Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? Warum ist Köln mutiger gegenüber Fremdem, trotzt Hogesa, Kögida & Fremdenhass, als die Pegida Angstbeisser aus Dresden? – Angela Merkel hat Recht mit ihrer Deeskalation gegen die German Angst. – Wir schaffen das!

Angst vorm Fremden. Köln und Dresden belegen zwei unterschiedliche Pole auf der Angst-Skala. In Eine Woche nach der Hetz-Rede von Autor Akif Pirincci sind in Dresden erneut wieder ca. 10.000 fremdenfeindliche „Pegida“-Anhänger auf die Straße gegangen. 1.000 Gegendemonstranten gab es. In Köln ist das Klima diametral unterschiedlich. Hier brachte „Hogesa“ am Sonntag 1.000 Menschen auf die Straße, denen 20.000 Gegendemonstranten gegenüber standen. „Kögida“ sagte daraufhin erneut seine geplante Veranstaltung ab.

West- und Ost-Deutschland haben eine deutlich unterschiedliche Sozialisierung im letzten Jahrhundert gelebt.

Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen dem äußersten Westen unserer Bundesrepublik, dem selbstbewussten und beweglichen Rheinland und dem äußersten Osten, dem unbeweglich ängstlichen Dresden. Ich möchte nicht polarisieren, aber allein die Zahlen sprechen schon eine deutliche Sprache. Für mich erklärt sich das durch den Unterschied an Freiheitserfahrung der beiden Regionen. Im Osten lebten die Menschen in einer fast 60jährigen Diktatur. Im Nationalsozialismus, sowie dem real existierenden Sozialismus im DDR-System, sind die Angst vorm Fremden fester Bestandteil der Ideologie gewesen. Seit Machtergreifung der Nazis bis zum Mauerfall sind die Menschen in den östlichen Bundesländern Deutschlands einem totalitären und sehr eng denkendem Regime ausgesetzt gewesen. Das hinterlässt natürlich Spuren. Sicher nicht bei allen.

Bundeskanzlerin Merkel beweist zunehmend Führungsqualitäten und den Blick für das Wesentliche

Unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel ist ja das beste Gegenbeispiel. Auch wenn ich nie ein großer Sympathisant von ihr war und mich vor allen Dingen ihre zu schwammige Haltung gegenüber der USA in Sachen NSA und TTIP stört, ich bewundere derzeit zwei Entschiedenheiten bei ihr. Das eine ist der entschiedene Ausstieg aus der Atomkraft, seit der nuklearen Katastrophe in Japan. Ihre Klarheit in der Entscheidung ist für eine CDU-Chefin schon sehr bemerkenswert, da es gegen eine große Wirtschaftslobby gewandt ist. Der zweite Punkt ist ihre zutiefst menschlich anmutende Aussage: „Wir schaffen das!“, die sie konsequent vertritt. Die Klarheit in diesen beiden existenziell wichtigen Punkten scheint ihr wichtiger zu sein, als ein Sinken ihres Beliebtheitswertes im Land. Auch einem großen Gegenwind in der eigenen Partei oder ihrer Regierungskoalition trotzt sie standhaft. Na ja, sie ist ja erst zur Leaderin geworden, weil sie es sich getraut hat, den damaligen sehr machtvollen Helmut Kohl zu kippen.

FlüchtlingePegida2

In den sozialen Medien lese ich kopfschüttelnd sehr viele offene Diffamierungen gegenüber Angela Merkel. Vor einigen Tagen habe ich noch einmal einen Beitrag zum Germanwings-Amokflug veröffentlicht. Darauf reagierte z.B. ein älterer Mann auf Facebook mit seinem Klarnamen: „schade, dass Angela Merkel nicht in diesem Flieger saß.“

Vor der gestrigen Pegida-Kundgebung in Dresden warnte die Bundeskanzlerin vor Hass und einem Auseinanderbrechen der Gesellschaft.

„Der Theaterplatz ist voll“ – Tausende Anhänger der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung machen Sachsen zu einer Hochburg der Proteste gegen die Asylpolitik.

Die Tagesschau berichtet von der gestrigen Pegida-Kundgebung mit folgenden Worten:

„Das fremdenfeindliche „Pegida“-Bündnis hat in Dresden erneut Tausende Menschen mobilisiert. Nach einer ersten Schätzung der Studentengruppe „Durchgezählt“ versammelten sich am Abend etwa 10.000 bis 12.000 „Pegida“-Anhänger in der sächsischen Hauptstadt. Auch Gegendemonstranten waren auf der Straße – allerdings kaum mehr als etwa 1300, so die Schätzungen.

Zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Blick auf die jüngsten Anti-Asyl-Demonstrationen von „Pegida“ und AfD vor Hass und Vorurteilen gewarnt. „Hass wird uns nicht voranbringen“, sagte sie beim sogenannten Bürgerdialog in Nürnberg. „Wir müssen alles daran setzen, die Mitte, die Deutschland so stark macht und die auch tolerant ist, möglichst breit zu erhalten.“

„Das muss auf den Tisch“, sagt die Kanzlerin

Merkel rief dazu auf, keine Vorurteile aufkommen zu lassen, sondern sich in Begegnungen selbst ein Bild von der anderen Seite zu machen. „Was mir im Augenblick am meisten Sorgen macht, ist, dass es sehr viel Unbekanntes gibt.“ Diejenigen, die nach Deutschland kämen, „kennen uns nicht“, umgekehrt würden die Deutschen aber auch die Flüchtlinge nicht kennen. Deshalb plädiere sie für möglichst viel Begegnung, beispielweise in Praktika, sagte Merkel.

Die Kanzlerin betonte zugleich, es sei wichtig, über die Sorgen im Zusammenhang mit der Zahl von Flüchtlingen zu sprechen: „Das muss auf den Tisch.“ Sie räumte ein, dass die Aufnahme der Flüchtlinge nicht so geordnet ablaufe, wie die Bundesregierung es eigentlich wolle.

Pegida4

Vor einer Woche hatten in Dresden zum ersten „Jahrestag“ von Pegida rund 20.000 Islamgegner demonstriert. Dabei sorgte der deutsch-türkische Autor Akif Pirincci mit einer Hetz-Rede für einen Eklat. Unter anderem sagte Pinrincci, „die KZs sind ja leider außer Betrieb““(Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/dresden-pegida-101.html)

Weitere Pressestimmen: „Die Aussagen der Teilnehmer, die n-tv vor Ort zu hören bekam, sprechen eine eigene Sprache. So sagte ein Mann etwa, die Flüchtlinge hätten kein Recht, nach Deutschland zu kommen. Sie sollten vielmehr den Mut aufbringen, ihr Land zu verteidigen, anstatt hier vom Staat zu leben. Diese Aussage vor der Kamera zu wiederholen, traute er sich jedoch nicht.

Kritik an der Regierung

Viele Teilnehmer verglichen die Flüchtlingskrise auch mit der Wiedervereinigung – allerdings mit einer Einschränkung: Damals sei zusammengewachsen, was zusammengehört. In der aktuellen Lage sei dies aber nicht der Fall. Allgegenwärtig ist die Kritik an der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, die Deutschland nach Ansicht der Teilnehmer in den Ruin treibe. Auch die Aussage, dass die Bundesregierung eine Diktatur sei, fiel häufiger seitens der Teilnehmer.

FlüchtlingePegida3

Bis zu 1300 Gegendemonstranten protestierten gegen die selbst ernannten „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Nach Angaben der Polizei, die seit längerem keine Teilnehmerzahlen zu den Demonstrationen mehr bekanntgibt, blieb es im Unterschied zur vergangenen Woche in Dresden ruhig. Unklar ist bisher, ob drei brennende Autos ein paar hundert Meter vom Pegida-Versammlungsort mit dem Geschehen in Verbindung stehen.

In Chemnitz versammelten sich wenige Hundert Anhänger des Pegida-Ablegers Cegida und etwa 120 Gegendemonstranten. Hier blieb es friedlich. In Leipzig dagegen kam es am Rande der Legida-Kundgebung zu Gewalt. Laut Polizei wurden vier Legida-Anhänger von Vermummten angegriffen, zwei Personen aus dem Legida-Lager erlitten Verletzungen.

Vor einer Woche waren zum ersten Jahrestag von Pegida bis zu 20.000 Pegida-Anhänger in Dresden auf die Straße gegangen. Ihnen stand eine etwa gleichgroße Menge an Gegendemonstranten gegenüber. Am Rande kam es zu Ausschreitungen.“

(Quelle: n-tv.de , fma/dpa)

Hogesa Gegendemo3

Ganz anders geht Köln mit dem Phänomen des Rechtsextremismus um. Hier gibt es eine lange Tradition gegen rechtes Gesinnungsgut. Das fing schon mit der Widerstandsgruppe der Edelweißpiraten in den 30er Jahren an. Heute ist der Widerstand auch fest in der kreativ-musischen Szene Kölns verankert. Initiativen wie „Arsch huh – Zäng ussenander“ oder „Birlikte“, sorgen dafür, dass die Beschränkungen des rechten Gedankengutes sinnlich erfahrbar werden. Schon der Kölner Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll fand richtige Worte gegen den braunen Sumpf. BAP-Chef Wolfgang Niedecken, Gründer und Kopf der Arsch-hu-Bewegung ging mit zahlreichen Texten und Liedern gegen die primitiven Radikalisierungen und den Fremdenhass an.

Nachfolgend ein Beitrag von Kevin Hagen von der Spiegel-Online-Redaktion.

Widerstand gegen Rechtsextreme: Köln trotzt Hogesa

Tausende Gegendemonstranten und ein Großaufgebot der Polizei: Die Rechten von Hogesa bekamen in Köln kaum eine Chance, den Jahrestag ihrer Krawalle zu feiern. Selbst der Hooligan-Anführer war von seinen Leuten enttäuscht.

Nach ein paar Stunden fliegen Flaschen, dann Steine, Fäuste. Grölende Männer rütteln so lange an einem Polizeibus, bis er umkippt. Die Horde jagt durch die Straßen, fast 50 Beamten werden verletzt, Geschäfte geplündert. Sachschaden: 40.000 Euro.

Rund 4500 Hooligans sind aus ganz Deutschland gekommen, sie wollen gegen radikale Moslems demonstrieren, wie sie sagen. Sie nennen sich Hogesa – Hooligans gegen Salafisten. Köln erlebt an jenem 26. Oktober 2014 schwarze Stunden brauner Gewalt.

Für die Rechten sind es Feststunden.

Sonntag, fast genau ein Jahr später. Wieder haben sich Hooligans angekündigt, der Name diesmal: Köln 2.0. Die Stadt ist alarmiert. Offiziell lautet das Ziel: Man will die Krawallkundgebung von 2014 noch einmal feiern, „friedlich und gewaltfrei“, mit einem „geilen Bühnenprogramm“.

„Wir sind wieder da! Wir sind die Macht“, brüllt Dominik Roeseler in sein Mikrofon. Roeseler hat die Kundgebung angemeldet. Einen Arm reißt er in die Luft – es soll eine Geste des Triumphes sein. Doch von Triumph kann keine Rede sein.

Die Polizei wird am Ende von „einigen Hundert“ Teilnehmern sprechen. Gemessen am vergangenen Jahr ist es eine müde Truppe.

Nach und nach trudeln die Hogesa-Demonstranten ein, auf dem viel zu großen Barmer Platz hinter dem Bahnhof im rechtsrheinischen Köln-Deutz ein. Der Boden ist vom Regen aufgeweicht, am Himmel hängen dicke, graue Wolken, im Hintergrund: die Bahnbrücke, Firmengebäude.

Der übliche Mix aus Skinheads, Hooligans, Rechtsextremen

Eigentlich wollten die Rechten wieder vom Kölner Hauptbahnhof aus am Dom vorbei durch die Innenstadt ziehen. Am Ende entschieden die Gerichte – für Köln 2.0 gab es nur eine Genehmigung als Standkundgebung, abseits des Zentrums.

Hogesa Gegendemo2

Nach der Kundgebung in Deutz sollte in der Innenstadt eine Veranstaltung des Pegida-Ablegers „Kögida“ stattfinden. Roeseler und der Kögida-Chef sind beide in der rechtsextremistischen Partei Pro NRW aktiv. Nach der Hogesa-Kundgebung, so der Plan, hätten die Rechten zur anderen Demo gehen sollen – und so doch noch ihren Protestmarsch gehabt. Die Polizei verlegte beide Veranstaltungen kurzerhand auf einen Platz, Kögida sagt seinen Protest kurzfristig ab.

Von den Pegida-Wutbürgern ist an diesem Tag ohnehin nichts zu sehen. Stattdessen: eine Mischung aus gewaltbereiten Hooligans, Rechtsextremen und Skinheads. Breitbeinige Männer mit schwarzen Sonnenbrillen, schwarzen Mützen, T-Shirts mit Hogesa-Schriftzug und Jacken einschlägiger Szene-Marken. Sie zwängen sich durch die scharfen Einlasskontrollen – eine der strengen Auflagen der Polizei.

„Ich finde das schade“

Dann passiert erst einmal nichts. Es fehlen Ordner. 50 muss der Veranstalter stellen. Dominik Roeseler bittet Teilnehmer um Hilfe. „Idealerweise seid ihr nicht vorbestraft und idealerweise seid ihr nicht alkoholisiert.“ Es dauert 90 Minuten, bis Roeseler die Ordner beisammen hat.

Mit ein bisschen Rechtsrock versuchen die Veranstalter, die Zuhörer wachzubrüllen. Roeseler, die dunklen Haare gescheitelt, hetzt über Ausländer, beschimpft die „Lügenpresse“, macht Angst vor Flüchtlingen. Bald bilden sich Menschentrauben am Zaun, viele Rechte wollen nach Hause. Die Polizei geleitet sie in kleinen Gruppen vom Platz. Da platzt Roeseler der Kragen: „Ich finde das schade, ich finde das respektlos!“

German riot police officers make a cordon to seal off left-wing and far-right protesters during a demonstration in Cologne October 25, 2015. Neo-Nazi groups, members of Germany's football hooligan scene and HoGeSa (hooligans against Salafists) were organising what they said was a demonstration against Islamic extremism. REUTERS/Wolfgang Rattay

German riot police officers make a cordon to seal off left-wing and far-right protesters during a demonstration in Cologne October 25, 2015. Neo-Nazi groups, members of Germany’s football hooligan scene and HoGeSa (hooligans against Salafists) were organising what they said was a demonstration against Islamic extremism. REUTERS/Wolfgang Rattay

Vorwürfe, man sei auf die Gewalt nicht vorbereitet gewesen, wollte sich die Polizei nicht noch einmal anhören müssen. Über 3500 Beamte sind im Einsatz – mehr als doppelt so viel wie 2014. Es gibt einen Hubschrauber, etwa zehn statt drei Wasserwerfer, Hunde. Die Strategie geht auf.

Doch nicht nur die Polizei stellt sich den Rechten in den Weg. Überall in der Stadt gibt es Gegenproteste. Es gibt Bühnen, Musik. Laut Veranstaltern sollen es bis zu 20.000 Menschen sein, die sich auf der anderen Seite des Deutzer Bahnhofs versammeln, sie feiern ein buntes, ein echtes Fest.

An diesem Tag geht die Gewalt vor allem von linksradikalen Gruppen aus, die Zufahrtswege blockieren wollen. Autonome greifen laut Polizei Beamte an – mehrere Sicherheitskräfte werden verletzt. Ein Wasserwerfer und Pfefferspray kommen zum Einsatz.

Hogesa aber hat vor allem mit sich selbst zu tun. Mittlerweile sind die Rechten eine tief zerstrittene, gespaltene Gruppe. Keine Situation, in der man die Massen für eine Kundgebung auf einem kahlen Platz mobilisiert. Auch Dominik Roeseler ist in der Szene hochumstritten.

Am Ende verziehen sich die Rechtsextremen in Richtung Bahnhof. Ein Polizist zwinkert seinem Kollegen zu. „Laaaangweilig“, sagt er.

(Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/koeln-trotzt-hogesa-a-1059543.html)

Zu dem Phänomen der Radikalisierung unserer Gesellschaft habe ich schon einige Texte auf meinem Blog: www.WehrWolter.com veröffentlicht.

Aktuelle Texte:

Hogesa-Veranstaltung. Köln im Ausnahmezustand: Reichlich Gegenwind für Hooligans – Tausende “Demonstranten”, noch mehr dagegen, das Polizei-Aufgebot war enorm.

Ein Jahr PEGIDA – Dresden, 19. Oktober 2015 – Psychologische Erklärungsansätze

Radikalität und mangelnde Impulskontrolle nehmen erschreckend zu. – Fremdenfeindlich motivierte Messerattacke gegen die Kölner OB-Kandidatin Henriette Reker am Vortag zur Wahl. – Martin Walser zu Fremdenfeindlichkeit. Er bekam heute den Nietzsche Preis.

Ein Beispiel aus der Kölner-Szene gegen Rechte Gewalt & Fremdenfeindlichkeit

Hogesa BAP1

Arsch huh – Zäng ussenander

(Wolfgang Niedecken, BAB, Songtext)

Du mähs et Fröhstöcksfernsehn ahn un
selvsverständlich wie die Wetterkaat
kütt unger ferner liefen,
wo se wievill Asylante plattjemaat.
Na klar, dä Mob hätt widder randaliert,
dä Bürjer applaudiert:
“ Die Kanakken sinn ald ömquartiert,
die Naach hätt sich rentiert.“

Du jehß ding Brühtcher holle,
su wie jeden Morje waatste an dä Thek.
do löht ne Typ em Blaumann Sprüch aff,
bei dänne et dir nur kotzschlääsch weed.
Du denks: Nur russ he, wat ess bloss passiert,
dat kein Sau reajiert?
Wiesu’s e janz Land am kusche,
als wöhr et paralisiert?

Wie wöhr et wenn du dämm Blaumann jetz sähs,
dat du Rassistesprüch janit verdrähs?
Wenn du en vüür dä Lück blamiers,
endämm du’n einfach oplaufe löhß?
Un övverhaup: wemmer selver jet däät,
wemmer die Zäng ens ussenander kräät?
Wenn mir dä Arsch nit huh krieje,
ess et eines Daachs zu spät.

Woors du dat nit, dä singem Vatter nie
et Stillhahle verzeihe kunnt,
weil dä sich domohls arrangiert hätt,
bess er schließlich vüür dä Trömmere stund?
Wie wöhr et, wenn du ding Ideale
langsam ens vertredde dääts?
Oder will du em Ähnz drop waade,
dat dat irjendeiner für dich mäht?

Wie wöhr et, wemmer selver jet däät,
wemmer die Zäng ens ussenander kräät?
Wenn mir dä Arsch nit huhkrieje,
ess et eines Daachs zo spät.

Dä Schuhß ess fruchtbar noch,
uss dämm die Nazibrut russkroch.
Jetzt jilt et: Arsch huh, Zäng ussenander,
jetz, nit nähxte Woch!

arschhuh-logo-farbig

Übersetzung

Du machst das Frühstücksfernsehen an und
selbstverständlich wie die Wetterkarte
kommt unter „ferner liefen“
wo sie wieviele Asylanten plattgemacht [haben]
Na klar, der Mob hat wieder randaliert,
der Bürger applaudiert:
„Die Kanaken wurden schon umquartiert,
die Nacht hat sich rentiert.“

Du gehst deine Brötchen holen,
so wie jeden Morgen wartest du an der Theke
da lässt ein Typ im Blaumann Sprüche ab,
bei denen es dir kotzschlecht wird.
Du denkst: Nur raus hier, was ist bloß passiert,
dass keine Sau reagiert?
Wieso kuscht ein ganzes Land,
als wäre es paralysiert?

Wie wäre es, wenn du den Blaumann jetzt sagtest,
dass du Rassistensprüche gar nicht verträgst?
Wenn du ihn vor den Leuten blamierst,
indem du ihn einfach auflaufen lässt?
Und überhaupt: wenn man selber etwas täte,
wenn man die Zähne mal auseinander kriegte?
Wenn wir den Arsch nicht hoch kriegen,
ist es eines Tages zu spät.

Warst du das nicht, der seinem Vater nie
das Stillhalten verzeihen konnte,
weil der sich damals arrangiert hat,
bis er schließlich vor den Trümmern stand?
Wie wäre es, wenn du deine Ideale
langsam mal vertreten tätest?
Oder willst du im Ernst drauf warten,
dass das irgendeiner für dich macht?

Wie wäre es, wenn man selber was täte,
wenn man die Zähne mal auseinander kriegte?
Wenn wir den Arsch nicht hoch kriegen,
ist es eines Tages zu spät.

Der Schoß ist fruchtbar noch,
aus dem die Nazibrut rauskroch.
Jetzt gilt es: Arsch hoch, Zähne auseinander,
jetzt, nicht nächste Woche!

Hogesa BAP

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