Die Krippe zeigt, dass Menschenwürde nichts mit Wohlstand zu tun hat. Ein Stern forderte drei Weise aus dem Morgenland zum Aufbruch auf. Die Heiligen drei Könige verzichten auf wohlgeordnetes Leben und Sicherheit. Ein kleines wehrloses Flüchtlingskind sollte die Herrschaft übernehmen. Jesus steht für das Paradox: Aufsteigen durch Fallen. – Welchem Stern folgen wir? (WehrWolter – ww-107 – Hans Wolter)

Sterndeuter stehen auch heute hoch im Kurs. Ich war heute am Dreikönigstag in einem nahegelegenen Einkaufscenter und wunderte mich, wie lang die Schlange an einem Wahrsagerzelt war. Da warteten mindestens 30 Frauen darauf, dass ihnen die Zukunft aus der Hand gelesen wurde. Im Rheinland ist heute ein ganz normaler Arbeitstag. Und das, obwohl wir in Köln doch die Gebeine der Heiligen Drei in unserem Dom verschanzt haben. Die haben die Obersten der katholischen Kirche in Köln vor über 800 Jahre in Mailand stehlen lassen. Dazu habe ich vor einiger Zeit schon einmal etwas geschrieben, was ich weiter unten noch einmal zitiere. 

Vor wenigen Tagen ereigneten sich in der Silvesternacht im Schatten des Kölner Domes gewalttätige Übergriffe auf zahlreiche Frauen. Die Taten sind bis heute noch nicht aufgeklärt. Insgesamt vermischt sich dieses Phänomen derzeit mit der Fremdenangst und der Flüchtlingskrise. Die Übergriffe am Bahnhof finde ich empörend. Hier muss alles dran gesetzt werden, dass so etwas nicht noch einmal vorkommt. Für mich ist das weniger eine Frage der Multi-Kulturalität, noch weniger eine Frage der Flüchtlingskrise. Ich sehe dieses Phänomen in einer Verwandtschaft zum Hooligan-Phänomen. – Impulsdurchbrüche von Gewalt, da wo das Auge der (Staats-)Macht nicht zugegen ist. –

Hierzu habe ich schon einmal etwas geschrieben: Was fasziniert an radikalen Weltver1Fachern? – Psychologische Quergedanken zur Hooligan-Salafisten-“Demo” in Köln. Sowie: Radikaler Rückfall auf eine (zu) frühe Entwicklungs-Stufe Psychologische QuerGedanken Zu den Demonstrationen in Brüssel, 20.11.2014 und: Zurück ins hochtechnisierte Mittelalter Psychologisch quergedacht von Dipl.-Psych. Hans Wolter

Heiligen drei Könige 1

In den nächsten Tagen werde ich auch zu den aktuellen Vorfällen noch einmal etwas schreiben. Nun erst einmal wieder zurück zum DreiKönigsTag. 

Wir feiern heute noch die Ereignisse, die sich vor über 2000 Jahren ereignet haben. Alljährlich zelebrieren wir Krippenspiele, aber wie steht es heute um die christliche Botschaft?

 

Was wollte uns Jesus mit auf den Weg geben? Sicher keine Obergrenzen von Flüchtlingsunterstützungen. Heiligen drei Könige 6

Seine Eltern und er litten ja selbst darunter, dass sie keine Aufnahme in einer akzeptablen Herberge finden konnten. Dennoch wurde dieses hilflose Kind zum Menschenführer unserer modernen zivilisierten Welt.

 

Hätte Jesus heute noch eine Chance?

 

Eine interessante Frage. Damals wurde ein Kind zum Zeichen der Wende. Kein starker Mann, der mit eiserner Hand regiert.

 Heiligen drei Könige 4

Heute regieren ja auch viele Herrscher mit harter Hand und Währung. Es gibt heute klare diktatorische Verhältnisse, aber auch bürokratisch verschleierte, scheinbar demokratische Machtstrukturen. Teilweise herrschen weltweit operierende Konzerne. Das vollzieht sich eher unauffällig. Fakt ist, dass der mündige Bürger immer weniger Einflussmöglichkeiten hat. Auch wenn Kommunikation und Transparenz durch das Internet immer intensiver werden, bedeutet das nicht ein Zuwachs an Wirkungsmacht für die Individuen.

 

Über welchem Haus würde unser Stern stehen bleiben?

 

Auch heute wirken noch Paradoxe. Hierzu zitiere ich jetzt noch einmal meinen Text vom 30. März 2015.

 3 Könige

Kleine Werbung für das teuflischGute Paradox  Denken in 2D: – Entweder Heilig oder Teuflisch? Denken in 3D: – Aufsteigen durch Fallen! Vom Himmel durch die Welt zur Hölle.

Zu Beginn: die „Werbung für das Paradox“ habe ich von meinem alten Professor Wilhelm Salber übernommen. Das sag ich mal vorsichtshalber vorab, um mir keine Klage einzuhandeln. Scherz bei Seite. Ich bin dankbar, dass er mich an das radikal psychologische Denken herangeführt hat. Jetzt zum Thema: ich saß gestern fast drei Stunden im kalten Kölner Dom. Anlass war die Abschlussveranstaltung der lit.Cologne. Mein Blick fiel auf den goldenen, gut ausgeleuchteten Schrein der „Heiligen drei Könige“. Die ja eigentlich keine waren. Tut nichts zu Sache. Während ich da saß, machte ich mir klar, dass die Gebeine der drei Herren diesen gewaltigen Bau erst ermöglicht haben. Hier entdecke ich schon das erste Paradox.

Ein nahezu heiliger Dom wird errichtet, da man einen angemessenen Platz für einen teuflisch guten KnochenRaub errichten wollte.

Rainald von Dassel, Erzbischof von Köln und Reichskanzler, raubte die Gebeine der Heiligen Drei Könige, aus Mailand und überführte sie 1162 nach Köln. „Sacra rapina“, der löblich oder gottgefällige Raub wurde von der damaligen Amtskirche mit wohlwollender Neutralität behandelt. Warum gingen die Verantwortlichen damals so gespalten mit den Werten und selbst vorgetragenen moralischen Ansprüchen um? Das hatte wohl zwei Gründe. Zum einen, um überhaupt einen Altar aufstellen zu können, zum anderen waren Reliquien die nahezu wirkungsvollste Werbestrategie in der Zeit vor Buchdruck und Medien im heutigen Sinne. Sie waren ein wichtiger Teil der damaligen Massenmedien, um hunderttausende, zahlende Touristen in die Stadt zu locken und das Säckel der Kirche zu füllen. Nach dem Synodalbeschluss von Karthago im Jahre 398, durften Altäre nur noch dort errichtet werden, wo es echte Reliquien gab. Das führte zu einer nahezu höllischen Nachfrage nach Heiligem, beziehungsweise nach irgendwie gearteten Überresten von heilig erklärten Stars und Alphatieren.

Dies heißt im Klartext: zur Not verstoße ich gegen zuvor erlassene Gebote. Bisheriges Unrecht wird 1fach, kurzzeitig zu Recht erklärt, um damit dann etwas Heiliges zu errichten. Wenn das kein Paradox ist!

Das Alte Testament war da ehrlicher.

Da brauchte ich nicht die Spaltungslogik in Gott und Teufel. Der alte Gott war Beides. Er konnte grausam und gütig in einer Person sein. Wie im Theaterstück: „Gott des Gemetzels“. Da werden auch zivilisierte Manager und Pädagogen ruck zuck zu archaisch metzelnden Zeitgenossen. Eltern kommen zusammen um Frieden zu schaffen und beKriegen sich letztlich in übelster Art und Weise. Das gibt es nicht nur im Theater, sonder auch in unserer realen, todErnsten Gegenwart. Nach der Zerstörung der WeltWirtschaftsTürme am 11. September 2001, rief der damalige amerikanische Präsident George W. Busch zum Krieg gegen den Irak auf, indem er den Werbeslogan von der „Achse des Bösen“ erfand. Ein ganzes Volk folgte ihm in dieser teuflisch einfachen, zweidimensionalen Logik. Erst viel später stellte sich heraus, dass Saddam Hussein gar keine Ausrüstung zur Teufels-Bombe hatte. Egal!? Der Feldzug war vollbracht. Die Beteiligten fühlten sich weniger ohnmächtig, als nach dem Angriff aus dem Nichts. Haben wir hier auch wieder ein Paradox?

Schwächung durch Stärke. Ohnmacht durch brachiale Machtdemonstration.

Heute kommen die Angriffe aus dem World-Wide-Web. Als ein mutiger junger Mann, Edward Snowden, die Welt darüber informierte, in welchem wahnwitzigen Ausmaß die Spionage rund um den Globus erfolgt, wurde er kurzerhand zum General des Teufels erklärt. Einer der die Wahrheit aufzeigt wird zum Verbrecher. Erklärt! Das lässt sich noch damit steigern, dass dieser wahrheitsliebende junge Mann nur bei einem großen Lügner Asyl und Sicherheit findet. Paradox? Und wie!

Schauen wir uns zum Abschluss noch einmal unser kleines Land an. Gerade verfolge ich im Nebenbei, das Bundesligaspiel FC-Bayern vs. Borussia Mönchengladbach. Was hat die Bayern eigentlich so stark gemacht? Zu Anfang der Bundesliga waren wir, die Jungs aus der DomStadt doch die dominierende Mannschaft. Das wissen heute auch nur noch wenige so richtig. Für mich hat es seinen Ausgang genommen, als der FCB nach den Olympischen Sommerspielen das Fußballstadion geschenkt bekam.
Von 1972 bis 2005 war das Olympiastadion Heimatstadion des FC Bayern München . Da stiegen die Einnahmen durch deutlich höhere Zuschauerzahlen. – Kurze Unterbrechung: MG hat gerade ein Tor geschossen. Geld schießt Gott sei Dank nicht zwangsläufig Tore. – Dann kam der Herr Hoeneß, der zur teilweise „wundersamen“ weiteren Geldvermehrung beitrug. Später stellte sich heraus, dass der GutMensch auch eine teuflische Seite hat. Die Spaltung in Gut und Böse, Gott und Teufel ist intellektuell zwar auf keinem hohen Entwicklungsniveau, aber sie erlaubt es zu herrschen. Ein Soldat muss in Schwarz-Weiß spalten. Würde er sich verdeutlichen, dass der Gegner im gegenüberliegenden Schützengraben, auch Kinder und eine Frau hat, die ihn auch wieder zu Hause haben wollen, dann könnte er nicht schießen. Das klappt nur, indem ich ihm, über Drill, verbiete selbstständig zu denken. Dann nehme ich ihm die Schuldgefühle, indem ich sage, der Gegner gehört zu den Schwarzen und wir sind doch die Weißen. Goethe hat in seinem Faust qualifizierter das Paradox dargestellt, indem er Mephisto sagen lässt: „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ Also der Teufel ist nicht nur böse, sowie Faust nicht nur gut ist. Da passt eher seine Feststellung: „Zwei Seelen, wohnen ach in meiner Brust!“.

Also, es geht um mehr oder weniger gut integrierte Gegensätze in einer Gestalt. Nicht um eine Spaltung, wie es die jahrelange Mauerlösung zwischen Ost- und West-Deutschland darstellte.

Selbst die amerikanischen Fernsehserien schaffen mittlerweile komplexere Lösungen. In Breaking Bad, der weltweit besten Serie des letzten Jahres (Golden Globe 2014), integriert der Hauptdarsteller Walter White, schwarz und weiß in einer Person. Vince Gilligan, der Serienschöpfer, beschreibt den Titel Breaking BadFaust mit „to raise hell“, wörtlich etwa „die Hölle hochholen“. Das Gemetzel zeigt sich also auch bei Gott. W.W., alias Heisenberg, verwandelt sich vom biederen Chemielehrer zum genialen Kriminellen. Psychologisch gut gemacht, ist die komplexe Persönlichkeit WW, der neben seiner eindrucksvollen aber kriminellen Karriere, zugleich auch eine gute und engagierte Vatergestalt bleibt. Man wird hier als Zuschauer in seinen BeWertungen ähnlich hin und hergeworfen, wie bei guter Werbung oder den damals sehr geschickt gemachten, nationalsozialistischen Propagandafilmen, wie „Jud Süß“ (1940). Walter Whites Weg wandelt – wie in Goethes Faust-Tragödie – auch: „Vom Himmel durch die Welt zur Hölle.“

Halbzeitstand in der HeiligenscheinArena: 0:1. Ach ja, noch mal zu Herrn Hoeneß. Neulich meinte ein Patient zu mir, den sollte man nicht einsperren, der sollte für den Verein arbeiten. Ja das kann er und macht er ja auch schon wieder, als Freigänger. Gestern hörte ich einen kreativen Vorschlag: man sollte Herrn Hoeneß nach Griechenland ausleihen, damit er den Haushalt wieder auf Vordermann bringt. Da ist er bestimmt besser aufgehoben, als in der Jugendarbeit beim FCB. Was sollen die Kinder denn von ihm lernen? Gut, dass die Bayern doch strenger mit dem Kopftuchverbot umgehen.

Wir müssen unsere Kinder schützen. Erzählen wir ihnen weniger Spaltungsmärchen. Paradoxe haben immer schon mehr überzeugt. Auch im Märchen werden die Kleinen groß und die Großen klein, Aschenputtel wird zur Prinzessin, indem sie die Widersprüche integrieren.

Nicht sieben aber zwei auf einen Streich, schafft gerade David aus Mönchengladbach gegen Goliath aus München.

Dipl.-Psych. Hans Wolter, Dürener Str. 87, 50931 Köln (praxiswolter@web.de)

Heiligen drei Könige 5

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