Sie puppt mit Puppen –Kölsch-Dada-Abend mit Konrad Beikircher, Hans Arp & Max Ernst, unter den Fahnen von Anne Beikircher – Dada ist hochaktuell: war es doch vor 100 Jahren die Antwort der Künstler auf die EinGrenzungen der Staaten im Weltkrieg – Ausstellungen im Katharinenhof. Bonn. Köln. – (WehrWolter – ww – 116 – Hans Wolter)

Kunst tut gut, weil sie der Seele hilft sich auszudrücken.

Kunst muss nicht kompliziert sein. Dada kommt daher, wie ein spielendes Kind.
Mir gefällt an Dada, dass Kunst und Humor sich hier gekonnt verbinden

Mit absurden Sprüchen entsteht ein merkwürdiges Dazwischen von Ernst & Witz

„Dada hat Schwingen, die gewaltiger als hundert Urwälder sind.“ – (Hans Arp)

»Wie erlangt man die ewige Seligkeit? Indem man Dada sagt. Wie wird man berühmt? Indem man Dada sagt. Mit edlem Gestus und mit feinem Anstand. Bis zum Irrsinn, bis zur Bewusstlosigkeit.« (Hugo Ball)

Dada hatte auch eine recht ernsthafte Fundierung:

Dada war eine Protestbewegung gegen die europäischen Grenzschließungen im Zweiten Weltkrieg. Die Künstler in Zürich bejahten in ihren Redeströmen des Öfteren mit „da, da“, was übersetzt eben „ja, ja“ heißt.

Überblick zu 12 Vorträgen unter 12 Fahnen:

  • Dada Performance von Kurt Beikircher unter den Fahnen von Anne Beikircher
  • Köln und Dada: vereint im GrößenTraum
  • Rolf Ketan Tepel: Flüchtling aus dem Kölner Paradies
  • Ausstellungen im Katharinenhof, Bonn-Bad Godesberg

Der Kölsch-Dada-Abend mit der Performance von Konrad Beikircher und den Fahnen von Claire (Anne Beikircher) war ein leidenschaftliches Plädoyer ans kunst- und humorvolle Leben. Konrad Beikircher trug Gedichte von Kurt Schwitters, Hans Arp, Max Ernst & dem Dada-Gründungsvater Hugo Ball mit schauspielerischer Verve überzeugend vor. Hierbei orientierte er sich an den kunstvollen 12 Fahnen der Künstlerin & Gattin Anne Beikircher.

 

Eine Station war das z.B. das Schwitters Gedicht:

 Dada Bei3

Sie puppt mit Puppen

  • Die Puppen puppen mit kleinen Puppen,
  • Die kleinen Puppen puppen mit winzigen Puppen,
  • Die winzigen Puppen puppen mit Püppchen,
  • Die Püppchen puppen mit kleinen Püppchen,
  • Die kleinen Püppchen puppen mit winzigen Püppchen,
  • Die winzigen Püppchen puppen,
  • Keiner puppt mit ihr.
  • Ah, Du meine Puppe,
  • Meine süße Puppe;
  • Mir ist alles schnuppe,
  • Wenn ich meine Schnauze
  • Auf die Deine – bauze.
  • Püppchen Schnüppchen
  • Puppe Schnuppe
  • Schnuppe bauze.
  • Die bäuzchen, Püppchen, Puppenfraun
  • Sie machen nur noch schnauze bauze.

(Kurt Schwitters)

 

 

Dazwischen gab er verbindendes historisches Hintergrundwissen zum Besten, so dass man den Abend ohne weiteres auch als Weiterbildung verbuchen kann.

 Dada Bei 2

 

Gewaltige Bilder – Hintergrund der Fahnen

 

“Fahnen sind immer schon Positionierungen gewesen: für Staaten, Religionen, Vereine usw. Meine Fahnen zeigen Flagge gegen Gewalt und Diskriminierung. Ich zitiere Motive von “entarteten” Künstlern an den Pfeilern der Brücke von Remagen, die als Ruine ein Mahnmal für den Frieden ist. In diesem Rahmen ergeben meine Fahnen eine Aussage, zu der ich stehe.” Claire 2013 alias Anne Beikircher

(Fahnen an der Rheinallee / B42)

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Sind wir nicht alle ein bißchen Dada?

Dada feiert in diesem Jahr 100 jährigen Geburtstag. Im Februar eröffnet die Ausstellung „Genese Dada“ im Hans Arp Museum im Bahnhof Rolandseck. Das Kölner Museum Ludwig macht auch etwas hierzu.

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Köln und Dada: vereint im GrößenTraum

Das Köln dada ist, leitete Konrad Beikircher u.a. an den Größenphantasien beider Protagonisten ab. Dada strebte die Weltherrschaft an. Köln sowieso. So wüsste kaum ein Historiker außerhalb der Stadtmauern, dass die biblische Eva eine geborene Schmitz gewesen sei. Über „Entartete Kunst“ zur Bücherverbrennung kamen aber auch durchaus ernste Töne in den an und für sich sehr lebendig witzigen Abend.

 Dada Bei9

 

Die Gespräche bei Rotwein und Salzstangen im Anschluss fand ich angenehm und inspirierend.

 Dada Bei5

Ich freue mich, dass Einige meiner spontanen Einladung gefolgt sind. So konnte ich mich im Anschluss angeregt mit dem „aus dem Paradies vertriebenen“ Künstler Rolf Ketan Tepel unterhalten.

Flüchtling aus dem Paradies

Vor gut einem halben Jahr waren zwölf Polizisten zur Räumung des „Paradieses“, einer Künstlerkolonie am Kölner Eifelwall angerückt. Da wo die Künstler um Rolf Ketan Tepel über 10 Jahre lebten und arbeiteten, soll das neue Stadtarchiv entstehen.

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Er verließ das Gelände mit einem theaterreifen Auftritt – in der rechten Hand einen geschmückten Kirschbaum haltend und auf dem Kopf eine rosa Hut mit Feder. Er machte deutlich, dass er mit dieser Stadt, in der er über 20 Jahre künstlerisch tätig war, nichts mehr zu tun haben wolle.

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„Ich werde diesen Kirschbaum  als Wanderstab benutzen und nach Bensberg  zu einem Freund weiterziehen, um  diesen zu pflegen.“ In einem Gespräch mit der Kölner Rundschau sagte er, dass er bis zuletzt versucht habe, mit der Stadt und Oberbürgermeister Jürgen Roters ins Gespräch zu kommen. Der  habe ihn jedoch stets ignoriert und zum Schluss deutlich zu verstehen gegeben, dass er einen Dialog nicht wolle.

 

 

Ausstellungsmöglichkeit für Künstler auf dem Katharinenhof in Bonn Bad Godesberg

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So regte Anne Beikircher dazu an, dass auf ihrem Godesberger Katharinenhof gerne Künstler ausstellen könnten. Also, Künstler aus dem Köln-Bonner-Raum: wer Lust hat kann sich gerne an sie wenden. Auch ich vermittle hier gerne.

 

„Am Rande des Kottenforster Waldes, von der Straße aus kaum zu sehen, liegt der Katharinenhof. Das einstige Forsthaus und Ausflugslokal im typisch rheinischen Fachwerkstil war von 1941 bis 2010 an die Inhaber des Godesberger Traditionsgeschäfts „Seidenhaus Schmitz“ verpachtet.

Nach dem Tod der Witwe verkaufte die Stadt Bad Godesberg das über 100 Jahre alte fliederberankte Wohnhaus, das mit Scheune und ehemaligem Gasthaus einen malerischen Innenhof bildet, an Anne und Konrad Beikircher.

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Seit dem Erwerb im Sommer 2011 leben und arbeiten der Kabarettist und die bildende Künstlerin auf dem Katharinenhof, den sie ganz bewusst wieder der Öffentlichkeit zugänglich und mit viel Engagement zu einem Veranstaltungsort für kulturelle Events gemacht haben.

Aus der Verbundenheit mit dem Rheinland und zur Kunst entstand vor zwei Jahren die Idee, das Ambiente des Hofs mit seinen Wiesen und Bäumen als Ausstellungsgelände insbesondere für Skulpturen zur Verfügung zu stellen.

So gründete das Künstlerehepaar gemeinsam mit Freunden den gemeinnützigen Verein TheRhine-Art mit dem Katharinenhof als „Stammsitz“, um die bildende, aber auch die literarische und musikalische Kunst zu fördern.“ (Quelle: http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bad-godesberg/Kultur-auf-dem-Katharinenhof-article1620590.html)

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Im Ursprung ist Anne Beikircher Glaskünstlerin

Nach der Veranstaltung konnte ich noch einen Schatz mit nach Hause nehmen. Heute scheint auch prompt die Sonne und mein neues Glasbild von Anne Beikircher macht sich richtig gut in meinem Praxisfenster. Auf der Vernisage hatte mich das sofort angesprochen.

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Für mich ist hier der Autonomie-Bindungskonflikt sehr gut ausgedrückt. So hält die Frau einerseits die Hand beschützend über den Kopf ihres Liebhabers. Andererseits hält sie den Mann mit der anderen Hand auch auf Distanz. Eine Dynamik mit der jeder von uns zu tun hat. Paare um so mehr. Einerseits wünschen wir uns in (Ver)Bindung zu sein, anderseits haben wir Angst in unserer Autonomie beschnitten zu werden. Dieses Spannungsverhältnis ist hier sehr gut eingefangen. Häufig machen die Künstler das ja nicht unbedingt bewusst. Die Künstlerin sieht die Hand nicht als distanzhaltend. Für sie geht die Hand zum Genital des Mannes. Natürlich ist das auch drin und auf jeden kann es anders wirken. Für mich wird das Werk allerdings durch dieses Spannungsverhältnis interessant und lebendig. Kunst ohne Spannung & Geheimnis finde ich eher langweilig. Darüberhinaus ist dieses GlasWerk auch sehr gut verarbeitet. Vor allen Dinge hier in der Sonne macht es sich … und stimmt mich auch gut. Danke!

Vor einigen Tagen hatte ich schon etwas zu Dada geschrieben, was ich hier nochmals aufgreifen möchte.

Köln ist dada!? Nicht nur im Karneval.

Vom Stadtarchiv über die Domplatte zum Opernhaus. Was haben Böll, Hans Arp und Konrad Beikircher gemein? – Genese Dada. Mit 100 Jahren: Hochaktuell! – „Ja, Ja“: eine Protestbewegung gegen die europäischen Grenzschließungen im I. Weltkrieg. – Aber mal ehrlich: sind wir nicht alle ein bisschen dada? (WehrWolter – ww 115 – Hans Wolter)

(22. Januar 2016)

„Dada hat Schwingen, die gewaltiger als hundert Urwälder sind.“ (Hans Arp)

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„So, So!

Vier Maurer saßen einst auf einem Dach.
Da sprach der erste: „Ach!“
Der zweite: „Wie ists möglich dann?“
Der dritte: „Dass das Dach halten kann!!!“
Der vierte: „Ist doch kein Träger dran!!!!!!“
Und mit einem Krach
Brach das Dach.

(Kurt Schwitters)

 

Köln kommt nicht aus den Schlagzeilen. Die Erde tat sich auf. Das Stadtarchiv viel rein. Keiner will’s gewesen sein. Arsch schief. Oder: Köln ist halt die nördlichste Stadt Italien, wie Konrad Beikircher sagen würde. Der lädt übrigens am Sonntag zum „Kölsch-Dada-Treffen“ ins Schloß Eulenbroich ein (s.u.) Zurück zur römischen Kolonie. Beim Opernhaus will man gerne mit im Chor der Großen spielen. Also verdoppelt man kurzer Hand die – zunächst in Aussicht gestellten – Baukosten. Wenn der Bürger sich beschwert, verweist man gelangweilt großkotzig auf den Berliner Flughafen oder die Elbphilharmonie.

 

Das Silvesterchaos auf der Domplatte haben nicht die Kölner zu verschulden. Aber der Polizeipräsident wollte uns danach zunächst mal für dumm verkaufen. Was ich verstehe ist, dass er den rechten Menschenverachtern in diesem Lande keinen Auftrieb geben wollte. Was ich nicht akzeptiere ist, die enorm unprofessionelle Umgangsweise mit der Problematik bereits nach der Räumung der Domplatte und erst recht den Dilettantismus in der Nachbereitung. Haben die den keine psychologischen Berater? Gestern seh ich den nächsten Klops im Lokalfernsehen WDR: Auf einem Friedhof in Köln Longerich haben sie begonnen Fundamente für eine Flüchtlingsunterkunft auszubaggern. Bei Nacht und Nebel. Ohne Schilder. Der nächste Schildbürgerstreich. Die Bürger fühlen sich zurecht überfahren. Über die absolutistische Vorgehensweise würde man sich selbst im Dackelklub aufregen. Die noch mal mit dem Leben davongekommene Oberbürgermeisterin Henriette Reker ließ den Bau stoppen. Nach den Dreharbeiten des WDR. Köln ist groß. Köln ist aber keine Großstadt.

 

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Köln hat weniger mit Pegida zu tun. Umso mehr mit „minimax dadamax“

 ,

Eigentlich sollten wir dada wieder aufblühen lassen und die Pegisten im Tal der Ahnungslosen lassen. Da brauchen wir in Köln nicht tief zu graben. Angeekelt von der „großen Schweinerei dieses blödsinnigen Krieges“(14/18), gründete Max Ernst 1919 mit dem selbst erfundenen Beinamen „minimax dadamax“ gemeinsam mit Johannes Theodor Baargeld, dem, „Zentrodada“, und Hans Arp die Kölner Dada-Gruppe. Gemeinsam gaben sie die Zeitschrift „Der Ventilator“ raus. Dada ist Protest. Es kommt oberflächlich daher mit einem NonstopNonsens-Auftritt daher. Aber das sehe ich ähnlich wie bei Helge Schneider. Auch „Katzenklo“ ist politisch. Auch wenn es zunächst mal intellektuell nicht weit entfernt von rechten Hasssprüchen im Facebook angesiedelt ist.

 »Wie erlangt man die ewige Seligkeit? Indem man Dada sagt. Wie wird man berühmt? Indem man Dada sagt. Mit edlem Gestus und mit feinem Anstand. Bis zum Irrsinn, bis zur Bewusstlosigkeit.«  (Hugo Ball)

dada fluxus

Dada hat für mich eine Nähe zu Fluxus. Auch diese Bewegung war in Köln stark vertreten. Beispielsweise durch Wolf Vostell, dessen, bei laufendem Moter einbetonierter Opel Admiral, als „ruhender Verkehr“ immer noch auf dem Hohenzollernring steht. Auch der Kölner Bananensprayer Thomas Baumgärtel knüpft an das Spannungsverhältnis: Banal vs. Entwickelt an. Wenn ich jetzt so weiter spinne komme ich zur Logik unserer Träume und Freuds Konzept vom freien Assoziieren.

 dada fluxus1

 

Ein chinesisches Sprichwort zeigt, dass Hitler letztlich ein Versager war:

„Das Leben meistert man lächelnd oder gar nicht“

 

Alle großen Menschen haben Humor. Wobei? Stimmt das? Hitler habe ich selten lachen gesehen. Ich vermute, dass der besser auslachen konnte. Vielleicht scheute er den Humor? Dazu assoziiere ich jetzt den Klassiker „Der Name der Rose“ von Umberto Ecco. Nur wenige Leute können mir die Frage beantworten, warum die Mönche in diesem Kloster alle umgebracht wurden. Na, wer weiß es noch? – Richtig, die Mönche sollten nicht das Buch von Aristoteles entdecken, in dem stand, dass Jesus gelacht hat. Warum sollten sie das nicht lesen. Zum einen, weil dann klar wurde, dass Jesus durchaus ein normaler Mensch war. Zum anderen aber auch – und das halte ich für entscheidend – weil der lachende Mensch freier ist, als der verkrampfte schuldbeladene Mensch. Die Könige delegierten den Witz auf den Hofnarren. Der durfte die Dinge aussprechen, hatte aber wenig reale Macht. Wieso fällt mir hierzu jetzt der Psychologe ein?

 

 dada3

Und? Wer hat’s erfunden?

 

Zurück zu Dada. Der Kölner an sich, verleibt sich gerne alles ein, was den Rhein runter geflossen kommt. Kurze geschichtsunterrichtliche Einlage:

 

Köln wurde im Mittelalter zur bedeutendsten Stadt durch zwei Dinge.

  1. Durch den Raub der Heiligen-Drei-Könige-Knochen.

  2. Durch das Stapelrecht.

 Dada Köln

Zu Punkt 1:Durch den Auftragsdiebstahl der katholischen Kirche zu Köln wurde die Stadt zur Pilgermetropole und Domstadt. Um es ein wenig neutraler zu umschreiben, bemühe ich kurz das heilige Wikipedia: „Nach der Eroberung Mailands (1162) erhielt der kaiserliche Kanzler und Köln Erzbischof Rainald von Dassel die Gebeine 1164 als Geschenk von Kaiser Barbarossa. In dem Geschenk des Kaisers drückte sich auch eine politische Absicht aus. Die Gebeine der sozusagen „ersten christlichen Könige“ sollten dem Reich Barbarossas eine sakrale Rechtfertigung ohne Abhängigkeit vom Papst verleihen. Am 23. Juli 1164 gelangten die Reliquien nach Köln, wo sie bis heute im Kölner Dom verehrt werden.“ –

Hierzu habe ich vor einiger Zeit schon mal etwas geschrieben:

Kleine Werbung für das teuflischGute Paradox Denken in 2D: – Entweder Heilig oder Teuflisch? Denken in 3D: – Aufsteigen durch Fallen! Vom Himmel durch die Welt zur Hölle. (WehrWolter – ww 06 – Hans Wolter)

 Heiligen drei Könige 5

 

Kurz zum Stapelrecht: Das alte Schlitzohr Konrad von Hochstaden, Erzbischof von Köln, gewährte der Stadt Köln am 7. Mai 1259 das Stapelrecht. Alle Waren – insbesondere die auf dem Rhein transportierten – mussten nun drei Tage den Kölner Bürgern zum Kauf angeboten werden. Diese Regelung verschaffte den Kölner Patriziern einen bedeutenden Reichtum. – Ich möchte mal, ein wenig hemdsärmelig die Thesen am Neumarkt anschlagen: An die Stelle des Stapelrechts ist heutzutage der Kölner Karneval getreten. Viele verdienen dran. Sogar die Imis haben Spaß.

 

Spaß beiseite. Auch wenn es schmerzt: erfunden haben dada: die Schweizer. Genauer gesagt nahm alles in Zürich seinen Anfang (Daher bau ich ja da zur Zeit mein Spielbein auf ;-))

 

 dada2

Dada war eine Protestbewegung gegen die europäischen Grenzschließungen im Ersten Weltkrieg

 

Die Künstler in Zürich bejahten in ihren Redeströmen des Öfteren mit „da, da“, was übersetzt eben „ja, ja“ heißt.

 

Dadaismus entstand auf dem Hintergrund einer Einengung, eines Leidensdrucks: der Situation der Schweiz im Ersten Weltkrieg. In allen am Krieg teilnehmenden Staaten waren junge Künstler einerseits durch Schließung der Grenzen vom Austausch mit ihren ausländischen Kollegen und Freunden ausgeschlossen und andererseits wurden sie zum Militärdienst eingezogen. Kriegsgegner aus verschiedenen Staaten sammelten sich in der neutralen Schweiz, die zum einzigen Ort des internationalen Austauschs wurde.

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Der Schriftsteller Hugo Ball gründete am 5. Februar 1916 mit seiner Freundin Emmy Hennings in Zürich in der Spiegelgasse 1 das Cabaret Voltaire. In direkter Nachbarschaft war Lenins Exilwohnung. Zuerst führte er mit ihr simple, aber auch exzentrische Programme auf. Sie sang Chansons und er begleitete sie auf dem Klavier. Nach ein paar Wochen lernte er den rumänischen Dichter Tristan Tzara kennen, der ebenfalls in Zürich lebte. Die beiden sympathisierten miteinander, da beide einen ungewöhnlichen Sinn für Geist und Anti-Geist besaßen. Menschlich ergänzten sie sich sehr gut, weil Hugo Ball eher ruhig und nachdenklich war, während Tristan Tzara ein unglaublich lebhafter, niemals ruhiger Mensch war. Er war also wie geschaffen für Hugo Balls Cabaret Voltaire. Als Tzara dann auch seine Gedichte rezitierte, unterbrach er sie oft selbst durch Schreien oder Schluchzen. Die Vorträge im Cabaret Voltaire wurden jetzt zunehmend durch Trommeln, Schlagen und auch Verwendung zweckentfremdeter Gegenstände, wie zum Beispiel leerer Kisten, ergänzt. Das Publikum reagierte zunächst sehr verwundert. Es war regelrecht eingeschüchtert. Im gleichen Jahr schlossen sich auch Hans Arp und Richard Huelsenbeck Hugo Balls Cabaret an. Sie begannen, Papier- und Holzschnitte anzufertigen, die ebenso wie die Vorstellungen im Cabaret den Anti-Kunst-Charakter besaßen. Schließlich schloss sich Marcel Janco der Gruppe an. Auch er war Rumäne wie Tristan Tzara. Beide bejahten in ihren Redeströmen des Öfteren mit „da, da“, was übersetzt eben „ja, ja“ heißt. Das kann ebenfalls der ausschlaggebende Punkt für Hugo Ball gewesen sein, diese Kunst „Dada“ zu nennen. Tzara, Huelsenbeck und Janco trugen im März 1916 das erste Simultangedicht vor.

 Feuersprung

 

Ein kühner Sprung ins Jahr 2016

 

1. DadaAbend mit Konrad Beikircher

Ich freue mich schon auf die Kölsch-Dada-Veranstaltung am Sonntag in Schloss Eulenbroich.

(Schloss Eulenbroich GmbH, Zum Eulenbroicher Auel 19, 51503 Rösrath)

 

„Am Sonntag, 24.01.2016, findet um 17 Uhr in Schloss Eulenbroich in Rösrath eine Ausstellung mit einer Lesung statt.
Die Künstlerin Claire hat Zitate aus „entarteten“ Bildern auf Fahnen gemalt und Konrad Beikircher liest dazu „entartete“ Literatur: Dada. Texte von Schwitters, Arp, Grosz und anderen sind genau passend zu diesen Bildern. Dazu einen kleinen Exkurs in die kölschen Varianten von Dada.

Es ist ein Abend in Leichtigkeit und Tiefe, voller Esprit und Engagement. Dada eben! – Ihr seid herzlich willkommen!“

Konrad Beikircher

 Beikircher2

Hier gefällt es mir, dass auch die von mir hochgeschätzten Rheinländer Heinrich Böll & Max Ernst aufleben:

„Entscheidend ist aber, dass Dada die eigentliche Kölsche Lebensart ist, nur wissen das die Kölner nicht. Diesen Nachweis erbringe ich am Beispiel meines Freundes Viktor Böll (Neffe von Heinrich und leider wirklich viel zu früh verstorben) und seiner Erfindung des Lebend-Heiligen! Kunst und Dada – es macht einen Riesenspaß!“ (K.B.)

 

 2. Genese Dada -100 Jahre Dada Zürich

Ausstellung im Hans Arp Museum Rolandseck

Arp Museum

»Wie erlangt man die ewige Seligkeit? Indem man Dada sagt. Wie wird man berühmt? Indem man Dada sagt. Mit edlem Gestus und mit feinem Anstand. Bis zum Irrsinn, bis zur Bewusstlosigkeit.«

(Hugo Ball)

 

Über die Ausstellung (14. Feb 2016 – 10. Jul 2016):

Am 5. Februar 1916 von Hugo Ball, Emmy Hennings, Marcel Janco, Tristan Tzara und Hans Arp im »Cabaret Voltaire« in Zürich gegründet, ist Dada eine der progressivsten Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts. Zum 100-jährigen Jubiläum lässt das Arp Museum Bahnhof Rolandseck die bedeutenden Geburtsorte Dadas wieder aufleben: die legendäre Künstlerkneipe »Cabaret Voltaire« und die bürgerliche »Galerie Dada«. Ausgehend von diesen beiden Polen revolutionierten die Dadaisten innerhalb kürzester Zeit die internationale Kunstwelt. Neben ihren eigenen Arbeiten zeigten sie dort Werke von internationalen Avantgarde-Künstlern wie Giorgio de Chirico, Pablo Picasso, Paul Klee und Elie Nadelman, die nun auch in der Ausstellung zu sehen sind. Die Kunstwerke werden in eine lebhafte Inszenierung eingebettet, die den vielschichtigen gesellschaftlichen und intellektuellen Nährboden verdeutlicht, aus dem Dada entstanden ist. Themengebiete wie Psychologie, Literatur und politisch-soziokulturelle Revolte spiegeln dabei den Zeitgeist wider und machen die Entstehung von Dada anschaulich.

In Zusammenarbeit mit dem Cabaret Voltaire, Zürich

 Dada Arp Museum

Aus dem Ausstellungsflyer:

 

 

»Dada ist schön wie die Nacht, die einen jungen Tag in ihren Armen wiegt«

(Hans Arp)

 

„Im Jahr 2016 feiern wir den 100. Geburtstag von Dada, einer der wichtigsten Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts. Inmitten der Wirren des Ersten Weltkrieges kamen Künstler und Intellektuelle aus ganz Europa in der neutralen Schweiz zusammen. Eine Gruppe internationaler Künstler um Hugo Ball, Emmy Hennings und Hans Arp gründete in Zürich im Februar 1916 das »Cabaret Voltaire«.

In der legendären Künstlerkneipe persiflierten sie allabendlich mit Lautgedichten, Kunst, Tanz und Theater bestehende Konventionen und zelebrierten das Unlogische, Absurde, Banale und Zufällige:

Dada war geboren. In radikalem, anti-künstlerischem Gestus wandte man sich gegen den traditionellen Kunstbegriff und attackierte damit zugleich den »guten Geschmack« und die geltenden bürgerlichen Werte. Jenseits bloßer Provokation bargen die betont unsinnigen Äußerungen dabei eine Kritik an der Gesellschaft, die Nationalismus und Krieg hervorgebracht hatte.

 

Hans Arp begleitet unser diesjähriges Jahresthema »Galerie Dada«

 

„Dada hat Schwingen, die gewaltiger als hundert Urwälder sind.“

bild1

 www.HansWolter.com

 

 

 

 

1 Kommentar

  1. Ich verbinde DADA mit dem noch nicht angepassten natürlichen Kind. „Dada“ oder manchmal „Gaga“ gehören schon zum Wortschatz meines jetzt neun Monate alten Enkels, und das einfach so, spontan, wenn er gut drauf ist. Es hat etwas Leichtes, Unbekümmertes, Entkrampftes, frei von jeglichen Konventionen, kommt zuweilen albern daher, überrascht dann mit Witz und und Hintersinn. Ein Quell für Freude, Spaß und Kreativität.

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