betroffenen Frauen weigern sich, ein altersentsprechendes Normalgewicht zu halten. Leitmotive sind hier: der Wunsch nach extremer Schlankheit und Selbstbestimmung. Da der Autonomiewunsch hier so zentral wichtig ist, werden auch alle Versuche der Umwelt hierauf einzuwirken, als unzulässige Einflussnahme abgewehrt. Vor allem die Mütter sind hier machtlos, da die jungen Frauen ja gerade gegenüber ihnen autonom werden wollen.

Eine Befragung von 800 Frauen im Alter von 18 bis 65 Jahren durch Tracy Tylka (2011) ergab, dass die Haltung von Frauen zum eigenen Körper allerdings nur bedingt von ihrer eigenen Wahrnehmung abhängt. Sie messen sich vielmehr selber daran, wie das Urteil von Freunden und Bekannten aus ihrem Umfeld ist. Hier schauen sie zuerst, ob andere ihren Körper akzeptieren, um dann zu bestimmen, ob sie ihn selbst auch schätzen.

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Essstörungen sind komplex. Anorexie lässt sich von der Bulimie, ist im Einzelfall nicht immer klar unterscheiden. Der Übergang ist fließend. Anorexie zeichnet sich durch starken Gewichtsverlust aus, Bulimie durch das Auftreten von Essanfällen und Maßnahmen zur Gewichtsreduktion z.B. Erbrechen. Bei vielen Patientinnen tritt eine Mischung von Symptomen auf.

Die Angst vor dem Essen, gekoppelt an eine panikartige Furcht vor Gewichtszunahme ist das zentrale Merkmal magersüchtiger Mädchen und Frauen. Nicht die Appetitlosigkeit. Auslöser dieser Essstörung sind häufig in der Pubertät zu finden. Die Körperveränderung des jungen Mädchens, hin zu weiblicheren Formen, kann zu massiver innere Verunsicherung, Zweifel und zu Ängsten führen. Dies macht die junge Frau häufig an ihrer äußeren Erscheinung und ihrem Gewicht fest. Die Mädchen beginnen an ihrem Körper zu leiden. Sie fühlen sich, selbst bei bedrohlichem Untergewicht, zu dick. Daher nehmen sie häufig nur minimalste Mengen an kalorienreichen Nahrungsmitteln wahr.

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Der ausgeprägte Wille zu HERRSCHEN.

Über ihren Körper und die anderen Frauen.

Hierbei kommt es bei den magersüchtigen Mädchen und Frauen zu einem grandiosen Überlegenheitsgefühl gegenüber ihren Geschlechtsgenossinnen. Sie sind regelrecht von einem asketischen Stolz erfüllt. Dieses narzisstische Hochgefühl geht oft einher mit einem starken Ehrgeiz und einer erstaunlichen Leistungsfähigkeit in Schule, Beruf oder Sport. Körpersignale wie Hunger, Müdigkeit oder Kälteempfinden werden hierbei einfach überfahren oder fehlgedeutet. Die Sehnsucht nach Zuwendung und Geborgenheit wird unterdrückt. Anorektischen Frauen fällt es schwer, ihre Symptomatik als Krankheit anzuerkennen.

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Magersucht kann bei Extremisierung auch in Fressanfälle umkippen. Diese werden dann durch künstlich herbeigeführtes Erbrechen, Abführmittel oder durch Einläufe bekämpft.

Das führt dann zur sogenannten Bulimanorexie .

Preis für dieses grandiose Gefühl der Überlegenheit sind massive körperliche Folgeerscheinungen wie: Ausbleiben der Menstruationsblutung Chronische Verstopfung Niedrige Pulsfrequenz Niedrige Körpertemperatur Stoffwechselstörungen.

Das Mädchen, an der Schwelle zur Frau, versucht in eine scheinbar heile Kinderwelt zurückzukehren. – Psychoanalytische (triebtheoretische) Erklärung.

Die Psychoanalyse sieht in der Magersucht eine Form von Abwehr sexueller Wünsche. Es ist der Versuch die psychosexuelle Entwicklungskrisen in der Pubertät zu beenden. Damit versucht das Mädchen, an der Schwelle zur Frau, in eine scheinbar heile Kinderwelt zurückzukehren. Der Körper wird um seine sekundären Geschlechtsmerkmale beraubt. Damit gelingt es die sexuelle Signalwirkung des Körpers zu reduzieren. Auch das Ausbleiben der Monatsblutung stützt diese These. Magersüchtige nehmen sexuelle Regungen häufig nicht oder angstbesetzt wahr.

Körpergewicht als Indikator für Selbstwertgefühl

Vielen Mädchen und Frauen scheint es ein Gefühl der Sicherheit zu geben, wenn sie Kontrolle über ihr Körpergewicht ausüben können. Körpergewicht wird zur wichtigen Quelle des weiblichen Selbstwertgefühls. In anorektischen Familien stellt man oft bestimmte Verhaltensmuster fest. So werden die Mädchen oft von ihren Eltern stark behütet. Also wird auch hier nicht angemessen auf die Entwicklung des Kindes zur Frau reagiert wird. Dazu kommt, dass in diesen Familien auffällig häufig bestimmte Konflikte nicht angesprochen werden.

Man könnte dieses Thema noch weiter anfüttern, bzw. ausführen.

Ich mach jetzt einfach mal einen Punkt. In meinem Buch werde ich das weiter ausführen. Natürlich werde ich hier auch auf die männliche Seite deutlich eingehen. Die ist nämlich: nicht dick, aber anders.

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Nachspiel:

Wie häufig kommen Essstörungen vor?

Erkrankungshäufigkeit (12-Monats-Prävalenzen)

Magersucht

Nach der repräsentativen Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) leiden 1,1 % der Frauen und 0,3 % der Männer unter Magersucht. (Jacobi et al., 2013)

Bei Jüngeren gibt es keine repräsentativen Daten zu Deutschland. In einer entsprechenden amerikanischen Studie wurde eine Krankheitshäufigkeit für Magersucht von 0,1 % für Mädchen und 0,2 % für Jungen zwischen 13 und 18 Jahren ermittelt (Swanson et al., 2011).

Bulimie

Nach der repräsentativen Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) leiden 0,3 % der Frauen und 0,1 % der Männer unter Bulimie. Bei Jüngeren gibt es keine repräsentativen Daten zu Deutschland (Jacobi et al., 2013).

In einer entsprechenden amerikanischen Studie wurde eine Krankheitshäufigkeit für Bulimie von 0,9 % für Mädchen und 0,3 % für Jungen zwischen 13 und 18 Jahren ermittelt (Swanson et al., 2011).

Binge-Eating-Störung

Nach der repräsentativen Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) leiden 0,1 % der Frauen und 0,1 % der Männer unter einer Binge-Eating-Störung. Bei Jüngeren gibt es keine repräsentativen Daten zu Deutschland (Jacobi et al., 2013).

In einer entsprechenden amerikanischen Studie wurde eine Krankheitshäufigkeit für die Binge-Eating-Störung von 1,4 % für Mädchen und 0,4 % für Jungen zwischen 13 und 18 Jahren ermittelt (Swanson et al., 2011).

Essstörungen

Nach der repräsentativen Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) leiden 1,5 % der Frauen und 0,5 % der Männer unter einer drei Hauptformen von Essstörungen (Jacobi et al., 2013).

In der Altersgruppe der 13- bis 18-Jährigen sind Essstörungen am häufigsten (Mädchen 2,4 %, Jungen 0,9 %). Hinzu kommt ungefähr die doppelte Zahl von Frauen/Mädchen und Männern/Jungen mit Essstörungen, die nicht eindeutig einer der Hauptformen zugeordnet werden können (Swanson et al., 2011).

Behandlungszahlen

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes befanden sich im Jahr 2012 11 491 Patientinnen und Patienten in vollstationärer Behandlung wegen Essstörungen. Zwischen den Jahren 2000 und 2012 sind die diagnostizierten Fälle von Magersucht von 5 363 auf 6 995 gestiegen, während im selben Zeitraum die diagnostizierten Fälle von Bulimie von 2 726 auf 2 332 gesunken sind (Statistisches Bundesamt, 2014, Anzahl …).

Todesfälle wegen Essstörungen

Zwischen 1998 und 2012 starben in Deutschland pro Jahr zwischen 33 und 100 Menschen an Essstörungen, ca. 90 % davon waren Frauen (Statistisches Bundesamt, 2014, Todesfälle …).

Auffälligkeiten bei vielen

Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert Koch-Instituts zeigte: Bei etwa einem Fünftel aller 11- bis 17-Jährigen in Deutschland liegt ein Verdacht auf eine Essstörung vor. Bei den jüngsten Befragten ist der Anteil von auffälligen Jungen und Mädchen etwa gleich hoch. Mit zunehmendem Alter nimmt jedoch der Anteil der auffälligen Mädchen zu, der der Jungen ab. Bei jedem dritten Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren gibt es Hinweise auf eine Essstörung, bei den Jungen sind 13,5 Prozent auffällig. Einzelne Formen der Essstörung wurden im Rahmen von KiGGS nicht erfasst. Weitere Informationen zur KiGGS-Studie finden Sie undefinedhier (öffnet PDF 441 KB)

Quellen

 

Weiterlesen?

 

 

 

 

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1 Kommentar

  1. Sehr interessant!
    Die Selbstwahrnehmung ist tatsächlich stark vom Umfeld abhängig, vor allem bei Jugendlichen…
    Dazu kommt, dass man, wenn man eine Zeit lang kaum isst, direkt einen Ekel entwickelt gegen den grauslichen Brei, der sich beim Kauen im Mund bildet – damit verstärkt sich die Appetitlosigkeit. ..
    Und ja, Hans, es ist immer schlimm, wenn sich jemand ungut über „Dicke“ äußert.
    Ich hatte mal einen Freund, der einen bekannten Snooker Spieler „Schweinchen“ nannte.
    Mit der Freundschaft wars dann bald vorbei.
    Ich bin aber nicht kategorisch, jener Freund zeigte auch in anderen Belangen, dass er Menschen vorwiegend nach Äußerlichkeiten beurteilt.
    Liebe Grüße!
    Karoline

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