Die Kölner Silvesternacht birgt weiterhin aktiven Sprengstoff. – Nicht nur interkulturell, sondern entscheidend auch: in der eruptiven Ausweitung rechtsfreier Räume. Wenig kontrollierbare Ein-Brüche inmitten unserer bisher freiheitsliebenden westlichen Kultur. (WehrWolter – WW-108 – Hans Wolter)

Köln ist eine große Stadt. Weniger eine Großstadt. Hier ist nicht nur ein Stadtarchiv unerwartet eingestürzt, hier sind auch bisher sicher geglaubte soziale Unantastbarkeiten erdbebenartig weggebrochen.

In der Silvesternacht kam es im Schatten des altehrwürdigen Domes zu gewalttätigen, auch sexuellen Übergriffen auf zahlreiche friedliebende Bürger. Unter ihnen hauptsächlich wohl Frauen. Bis zu 100. Besonders erschreckend sind die Respektlosigkeit und die dreiste Ignoranz gegenüber unserer Ordnung und deren Hüter. Kontrollverlust, Fehleinschätzungen und hoffnungslose Überforderung der Polizei. Das bewegt Deutschland seit vielen Tagen. Dies hat den Charakter eines Weckrufes. Angela Merkel schaltet sich ein und jetzt ist dieses erschreckende Ereignis sogar auf der Titelseite der amerikanischen New York Times gelandet. Den aktuellen Stand über den Hergang dieser Ausschreitungen gebe ich weiter unten anhand einer aktuellen Berichterstattung wieder. Dies ist ja an vielen Stellen in den Medien zu finden. Ich versuche das Phänomen eher im größeren Überblick – streckenweise psychologisch – einzuordnen. 

Kulturelle Unterschiede sind unübersehbar beteiligt. Meiner Meinung ist  dies aber nicht die zentrale Erklärung für die enthemmten Impulsdurchbrüche.

Die Täter sollen zum großen Teil Ausländer, überwiegend wohl nordafrikanischer Herkunft gewesen sein. Die Identifizierungen sind wohl noch nicht abgeschlossen und stellen sich wohl als schwierig dar. Auch wenn es verständlicherweise die Fremdenangst und die Einschätzung der Folgewirkungen der Flüchtlingskrise weiter schürt, scheint mir dieser Aspekt nicht primär zu sein.

Zunächst einmal geht es um zahlreiche Übergriffe und Angriffe auf ahnungslose und damit weitgehend wehrlose Menschen. Überwiegend offensichtlich auf Frauen. Das sind auch Angriffe auf unsere Rechtsordnung. Aufgabe des Staates ist, die Bürger zu schützen. Dieser Schutz war hier absolut unzureichend. Dadurch entstand ein sogenannter rechtsfreier Raum.

Erneute Fehleinschätzung durch die Kölner Polizei

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Mir stellt sich das so dar, als wenn die Kölner Polizei hier ein Massenphänomen erneut falsch eingeschätzt hat und diesem unzulänglich begegnet ist. Das war bei der ersten sogenannten „Hogesa-Demonstration“ am 26.10.2014 ähnlich. Hier schaukelte sich ein Mob von Hooligans dermaßen hoch, dass sie Polzeiwagen kurzerhand auf den Kopf stellten. Passanten und Einsatzkräfte der Polizei beschreiben in der Kölner Silvesternacht vor allen Dingen auch die unerträgliche Unterlegenheit der Ordnungshüter. Hierzu habe ich im Oktober 2014 bereits zwei Texte geschrieben: Was fasziniert an radikalen Weltver1Fachern? – Psychologische Quergedanken zur Hooligan-Salafisten-“Demo” in Köln.

und: Radikaler Rückfall auf eine (zu) frühe Entwicklungs-Stufe Psychologische QuerGedanken Zu den Demonstrationen in Brüssel, 20.11.2014

Plan oder massenpsychologisches Phänomen? Oder Beides?

Köln Silvester1

Derzeit ist noch nicht geklärt, ob es sich bei der Aktion am Bahnhofsvorplatz um geplanten Raub mit ablenkenden sexuellen Übergriffen handelte. Oder ob sich das Ganze wie ein Massenphänomen am Rande eines Fußballspiels hochschaukelte. Auf jeden Fall fehlten Strukturen, die diese destruktive Dynamik eingrenzten. Normalerweise fühlen wir uns in den Städten hinreichend sicher durch die inneren Grenzen, die wir und unsere Mitmenschen normalerweise in uns/sich  tragen und die äußeren Grenzen, verkörpert durch die soziale Kontrolle und die Kontrolle der Kommune, des Staates.

Geschwächtes Über-Ich?

Innere und äußere Hemmungen gehen hier normalerweise ineinander über. Mit dem Auto überfahren wenige Menschen die rote Ampel, weil dies durch das Nummernschild harte Konsequenzen haben kann. Radfahrer und Fußgänger verhalten sich hier schon nicht mehr ganz so korrekt. Wenn dann noch Alkohol dazukommt, lösen sich die inneren Bremsen noch leichter. Aber nicht immer ist der Alkohol ausschlaggebend. So gibt es Hooligans, die sich nicht für Fußball interessieren, sondern geplant die Ausübung von brutaler archaischer Gewalt verfolgen. Hooligans kommen nicht nur aus den niederen Bildungsschichten. Das können durchaus auch Bankangestellte sein, die montags wieder einer geregelten Arbeit in Schlips und Kragen nachgehen.

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„Gott des Gemetzels“

Wer mal das Theaterstück oder den Film „Gott des Gemetzels“ gesehen hat, weiß, wie knapp die „Gemetzelebene“ unter dem zivilisierten Oberbau liegt. Sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen sind auch Impulsdurchbrüche von Kräften, die normalerweise in unseren Träumen, Phantasien, Videos oder Computerspielen gebunden bleiben.

Lässt die innere Impulskontrolle nach? Oder wird alles nur transparenter?

Mir scheint es so, als würde die innere Impulskontrolle in unserer heutigen Zeit nachlassen. Oder täuscht das? Wird vielleicht die Transparenz und Verfolgung nur immer besser. Im Mittelalter waren die Menschen sicher nicht disziplinierter.

Insgesamt scheint es – auch durch die Völkerwanderungen (die wir auch letztlich nicht verhindern können) – rauher geworden zu sein. Ich denke der Verteilungskampf auf unserem Globus wird weiter zunehmen. Heute kann jeder sehen, was der andere macht, was der andere hat, verglichen zu einem selbst.

Hoeneß, Blatter, Beckenbauer, Winterkorn: Figuren außerhalb unserer Gesetze

Wenn Menschen die Möglichkeiten haben, Ordnungen zu durchbrechen um sich Vorteile zu verschaffen, tun das nicht wenige. FIFA Dezember 4

Das sehen wir nicht nur bei Plünderungen am Rande von Naturkatastrophen. Das sehen wir  auch bei Herren im Nadelstreifenanzug wie Uli Hoeneß, Sepp Blatter, Winterkorn, Kohl etc. Die haben ab einem bestimmten Punkt gar kein Unrechtbewusstsein mehr.

Kulturelle Unterschiede – Würde ist nicht gleich Würde.

Kulturelle Unterschiede werden natürlich auch eine Rolle bei den Übergriffen spielen. Die Menschenbilder in den einzelnen Kulturen sind unterschiedlich. Die Würde des Menschen wird unterschiedlich interpretiert und geschützt. Ökonomisches Ungleichgewicht wird eine große Rolle spielen. Heute erleben die Menschen weltweit über das Internet, wie ungleich die Vermögenswerte verteilt sind. Das verbunden mit erhöhter Mobilität muss ja folgerichtig zu einem Anstieg von Unzufriedenheit und Aggression führen. Je brachialer das ausgelebt wird, was Helmut Schmidt „Raubtierkapitalismus“ nannte, je höher ist die Gefahr von Unruhen, Bürgerkriegen, Kriegen etc.

Köln Silvester

Polarisierungen nehmen zu.

Arm vs. Reich auf der einen Seite. –

Veredelte technische Sauberkeit vs.

roher schmutziger Gewalt auf der anderen Seite.

Die Schere wird nicht nur zwischen Arm und Reich immer größer. Es polarisiert sich auch immer stärker zwischen technischer, scheinbar sauberer Affektlosigkeit und roher schmutziger Gewalttätigkeit.

Wir müssen wieder überschaubarere soziale Einheiten schaffen.

Die Perfektion der Kontrolltechniken wird also nicht die alleinige Lösung sein. Es wird auch darauf ankommen wieder mehr Gefühle und Affekte in den Alltag zu integrieren. Das geht etwas in die Richtung, was Karl Marx einmal „entfremdete Arbeit“ genannt hat. Auch die Globalisierung stößt an Grenzen. Wir müssen wieder überschaubarere soziale Einheiten schaffen. Das kann und möchte ich aber an dieser Stelle nicht weiter ausführen.

Exkurs: Armlänge als zu einfache Lösung

Wie das Leben doch manchmal so „spielt“. Unsere neue Oberbürgermeisterin Henriette Reker war vor wenigen Wochen selbst Opfer eines gewalttägigen Übergriffs. Jetzt gerät sie auf einmal selbst ins Kreuzfeuer der Kritik, weil sie wohl auf der gestrigen Pressekonferenz allzu einfache und schon naiv anmutende Ratschläge gegeben hat. (https://www.facebook.com/ZDFheute/videos/10153866576975680/?theater)

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Wenn sie den Frauen rät, sie sollten eine Armlänge Abstand halten, dann kommt mir das so vor, wie eine Selbstsuggestion, mit der sie versucht, nach ihrer lebensgefährlichen, traumatischen Messerattacke, wieder Sicherheit zu erlangen. Man sollte sie hierzu nicht allzu hart kritisieren. Damit würde man auch wieder das Wesentliche verfehlen.

Meine Einschätzung dazu ist, dass die Verantwortlichen noch gar nicht ganz im Bilde darüber sind, was sich da tatsächlich in der Silvesternacht im und um den Kölner Hauptbahnhof abgespielt hat. – Schon das allein kann wütend machen. –

Deutlich ist allerdings jetzt schon, dass der Schutz durch die Stadt, durch die Polizei zu gering war (und ist?). – Vermutlich wird auch zu wenig Geld zur Verfügung gestellt. –

Köln Böll

Natürlich empört es auch mich, dass die Polizei bei Verkehrsdelikten überaus penibel vorgeht und bei den wirklich wichtigen Dingen nicht engagiert genug arbeitet. – So bin ich am Heiligabend von zwei Polizistinnen angehalten worden, als ich mit dem Auto aus der Kirche kam, nachdem ich meine Familie zu Hause abgesetzt hatte und meine Mutter zum Weihnachtsfest abholen wollte. – Ich musste nicht nur meine Papiere zeigen, sondern auch den Kofferraum öffnen und alle notwendigen Utensilien vorzeigen. Schließlich musste ich noch meine EC-Karte zücken, um 5 Euro Verwarnungsgeld zu zahlen, da die Haltbarkeit meines noch ungeöffneten Erste-Hilfe-Kastens knapp abgelaufen war. – Hierfür haben die Polizeibeamten Zeit und Musse. Sie telefonierten auch noch umständlich und lange, um festzustellen, ob mein Wagen nicht gestohlen sei. Wo ist denn da die Menschenkenntnis? – Das ist nur eine kleine persönliche Anekdote am Rande.

Die Übergriffe am Bahnhof finde ich empörend. Hier muss alles dran gesetzt werden, dass so etwas nicht noch einmal vorkommt. Für mich ist das auch weniger eine Frage der Multi-Kulturalität, noch weniger eine Frage der Flüchtlingskrise. Ich sehe dieses Phänomen in einer Verwandtschaft zum Hooligan-Phänomen. – Impulsdurchbrüche von Gewalt, da wo das Auge der (Staats-)Macht nicht zugegen ist.

Wir müssen aufpassen, dass die Ereignisse der Kölner Silvesternacht nicht von Gegnern der Demokratie instrumentalisiert werden.

Eben hörte ich im Radio, dass die Pegida für Köln eine große Kundgebung angekündigt hat. Normalerweise verfügt Köln über so etwas wie eine gesunde Abwehr gegen Fremdenfeindlichkeit. Aber die jetzigen Umstände sind labiler als vor der Silvesternacht.Köln Silvester3

So mache ich mir auch meine Gedanken, wieso Köln auf der Titelseite der New York Times gelandet ist. Hier geht es nach meiner Einschätzung auch um die zunehmenden Ängste vieler Amerikaner. Derzeit versucht Barack Obama in seinem letzten Amtsjahr noch die Waffengesetze in den USA zu verschärfen. Nach seiner Ankündigung, die Beschaffung von Waffen erschweren zu wollen, setzte gestern ein Run auf die Waffengeschäfte ein. So hörte ich das Interview mit einem Waffenhändler im Radio, der sich bei Obama bedankte, weil sich seine Umsätze gegenwärtig verfünffachen. Da kommt so eine Zeitungsmeldung von massenhaften Übergriffen natürlich auch gelegen.

Professionalisierung und Vernetzung der Polizei vorantreiben

Natürlich liegt es mir absolut fern die Ereignisse in Köln verharmlosen zu wollen. In meinen Augen hat letztlich die Polizei erhebliche Fehler gemacht. Sie war quantitativ deutlich unterlegen und offenbar absolut überfordert. Hier müssen offensichtlich erheblich mehr Gelder investiert werden, damit die „Ordnungshüter“ ihre Professionalisierung und Vernetzung vorantreiben können. Unserer Ordnung und deren Hüter darf keiner respektlos und angreifend konsequenzlos begegnen können.

Wie einleitend gesagt: Köln ist eine große Stadt. In vielen Dingen zeigt sich Köln aber nicht als Großstadt. Auch wenn die Verwaltung glaubt durch die immensen Kostenexplosionen bei Opernhaus und U-Bahn-Bau an das Niveau internationaler Metropolen angeschlossen zu haben. Köln improvisiert über weite Strecken. Das macht „meine Stadt“ wiederum auch sympathisch.

ww

Fazit

Wir müssen unsere Freiheit schützen und verteidigen. Egal ob Frau oder Mann. Insgesamt scheint es – auch durch die Völkerwanderungen (die wir auch letztlich nicht verhindern können) – rauher geworden zu sein. Ich denke der Verteilungskampf auf unserem Globus wird weiter zunehmen. Heute kann jeder sehen, was der andere macht, was der andere hat, verglichen zu einem selbst. Verdient der das? Was verdiene ich? Was erwarte ich von meinem Leben? Auch ich lebe. Nur einmal! – Das ist eine große Herausforderung. Die Welt verändert sich. – Es hilft nichts: wir müssen uns mitbewegen.

Weg Nicht müde werden

Und nun noch einmal zum Stand der Fakten

ZEITONLINE – Berichterstattung

5. Januar 2016, 14:56 Uhr / Aktualisiert am 7. Januar 2016, 13:32 Uhr

Übergriffe an Silvester : Was geschah in Köln?

Nach den Übergriffen in Köln hat die Polizei 16 Verdächtige ausgemacht. Ihnen müssen Ermittler nun konkrete Straftaten nachweisen. Ein Polizeibericht legt Probleme offen.

Von Ana Maria Michel, Valerie Schönian, Frida Thurm und Tilman Steffen

 

Was wissen wir?

In der Silvesternacht wurden am Kölner Hauptbahnhof mehrere Frauen nach eigenen Angaben ausgeraubt und sexuell belästigt. Mehr als 120 Anzeigen sind bislang bei der Polizei eingegangen. Davon haben drei Viertel einen sexuellen Hintergrund, wie eine Polizeisprecherin sagte. Nach den Vernehmungen der Opfer habe sich ein klareres Bild der Taten ergeben: Viele Frauen gaben in den Gesprächen – zum Teil auf Nachfrage der Beamten – an, dass sie auch angefasst worden seien. In zwei Fällen geht es Polizeipräsident Wolfgang Albers zufolge um den Vorwurf der Vergewaltigung.

Bisher sind 16 Verdächtige ausgemacht, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte. Die meisten der jungen Männer seien zwar noch nicht namentlich bekannt, aber auf Bild- oder Videoaufnahmen klar erkennbar. Sie könnten für Straftaten in der Silvesternacht verantwortlich sein und stammten „weitestgehend“ aus dem nordafrikanischen Raum. Um ihnen „konkrete Straftaten nachzuweisen“, würden nun unter anderem Videosequenzen analysiert und die Aussagen von Opfern und Zeugen ausgewertet.

Schon in der Silvesternacht waren viele Menschen am Bahnhof vorübergehend in Gewahrsam genommen worden, wie Kölns leitender Polizeidirektor Michael Temme ZEIT ONLINE sagte. Hier ging es laut Polizei um reine Taschendiebstähle. Auf der Hohenzollernbrücke nahm die Polizei in der Silvesternacht zwei Personen aus Nordafrika vorübergehend fest, wie die Behörde drei Tage später mitteilte. Gegen sie wird wegen Diebstahlverdachts ermittelt, nicht wegen Sexualdelikten.

Am Silvesterabend hatten sich auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs etwa 1.000 Menschen versammelt, nach Aussagen der Polizei hauptsächlich junge Männer. Viele seien vom Alkohol enthemmt gewesen und hätten unkontrolliert Feuerwerkskörper abgebrannt. Die Stimmung sei aggressiv gewesen. Aus dieser Menschenmenge heraus seien Frauen umzingelt, angefasst und bestohlen worden. Polizeipräsident Albers sprach von Sexualdelikten.

In einem internen Bericht der Polizei schildert ein leitender Polizist die Lage: „Die Einsatzkräfte konnten nicht allen Ereignissen, Übergriffen, Straftaten usw. Herr werden, dafür waren es einfach zu viele zur gleichen Zeit“, zitieren Bild und Spiegel Online am Donnerstag aus dem Papier. Zeitweise sei es nicht möglich gewesen, Strafanzeigen aufzunehmen. Polizisten wurden durch die Menschenmenge mancherorts bewusst daran gehindert, Geschädigten zu helfen oder an Zeugen oder Täter heranzukommen. Als die Polizei den Vorplatz des Domes gegen Mitternacht räumen ließ, hätten Gewalttäter die Beamten mit Feuerwerkskörpern beschossen. Den Maßnahmen der Polizei sei mit einer Respektlosigkeit begegnet worden, „wie ich sie in 29 Dienstjahren noch nicht erlebt habe“, bilanziert der Beamte in seinem Bericht.

Auf den wenigen Handyvideos, die von den Geschehnissen in der Neujahrsnacht online verfügbar sind, sind viele Menschen in einer Menge zu sehen, darunter junge Männer, aber auch Paare und Gruppen von Frauen. Feuerwerksraketen flogen in die Menge, einige Personen flohen vor dem Feuerwerk auf die Stufen des Doms.

Fünf weitere Männer nahm die Polizei am frühen Sonntagmorgen (3. Januar) an den Gleisen des Bahnhofs wegen Diebstahlverdachts fest. Zwei davon kamen in Untersuchungshaft. Es gebe Hinweise, dass die Beschuldigten kurz vor dem Diebstahl mehrere Frauen bedrängt haben, teilte die Polizei später mit. Polizeidirektor Temme hatte zunächst gesagt, die fünf Festgenommenen hätten nach bisherigen Ermittlungen nichts mit den Übergriffen auf Frauen in der Neujahrsnacht zu tun.

Die Polizei Köln bittet Geschädigte, die sich bisher nicht gemeldet haben, das zu tun. Hinweise nimmt das Kriminalkommissariat 12 unter der Rufnummer 0221/229-0 oder per E-Mail an poststelle.koeln@polizei.nrw.de entgegen.

Was wissen wir nicht?

Wer die Täter sind. Die meisten der 16 Verdächtigen sind noch nicht identifiziert, außer dass sie laut Polizei „weitestgehend“ aus dem nordafrikanischen Raum stammen. Unklar ist, ob sie sich alle kannten und zu den Taten verabreden, oder es eine spontane Aktion war. Am Wochenende nach den Taten sagte ein Ermittler laut Kölner Stadtanzeiger, viele Verdächtige seien polizeibekannt und kennen sich untereinander. „Die bisherigen Hinweise gehen deutlich in Richtung polizeibekannte Intensivtäter, mit Flüchtlingen haben die nichts zu tun“, sagte er. In einem Bericht eines Polizisten, den Spiegel Online zitiert, heißt es dagegen, Menschen hätten vor Augen von Polizisten Aufenthaltstitel zerrissen.

Auch die Zahl der Täter ist unklar. Die Größe der Tätergruppen variierte laut Zeugenaussagen von zwei oder drei bis zu 20 Personen, sagte die Polizei. Auf dem Bahnhofsvorplatz waren laut der Behörde am 1. Januar etwa 1.000 Feiernde. Die Taten wurden laut der Gewerkschaft der Polizei „aus einer mehr als 1.000 Personen umfassenden, stark alkoholisierten Menschenmenge“ heraus begangen. Das heißt nicht, dass alle diese Menschen tatverdächtig sind. Wie viele mutmaßliche Täter in der Menge waren, ist unbekannt, sagte der Polizeipräsident am 5. Januar.

Haben die Übergriffe eine neue Dimension?

Nach Angaben des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) handele es sich bei den Vorfällen um eine längst bekannte Masche. Der BDK-Vorsitzende André Schulz sagte im Handelsblatt: „Das sogenannte Antanzen durch Täter, die oftmals aus Nordafrika oder dem Balkan stammen, ist der Bandenkriminalität zuzuordnen und kein neues kriminalistisches Phänomen.“ Ziel der Täter sei es, die Opfer zu überrumpeln, abzulenken und ihnen Wertsachen zu entwenden. Diese Täter begingen nicht nur Trick- und Taschendiebstähle, sondern auch Raubdelikte, Kfz- und Wohnungseinbrüche.

In den sozialen Medien wurde nach den Vorfällen der Vergleich zum Münchner Oktoberfest gezogen, bei dem es auch zu vielen sexuellen Übergriffen und Diebstählen kommt. Allerdings ist die Zahl wesentlich kleiner als in Köln: 2015 zählte die Münchner Polizei insgesamt 20 angezeigte Sexualdelikte beim zweiwöchigen Oktoberfest. Im Vorjahr waren es zwölf. Vergleichbare Vorfälle wie in Köln habe es auch in den Vorjahren auf der Wiesn nicht gegeben, so ein Sprecher der Münchner Polizei: „In der Dynamik und Größe wie in Köln ist uns das unbekannt.“

Beim vergangenen Oktoberfest kam es außerdem zu 339 Taschendiebstählen, im Jahr 2014 waren es 404. Laut Polizei werden Diebstähle zunehmend von Tätergruppen begangen, die sich arbeitsteilig organisieren.

So viele Anzeigen in so kurzer Zeit – in dieser Hinsicht scheinen die Vorfälle von Köln offenbar tatsächlich eine neue Größenordnung zu haben.

Haben Polizei oder Medien etwas vertuscht?

Der Vorwurf, Polizei und Medien hätten die Öffentlichkeit nicht oder zu spät informiert, stimmt so nicht.

Im Polizeibericht am Neujahrsmorgen stand zwar schon die Räumung des Platzes, dort wurde die Einsatzlage aber als „entspannt“ bezeichnet. Polizeipräsident Albers kritisierte diese erste polizeiliche Einschätzung der Lage im Nachhinein auf einer Pressekonferenz am Dienstag. „Diese erste Auskunft war falsch.“

Von den sexuellen Übergriffen und Taschendiebstählen erfuhr die Polizei dann erst durch die Anzeigen der Opfer im Laufe des 1. Januar. Noch an diesem Tag richtete die Polizei die Sonderkommission ein.

Am 2. Januar teilte sie mit, dass bei verschiedenen Vorfällen in der Silvesternacht Frauen zu Opfern von Übergriffen wurden. Sie benannte auch das laut Zeugen „nordafrikanische Aussehen“ der Tatverdächtigen. Damit ging die Polizei bereits zwei Tage nach dem Vorfall auf die Herkunft der Täter ein – ein Punkt, der angeblich verschwiegen worden sei.

RP Online berichtete am Nachmittag des 1. Januar um 14.49 Uhr über die Räumung des Bahnhofsvorplatzes kurz vor Mitternacht. Demnach wollte die Polizei eine Massenpanik durch das Zünden von Böllern verhindern. Andere Kölner Medien wie die Kölnische Rundschau und der Express berichteten am Neujahrstag über sexuelle Übergriffe. Auch Focus Online berichtete.

Am 2. Januar zogen der Kölner Stadtanzeiger, die Süddeutsche Zeitung sowie RTL nach und berichteten von sexuellen Belästigungen und Diebstählen in Köln während der Silvesternacht. Weitere überregionale Medien stiegen größtenteils nach einer Pressekonferenz der Kölner Polizei am 4. Januar in die Berichterstattung ein, als die Vielzahl der Fälle bekannt wurde.

(Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-01/koeln-silvester-sexuelle-uebergriffe-raub-faq)

 FlüchtlingeKirche

 

5 Kommentare

  1. Ohne Evolutionsbiologie und Biopsychologie lassen sich sexuelle Übergriffe nicht ausreichend erklären. Meine diesbezüglichen Erklärungen habe ich als Blogartikel verfaßt:

    Sexuelle Übergriffe als Ausdruck der Darwin’schen Fitness

    http://gehirnorientiert-kopfgesteuert.blogspot.de/2016/02/73-sexuelle-ubergriffe-als-ausdruck-der.html

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für Deinen Hinweis Maruli! Gerne werde ich mir Deinen Artikel durchlesen und mir eine Meinung bilden.

      Gefällt mir

  2. die männer dürfen das – frauen sind nie sicher:
    wie viele deutsche männer nehmen denn die frauen in deutschland als wirklich gleichwertig und gleichberechtigt wahr, so wie es im grundgesetz steht?
    frauen und männer sind strukturell auch in deutschland nicht gleichberechtigt, auch wenn es auf dem papier so aussieht. daran wird sich nichts ändern, solange die frauen nicht wieder anfangen, sich für ihre rechte einzusetzen. wieder ist mehr mehr feminismus in deutschland nötig, in den köpfen, im individuellen handeln, in zwischenmenschlicher, beruflicher und politischer hinsicht.
    die frauenfeindliche position des islam ist für mich genauso unerträglich wie die haltung der katholischen kirche zur gleichberechtigung der frauen. welche moderne frau mit bildung und gesunder persönlichkeit findet es (nach etwa 100 jahren frauenemanzipation) noch in ordnung, an eine institution kirchensteuer zu zahlen, die frauen diskriminiert?…..https://einsiedlerblog.wordpress.com/2016/01/09/die-maenner-duerfen-das-frauen-sind-nie-sicher/

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    1. Danke für Deinen umfangreichen Kommentar … kleinschreibender einsiedler 😉 – Deinen Beitrag werde ich auch gerne lesen. Ja, die Gleichberechtigung ist noch nicht hergestellt. Ich frage mich auch, weshalb das bei uns in Deutschland so ist. Das wird m.E. nicht nur von den Männern bestimmt. Ich vermute, da wirken auch noch andere Mechanismen. Auf einer anderen Ebene beschäftige ich mich auch mit der Frage der Unterschiedlichkeit von Männern und Frauen etwas intensiver. Nach dem Motto: Männer sind anders. Frauen auch. Hierzu plane ich demnächst auch eine Buchveröffentlichung. Dazu habe ich vor einiger Zeit schon einmal etwas hier auf meinem Blog geschrieben: https://wehrwolter.com/2015/07/22/maenner-jagen-gern-im-rudel-katzen-pflegen-gut-ihr-selbst/ – Beste Grüße aus Köln, Hans

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