Wir leben & manipulieren in Bildern. Ein Selfie mit Angela Merkel + Flüchtling löst beim einen Freude, beim anderen Hass aus. Blumen sprechen am Valentinstag. – Bilder von 09/11 oder vom toten Aylan Kurdi am Strand brennen sich ein. – Der Mercedes Stern lässt uns heute anders vertrauen als ein HakenkreuzTattoo. – Prof. W. Salber: Psycho Logik funktioniert in Bildern, nicht nach Zahlen-Logik. – (WehrWolter – ww 124 – Hans Wolter)

VorAbBild meines Textes: Valentin: Lass Blumen sprechen. – Der Flüchtlingsjunge Aylan – Die Bibel spricht in Bildern – Die Börse reagiert auf Bilder – Charlie Hebdo provoziert in Bildern – Politik führt mit Bildern – Ten pics to go – Nine Eleven: die Einflüge in die Twin Towers des World Trade Centers haben sich als Jahrhundertbild in unsere Festplatte gebrannt. – Durch das Bild der heiligen drei Könige konnte der Kölner Dom gebaut werden – „Wir schaffen das“ entwirft ein anderes Bild in uns als: „Teile meiner Antwort würden sie sehr verunsichern“ – Bücher, Musik, Filme, Werbung, Schule erschaffen Bilder in uns. Das packt uns. Mal mehr mal weniger. – Psychologie in Bildern: u.a. erklärt von Prof. W. Salber

Lass Blumen sprechen, sagt Valentin. Blumen sprechen die Sprache der Liebe. Allerdings nur deshalb, weil sie entsprechende Bilder in uns wachrufen. Wenn wir Holzscheite verschenken, gewinnen wir wahrscheinlich nicht das Herz unserer Liebsten. Unsere Selfies wirken. Haben wir eins mit einem Promi, sind wir selbst ein wenig Promi. Sehen wir eins mit Angela Merkel und Flüchtling, dann freuen sich vielleicht Ausländer. Letztlich hörte ich im Interview einen Flüchtling der sagte: „Selbst wenn Frau Merkel nicht mehr Kanzlerin sein sollte, ich nenne meine Tochter auf jeden Fall Angela“ –

Freud Instanzenmodell1

Ein Bild kann viel bewegen. Es kann Fürsorge, Mütterlichkeit und „Willkommen in Deutschland“ symbolisieren. Auf der anderen Seite, der dunklen Seite Deutschlands sozusagen, kann dasselbe Bild gegenteilige Gefühle aktivieren: Angst, Wut und sogar Hass. Da gibt es Leute, die tatsächlich denken, die Flüchtlinge würden in ihrer Heimat alles stehen und liegen lassen, um wie hypnotisiert zu dieser märchenhaften MuttiMerkel in den Schoß zu flüchten.

 

Bilder die sich in unsere Festplatte brennen

Aylan Kurdi, der tote Junge am Strand: auch dieses Bild hatte eine große Strahlkraft. Charlie Hebdo provoziert in Bildern und bewirkte damit ein Massaker in der eigenen Pariser Redaktion. Nine Eleven: die Einflüge in die Twin Towers des World Trade Centers haben sich als Jahrhundertbild in unsere Festplatte gebrannt.

Die Bibel spricht in Bildern

Es gibt Mensch, die die Bilder der Bibel konkretistisch auslegen. Wer glaubt, dass Jesus wirklich über Wasser gehen konnte oder Moses tatsächlich ganz konkret das Meer geteilt hat, um mit seinem Volk da durch zu ziehen, der versteht dieses epochale Werk nicht. Okay, am Ende seines Lebens schien Karl May wirklich geglaubt zu haben, dass er an all den Orten, an denen sich Winnetou und Old Shatterhand rumgetrieben hatten, tatsächlich selbst gewesen war. Diese Realitätsauffassung ist ja noch im Rahmen des Vertretbaren. Aber wenn ich wirklich daran glaube, dass Eva aus der Rippe Adams geformt wurde, wenn ich wirklich daran konkret glaube, dann wäre ich ein Fall für die Psychiatrie.

Heiligen drei Könige 5

Die meisten intelligenten Menschen verstehen die Bibelsprache als Bildersprache. Wir nehmen ja auch die Bilder der Werbung nicht wörtlich. Ansonsten wäre es sehr gefährlich, wenn wir den Werbespruch „Red Bull verleiht Flügel“ auf der Rheinbrücke konkret umsetzen würden. Und dennoch glauben die jungen Männer schon, dass sie durch Energy-Drinks männlicher wären. Dazu verhelfen mehrere Dinge, wie auch der Warnhinweis, dass das kein Getränk für schwangere Frauen sei.

Durch das Bild der heiligen drei Könige konnte der Kölner Dom gebaut werden

Die Börse reagiert auf Bilder

Sieht man das Bild eines kranken Herrschers im Fernsehen, geht bei den Börsenmaklern sofort das Kopfkino los. Bestimmt Produkte verlieren, andere gewinnen an Wert. Verkaufen viele rasch ihre Aktien, löst das Schwarmreaktionen aus. In verschiedene Richtungen. Kommt dann der, sagen wir mal: thailändische König wieder als Meister Propper auf die Felder, steigen die Aktien der asiatischen Airline wieder. Bilder beeinflussen uns.

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Politik führt mit Bildern

„Wir schaffen das“ entwirft ein anderes Bild als: „Teile meiner Antwort würden sie sehr verunsichern“

 

Ten pics to go:

 

  1. „Yes we can“ Dieses hoffungsvolle Bild hat Barack Obama die Wahl gewinnen lassen.
  2. „Achse des Bösen“ Dieses düstere Bild hat es George W. Bush ermöglicht in den Irakkrieg zu ziehen.
  3. „Ich bin ein Berliner“ J.F. Kennedy hat Westdeutschland im kalten Krieg Mut & Hoffnung gegeben.
  4. „Volk ohne Raum“ Adolf Hitler Bild konnte mit diesem Bild den zweiten Weltkriegs eröffnen.
  5. „Sommermärchen“ Ein Bild was uns in der Welt weich gemacht uns Deutsche entkrampft hat.
  6. „I had a dream“ Ein Bild mit dem Martin Luther King die Rassengleichheit befeuern konnte.
  7. „Wir schaffen das“ Ein Bild mit dem Angela Merkel der ganzen Welt imponiert.
  8. „Das Boot ist voll“ Ein Bild was Deutschland polarisieren kann.
  9. „Perestroika & Glasnost“ Bilder mit denen Gorbatschow das Ende der UdSSR einleitete.
  10. „Wir sind das Volk“ Ein Bild mit dem die Montagsdemos der 80er die Mauer zu Fall brachten.

 

 

Werbung verkauft über Bilder

 

Schülern lernen besser in Bildern

 

Bücher, Musik, Filme entwerfen Bilder in uns. Das packt uns. Mal mehr mal weniger.

 

Psychologie in Bildern

Ich könnte noch sehr viel mehr zur Wirksamkeit von Bildern schreiben und veranschaulichen. Das ist aber vielleicht gar nicht so notwendig. Ich denke der Leser weiß, was ich meine. Daher kann sich das jetzt jeder in eigenen Bildern weiterentwickeln. Gerne möchte ich aber zum Abschluss noch meinen alten Psychologie-Professor vorstellen. Wilhelm Salber hat mich in meinem radikal psychologischen Denken und Handeln entscheidend geprägt. Er hat seine besondere Sicht auf die Dinge in mehr als 30 Büchern dargestellt. Seine Sprache ist deutsch, aber leider für den Laien, außerhalb seiner Schule, wenig verständlich. Er hat die „Psychologische Morphologie“ entworfen. Hierin hat er auch versucht, uns nahezubringen, wie das funktioniert mit den Bildern im Seelischen.

 Salber

Ein kurzes Bild von ihm: Prof. Dr. Wilhelm Salber, geb. 9.März 1928, war dreißig Jahre Direktor des Psychologischen Instituts an der Universität zu Köln. Er entwickelte dort ein neues psychologisches Konzept, das Alltags-Kultur und Medien unter dem Gesichtspunkt von Wirkungs-Gestalten auf einen gemeinsamen Nenner bringt: Psychologische Morphologie. Das ist das ewig-gleiche Grundproblem: Wie können wir in einer sich wandelnden Welt unserem Wirken eine Lebensform geben -ein gelebtes Bild herausgestalten? Die Ergebnisse vieler Untersuchungen hat er in 30 Büchern und 135 Abhandlungen dargestellt.

 

Nun eine Kurzzusammenfassung von Prof. Salber zu seinem Buch „Psychologie in Bildern“

„Seelisches hängt miteinander nicht nach logischen Regeln, sondern nach Gesetzen von Ganzheit, Gestaltung, Formenbildung zusammen. Man könnte überspitzt sagen, im Seelischen herrschten „ästhetische Gesetze“. Wir finden Abstimmungen zwischen Ganzheit und Glied, „Gemeinsamkeiten“ und Entwicklungen, dialektisches Umschlagen und Kreisprozesse.

Psychoanalyse1

Der Gegenstand einer Morphologie ist genauso flüchtig wie eine Melodie.In Anlehnung an eine Bestimmung Goethes können wir Gestalt als den sinnlich erfassbaren, in sich abgeschlossen charakterisierbaren Komplex eines daseienden wirkenden Wesens bestimmen.Die dem Ganzen immanente Strukturierung und Formenbildung, die uns in den Phänomenen gerade dadurch entgegentritt, dass wir uns auf Werdendes einlassen, können wir mit dem Stichwort Morphologie = „Verwandlungslehre“ (Goethe) umschreiben. Das Verfolgen der Entwicklungen seelischer Wirklichkeit führt uns in einen Wirkungsraum, dessen Eigenart nicht durch Eigenschaften, Elemente, Vermögen zu charakterisieren ist: Seelisches ist angemessen nur zu charakterisieren, indem wir seine Drehpunkte, Ergänzungen erfassen, seine Verrückungen, überkreuzungen, Spiralen, seinen Stellungswechsel in „Polarität und Steigerung““.

 

Wo wir schon mal dabei sind, lasse ich ihn abschließend auch noch sein Buch „Psychästhetik“ vorstellen.

 

Kunst Alltag

Psychästhetik

 

„Der „Inhalt“ von Kunst und Seelischem ist Verwandlung; das bestimmt die Produktion, und die Kunst bringt das zutage. Es sind wirklich Verwandlungen; sie lassen sich nicht abschwächen in „Phantasievorstellungen“ oder „Einfühlungen“. Die Gestaltwandlungen, die Ovid, Flaubert, Joyce, Kafka, Märchen, Mythen und Heilige Schriften darstellen, vollziehen sich tatsächlich. Aus Menschen werden Götter, aus Göttern Naturwesen, Natur wandelt sich in Menschen, Menschen in Werke von Natur, Kunst, Industrie (Austausch). Wie wir uns bewegen in den Entwicklungen von Wind und Wetter, auf den Wegen und Umwegen von Reisen und Landschaften, so bewegen wir uns auch in den Entwicklungen von Geschichten, Bildern, Behandlungen -ihre Wendungen haben etwas voneinander und sind doch anders, sie sind eins und zugleich zwei und drei -sie sind Verwandlungen. Was wir als Zusammenhang und Gegeneinander verspüren, dieses „Indem“ wird herausgeführt im Strömen, in Festwerdendem, in Auseinandersetzung und Gliederung. Das ist eine sich ordnende Unruhe, eine Entwicklung in Verzweigungen, Verstärkungen, Abschwächungen, Vermittlungen. An der Karnevals-Verfassung zeigt sich sowohl, wieso die Inhalte des Seelischen mit Verwandlungen zu tun haben, als auch, wie jede Verwandlung nur durch gestalthafte Verhältnisse, Bilder, Entfaltungen und Konsequenzen ins Leben kommt. In “drei tollen Tagen“ haben Verwandlungstendenzen, die von den vertrauten “typischen“ Verwandlungssorten abweichen, eine Chance, zum Ausdruck zu kommen. Das ganze Märchenarsenal steht für Auftritte zur Verfügung, in denen wir probieren, wie sich die Dinge anders machen ließen und wie es sich ausnähme, wenn sich die Verwandlung einmal ins Gegenteil des Üblichen wendete. Es gibt genug Witze darüber, wie aus den braven Bürgern dann auf einmal Engelchen und Teufelchen werden. Abgestützt wird diese Umtauschaktion von Verwandlungen, indem sich die (neue) Verwandlung mit allen anderen Verwandlungen familiär und gemein macht —im Essen, Trinken, Singen, Schunkeln, Sich-Näher-Kommen. Das steht in einem bestimmten Verhältnis zu der Neigung, bei den tollen Verwandlungen die vertrauten Setzungen der Wirklichkeit umzukehren —das Heilige ins Unheilige und Obszöne, kunstvolle Konstruktionen ins Banale und Materiale, das Geordnete in eine Fruchtbarkeit, die alles mögliche gedeihen läßt. In diesen Verwandlungsprozessen wird vieles zerdehnt, aufgelöst, karikiert und zugespitzt, was allzu selbstverständlich geworden war. Die Unruhe, die dabei entstehen kann, wird aber auch beim Karneval durch eigene Rituale, Lieder, Ordnungen, Sitzungen, “Züge“ in eine 15 durch eigene Rituale, Lieder, Ordnungen, Sitzungen, “Züge“ in eine Gestalt gebracht. Das ergänzt sich mit den Ausgestaltungen, die sich aus den Verwandlungs-Bildern ergeben, nach denen man im Karneval auftreten will. Psychologie in BildernSeelisches hängt miteinander nicht nach logischen Regeln, sondern.“

(Quelle: http://www.wilhelm-salber.de/ProfDrWilhelmSalber.pdf)

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