Von Siegern lernen – Deutschland ist Europameister im Handball. Angelique Kerber gewinnt im Tennis den Grand Slam. – Verteidigen oder angreifen? – Wir siegen nicht im Entweder-Oder-, wir siegen im Sowohl-Als-auch-Modus. – Siege entscheiden sich schon vorher: Wenn wir an UNS glauben. – Unsere Sportler sind Vorbilder gegen den Kleinmut, Mutmacher gegen die German Angst. (WehrWolter – ww 118 – Hans Wolter)

Die deutsche HandballMannschaft holt den Europa-Titel. Das unterschätzte Team mit einer Reihe von Neulingen hat im Finale auch dank einer ausgezeichneten Verteidigung und die herausragende Präsenz von Torwart Andreas Wolff Spanien überraschend und vernichtend mit 24:17 geschlagen. Schon in den ersten Minuten des Spiels zeigten die Deutschen Sieger-Gesten. Der Glaube an sich selbst zeigte dem Gegner, den Zuschauern und den Jungs selbst: Seht alle her, wir sind heute nicht zu schlagen.

Die jungen Männer glaubten an ihren Sieg. Schon bereits bevor sie auf dem Platz standen. Obwohl es vor und innerhalb des Turniers bei der jüngsten Mannschaft gar nicht immer so aussah. Zu Beginn der EM hatte Deutschland gegen Spanien verloren. Im Finale war es ein Zusammenspiel von TeamGeist und herausragendem Selbstvertrauen Einzelner, das sich mit entsprechenden Leistungen auf die Gruppe übertrug. Das war auch bei der Fußball WM in Brasilien so, als wir den Gastgeber und fünfmaligen Weltmeister mit einem unglaublichen 7:1 wegputzten.

Manchmal ist es auch der, über sich hinaus wachsende, Glaube eines Einzelnen, der ein Spiel entscheidet. Wie der Fußballer Robert Lewandowski 5 Tore innerhalb von 9 Minuten schoss und dem FC Bayern den Sieg über die bis dahin führenden Wolfsburger sicherte (s.u.).

„Der Glaube an mich war der Schlüssel für den Sieg“, sagt Angelique Kerber nach ihrem Tennissieg.

Weil der Glaube an sich selbst, das Selbst-Vertrauen Flügel verleiht, besiegt sie souverän und für alle überraschend Serena Williams, die beste Tennisspielerin in der Welt. – Wenn wir an uns und unsere Stärke richtig glauben, dann fällt nicht nur die Mauer eines Tages, dann schaffen wir auch das bisher UnGlaubliche. Nicht nur, aber auch: Fußball-Weltmeister in Brasilien, Grand-Slam-Sieger im Tennis in Australien, Europameister im Handball in Polen. – Deutschland auf dem Höhenflug, legt die Latte spürbar höher in der Welt. Unsere Sportler sind Vorbilder gegen den Kleinmut, Mutmacher gegen die German Angst.

Unbekannte Zwerge verwandeln sich innerhalb von zwei Wochen in unbesiegbare Riesen

 

Die DHB-Auswahl vom Finale hatte nichts mehr mit der Mannschaft des ersten Gruppenspiels gemein. Auch wenn die Personen die gleichen waren. Die jungen Spieler von Trainer Sigurdsson wuchsen von Spiel zu Spiel. Im Finale waren sie von ihrer Unbesiegbarkeit so überzeugt, dass sie tatsächlich unbesiegbar waren. Ihre gelungenen Aktionen in der Abwehr bejubelten sie nicht euphorisch, sondern wie selbstverständlich.

„Ich hatte schnell das Gefühl: Das ist heute genau mein Spiel, da kommt keiner an mir vorbei“, sagte Finn Lemke am Rande der Siegesfeier. Dieses Selbstvertrauen übertrug er auf seine Mitspieler. Der deutsche Abwehrchef vom SC Magdeburg stand wie in den Partien zuvor sinnbildlich für die Überzeugung einer Mannschaft, die eine ihr zunächst zugedachte Obergrenze Stück für Stück nach oben hievte.

Ohne jeden Zweifel an sich selbst traten die Deutschen von der ersten Sekunde an auf. Nach 30 Minuten gab es mehr erfolgreiche Blocks der Deutschen als Tore der Spanier. Vor allem vor der Pause verschmolz die Deckungsreihe mitsamt Torhüter Andreas Wolff immer wieder minutenlang zu einer Wand. Es gab keine Lücken und die Ballgewinne der Deutschen waren die logische Folge. Die Spanier waren bereit, sie waren voll da – und sie hatten dennoch keine Chance. Diese Tatsache machte das Endspiel von Krakau zu einem historischen.

Deutschland - Spanien

Germany’s players celebrate on the podium with head coach Dagur Sigurdsson (2nd left, last row) and the trophy after winning the final of the 2016 EHF European Men’s Handball Championship at the Tauron Arena in Krakow, Poland, 31 January 2016. Photo: Jens Wolf/dpa (zu dpa „Deutschlands goldene Handball-Helden – Keeper Wolff zermürbt Spanier“ am 30.01.2016) +++(c) dpa – Bildfunk+++

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Viele Experten hatten damit gerechnet, dass eine Mannschaft im Endspiel die komplette Spielzeit von 60 Minuten im Griff haben wird. Überraschend war, dass es die junge deutsche Mannschaft war, die dominierte. Die Spanier waren zu Beginn überrascht, später hilflos und am Ende frustriert, dass sie gegen ein Team chancenlos waren, das sie zwei Wochen zuvor noch im Griff gehabt hatten. Torwart Andreas Wolff sichert den Deutschen den Titel und Rio. Die deutschen Handballer haben nach zwölf Jahren den EM-Titel errungen und damit auch die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio erkämpft.

Deutschland auf dem Höhenflug: Wir schaffen das.

Nicht, wenn wir es nicht wollen.

„Fußball-Weltmeister in Brasilien, Grand-Slam-Sieger im Tennis in Australien, Europameister im Handball im Polen – Deutschland jubelt über den nächsten großen Titel, der in kühnsten Träumen unvorstellbar schien.“

(Kronenzeitung, Österreich)

„Wir haben auch durch unsere Gestik signalisiert, dass wir gewinnen werden. Bei uns ging die Brust raus, und die Spanier wurden immer kleiner“ (Lemke.)

Der Keeper Andreas Wolff zeigte außergewöhnliche Klasse. Er wehrte fast die Hälfte der Würfe auf sein Tor ab und unterstützte seine Vorderleute imponierend. Große Torhüter gewinnen große Endspiele – und Wolff war der beste Mann auf dem Feld. Schon das 10:6 zur Pause deutete den Weg in diesem überraschend einseitigen Finale, 16 Minuten vor Schluss traf Kai Häfner – mit sieben Toren bester Werfer auf dem Feld – zum 16:9 und sechs Minuten vor dem Ende war die Entscheidung beim 22:13 längst gefallen.

Mit dem ersten großen Titel seit dem WM-Sieg 2007 haben die deutschen Handballer nicht nur die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr, sondern auch ein Ticket für die Olyympischen Spiele im Sommer in Ria de Janerio.

Tennis1

„Der Glaube an mich war der Schlüssel für den Sieg.“

(Angelique Kerber)

„Ich glaube, die Erklärung liegt wirklich darin, dass ich an mich geglaubt habe. Das habe ich zwar immer, aber so, wie ich das hier nach dem Match gegen Victoria Asarenka im Viertelfinale gemacht habe, das war neu. Da hat es irgendwie Klick gemacht. Auch als ich gegen Serena rausgegangen bin, habe ich gesagt, ich will das Ding gewinnen. Alle haben mir gesagt, ich soll es einfach genießen und einfach ein gutes Match spielen. Aber innerlich habe ich immer gesagt: Genießen ist schön und gut, aber du kannst es auch danach noch genießen. Du gehst raus und versuchst, die Chance, die du hier bekommen hast, auch zu nutzen.“

Tennis

„Du musst nicht zwei Wochen lang dein bestes Tennis spielen, das habe ich auch erfahren. Aber man muss in diesen zwei Wochen einfach bei sich bleiben, man muss an sich glauben. In den zwei Wochen braucht man natürlich auch ein bisschen Glück. Ich glaube, dass die Zeit jetzt einfach gekommen ist. Ich habe immer gesagt, wenn die Zeit da ist, dann werde ich so ein Ding auch gewinnen. Und das habe ich einfach getan. Viele haben es mir nicht zugetraut, aber ich glaube, jetzt brauche ich wirklich niemandem mehr etwas zu beweisen. Ich bin die Nummer zwei der Welt und habe ein Grand-Slam-Turnier gewonnen. Was will man mehr.“

„Serena Williams“ ist ein absoluter Champion, sie schreibt Geschichte, und sie ist auch für mich eine riesige Inspiration. Gegen sie zu spielen ist immer etwas Besonderes. Gegen Sie im Finale gestanden zu haben, ist eine absolute Ehre – und dann noch so ein gutes Match geliefert zu haben, das macht den Titel schon noch einmal mehr besonders.“ (Quelle: dpa)

 

Lewandowski

5 auf einen Streich! – Wirf den Helden in Deiner Seele nicht weg: Hast Du Deinen Lauf, eroberst Du die Welt!- In 9 Minuten überrennt Glücksritter Lewandowski die bis dahin guten Wölfe mit göttlichem Rückenwind. Bundesliga Rekord. – 0:5 – FC-Bayern gegen VFL Wolfsburg. – Für WehrWolter: Weltfußballer 2015. Zürich. FIFA.

(23.09.2015)

Nach 45 Minuten lagen die Bayern gegen Wolfsburg 0:1 hinten. Aber dann wurde Robert Lewandowski eingewechselt. Alles veränderte sich nach wenigen Minuten. Wolfsburg war gut, aber der „polnische Glücksritter“ überrannte sie einfach im Minutentakt. In nur 8.59 Minuten (!) schoss er alleine die Wölfe mit 5 Toren (!) ab – Bundesliga-Rekord.

Das stützt meine Thesen:

  1. Einzelne Menschen können die Welt verändern.
  2. Hoffnung & Selbstbewusstsein sind ausschlaggebend. Das Glück kommt dann obendrauf.

 Das nenne ich dann „göttlichen Rückenwind“. Gefällt mir besser als die Redewendung: „Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.“ Was auch noch passt: „Man muss das Eisen schmieden, so lange es heiß ist.

„Das logische Denken ist das Muster einer vollständigen Fiktion.“ (Nietzsche)

Solche Spielverläufe, wie unser 7:1 Sieg beim WM-Halbfinale über Brasilien, sind der Beweis, dass das ganze hohle Statistikgeblubber keine wirkliche Aussagekraft hat. Damit machen sich gerne viele Menschen wichtig. Viele glauben sogar selbst daran. Im Studium haben wir die immer „Nasenzähler“ genannt.

Lewandowski1

Da halte ich es lieber mit unserem alten Philosophen Friedrich Nietzsche, der so kluge Dinge sagt, wie:

„Wirf den Helden in deiner Seele nicht weg. Halte heilig deine höchste Hoffnung.“

„Die Hoffnung ist eine viel größere Stimulierung des Lebens als irgendein Glück.“

„Man muss noch Chaos in sich haben,um einen tanzenden Stern erschaffen zu können.“

Hier noch mal ein kleiner Rückblick auf den FußballTraum

★ 26. Minute: Führung für Wolfsburg! Draxler rechts raus auf Caligiuri. Der nimmt mustergültig an, zieht Vollspann ab! 0:1

★ 39. Minute: Was macht Neuer? Der Torwart rauscht an der Mittellinie (!) am Ball vorbei. Aber Guilavogui trifft aus 55 Metern nur den Pfosten des leeren Bayern-Tors.

★ 51. Minute: Ausgleich! Dante spitzelt Müller nach einer tollen Bayern-Kombination den Ball vom Fuß. Der Ball landet bei Lewandowski, der einfach einschiebt.

★ 52. Minute: Doppelschlag! Lewandowski kommt zwanzig Meter vor dem Tor an den Ball, zieht flach ab. Die Kugel zischt ins linke Eck – Spiel gedreht!

★ 55. Minute: Wieder Lewandowski! Götze schiebt quer auf den Polen. Der braucht drei Versuche, aber er stochert den Ball schließlich über die Linie. 3:1!

★ 57. Minute: Einfach nur ohne Worte! Costa flankt von links. Von hinten kommt – natürlich – Lewandowski. Ab damit unter die Latte. Unfassbar!

★ 60. Minute: WAHNSINN! Götze über rechts, Lewandowski setzt aus 15 Metern zum Seitfallzieher an. Selbstverständlich geht auch der rein! FÜNF zu EINS!

★ 69. Minute: Fast das sechste! Wieder geht es über links, wieder kommt Lewandowski frei zum Schuss. Diesmal kratzt Rodriguez den Ball von der Linie.

Am 14.09.2015 habe ich mir hierzu schon einmal folgende Gedanken gemacht:

Creating yourself

Sich selbst zu (er)finden, verleiht Flügel. – Mal hast Du einen Lauf … mal hast Du Scheiße am Schuh. Entscheidend ist die Psyche. – Das gilt nicht nur im Fußball. – Das gilt auch in Deinem Alltag.

Wir sollten dafür sorgen, im guten Kontakt mit uns selbst zu sein und fliegen grundsätzlich für möglich zu halten.

Im Bild des Fußballs lässt sich viel veranschaulichen. Hier können auch NichtBallInteressierte etwas lernen. – Der Ball rollt manchmal komisch. Nehmen wir mal Borussia Mönchengladbach: Ligadritter in der letzten Saison und Champions-League-Debütant gewinnt auf einmal kein Spiel mehr und ist heute auf dem letzten Platz der Liga. In der letzten Saison ist es der anderen Borussia ähnlich ergangen. – „Meine Mannschaft“, der 1. FC-Köln ist dagegen gut in die neue Saison gestartet. Aber auf einmal verlieren sie gegen Eintracht Frankfurt 6:2. Köln hat eigentlich in letzter Zeit eine recht solide Abwehr. Wieso kassieren wir auf einmal 4 Tore in 30 Minuten? Der FC-Coach Peter Stöger meint: „Frankfurt hat Fehlerquellen bei uns gefunden“. Dann lese ich in den Medien, dass Marcel Daum, der Sohn von Christoph Daum, als Video-Analyst die Schwächen des FC erkannt und die Eintracht in der Halbzeit entsprechend informiert habe. Ehrlich gesagt, halte ich das für Quatsch!

Aufbau des Egos – Abbau des Egos

Nach meiner Einschätzung ist nicht die Analyse des Gegners entscheidend für den Sieg einer Mannschaft. Ich denke, wenn es einer Mannschaft gelingt ein unverhofftes, möglichst frühes Tor zu schießen, dann kann das verschiedene Konsequenzen haben. Der Torschütze und seine Mannschaft werden selbstbewusster. Die beschossene Mannschaft kann darauf zunächst irritiert reagieren und dann schnell zunehmend unsicherer werden. Auf der einen Seite baut sich ein Ego auf, auf der anderen Seite kann sich das Gefühl der Selbstwirksamkeit abbauen. ,

Häufig geht der Auftakt auch von einem Einzelnen aus. Bei Eintracht Frankfurt war das Alex Meier. Er kehrte nach monatelanger Pause in diesem Spiel in die Startelf der Frankfurter zurück. Ihm gelang nach nur 4 Minuten das erste Tor. Im weiteren Verlauf schoss er insgesamt 3 Tore. Er hatte einen Lauf. Ist das der Fall, gelingt auf einmal so gut wie alles. Der Funke sprang rasch auf die gesamte Hessen-Mannschaft über, so dass es nur 11 Minuten brauchte, bis der Ball wieder im Kölner Netzt zappelte. Die Kölner kämpften bis zum Schluss, schossen auch 2 Tore, aber viele Dinge, die sonst gelangen klappten nicht mehr.

Deutschland im 7-auf-einen-Streich-Rausch : Brasilien in der Schockstarre

Noch eindrucksvoller war das Spiel unserer Deutschen Nationalmannschaft bei der letzten WM 2014 gegen die Brasilianer. Als bis dahin höchste Niederlage im Halbfinale einer Fußballweltmeisterschaft erhielt es in Brasilien den Beinamen Mineiraco, sinngemäß etwa „Schock von Mineirão“. Deutschland hatte bis dahin in 21 Länderspielen nur viermal gegen Brasilien gewonnen.

FußballPsy

Brasilien begann zunächst sehr druckvoll und drängte die deutsche Mannschaft durch aggressives Pressing in den Strafraum. Bereits nach zwei Minuten hatten sie die erste Torchance. Der DFB-Elf gelang es diese anfängliche Druckphase torlos zu überstehen. Dann gelang Thomas Müller in der 11. Minute der Führungstreffer. Brasilien intensivierte daraufhin ihre Offensivbemühungen. Aber der Schreck des ersten Tores führte beim fünffachen Weltmeister zu zahlreichen Fehlpässen und überhasteten Abschlüssen. Als Klose in der 23 Minute das 0:2 gelang, brachen die brasilianischen Profis förmlich in sich zusammen. Die deutschen Spieler kamen hingegen in einen unglaublichen, rauschhaften Lauf. Innerhalb der nächsten sechs Minuten gelangen ihnen so drei weitere Tore. In der zweiten Halbzeit kam Schürle für Klose. Er war kaum auf den Platz, schon schoss er zwei weitere Tore. Brasilien gelang erst in der Schlussminute das erste und einzige südamerikanische Tor.

Erbsenzähler und Spielstatistiken sind etwas für zahlengläubige Langweiler. Wirklich erklären können sie nix.

Natürlich kann man im Nachhinein hier Vieles analysieren. Aber was sagen die ganzen Spielstatistiken wirklich aus? Die Zahlengläubigkeit ist immer noch recht hoch in Deutschland, aber eigentlich eher irreführend als erhellend. Nicht nur beim Fußball. Dieses Spiel wurde wie viele andere Partien psychisch entschieden. Das Selbstbewusstsein eines oder mehrerer Spieler überträgt sich nach und nach auf die Mannschaft. Hier entwickelt sich so etwas wie die Gestalt der Überlegenheit. Gelingt der anderen Mannschaft ein selbstbewusstes Gegenhalten, kann das Spiel spannend werden. Baut aber eine Mannschaft, häufig nach einem unverhofft kassierten Tor, im Selbstbewusstsein ab. Dann „klebt auf einmal Scheiße am Schuh“. Den einen gelingt nichts mehr, den anderen zunehmend alles.

In diesen Verläufen sind starke Persönlichkeiten gefragt. Beim Fußball nennt man sie „Führungsspieler“. Solche Dynamiken gibt es nicht nur im Sport. Es gibt sie auch in der Politik, Forschung, Musik und vielen sozialen Kontexten. Schon in der David-Goliath-Geschichte konnte nicht der Stärkere, sondern der Entschlossenere gewinnen.

David1

David gewinnt gegen Goliath, weil er „einen Lauf“ hat.

In einer entscheidenden Schlacht standen sich die Philister und die Israeliten gegenüber. Aus den Reihen der Philister trat der Riese Goliath hervor. Dieser forderte die Israeliten auf, einen ihrer Männer zu schicken, der gegen ihn kämpfen sollte. Wenn dieser gewinnt, wollten die Philister in den Dienst der Israeliten treten, siegt aber Goliath, so sollen die Israeliten ihre Knechte werden. Jeder wer den Riesen sah, ergriff die Flucht.

Der israelische König Saul versprach demjenigen, der Goliath besiegt, unendlichen Reichtum und die Hand seiner Tochter. Der junge David erklärte sich dazu bereit gegen den Philister anzutreten. Ohne ein Schwertging er auf den Riesen zu. Nur mit einem Sack voll Steine bewaffnet. Mit der Steinschleuder schoss er den Stein genau auf die Stirn Goliaths, so dass dieser tot zu Boden fiel. Als die Philister sahen, dass ihr Stärkster gefallen war, wollten sie vor den Israeliten fliehen. Doch diese kannten keine Gnade. Sie töteten die meisten ihrer Gegner und plünderten deren Lager.

Fußballtrainer können Davide aufbauen

FußballPsyche5

Die Dortmunder sind mit ihrem neuen Trainer Thomas Tuchel wieder in den Lauf gekommen. Im siebten Jahr des charismatischen Trainers Klopp, ereignete sich in seiner Psyche offenbar eine Veränderung. Über einige Jahre hat er junge, verhältnismäßig unbekannte Männer zu Daviden aufgebaut. Für den Erfolg des BVB war nicht das Geld, sondern das Charisma des Jürgen Klopps verantwortlich. Er formte eine selbstbewusste und spielfreudige Siegertruppe. Während die Bayern viel Geld investierten, um sich die besten Spieler zu kaufen, baute Kloppo in Dortmund wenig bekannte Spieler psychologisch auf. So holten sie sich auch folgerichtig 2012 das Double, indem sie die Bayern in Berlin wegputzten.

BVB-Gala im Pokalfinale gegen Bayern: Mia san Dortmund!

„Welch ein Spektakel! Borussia Dortmund hat den FC Bayern im Pokalfinale gedemütigt und erstmals das Double perfekt gemacht. Überragender Mann war Robert Lewandowski, der drei Tore schoss. Für die Bayern war es die fünfte Pleite gegen den BVB in Serie.

Die Kräfteverhältnisse im deutschen Fußball geraten ins Wanken: In beeindruckender Manier hat Borussia Dortmund das DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern 5:2 (3:1) gewonnen und das Double perfekt gemacht. Vor allem aber hat der BVB den Rekordmeister ein weiteres Mal gedemütigt, ihn zum fünften Mal in Serie besiegt.

Shinji Kagawa (3. Minute) hatte den BVB früh in Führung gebracht, Arjen Robben (25.) glich wenig später per Elfmeter aus. Noch vor der Pause entschied Dortmund die Partie mit einem Doppelschlag durch Mats Hummels (41./Elfmeter) und Robert Lewandowski (45+1.). Nach dem Seitenwechsel traf der polnische Stürmer noch zweimal (58./81.), zwischenzeitlich hatte Franck Ribéry (75.) verkürzt.“ (Spiegel Online, Nils Lehnebach)

Dortmund's striker Marco Reus celebrates scoring during the German first division Bundesliga football match Borussia Dortmund vs Borussia Moenchengladbach in Dortmund, western Germany, on August 15, 2015. AFP PHOTO / PATRIK STOLLARZ RESTRICTIONS: DURING MATCH TIME: DFL RULES TO LIMIT THE ONLINE USAGE TO 15 PICTURES PER MATCH AND FORBID IMAGE SEQUENCES TO SIMULATE VIDEO. == RESTRICTED TO EDITORIAL USE == FOR FURTHER QUERIES PLEASE CONTACT DFL DIRECTLY AT + 49 69 650050.

Fazit: Sich selbst zu (er)finden, verleiht Flügel.

Geld schießt Gott sei Dank keine Tore. Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten. Emotionale, teils unbewusste Kräfte sind entscheidend. So wie im Zusammenspiel von Psyche und Alltag

Wir sollten dafür sorgen, im guten Kontakt mit uns selbst zu sein und fliegen grundsätzlich für möglich zu halten.

 

So, jetzt noch eine Zugabe, weiterer Texte von mir zum Thema Psyche & Fußball. – Für die Unermütlichen 😉

 

Psyche spielt Fußball und schießt fast alle Tore! – Der Ball rollt in uns & in der Bundesliga, UEFA Championsleague, Fußballeuropameisterschaft 2016 … weltweit.

(22. August 2015)

Der Ball rollt wieder.Fußball ist für mich ein LehrMeister. Hier finde ich immer wieder gute Bilder für die Psychologie des Alltags. Gleich freue ich mich auf das Spiel unseres Effzeh gegen die Wölfe.

IMG_4195

Eigentlich befürchte ich, dass wir diesmal keinen Punkt holen. Was aber keine Schande wäre. Allerdings wäre mit Glück & kölschem Witz auch 1 oder gar 3 Punkte auch möglich. Eigentlich schreib ich diesen Beitrag allerdings, weil ich am Donnerstag mal wieder ein unglaubliches Spiel gesehen habe. Die Dortmunder BVB-Jungs lagen im  Playoff-Hinspiel zur Europa League gegen den norwegischen Klub Odds BK nach 14 Sekunden 0:1 zurück. 0:3 nach 22 Minuten – nach den bisher gezeigten Leistungen in den ersten vier Pflichtspielen der Saison eine Sensation. Dennoch konnten sie das Spiel drehen, um am Ende als Sieger vom Platz zu gehen.

Odds BK Skien – Borussia Dortmund 3:4 (3:1)
1:0 Samuelsen (1.)
2:0 Nordkvelle (19.)
3:0 Ruud (22.)
3:1 Aubameyang (34.)     3:2 Kagawa (47.)  3:3 Aubameyang (76.)  3:4 Mchitarjan (84.)

FußballPsy

Fußball kann auch Qualtitäten von Rausch haben. Wie bei der WM 2014 im Spiel Deutschland : Brasilien.

Der 41jährige Thomas Tuchel könnte der jüngere Bruder von Jürgen Klopp sein. Er ist nur viel schmaler und optisch noch jungenhafter. So wie Kloppo hat er aber eine gute Verbindung zu seinem „inneren Kind“.

FußballPsyche5

Damit beurteilt er Spielsituationen nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Bauch. Auch wenn letzterer auffallend klein ist. Damit ist er emotional und in einer direkten Kommunikation mit seinen Spielern. Tuchel kann auf die Vorarbeit von Klopp aufbauen und die Spieler verstehen ihn auf Anhieb. Das hat man schon im Bundesliga-Auftaktspiel gegen Borussia Mönchengladbach gesehen. Ein 4:0 hätten selbst Edelfans des BVB nicht für möglich gehalten. „Was für ein Debüt! Im ersten Bundesligaspiel mit Borussia Dortmund konnte Trainer Thomas Tuchel einen 4:0-Sieg gegen Mönchengladbach feiern. Der BVB spielte dabei phasenweise wie im Rausch.“ (Spiegel online)

FußballBVB

Hier sehen wir wieder: nicht das Geld allein entscheidet, ob eine Mannschaft gewinnt oder verliert. Jetzt wird die Liga wieder etwas spannender. Ginge es nur nach Spieler- und Trainerwert, wäre der Titel ja schon klar, ohne, dass man überhaupt auf den Rasen gehen müsste. Nachfolgend habe ich noch einmal einige Gedanken zum Zusammenspiel von Fußball und Psyche aufgegriffen. Hier geht es um Beiträge, die ich schon einmal auf meinem Blog veröffentlicht habe. Die sind nicht wirklich „alt“, weil die Schlußfolgerungen zeitlos sind. So, jetzt schau ich mal, was die Liga heute wieder zu bieten hat!

FußballPsyche6

„Kloppo, mein Captain“ – und die „verlorenen Jungs“ aus Dortmund.

Psychologisch quergedachte Überlegungen zu Höhenflug & Scham auf der narzisstischen Bühne.

(Erste Veröffentlichung: 02.02.2015 auf http://www.wwWehrWolter.blog.de)

Die Rückrunde der Bundesliga hat am 18. Spieltag mit einem Knaller begonnen. Bayern München verliert 1:4 gegen Wolfsburg. Dennoch glaubt Fußballdeutschland fest daran, dass die Bayern am Ende den Pokal mal wieder in ihre Vitrine stellen werden. Spannender und leidenschaftlicher ist es diesmal am Ende der Tabelle. Was ist bloß mit Dortmund passiert? Die Mannschaft ist am 01.02.2015 auf dem allerletzten! Tabellenplatz. Abstieg? Unglaublich! Focus online titelt heute: „Jürgen Klopp kämpft gegen die Unlogik des Fußballs“. Dieser Satz ist Quatsch! Der selbsternannte „Fußball-Analytiker“ Chris Anderson hat keine Ahnung. Hier und im aktuellen Fall wirkt keine formale Logik. Hier wirkt Psycho-Logik!,

Kloppos Jungs mischten in den letzten Jahren erfrischend flott und überzeugend an der Spitze des Olymps mit. 2012 wurden sie Deutscher Meister, 2013 gewannen sie sogar das deutsche Double und sie standen im Endspiel der Champions League. Wie können wir den Absturz in 2014 verstehen?

Nach meiner Einschätzung liegen Aufstieg und Fall entscheidend in der Persönlichkeit des Trainers begründet. Der Charismatiker Jürgen Klopp ist der Regisseur des BVB. Nachdem er 2008 Trainer des Abstiegskandidaten wurde, begann der konsequente Aufstieg des Vereins. Jahrelang war Klopp der unbestrittene Vater des Erfolgs. Auch wenn er nicht wie ein Diktator auftrat, er war so etwas wie ein Sonnenkönig im Revier. Er fand junge Talente, förderte sie und gestaltete ein Mannschaftsgefüge, das an Sepp Herbergers 11FreundePhilosophie erinnert. Und das in einer GeldEssenSeeleAufZeit.
Auch auf internationalen Bühnen wurde er mit seinen Jungs als unkonventionell, niedrigpreisSiegender Angstgegner gefürchtet. Selbst „The Special One“, der vier Jahre ältere, krankhaft ehrgeizige, José Mário dos Santos Félix Mourinho – allein der Name strahlt schon greller als Kloppo. – hatte die Hosen so voll, dass die „Königlichen“ vom kleinen BVB, im eigenen Stadion, im Viertelfinale der Champions League (24.04.13), mit 1:4 vorgeführt wurden. Zu dem Zeitpunkt war „Der Besondere“ der bestbezahlteste Trainer der Welt. Der Satz „Geld schießt Tore“, taugt vielleicht als Werbeslogan für die Deutsche Bank, im Estadio Santiago Bernabéu wurde eindrucksvoll karikiert. Die Borussen Biene Maya summte munter bis zum Endspiel ins Londoner Wembley-Stadion.

Klopp ist ein guter Stratege. Was macht er, der oft wie ein großer Junge wirkt, anders als die Anderen? Als entscheidend für seine Erfolge scheint mir zu sein, dass er BRENNT. Er brennt in seinem Job und vermag es, die Mannschaft samt Publikum durch sein Feuer anzustecken. Dieser Mann steht in einem guten Kontakt zu seinem sogenannten „inneren Kind“. – Kleiner Exkurs: gelangen Männer deshalb so häufig in Spitzenpositionen, wie z.B. als Sterneköche oder Uniprofessoren, weil sie sich nicht schämen, die Kraft des „inneren Kindes“ zu nutzen? Der Zugang zum oft zitierten „Kind im Manne“ als KarriereRessource? Von Picasso wissen wir, dass es sein lebenslang verfolgtes Ziel war, wieder so malen zu können, wie die Kinder. Das ist aber ein anderes Thema, zu dem ich auch viel im Kopp habe und bald auch etwas schreiben werde. –

Zurück zu Klopp: Ein gewaltiger Ehrgeiz, der – anders als bei Mourinho – über weite Strecken spielerisch locker anmutet und der vor allen Dingen sozial kompetent und 1fach „menschlich“, bleibt. Auch wenn er nicht selten wegen seiner Impulsdurchbrüche auf die Tribüne verwiesen wurde. Ihm gelang es aus dem BVB so etwas wie den „Club der toten (Bundesliga)-Dichter“ zu machen: Das Schicksal weniger Mannschaften ist so direkt mit der Stimmungslage ihres „Captain, mein Captain“. verbunden. Der Absturz des BVB hängt, nach meiner Einschätzung, entscheidend mit der Seelenlage dieses genialen, Ballflüsteres zusammen.

Dem Feuerkünstler wurde die Glut gestohlen. Bei Spielerwechseln ist Geld meist stärker algoetzeBVBayerns die emotionalen Bindungen. Die Zeiten sind vorbei, als ein Wolfgang Overath in Köln oder ein Uwe Seeler in Hamburg aus Vereinsverbundenheit „ihrem“ Verein das lebenslange JaWort gegeben haben. Aber als dann „Sohnemann“ Mario Goetze zu den Bayern ging und der HattrickHeld von Madrid, Robert Lewandowski, dann auch noch zum Gegner überlief, dann war das wohl zu viel für den Pokalschmied. Der Vater verlor zu viele Söhne. In zu kurzer Zeit. Ein LeidenSchaftler wie er, konnte das nur äußerlich wegstecken. Es begann sich etwas zu verändern – auch und besonders IN Jürgen Klopp.

Er wird gespürt haben, dass er sich mit seinen „verloren Jungs“, absturzartig von der Sonne entfernte. Das erinnert an eine griechische Tragödie. Nur der hochaufgestiegene Kloppo wird nicht zwangsläufig zum Ikarus. Unbewusst folgt die Tragödie m.E. einer anderen Logik. Die Vorzeichen drehen sich jetzt einfach diametral um. Als abstürzender Engel wird ihm und seinen Jungs mehr Aufmerksamkeit zu Teil, als würden sie im Mittelfeld herumtaumeln. Aus einem narzisstischen Höhenflug wird kein 1facher Absturz, sondern die Inszenierung einer grandiosen Katastrophe. Ein böser Verweis auf das Exzugpferd der FDP Möllemann: er wählte nicht die ruhige Badewanne, sondern zog die Inszenierung eines sorgsam vorbereiteten Himmelssturzes ohne Netz und doppelten Boden vor. Wie erfolgreiche Alphatiere im Alter, häufig unter „großartigen“ Krankheiten leiden. Halbe Sachen sind in dieser Welt etwas für Warmduscher.

Ganz Fußballdeutschland schaut nach Dortmund. Da ist es spannender als in München. Am Ende werden sie vermutlich die Kurve noch kriegen. Ich glaube nicht, dass es sich hier um einen bewussten Akt handelt. Das ist eine unbewusste Inszenierung, die sich in der zentralen Führungsfigur Jürgen Klopp abspielt. Als unbewusste Gestaltungslogik überträgt sich das auf die gesamte Mannschaft und den Verein. Hier wirkt wohl der unbewusste Abwehrmechanismus der „Reaktionsbildung“.

Als Reaktionsbildung, beschreibt Sigmunds Tochter, Anna Freud*, eine unbewusste Firewall des Seelischen. Dieser Mechanismus ist so etwas wie eine Sicherung, die uns vor Angst und vor allen Dingen vor Scham und Selbstwertverlust zu schützen versucht. Unerwünschte Impulse werden dadurch abgewehrt, dass genau die entgegengesetzte Verhaltensweise gezeigt wird. So wehrt beispielsweise ein Mensch mit starker homoerotischer Neigung diese ab, indem er eine starke Homophobie entwickelt. Zu militanten Nichtrauchern sagt man ja auch gerne: „Die schärfsten Kritiker der Elche, waren früher selber welche!“ Dieses Szenario spielt sich beim BVB nicht in Reinkultur ab. Hier ist noch Bewegung, hier ist noch Leben drin.

Es gibt viele andere Beispiele, die uns zeigen, dass SelbstBewußtsein die Tore schießt. Dies fällt uns besonders dann auf, wenn die Tore nicht fallen. Ein tragisches Beispiel war ja vor einiger Zeit Mario Gomez. Der schoss einen Ball im Fünfmeterraum so grandios in den Himmel, dass er für dieses Kunststück viel Spot erfuhr. Daraufhin hatte er eine fast dreijährige Ladehemmung vor dem Kasten. Es ist halt nicht immer so einfach, ein labiles Selbst wieder aufzubauen und zu stabilisieren. Da unterscheiden sich die Menschen. Es gibt auch Spieler, die kurz fluchen, rasch wieder aufstehen und solange aufs Tor knallen, bis der VersagensKnoten wieder gelockert ist. „ Hinfallen. Aufstehen. Krönchen richten. Weiterschießen.“ Poldi ist so einer. Das hängt damit zusammen, wie wir mit Scham umgehen können. Da spielt unsere – meist frühe – Lebensentwicklung eine entscheidende Rolle.

Unser FC Köln ging mit einem 2:0-Sieg gegen den HSV in die Rückrunde. Der selbstbewusste Marcel Risse hat beide Tore geschossen. Natürlich haben sich auch die Hamburger gut vorbereitet auf den Start. Ich vermute aber, die Tatsache, dass der Trainer Peter Stöger mit den Jungs zum Wintertraining, erstmalig ins „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ geflogen ist, das Selbstgefühl der Mannschaft entscheidend anschubsen und festigen konnte. Die Latte wurde durch diese Wertschätzung höher gelegt. Er hat es geschafft, ihnen glaubhaft zu vermitteln: „Ich glaube, dass ihr da rüber kommt!“

Also: wir sollten vor allen Dingen Augenmerk auf das SELBSTGEFÜHL unserer Kinder legen. Möglichst loben, fordern & fördern. Keinesfalls beschämen! … Dann klappt das auch mit den Toren.

Geld? Kann jeder! – Plädoyer für Kreativität & Schweiß  –  –  Money? Can anyone! – Plea for more creativity

(Beitrag vom 6. Mai 2015)

Gestern habe ich einen kleinen Text verfasst, den ich: „Seien sie nicht so deutsch – Plädoyer für weniger Strenge“ betitelt habe. Da ging es um die These, dass Deutschland 1954 als Außenseiter die Fußballweltmeisterschaft gewinnen konnte, weil der Trainer Sepp Herberger im laufenden Turnier seine inneren Bilder verändern konnte. Er folgte nicht mehr den preußischen Tugenden, wie „Ohne Fleiß kein Preis“ oder „Nur der frühe Vogel fängt den Wurm“. Er fand zu einer beweglicheren Haltung im Umgang mit seinen Spielern. Vor allen Dingen im Umgang mit seinem „Problemkind“ Helmut Rahn. Der wurde ja von allen „Boss“ genannt, weil er einen eigenen Kopf und eine entsprechend große Klappe hatte.,

Anstatt ihn zu disziplinieren, wie es z.B. unser gegenwärtiger Bundestrainer Jogi Löw bei Kevin Kuranyi versuchte. Wobei, hat der Bundesjogi hier wirklich etwas versucht, oder hat er nicht einfach einen Bannspruch über ihn verhängt? Daraufhin zog sich der junge Mann ins tiefe Russland zurück. In die Bedeutungslosigkeit für den deutschen und europäischen Fußball. Wo wir gerade dabei sind. Dem streckenweise Topscorer der Bundesliga, Stephan Kiesling, hat Jogi Löw nie eine Chance gegeben. Wie können wir das eigentlich verstehen? Nicht auf der Faktenebene. So viel steht fest. Da müssen wir schon tiefer ansetzen. Um mich nicht auf Nebenschauplätzen zu verlieren, mache ich es kurz und knackig. Könnte es nicht sein, dass es hier beim Bundestrainer, in tieferen Schichten seiner Persönlichkeit, um so etwas wie eine homoerotische Verwirrung geht? Wie gesagt, ich will das jetzt nicht weiter vertiefen. Dass ich diese provokante These sofort um die Ohren gehauen bekomme – weiß ich.

Barcelona's coach Pep Guardiola looks on during a news conference at Camp Nou stadium in Barcelona

Heute Abend bin ich deutsch! Natürlich drücke ich den Bayern die Daumen. Obwohl mir die Vereinsführung in vielen Dingen nicht gefällt. Ich gönne jedem den Erfolg. Was mir an den Bayern nicht gefällt, ist der ungehemmte RaubtierKapitalismus. Es ist natürlich einfacher mit viel Geld bereits gute Spieler zu kaufen, als selbst „kleine“ Spieler groß zu machen und ein Team zu formen. Mit verhältnismäßig geringen Mitteln. Da sind mir Peter Stöger und Jürgen Klopp nicht nur sympathischer, sondern sie sind für mich 1fach sportlicher! Geld? Kann jeder!

Klopp GuardiolaKlopp5

Rummenigge hätte seinen Jungs im DFB-Pokalspiel gegen den Rivalen BVB eine Siegesprämie in Höhe von einer Millionen Euro versprechen können. Sie hätten dennoch die Elfer verschossen. Hätte Pep Guardiola den Müller nicht ausgewechselt, hätte dieser den ersten Elfer versenkt. Warum? Weil Müller einen eigenen, einen freien Kopf hat. Da stimmt das mit dem im Kragen aufgenähten Slogan „Mir san mir“. Da sich Guardiola, wahrscheinlich von den Himmelserwartungen des Vorstands, zu sehr unter Druck setzen lassen hat, verlor er streckenweise seine Intuition, seinen eigenen Kopf. Das führte zu mehreren Fehlentscheidungen. Der erste, für mich sichtbare, Fehler war, die Schuld an dem verlorenen Champions League Spiel dem Mannschaftsarzt in die Schuhe zu schieben. Sein Kader ist dermaßen gut bestückt. Wenn Jürgen Klopp so denken würde, bräuchte er gar nicht mehr weiter machen. Guardiolas weitere Fehler waren, der Einsatz von Robben, die Herausnahme von Müller und den ersten Elfmeter einen Verteidiger schießen zu lassen. Lahm ist ein toller Spieler, keine Frage. Ich mag ihn auch. Aber Lahm brennt zu wenig, um als Führungsfigur überzeugen zu können. Löw ist ja auch keine echte Führungsfigur. Klinsmann war es beim Sommermärchen. Angela Merkel ist ja auch keine charismatische Führungsfigur. Obama, Helmut Schmidt, Maggi Thatcher und Michail Gorbatschow schon. Die haben bzw. hatten eigene Ideen und genügend Mut, diese auch zu vertreten. Selbst bei Gegenwind. Angela Merkel führt ja eher durch ZurückHaltung. Damit ist sie zweifellos sehr erfolgreich. Auch in der Wirtschaft domminieren solche Managementtypen. Aber schaffen solche Menschen Neues? Steve Jobs, Albert Einstein und Wolfgang Niedecken schafften Neues.

BAB

Kurz zum Schweiß. Wir wissen ja, das es nicht reicht, wenn wir uns einen tollen persönlichen Fitnesscoach zu kaufen. Da kann es effektiver sein, im neuesten Aldilaufdress um den Decksteiner Weiher zu laufen. Jetzt zitiere ich zum Schluss noch einmal meinen Lieblingsautor Johann Wolfgang G.: „Was du ererbt hast von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen!“Faust sagt es, als er in der Nacht an Selbstmord denkt. Wir müssen das Ererbte immer wieder neu erwerben, um es wirklich zu besitzen. Wir können uns auch nicht auf unseren eigenen Erfolgen ausruhen.

Das gilt nicht nur beim Fußball. Aber auch da. Aber jetzt freue ich mich auf das Spiel

FC Barcelona : FC Bayern, was gleich beginnt. Mein Tipp: 1:0 für den FCB   😉

Affen(Titten?)Geil. Der EndKampf. – Warum MännerFußball 1fach emotionaler ist.

(Beitrag vom 24. Mai 2015)

Affen jagen gern im RudelKatzen pflegen gut ihr Selbst.

Meinem Ziel, ein anerkannter WahrSager zu werden, komme ich immer näher. Schon bevor Bayern sich den Titel in der Bundesliga sicherte, sagte ich voraus, dass diesmal der Kampf am TabellenEnde interessanter wird. Das war zu der Zeit, als Dortmund Tabellenletzter war und ich mit einer griechischen Tragödie um Jürgen Klopp rechnete. Gut, falsch lag ich da nicht. Der BVB ist vom 18ten, also letzten Platz der Liga wieder aufgestiegen. Hat die Bayern aus dem DFB-Pokal geworfen. Mit einem der spektakulärsten EndKämpfe, die es je bei einem international beachteten Spiel gegeben hat. Die Elferschützen von Guardiola fielen reihenweise um. Wie die Fliegen. Nicht einer der vier Weltklassespieler, allen voran Käpt’n Lahm, konnte einen Elfmeter verwandeln. Wann hat es so etwas schon einmal gegeben. Nebenbei noch einmal erwähnt: „Geld schießt keine Tore. Selbstbewusstsein alle.“ So titelte ich vor einigen Monaten. Hier in meinem Blog. Mit etwas Glück, holen die Söhne nächstes Wochenende noch den Pokal für ihren großen charismatischen Vater.

Affen0

Fußball war immer schon ein Spiel der Männer. Tabu der Homosexualität.

Nach meiner Einschätzung geht es hierbei zentral um Varianten der Vater-Sohn-Dynamik. Es gibt auch Psychologen, die die Auffassung vertreten, dass es hier um so etwas wie MännerLiebe geht. Das würde ich unterschreiben. Nicht im konkretistischen, also enger sexuellem Sinne. Nebenbei gesagt: daher ist Homophobie so ein großes Thema im Fußball. Genauer gesagt: das Tabu der Homosexualität ist im Fußball deutlich signifikant größer, als in der RestKultur.

Dass der BVB zunächst abstürzte hatte m.E. damit zu tun, dass Jürgen Klopp sich von seinen Söhnen verraten fühlte. Götze und Lewandowski folgten nicht nur dem Ruf des Geldes, sondern sie wechselten mit wehenden Fahnen zum Rivalen. Da dies KlopPo nicht so ohne weiteres wegstecken konnte, drohte sein inneres Feuer zu erlöschen. Das wäre fatal gewesen. Sein letzter LieblingsSohn, Marco Reus, leistete den Treueschwur. Klopp wurde wieder zuversichtlicher. Mir war zu dem Zeitpunkt klar, dass er am Ende der Saison aufhört und eine längere Pause einlegen wird. Das hab ich auch, in alter WahrsagerManier, damals öffentlich angekündigt. Da folgt er nicht nur Pep’s Vorbild. Wenn Du eine Liebe beendest, gehst Du nicht mit der nächstbesten Anderen ins Bett. Echte Männer machen das nicht. Echte Frauen auch nicht. Eigentlich müssten wir sagen: Echte Liebende machen das nicht!

Wenn Männer brennen, geht die Post ab!

Gerade das innere Feuer der Trainer ermöglicht Topleistungen. Auch Guardiola verlor ja fast seinen Pep. Das sah man daran, dass der Katalane innerhalb kurzer Zeit unerklärliche Fehler machte. Nur einen will ich hier jetzt heraus greifen. Andere habe ich in vorangegangenen Texten bereits beschrieben (Schuldzuweisung auf Müller-Wohlfahrt etc.). Warum wechselte er in drei wichtigen Spielen hintereinander den bayrischsten, vielleicht deutschesten Spieler, Thomas Müller, jeweils in der ca. 70sten Minute aus? Ich glaube, weil er enttäuscht war und zu wenig Liebe in München gespürt hat. Das Geld stimmte. Er ist der bestbezahlteste Trainer der Welt. Aber: Geld allein macht keine Siege. Der sich ungeliebt Fühlende, ohrfeigt das symbolische Herz der MirSanMirMannschaft. Eigentlich ist hier die größte Gefahr, dass wir die Liebe zu uns selbst verlieren. Wenn wir ganz radikal denken, geht es immer um die Liebe zu uns selbst. Erst dann kommen die anderen. Wenn ein Flugzeug abzustürzen droht, sagt uns das Flugpersonal nicht umsonst: ziehen sie erst sich die Sauerstoffmaske an, dann helfen sie ihren Kindern und den Anderen.

 Affen7

Dieser Fehler hatte einen hohen Preis: Titel 2 ist futsch!

Dämlich. Wäre Thomas Müller nä(H)mlich in der Halbfinalverlängerung noch auf dem Platz gewesen, dann hätte er den ersten Elfmeter geschossen. Der wäre reingegangen. Da bin ich mir ziemlich sicher, da Müller einer der emotional stabilsten Spieler in Deutschland ist. Warum? Weil er in sich selbst ruht. Er ist einer der wenigen Authentischen. Einer der Wenigen, dem ich den, an und für sich sympathischen, MirSanMir-Slogan wirklich abnehme. Wie Frank Sinatras „I did it my way“.

Thomas Müller ist ein Mann, der sein eigenes Ding macht.

Damit meine ich nicht, dass er ein Egoist ist. Er ist eher wie Messi, Ronaldo & Zlatan Ibrahimović: Männer, die ihrem inneren Kompass folgen und dennoch auch Teamplay beherrschen. Liebe Deinen Nächsten, WIE DICH SELBST!

 AffenHubAffen8

Plädoyer für paradoxe Interventionen

Hub Stevens kann ich nicht sonderlich gut leiden. Nicht nur weil er bei unserem Effzeh (vor vielen Jahren) nix gebracht hat, sondern, weil er mir in seinen blauen Trainingsanzügen so zurückgeblieben muffelig anmutet. Dass er seine StuttgarterJungs vor zwei Wochen als „AFFEN“ beschimpfte, wirkte auch nicht sehr weltMännIch. Aber, die Jungs nahmen die Botschaft auf und verwandelten sie humorvoll in mehr Biss und damit in mehr Selbstbewusstsein. Als sie ein Tor schossen, gaben sie sich beim Torjubel als Affenbande. Fantastisch!

Affen6

Die Rechnung des alten Haudegens Hub ist aufgegangen. Wobei ich nicht glaube, dass es eine bewusste Strategie des Holländers war. Er hat 1fach seiner Intuition, seinen Affekten, seinem Gefühl freien Lauf gelassen. Dabei hat er Glück gehabt, dass die Söhne nicht gegen den knorrigen Vater opponieren mussten. Sonst wäre er, nach Abstieg in die zweite Liga: weg vom Fenster – mit Blick auf Mercedes – gewesen. Psychologisch werden ihn die VfB-Jungs, vom Verein für Bewegungsspiele, weniger als Vater erlebt haben. Eher als einen etwas verschrobenen Opa. Lass den mal reden … aber vielleicht hat der Alte ja nicht ganz Unrecht?! Stichwort Opa: sogar der Dino HSV kann sich weiter die nie unterbrochene Erstklassigkeit ans Trikot heften. Wenn wir mal ehrlich sind: wen hat denn gestern die Meisterfeier der Bayern emotional berührt?

 Affen10

Fußball ist ein hochemotionales Männerspiel. Damit will ich nicht sagen, dass Frauenfußball uninteressant ist. Im Gegenteil. Aber: mich und viele Andere packt es emotional nicht sooo stark. Das passt zu dem Buch, was ich demnächst schreiben werde.

Arbeitstitel: „Männer jagen gern im Rudel – Katzen pflegen gut & gern sich Selbst“.

(Titelbild: „Wunder von Bern meats Blechtrommel“ – Bild zum Musical: „Das Wunder von Bern“, Hamburg)

Affen2

7 Weitere Artikel rund um den Ball. Nachzulesen in meinem Blog: www.WehrWolter.com

Einfach auf Artikel klicken

1. „VaterNacht vor Himmelfahrt – Guardiolas Pep schwindet. Rapide. Vom Umgang mit EntZauberung & EntTäuschung“ (13. Mai 2015)

2. „Lionel Messi traumwandelt in Einsteins Schuhen – Was können WIR von ihm lernen?“ (11.Mai 2015)

3. „Geld? Kann jeder! – Plädoyer für Kreativität & Schweiß – Money? Can anyone! – Plea for more creativity“ (06.Mai 2015)

4. “Seien sie nicht so deutsch!” – Plädoyer für weniger Strenge“ (05.Mai 2015)

5. „FußFall – ZuFall? Auch Götter können ausrutschen!“ (30. April 2015)

6. „Die Psyche entscheidet – Äpfel vom goldenen Baum“ (23. April 2015)

7. „Kloppo geht! – Wer wandelt jetzt Wasser zu Wein?“ (16. April 2015)

die 4 Affen

NachspielZeit:

Kleine Auswahl von Zitaten der zurückliegenden Bundesligasaison:

„Ich bin der Müller ohne Wohlfahrt, ich kenne mich da nicht aus.“ (Thomas Müller von Bayern München auf die Frage, ob er wisse, ob Franck Ribéry und Bastian Schweinsteiger fit für das Champions-League-Spiel am Mittwoch beim FC Porto seien)

„Ich bin jetzt nicht ratlos, aber ich bin auch kein Messias – oder habe ich etwa Sandalen an?“ (Stuttgarts Trainer Huub Stevens nach dem 2:3 gegen Borussia Dortmund)

„Papa hat wohl was abbekommen. Er hat danach ein paar komische Sachen gesagt.“ (Bayer Leverkusens Torhüter Bernd Leno über einen Zusammenprall mit Mitspieler Kyriakos Papadopoulos)

„Wir haben es mal wieder geschafft, aus einem kontrollierten ein unkontrolliertes Spiel zu machen.“ (Frankfurts Trainer Thomas Schaaf nach dem 1:3 der Eintracht beim VfB Stuttgart)

„Ich habe meine Frau vor die Wahl gestellt: Mallorca oder HSV. Aber ich habe sie nicht ausreden lassen.“ (Trainer Bruno Labbadia nach seiner Vorstellung als neuer Coach des Hamburger SV)

Katzen1

„Der Gegner macht aus wenig viel, wir aus viel wenig.“ (Dortmunds Trainer Jürgen Klopp nach dem 0:1 gegen Hannover)

„Ich habe nachgefragt: Tore aus der Distanz sind zulässig, und es ist auch erlaubt, dass andere Spieler als nur Stürmer Tore schießen.“ (Trainer Peter Stöger vom 1. FC Köln zur Torflaute seiner Mannschaft)

„Es ist auch mal wieder ganz schön, dass man nicht gegen einen 15-Mann-Abwehrriegel mit Bus im eigenen Strafraum anrennen muss.“ (Bayerns Dreifach-Torschütze Thomas Müller zur mutigen Ausrichtung der Frankfurter)

„Ich wusste nicht, dass ich überhaupt so weit schießen kann.“ (Mittelfeldspieler Moritz Stoppelkamp vom SC Paderborn zu seinem Bundesliga-Rekordtor aus 83 Metern)

FußballPsy4

MUNICH, GERMANY - APRIL 28: Xabi Alonso of Muenchen slips over during the penalty shoot out during the DFB Cup semi final match between FC Bayern Muenchen and Borussia Dortmund at Allianz Arena on April 28, 2015 in Munich, Germany. (Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

MUNICH, GERMANY – APRIL 28: Xabi Alonso of Muenchen slips over during the penalty shoot out during the DFB Cup semi final match between FC Bayern Muenchen and Borussia Dortmund at Allianz Arena on April 28, 2015 in Munich, Germany. (Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

FußFall – ZuFall? Auch Götter können ausrutschen!

(Beitrag vom 30. April 2015)

Im Revier kennt man sich mit Demut, kleinen Brötchen, Kohle & Seife aus.

Fußball verbildert uns immer wieder eindrucksvoll, wie unsere Psyche den Alltag bestimmt. Unsere Spiele entziehen sich häufig der bewussten Kontrolle und Einflussnahme. Es verblüfft mich immer wieder aufs Neue, dass die Mehrheit unserer Zeitgenossen, die Wirkung der unbewussten Seelenkräfte ignoriert, obwohl Sigmund Freud diese schon vor 120 Jahren wissenschaftlich erforschte und dokumentierte.

In Bayern sind die Maifeiern getrübt, nachdem der David BVB den Goliath FC Bayern im Halbfinale des DFB Pokal auf eine spektakuläre Art und Weise mit 3:1 nach Elfmeterschießen besiegte. Die gleiche Mannschaft, die vor wenigen Tagen noch einen tollen Sieg in der Champions League hinlegte, rutschte jetzt slapstickmäßig aus.

Wie können wir das verstehen? Nicht auf einer sachlich orientierten Ebene. Die Bayern waren die ersten 70 Minuten überlegen. Ausgerechnet der „übergelaufene Sohn“ bracht sie in Führung. Meiner Meinung nach, ging der Erdrutsch vom derzeit bestbezahlten und genialen Trainer Pep Guardiola aus. Rückblickend begann für mich seine Fehlerserie nach dem verlorenen Spiel in der Champions League gegen den FC Porto. Anstatt er die Verantwortung dafür übernahm, suchte er einen externen Sündenbock. Er projiziert die Schuld auf den Mannschaftsarzt Dr. Müller-Wohlfahrt. Da er die verletzten Spieler nicht rasch genug wieder herstellen konnte, hätten sie verloren. Der seit 30 Jahren etablierte Mediziner zog sofort seine Konsequenzen.

bvb fcb3

Weshalb handelt der so smart wirkende spanische Meistermacher so ungewöhnlich? Meine These ist, dass er sich selbst derzeit zu sehr unter Druck setzt. Er muss, vor sich selbst, offensichtlich der unangefochten Beste sein. Dieser Druck zeigte sich dann im Halbfinale des DFB Pokal in einer zunehmenden Verkrampfung, aus der eine Reihe von Fehlentscheidungen resultierten. Für mich wurde es deutlich als er Robben einwechselte, der nach 16 Minuten wieder verletzt ausschied. Daraufhin wechselte er Müller und Thiago aus. Vor allen Dingen die Herausnahme von Müller erscheint mir nicht nachvollziehbar. Müller verkörpert in meinen Augen nämlich das stabilste Selbstbewusstsein der Mannschaft. Er wäre der erste Elfmeterschütze gewesen und hätte den Ball, aller Wahrscheinlichkeit nach eingenetzt. Das hätte den FC Bayern wieder ins Oberwasser gebracht. Stattdessen eröffnet der Verteidiger Lahm den Schußreigen. Dass er ausrutschte, ist – nach meiner Einschätzung – auch ein Symptom, des zu großen Drucks, der sich in der Meistermannschaft wie ein Lauffeuer ausbreitete. Daher kommt es zu einem zweiten FußFall. Dann schießt Goldjunge Götze, dem wir den WM-Titel zu verdanken haben, so schwach, dass Mitch Langerak den Ball hält. Als vierter und letzter Schütze verschießt unser weltbester Torwart Manuell Neuer den Ball.

bvb fcb4

Die bayrischen Spitzenprofis schafften kein einziges Elfmetertor. Hier müssten alle Managementtrainer und Wirtschaftskapitäne kalte Füße bekommen. Professionalität, bewusste Kontrolle, zielführendes Handeln etc. sind von einem auf den andern Moment ausgehebelt. Da helfen keine kognitiven Trainingsmaßnahmen. Hier wirkt eine unbewusste seelische Dynamik. Im Fußball würde ich dieses Phänomen vergleichen, mit dem rasanten Untergang der brasilianischen Fünfsterne Mannschaft gegen unsere Jungs in der letzten WM.

In meinen Analysen zum Auf- und Absteigen des BVB*, habe ich die Dynamik ja auch an der charismatischen Trainerfigur festgemacht. Meines Erachtens war die Seelenlage von Jürgen Klopp ausschlaggebend dafür, dass diese Mannschaft auf dem letzten Platz der Bundesligatabelle landete. Für die Achterbahnfahrt der Bayern, sehe ich auch die entscheidende Ursache in der ebenfalls charismatischen Figur Pep Guardiola. Nach meiner Einschätzung wirkt hier eine Ikarus-Logik. Pep ist ein Sonnenkind, der es bisher schon in höchste Höhen des Fußballhimmels geschafft hat. Unter ihm wurde der FC Barcelona zur weltbesten Clubmannschaft. Ikarus scheiterte an seiner Selbstüberschätzung. Er wollte zu schnell zu hoch hinaus, kam der Sonne zu nah und stürzte jäh ab.

Pep Guardiola ist m.E. unter einem zu großen persönlichen Erfolgsdruck. Damit verliert er sein bisheriges Alleinstellungsmerkmal. Sein Druck nimmt ihm sein intuitives Gespür für empathisch überzeugende Lösungen. Damit verliert Guardiola seinen Pep.

Der Dortmundtrainer verkörpert einen anderen Typus. Er ist ebenfalls eine charismatische Führungsfigur. Sein Alleinstellungsmerkmal ist, salopp gesagt, seine BeKLOPPtheit. Er ist nicht nur hochemotional, sondern häufig auch genial einfühlsam.

Beide Trainer sind wirkungsmächtige Vaterfiguren, die aus jungen Männern Weltstars formen können. Unter Guardiola konnte ein Lionel Messi wachsen und aufblühen, unter Klopp wuchsen Götze, Lewandowski und Reus zu Führungsspielern. Beide Trainer sind kollektivorientiert. Das heißt, die Mannschaft soll der Star sein. Beide verstehen die Kombination zwischen Individualismus und Gruppendynamik. Beide funktionieren nicht mehr, wenn sie zu sehr in die Verkrampfung geraten. Dann geht das Geheimnis vom „Der Weg ist das Ziel“ verloren. Glück und Liebe lassen sich nicht erzwingen.

bvb fcb6

Kurz nach dem Spiel, habe ich in Facebook meine Einschätzungen zu den BayernAusrutschern gepostet. Eine NetzFreundin, Klara P. aus Viersen, widersprach: „mit Verlaub, das sehe ich ausnahmsweise mal anders…ich habe nämlich heute an diesem alten Fußfall (so heißen sie wirklich) ein flottes Gebet gesprochen und siehe da … ein Elfmeterschießen ohne Gleichen… oder war es Zufall? 1071 vermachte Irmgardis ihre Besitztümer in Süchteln der Abtei St.Pantaleon ( Köln ) …. 1704 wurden hierzu die sieben Fußfälle des Kreuzweges ( Bergstraße ) errichtet.“

Das bestätigt meine These, dass Social Media, sinnvoll angewendet, Schwarmintelligenz nutzen kann. Dazu zähle ich nicht die zahlreich auftretenden VerseifungsTheorien. Ehrlichgesagt glaube ich nicht, dass Kloppo den Strafraum eingeseift hat. Da erscheint es mir wahrscheinlicher, dass die Bayern auf Angstschweiß ausgerutscht sind. Jetzt hoffe ich, dass sie daraus lernen können. Ich drücke die Daumen, das Pep von der Ikarus- in die Phönix-Logik wechseln kann, damit er seinen Herzclub, der auch FCB abgekürzt wird, besiegen kann. Mein Traum: Bayern holt den Champions-League-Pokal, der BVB den DFB-Pokal und Jürgen Klopp kann mit dem LKW auf den Borsigplatz fahren. Also Jungs: Mehr Flow und weniger Rutschen!

*siehe weiter Artikel in meinem Blog: – http://www.WehrWolter.com

Kloppo geht! – Wer wandelt jetzt Wasser zu Wein? (16.04.2015)

Die Psyche entscheidet  – Äpfel vom goldenen Baum

(Beitrag vom 23. April 2015)

„Jetzt ist es einfach, meine Spieler zu lieben.Wir haben anders gespielt als im Hinspiel. Ohne Kampf schaffen wir das nicht, was wir erreicht haben. Vielen Dank an meine Spieler, sie haben mich sehr glücklich gemacht.“ (Pep Guardiola nach dem gestrigen KanterSieg der Bayern)

Im Fußball erleben wir immer wieder Überraschungen. So siegte der FC Bayern gestern in der Champions League gegen den FC Porto mit 6:1. Das ist deshalb so erstaunlich, weil die gleiche Mannschaft nur 7 Tage zuvor gegen die Portugiesen 1:3 unterlagen. Wie ist das möglich?pep

„Pep Guardiola überraschte im Rückspiel gegen Porto mit einer 4-2-3-1-Formation. Philipp Lahm kam als offensiver Rechtsaußen über den Flügel und zog genauso wie Mario Götze auf der anderen Seite das Spiel in die Breite. Lahm als Außenstürmer – eine neue und in diesem Spiel geniale Idee Guardiolas. Weil der Katalane genau um die Schwachstellen Portos wusste.“ so analysiert der Fußballexperte von FOCUS-Online. Da ist natürlich was dran. Nur sage ich: Guardiola wusste auch schon ein Woche vorher, wie Porto spielt. Vermutlich weiß der Trainer selbst und sein Umfeld weniger, dass er entscheidend mit seinem Charisma die BayernJungs gepackt hat.Sie haben wie ausgewechselt gespielt, da sie ihr volles Potential abrufen konnten. Auch wenn die besten beiden Spieler fehlten.,,

Kleiner Scherz: Pep’s Hose ist gestern gerissen. Es gibt schon Forderungen, dass der Mannschaftsschneider zurücktreten muss. Ende Januar wurde ich im Kreis meiner Endlich Dienstag-Kicker noch belächelt, als ich sagte, dass Jürgen Klopp nach dieser Saison beim BVB aufhören wird und sich wahrscheinlich zunächst mal eine Auszeit nimmt. Eigentlich muss man dafür kein Seelenfachmann sein. Das lag doch auf der Hand. Dazu muss man nur seinen Menschenverstand einsetzen und weniger auf die Medien hören.

Pep2

Die Psyche macht heute den größten Teil im Spitzensport, erst recht im Fußball aus. Dieses alberne Gerede in der letzten Woche, dass der Arzt schuld sei – was zum gekränkten Rücktritt des zu Unrecht angegriffenen Müller-Wohlfahrts führte – ist wieder weg vom Tisch. Dilettantenstadl!

Ich muss mich immer wieder wundern, wie wenig letztlich mit der Psyche gerechnet und bewusst gearbeitet wird. In einem unserer Italienurlaube musste ich mal wegen Ohrenschmerzen einen Landarzt aufsuchen. Hier hatte ich viel Zeit zum Beobachten im Wartezimmer. Die Männer und Frauen des Ortes gingen mit hängenden Schultern ins Behandlungszimmer des Dotores. Nach einigen Minuten kamen sie strahlend wieder raus. Der Medicus gab den Männern einen liebevollen Klaps auf die Schultern und sie zogen aufrecht, mit stolzer Brust zurück ins Dorfleben. Bei den Frauen verhielt es sich ähnlich. Nur die bekamen keinen Schluterklaps, sondern diverse Komplimente. Mir wurde hier noch einmal klar, wie wichtig die Beziehung zwischen Arzt und Patient für den Heilungsprozess ist. Mir kam es vor, als wenn die Menschen in dieser Praxis, wie gefallene Kinder kamen und durch die Begegnung mit einem verstehend aufmunternden Vater, wieder in eine aufrechte selbstbewusste Haltung kommen konnten.

In meinem therapeutischen Alltag werde ich immer mal wieder gefragt, ob ich auch hypnotisiere, was ich verneinen muss. Das macht man heute eigentlich nicht mehr. Höchsten in wenigen Ausnahmefällen, wie chronischen Schmerzerkrankungen. Vor einigen Jahren ließ ich mich interessehalber einmal in einem Freizeitpark vom „großen Mumpitz“ hypnotisieren. Der Mann machte seine öffentliche Vorführung recht gut. Leider klappt die Hypnose bei mir nicht, da ich offensichtlich zu aufmerksam bei der Sache war. Allerdings kam ich in eine etwas andere Verfassung. Hierbei merkte ich, dass ich mir nach einiger Zeit vorkam, wie ein Junge, der seinen Vater nicht enttäuschen wollte. Ich versuchte letztlich ihm zu liebe in eine Hypnose fallen, damit er sein Job gut machte. Das heißt, hier fand eine Regression statt. Ich glaube, dass dies guten Fußballtrainern auch gelingt. Voraussetzung wird sein, dass die Spieler seine Kompetenz anerkennen und in eine Verfassung geraten können, ihm gefallen zu wollen. Bei guten Ärzten oder Lehrern läuft es m.E. ähnlich. Selbst heute werden hier noch Zauberrituale, wie der weiße Kittel oder der Doktortitel eingesetzt. Nach meiner Einschätzung ist das mehr als die halbe Miete. Da die Mediziner dies wissen, ermöglichen sie den Studenten recht rasch an ihren Doktortitel zu kommen.

Pep1Kleiner Exkurs: In Goethes Faust erklärt Mephisto einem Schüler die Wirkung der Medizin. „Der Geist der Medizin ist leicht zu fassen. Ihr durchstudiert die groß’ und kleine Welt, um es am Ende gehn zu lassen, wie’s Gott gefällt. Vergebens dass ihr ringsum wissenschaftlich schweift. Ein jeder lernt nur was er lernen kann. Doch der den Augenblick ergreift. Das ist der rechte Mann. Ihr seyd noch ziemlich wohlgebaut. An Kühnheit wird’s euch auch nicht fehlen. Und wenn ihr euch nur selbst vertraut, vertrauen euch die andern Seelen. Besonders lernt die Weiber führen; es ist ihr ewig Weh und Ach. So tausendfach aus einem Punkte zu curieren, Und wenn ihr halbweg ehrbar tut, dann habt ihr sie all’ unter’m Hut. Ein Titel muss sie erst vertraulich machen, dass Eure Kunst viel Künste übersteigt; Zum Willkomm’ tappt ihr dann nach allen Siebensachen, um die ein andrer viele Jahre streicht, versteht das Pülslein wohl zu drücken, und fasset sie, mit feurig schlauen Blicken. Wohl um die schlanke Hüfte frey,zu seh’n, wie fest geschnürt sie sei.
Schüler. Das sieht schon besser aus! Man sieht doch wo und wie.
Mephisto: Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum.

Pep3Gute Menschenführer haben Zugang zum „goldenen Baum“. Dies wird einen großen Anteil daran haben, das Pep Guardiola der mit Abstand bestbezahlteste Trainer weltweit ist. Mal sehen, wo es Kloppo noch so hinbringt. Auch er pflückt seine Äpfel vom „goldenen Baum“. Beide haben sich auch den Zugang zum „inneren Kind“ erhalten. Es macht sie sympathisch, dass sie streckenweise wie große Jungs daher kommen. Daher neigen wir dazu, sie mit Kosenamen wie Pep & Kloppo anzusprechen.

LichtGestalten im Schattenreich – Stirb und werde! – Fußball? Ganz großes Kino unserer AlltagsKultur!

(Beitrag vom 6. August 2015)

Ich liebe Fußball. Auch deshalb, weil es sich hier nicht nur intensiv fühlen lässt, sondern weil wir hier ganz großes Kino geboten bekommen. Ein Bühnenspektakel, von der Qualität – alter oder neuer – griechischer Tragödien.

Beim Fußball können wir mit Brüdern, Söhnen und Vätern raufen, lieben, lachen & weinen.

Klopp5

Mein alter Freund Johann Wolfgang G. aus W. würde dazu sagen:

Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

Heute lese ich in der Zeitung, dass der FC-Bayern seinen ersten Titel gewonnen hat. Das bringt mich schon zum Schmunzeln. Wäre ich Stefan Raab, würde ich jetzt einen

BlogFußball7

Song mit dem Titel: „Who the fuck is Audi Cup?“ rausbringen und natürlich gewinnbringend vermarkten., Dann müssten vielleicht nicht ganz so viele Mitarbeiter bei der Kölner Firma Brainpool entlassen werden. Auch das erfährt man in der Zeitung.

Anlass meiner heutigen kleinen Schreib-Attacke ist aber der Subtext zum Bayernspiel. Pep Guardiola, der weltbeste Fußballtrainer, zumindest was sein Gehalt angeht, wird zunehmend fahriger. Als einer seiner Spieler gefoult wird, kommt es zu Impulsdurchbrüchen, die mir für diesen, eigentlich alltäglichen Vorfall, nicht angemessen erscheinen. So lese ich im heutigen Kölner Stadtanzeiger u.a.: „… Der Ausbruch am Dienstagabend war nicht der erste Auftritt des 44-Jährigen, der seine Anspannung erkennen ließ. Mehrfach reagierte er zuletzt gereizt, wie vor dem Vorbereitungsturnier, als Guardiola sich mit einem Reporter anlegte und diesen anschließend sogar zum Rapport einbestellte, weil er eine Kampagne gegen sich witterte.

blogfußb2

Guardiola und der FC Bayern – seine Tonlage verändert sich spürbar, offenbar auch intern. Der Rückhalt scheint nachzulassen für den Starcoach, der jüngst gezweifelt hatte, ob es sinnvoll sein, seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag zu verlängern.

„Ich bin nicht komplett überzeugt, dass es das Richtige ist für diesen Verein. Ich will nicht ein Problem sein für diesen Verein.“ (Pep G. aus B.)

… hatte er gesagt. Bemerkenswert ist, dass die Klubführung kaum etwas gegen den Kampf unternimmt.

„Was drum herum geredet wird, das können wir nicht beeinflussen und WOLLEN wir auch NICHT.“

(Mathias S.)

… sagte Sportvorstand Mathias Sammer. Es wirkt beinahe, als müsse Guardiola aufpassen, nicht in einen Eigendynamik zu geraten, die sogar einen vorzeitigen Abschied nach sich ziehen könnte …“

(Quelle: KSTA 06.08.2015)

An der Stelle vermute ich, dass Pep Guardiola halbbewusst schon weg ist. Zumindest auf einer tieferen Ebene seines Selbst, will er nicht mehr in Bayern sitzenbleiben. Das hat weniger mit der Lederhose zu tun, dessen Tragen man ihm zu Anfang aufgenötigt hat. Das hat, meiner Einschätzung nach, mit tieferen Gefühlen & Ängsten vor Ent-Täuschung, Schmach, Kränkung und Versagen zu tun.

 Pep1

Ich persönlich finde es sehr schade und es stimmt mich auch durchaus traurig. Traurig, weil ich ihn erstens mag und zweitens einen Künstler in ihm sehe und drittens gehofft hatte, er könnte unseren deutschen Fußball spielerischer machen. Jogi Löw hat auch auch versucht sich an ihm zu orientieren. Außerdem gefällt mir an Guardiola, dass er anders ist. Er hat sich beispielsweise nach seinem Weggang von Barcelona in ein Sabbatical nach New York zurückgezogen. Das hat schon Stil, nicht nahtlos von einem auf den anderen Platz zu springen. Hieran scheint sich Jürgen Klopp ja auch ein wenig zu orientieren. Das wird natürlich ein Hammer werden, wenn der Kumpel Kloppo auf einmal zu den Bayern geht. Ich halte das sogar für recht wahrscheinlich. Vielleicht ist das ja dann auch gut. Für alle Beteiligten. Beim Fußball ist es wie beim Beruf. Man sollte ab und zu mal das Unternehmen wechseln. Zum einen, weil man nichts mehr Neues findet, zum anderen, weil sich der Prophet im eigenen Lande abnutzt. Dann wird er weniger geschätzt. Dann schätzt er in der Folge seine Aufgabe weniger. Dann wird er schlechter. Dann verliert die Mannschaft.

Auch das bietet uns der Fußball:

Identifikationsgestalten, mit denen wir aufsteigen, jubeln, leiden und abstürzen können.

Klopp Guardiola

Andere können dafür mit Helene Fischer durch die Nacht fliegen oder sich 1000mal belogen erleben. Bei mir ist es eben der Lederball, dem ich selbst auch einmal wöchentlich hinterherlaufe. Als Knipser bei unserer kleinen, aber feinen, Kultmannschaft des Kölner Westens: „Endlich Dienstag“. Selbst unsere kleine Truppe ist Bühne großer Dramen. Besonders der Tod unseres „Gründervaters“, meines Freundes Jürgen G., beeinflusst uns noch heute. – Ab und zu … oder „Aff un zo“ … wie der Kölner sagt.

pep-guardiola2

BlogFußballBAP2

Aff un zo

(Wolfgang Niedecken, BAP)

Aff un zo ess alles herrlich, aff un zo och janz erbärmlich, aff un zo jeht einfach alles schief.
Aff un zo hätt mer verloore, aff un zo weed mer öm sieh Glöck bedroore, aff un zo hällt mer die Uhre stief.

Manchmohl nimmste alles leich un manchmohl fällt dir alles furchtbar schwer.

Et selve Glas kann morjens
halvvoll sinn un ohvends ess et dann halvleer.

klopp3

Manchmohl schweb mer en Jedanke op Wolke un steht met singe Fööß em Dreck. Et kütt vüür, dat mer nit wiggerweiß un et dann klapp em selve Augebleck, em selve
Augebleck.

DSC00668

Aff un zo föhlt mer sich schutzlos, aff un zo einsam un nutzlos,
aff un zo, wenn einer frööch: “ Okay!“

Aff un zo ess mer dä Eezte,
aff un zo natürlich och ald ens dä Letzte, aff un zo deit mer sich selver leid.
Jede Minsch mäht schon ens Fähler, selvs dä Einstein hätt sich ens verdonn.
Nur eins darf mer nit verjesse: Et jeht wigger hinger’m Horizont,
hinger’m Horizont.

BlogFußballBAP

Aff un zo steht mer vüür’m Spejel un denk:
“ Du kriss nix jeregelt!“ Aff un zo sieht mer rundömm kei Land.
Aff un zo ess mer ahm schänge, aff un zo sing eij’ne Zweifel ahm verdränge,
aff un zo ess mer total entspannt. Aff un zo läuf alles super,
aff un zo ess mer dä Loser, aff un zo steht mer sich selvs em Wääsch.
Aff un zo deit dir ding Seel wieh. Aff un zo hätt mer janz einfach keine
Plan mieh, aff un zo jeht et uns janit schlääsch.

Wolfgang Niedecken – auch so etwas wie eine „Lichtgestalt“ für mich – ist auch ein glühender Fan des 1. FC Kölns. Egal in welcher Liga er spielt. Denn:

„Es gibt drei Dinge, die du dir nicht aussuchen kannst: Vater, Mutter – und der Klub, mit dem du leiden musst.“ (Wolfgang N. aus K.)

BAB

Als Wolfgang Niedecken nach seinem Schlaganfall viele, viele Monate nicht mehr in der Öffentlichkeit zu sehen war, machte ich mir große Sorgen. Dieses „richtige“ Drama hatte dann aber – Gott sei Dank – ein Happy-End. Anders als bei meinem Freund Jürgen G..

Bei seinem ersten Konzert, welches er mit BAP wieder gab, waren Meike und ich natürlich wieder mit dabei.

 BlogFußballBAP1

BAP zieht den Stecker

So hieß seine Konzerttournee, die er in der Kölner Philharmonie startete. Die hatte er ursprünglich „BAP Unplugged“  genannt. Da ihm dies aber juristisch untersagt wurde, ich weiß nicht mehr so genau weshalb, hat er seine Tournee umbenannt. Mein alter Professor Wilhelm Salber hätte das „Geheime Intelligenz“ genannt. Sigmund Freud hätte sicher auch Spaß an der vor- oder unbewussten Botschaft gehabt: Soll man den Stecker ziehen? Das haben sich die Ärzte und Angehörigen während seines langen Komazustandes sicher auch öfter gefragt. –  „Der Vater geht“ …

BlogFußball2

oder: Vater macht es jetzt „janz höösch“, also ganz ruhig, gelassen, nichts überstürzen. So war es dann auch. Wolfgang Niedecken saß erstmalig bei seinen Liedvorträgen. Auch wir, sein Publikum saßen. Fast den ganzen Abend. Das wäre früher unmöglich gewesen. Bei diesem PowerRocker. Nur diesmal: ER war dem Tod noch mal von der Schippe gesprungen. Und wieso Vater? BAP steht für Pap. Niedecken setzte sich in seinem Schaffen sehr viel mit seiner schwierigen, bis nicht vorhandenen, Vater-Beziehung auseinander. Den Höhepunkt findet das in seinem Lied „Verdamp lang her“. Da rechnet er mit seinem verstorbenen Vater ab, weil er sich von diesem nie verstanden fühlte. So schimpft er, anklagend vor sich hin, dass es verdammt lange her, dass er sich am Vater orientiert hat. Aber wie sagt er noch mal so schön, im Zusammenhang mit Fußball? Man kann sich seine Eltern nicht aussuchen.

Pablo.Picasso.Kuenstler

Sie bleiben als innere Repräsentanten in uns. Auch wenn sie nicht mehr leben. Je geringer aber unsere Beziehung zu Lebzeiten ist, desto blasser sind die inneren Figuren. Darum ist Auseinandersetzung und Reibung wichtig und gut. Es muss nicht alles immer harmonisch sein. Dann kann es nämlich leicht oberflächlich werden. Sigmund Freud sagte in dem Zusammenhang: Schuld tragen wir immer im Leben. Wenn wir den Vater töten. Auch, wenn wir ihn nicht töten. Junge kann sich aber frei machen und zum Mann werden.

Die kölsche Version des Liedes ist natürlich viel schöner. Hier aber mal etwas Einfaches:

 BlogFußballBAP3

Verdamp lang her

(Wolfgang Niedecken Songtext hochdeutsch)

Verdammt lange her, daß ich fast alles ernst nahm.
Verdammt lange her, daß ich an was geglaubt.
Und dann der Schock, wie es anders auf mich zukam.
Merkwürdig, wie der Hase läuft.
Nicht resigniert, nur reichlich desillusioniert
– ein bisschen was habe ich kapiert.

Wer alles, wenn es gut läuft, hinter dir her rennt,
deine Schulter klopft, und dich plötzlich hofiert,
sich ohne rot zu werden bester Freund nennt
und dich Tags drauf ganz einfach ignoriert.
Es ist lange her, daß ich vor so etwas ratlos stand
und vor Enttäuschung echt nicht mehr konnt‘.

Ich weiß noch, wie ich nur davon geträumt habe,
nicht wusste wie, und wo ich suchen soll.
Vor lauter Sucherei das Finden glatt versäumt habe
und überhaupt, was ich wo finden wollte.
Ein Kopf voll Nichts, nur die paar instinktiven Tricks
– es dauert lange, bis du dich durchblickst.

blogfußb4

Das war die Zeit, wo ich noch nicht das Pech hatt‘,
noch nicht einmal das, ich hatt‘ sie nicht einmal satt.
Hier war John Steinbeck, da stand Joseph Conrad.
Dazwischen ich – nur relativ schachmatt.
Es ist ein paar Jahre her, doch die Erinnerung fällt nicht schwer.
Heute kommt es mir vor, als wenn es gestern wäre.

Verdammt lang her, verdammt lang, verdammt lang her.
Verdammt lang her, verdammt lang, verdammt lang her.

Fragst mich, wann ich zuletzt ein Bild gemalt habe,
ob mir ein Lied tatsächlich jetzt genügt,
ob ich jetzt da bin, wo ich hingewollt habe,
ob mir meine Farbe auf diese Tour nicht vertrocknet.
Ich glaube, ich weiß, ob du nun laut malst oder leise.
Es kommt nur drauf an, daß du es tust.

Verdammt lang her, verdammt lang, verdammt lang her.
Verdammt lang her, verdammt lang, verdammt lang her.

Jürgen8

Verdammt lange her, daß ich bei dir am Grab war.
Verdammt lange her, daß wir gesprochen haben,
und daß vom einen auch etwas beim anderen ankam,
so lange, daß ich mich kaum erinnern kann.
Hast fest geglaubt, daß wer im Himmel auf dich wartet.
„Ich gönne es dir“, habe ich gesagt.

Kultur Der Schriftsteller und Nobelpreistraeger Heinrich BOELL, Deutschland, Portraet, Portrait mit Baskenmuetze, blickt leicht zur Seite; Hf.

Der Schriftsteller und Nobelpreistraeger Heinrich BOELL, Köln, Deutschland

Eigentlich dachte ich, dass Guardiola sich schon am Vatertag zurückziehen würde,

nachdem er am Vorabend gegen seine erste große „erste Liebe“, FC-Barcelona, mit seiner Bayern verlor. Damit war der Traum von der Champions-League und der zweite, für ihn sicherlich wichtigste, Titel futsch. Unter dem Eindruck gingen mir am 15. Mai die nachfolgenden Gedanken durch den Kopf, die ich dann unter folgendem Titel hier veröffentlichte:

VaterNacht vor Himmelfahrt – Guardiolas Pep schwindet. Rapide. 

Vom Umgang mit EntZauberung & EntTäuschung

Pep Guardiola kurz vor der Flucht? Niederlagen und narzisstische Kränkungen steckt keiner leicht weg. Im Fußball bekommen wir Aufstieg & Absturz eindrucksvoller vorgeführt, als woanders. Der weltbeste Trainer und die MirSanMir-Mannschaft haben sich innerhalb von nur zwei -Wochen von zwei großen Pokalen jäh verabschieden müssen. Nur wer sich getäuscht hat, erleidet eine EntTäuschung.

Morgen ist Vatertag. Da wage ich einfach noch mal einen Ausflug in die Welt des WahrSagens.

PepHoeneß

Könnte das höchst merkwürdige Auswechseln & Abziehen von Thomas Müller ein unterschwelliger Hinweis für einen vorzeitigen Weggang des „Vaters“ bedeuten.,

Der Spieler war gerade noch im ZDF-Studio, um mit Oliver Kahn und Oliver Welke zu sprechen. Wie aus dem Himmel, war er wie vom Erdboden verschwunden. Der Pressesprecher des FC Bayern, Markus Hörwick, holte ihn persönlich ab, weil der Trainer noch etwas sagen wollte. Zuschauer und Moderatoren sind gleichermaßen verwirrt. Kahn fällt dazu nur ein: „Kasperletheater … vielleicht wollte Pep Guardiola den Spielern noch etwas sagen?“

Müller kehrt später zurück vor die Kamera und erklärt: „Wir sollten alle in die Kabine kommen. Der Trainer wollte uns noch etwas sagen, bevor sich alle in alle Himmelsrichtungen verteilen. Er hat sich bei uns bedankt. Was genau er gesagt hat, verrate ich nicht.“

Müller

Auch wenn nichts verraten wird, was sagt uns das?

Mein erster Einfall hierzu ist: Guardiola bereitet seinen vorzeitigen Weggang vor und bereitet die Mannschaft emotional darauf vor. Der Vater schart seine Söhne noch einmal um sich, bestätigt ihnen, dass sie gut waren und dass es nicht an ihnen liegt. Dabei verkündet er wortlos, aber umso diabolischer, dass er selbst wie ein „Lonesame Hero“ der Sonne hinterher reiten muss.

Messi Guardiola

Mein zweiter Einfall: Pep Guardiola ist ein außergewöhnlich guter und daher der weltweit beste Verdiener unter den Trainer. Er ist sehr ehrgeizig und steht unter einem außergewöhnlichen Druck. Es muss ihn sehr treffen, dass er nach dem Verlust des DFB-Pokals, durch die merkwürdigen reihenweisen Ausrutscher beim Elfmeterschießen seiner Jungs gegen den BVB nun seinen zweiten Traum vom Champions-League-Pokal begraben muss. Und das in kurzer Abfolge. Er könnte auch eine enorme innere Scham gegenüber seinen Arbeitgebern empfinden. Aber vor allen Dingen eine Demütigung vor seiner eigenen inneren Bühne und natürlich der Weltöffentlichkeit.

Damit dieses Gefühl nicht aufkommt, lobt er die Mannschaft und damit indirekt sich selbst in höchsten Tönen: „Ein überragendes Kompliment an diese Spieler“, sagte der Katalane. Im gleichen Moment versprach er den Spielern: „Wir werden es wieder versuchen in der Zukunft.“

Eigentlich müsste es in seiner Seele gegenteilig aussehen. Es passt zur Psycho-Logik narzisstischer Kränkungen, das heißt, massiver Angriffe auf das Selbstwertgefühl eines Menschen, dass der „Gescheiterte“ dies ins Gegenteil verkehrt. „Eine große Mannschaft muss so fallen wie heute“, sagte der „stolze“ Trainer des FC Bayern. Das inszenierte Heldenepos wird noch weiter erhöht, indem er seine Ansprache als so so wichtig und groß ansieht, dass er Müller vom Mikrofon wegziehen lässt. So kann die Weltöffentlichkeit an einem ganz großen Mysterium teilhaben. Fast päpstlicher als der Papst … und der ist auch ein großer Papa.

pep-guardiola2

 pep-guardiola.5pg

Anna Freud veröffentlichte 1936 ihr Buch „Das Ich und die Abwehrmechanismen“, in dem sie die Erkenntnisse des Vaters der Psychoanalyse weiterentwickelte. Hierin beschreibt sie so etwas, wie das seelische Immunsystem.

Abwehrmechanismen schützen uns vor allzu großen psychischen Verletzungen, indem sie so etwas wie Selbst- und Fremdtäuschung bewirken. Diese Mechanismen arbeiten unbewusst.

 Anna Freud

Am bekanntesten sind Abwehrmanöver wie Verdrängung („Das war alles ganz anders“) und Rationalisierung („Eigentlich ist es besser so!“) Einen sehr massiven Abwehrmechanismus nennt man „Verkehrung ins Gegenteil“, häufig bekannter unter „Reaktionsbildung“. Da Guardiolas und FC Bayerns jüngste Entwicklung mittlerweile die Dramatik einer griechischen Tragödie annehmen, könnte man die IkarusSage bemühen. Jener Jüngling der aus Übermut und großem Ehrgeiz der Sonne zu nahe kam und daraufhin ins kretische Meer abstürzte. Tief in dem hochtalentierten Fußballtrainer könnte es so aussehen. Verkehrt sich das jetzt ins Gegenteil, dann stellt es sich ihm nicht als Kleinwerden, sondern als etwas Großes, Grandioses dar. In der Tat muss es schon um etwas sehr Wichtiges gehen, wenn ein Interviewpartner vom Mikrofon ohne Erklärung ruckartig abgezogen wird. Wenn Oliver Kahn das spontan als „Kasperletheater“ beschreibt, trifft er den Nagel auf den Kopf. Etwas Kleines wird als Großes dargestellt. Dazu passen auch Guardiolas eigenwillige Worte:

„Eine große Mannschaft muss so fallen wie heute“. Hier scheint er mir etwas künstlich großzureden, was er selbst als Versagen erleben könnte.

Guardiola6

Wenn ich meiner gewagten Tragödienthese folge, könnte es sich so zugetragen haben. Der erfolgsverwöhnte Katalane hat vielleicht viel Hoffnung in die Bajuwaren projiziert. Als die hochgesteckten Ziele des Tripples sich nicht verwirklichen ließen, wuchs vielleicht seine EntTäuschung. Seit dem verlorenen Spiel gegen Porto machte er ungewöhnlich auffallende Fehler, die ich in vorangegangenen Artikeln bereits beschrieben habe. Hierzu zähle ich auch die beiden Auswechselungen des urbayrischen Spielers Thomas Müller. Ausgerechnet den zieht er dann auch noch vom Mikrofon weg. Als wollte er es hier – womöglich unbewusst – den Bayern heimzahlen. Auch das wäre wieder eine Form der psychischen Abwehr.

Vatertag wird häufiger auch als Männertag begannen. Da ziehen die Männer mit einer Kiste Bier auf dem Bollerwagen durch die Lande. Dazu passend wette ich einen Kasten Kölsch darauf, dass Pep seinen Vertrag nicht bis zum Saisonende 2016 beim FC-Bayern absitzen wird. Wahrscheinlich ist das aus seiner Perspektive richtig. Zumal es sich hier für ihn wahrscheinlich nur noch verlieren lässt.

Künstler1

Beim Fußball können wir – Männer – mit Brüdern, Söhnen und Vätern raufen, lieben, lachen & weinen

Klopp2

Wenn ich zum Abschluß meinen Beitrag überfliege, fällt mir auf, dass keine Frau dabei ist. Wieso? Es interessieren sich heute immer mehr Frauen für Fußball. Nur, ich habe diesen Text ohne allzuviele Vorgedanken, einfach spontan, runtergeschrieben.

Klopp1

Das ist natürlich, zunächst einmal, meine subjektive Sicht auf den Ball. Vielleicht sagt es aber auch etwas über einen entscheidenden Pfeiler aus, der die Faszination des Fußballs für Männer darstellen könnte. Beim Fußball können wir Männer: mit Brüdern, Söhnen und Vätern raufen & lieben.

 

1 Kommentar

  1. Der Dichter Jack Gilbert fragt eine schüchterne Studentin danach, was sie mit ihrem Leben vorhat. Zögerlich gesteht diese, dass sie vielleicht schreiben wolle.
    Gilbert lächelt die junge Frau an und spricht: „Hast du den Mut dazu? Hast du den Mut, dieses Werk hervorzubringen? Die Schätze die in dir verborgen liegen, hoffen darauf, dass du ja sagst!“
    http://projekt-david.de/

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s