The Revenant. Zwei Rückkehrer: Nr. 1. Leonardo DiCaprio gewinnt seinen ersten Oscar – Nr. 2. Uli Hoeneß kehrt nach nur 21 Monaten zurück. – Diversity: Hollywood sieht schwarz und Uli verschenkt FC Bayern Trikots an seine Mithäftlinge – (WehrWolter – ww 129 – Hans Wolter)

Trailer zum Text: The winner is: Uli Hoeneß/ „Reichenbonus“ nennt der Volksmund die Ausnahmeregelung/ The Revenant/ Geht es in der Natur gerechter zu? „Das Recht des Stärkeren“/ RaubtierKapitalismus/ Die Rückkehr des Verdrängten/ Nahezu Alttestamentarisch: nicht die Liebe, sondern die Rache hält Leonardo DiCaprio alias Hugh Glass am Leben und im Feldzug. – Auge um Auge! – Streckenweise mehr Flüchtling als Rückkehrer/ Innere Bilder lassen uns überleben/ Der Haftaufenthalt wird den Menschen Hoeneß verändert haben. Vielleicht vergleichbar mit der Entlassung aus einer psychischen Krise./ Auch den Revenant könnte man als das Durchschreiten einer Depression verstehen./ Die Wut des Hugh Glass hat ihn nicht in Aufgeben oder Suizid getrieben, sondern in die Wiederauferstehung/ Rückkehr und Mitmischen als bessere Lösung./ Fazit: Rückkehr statt Selbstaufgabe. Das Verbindende zwischen Hoeneß und dem Revenant.

 

 

Heute ist ein besonderer Tag, der 29. Februar 2016. Schaltjahre sind selten. Damit unsere Zeit uns nicht davon läuft, halten wir alle vier Jahre einen Tag inne. An diesem heutigen Sondertag sind schon viele besondere Dinge passiert. So gibt es beispielsweise direkt zwei erfolgreiche prominente Rückkehrer. Leonardo DiCaprio gewinnt als „Revenant“, nach fünf erfolglosen Nominierungen, endlich seinen ersten Oscar. Den hat er sich auch redlich verdient. Das kann ich bezeugen, war ich doch vor zwei Tagen auf seinem beschwerlichen Gang durch die Wildnis mit dabei. Zugegeben, nur auf dem Kinosessel. Mitfühlend wie ich bin, war das aber auch alles andere als ein Ponyhof. Dazu später. Der zweite Rückkehrer ist Uli Hoeneß. Der hat im Gegensatz zu DiCaprio mehr Glück, indem er mit seinem ersten Versuch einen Oscar erzielt bzw. aus dem Knast kommt.

 

1. The winner is – Uli Hoeneß

 

Der Gutmensch verschenkt an seine Mithäftlinge Bayern-Trikots zum Abschied

Der Uli gilt bei vielen als Gutmensch. Wobei er meines Wissens noch nicht im Visier der schlauen Pegida-Richter war. Auf jeden Fall: der Uli gab seinen Mithäftlingen Bayern-Trikots als Abschiedsgeschenk. Auch während seines Einsitzens, hat er (laut Focus online) fleißig Fanartikel besorgt. So kennen wir ihn, als väterlichen Kümmerer. Daher werden auch Viele gar nicht meinen Text lesen, da man dem Uli offensichtlich ungern böse ist. So hörten sich für mich nämlich die Radiointerviews bei WDR 2 an, die ich heute Morgen unter der Dusche mit verfolgt hab. Es ist jetzt auch nicht so, als wäre mir dieser engagierte Macher unsympathisch. Was mir allerdings auffällt, ist die Ungleichbehandlung in der Wahrnehmung und der Beurteilung. Auf der einen Seite regt man sich über teils kleine Delikte auf, werden sie vielleicht von Ausländern, Flüchtlingen oder sonstig weniger geachteten Mitmenschen begangen. Auf der anderen Seite bringt man teilweise viel Verständnis für die Winterkorns, Blatters und Hoenesse unserer Gesellschaft auf. Klar leuchtet es mir ein, das Letztere auch etwas für die Gemeinschaft getan haben. Sie haben sich allerdings auch unverhältnismäßig, auf Kosten der Allgemeinheit, bereichert. Enttäuschung entsteht immer dann, wenn wir uns vorher getäuscht haben. Keiner dieser drei Herren hat mich jetzt persönlich enttäuscht. Das trifft vielleicht eher auf Diskussionspartner oder die öffentliche Meinung zu, bei denen ich verwundert feststellen muss, wie sehr diese manchmal mit zweierlei Maß messen oder Tatsachen abspalten. 
 

Er war kein gewöhnlicher Verbrecher. Auch seine Herkunft ist relativ sicher.

Das Münchner Landgericht hatte Hoeneß am 13. März 2014 wegen Steuerhinterziehung von 28,5 Millionen Euro zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Am 2. Juni 2014 trat er seine Strafe an. Bereits Anfang 2015 wurde er Freigänger. Seitdem arbeitete Hoeneß tagsüber in der Jugendabteilung des FC Bayern, dessen Präsident er bis zu seiner Verurteilung war. Die meisten Wochenenden verbrachte er in seinem Haus in Bad Wiessee am Tegernsee.

 

„Reichenbonus“ nennt der Volksmund die Ausnahmeregelung, die bei Hoeneß zur Anwendung kommt.

Hoeneß kam aufgrund der selten angewandten Halbstrafenregelung bereits nach 21 Monaten frei. Üblicherweise werden Haftstrafen erst nach zwei Dritteln zur Bewährung ausgesetzt. Das Strafgesetzbuch erlaubt aber in Ausnahmefällen auch die Aussetzung der Strafe nach der Hälfte der Zeit.

Na ja, die meiste Zeit war der Cheffe eh schon Freigänger. Den finanziellen Schaden hatte er ja schon mit einer Zahlung von ca. 42 Millionen Euro wiedergutgemacht. Auch wenn er, wäre man ihm nicht auf die Schliche gekommen, heute noch unsere Solidargemeinschaft munter betrogen hätte. Eigentlich könnte hier Pegida auch mal demonstrieren. Oder? Neiße! – Oder würden die Wächter des WirVolkes, die Zahlen sowieso grundsätzlich anzweifeln? Die kommen ja von der „Lügenpresse“. Die Hohenpriester der selbsternannten Abendlandretter scheinen ja irgendwie richtig und falsch besser unterscheiden zu können, als die Westdeutschen, die ja per se Gutmenschen sind. Sonst hätten die ja nicht jahrzehntelang den Solidaritätsbeitrag bezahlt. Eigentlich pervers. Aber wir können das nur beGrenzt verstehen, wir sind ja nicht „das Volk“.

 

Geht es in der Natur gerechter zu? So a la „Das Recht des Stärkeren“

„Alle Tiere sind gleich, manche sind gleicher“ sagt das Schwein Napoleon in George Orwells „Animal Farm“. Das Leben ist halt weder gerecht, noch fair. –

 Revenant

2. The Revenant

Leonardo hat für seine Auszeichnung länger gebraucht als der bayrische Wurstfabrikant. Mensch und Natur kämpfen hier einen harten Kampf. Der Film passt in unsere Zeit: Brutaler Verteilungskampf zwischen Indianern, Amerikanern, Franzosen und Bären: gegeneinander, untereinander.

RaubtierKapitalismus

Revenant1

Hugh Glass, alias Leonardo DiCaprio, der mit einer Indianerin verheiratete Trapper, verliert nicht nur beinahe den Kampf gegen einen riesigen Bären, er muss auch mit ansehen, wie Fitzgerald, ein rücksichtsloser Gewinnoptimierer & Mitstreiter, seinen Sohn umbringt. Ohne echte Not, nur weil er ihm lästig ist. Zuvor wurde schon des Trappers indianische Frau von raffgierigen unsolidarischen weißen Männern getötet.

 

Die Rückkehr des Verdrängten

Eher Flüchtling als Rückkehrer: Gegen die Natur, eigene Kameraden und wütende, ausgebeutete Ureinwohner.

Eigentlich ist der schwer verletzte Revanant Leonardo mehr tot als lebendig. Er schleppt sich, wie ein Flüchtling, durch die Bergwelt, gegen die Natur und wütende, ausgebeutete Ureinwohner. Der Film wirbt auch für eine gerechtere Sicht im amerikanischen Geschichtsverständnis. Nicht alle Weißen haben die Roten plattgemacht. Hugh Glass ist anders. Er versteht sich mit den Indianern. Nur mit dem Wolf tanzt er nicht.

Revenant Bär

Schon gar nicht mit dem Grizzly. Der langandauernde Bärenkampf hat mich am stärksten gepackt. Da war ich mittendrin und fühlte mich dem Riesen ziemlich ausgeliefert.
Nach dem Kampf war Hugh Glass auch mehr tot als lebendig. Daher wurde er ja auch folgerichtig beerdigt. Allerdings halbherzig. Nur um der Form gerecht zu werden.

Der Rückkehrer kehrt allerdings zu-rück ins Leben. Die Übernachtung in einem toten Pferd ist für mich das Symbol einer zweiten Geburt. Das hat etwas von Auferstehung. Von im Blut und Dreck geboren werden. In einer erbarmungslosen kalten Welt.  Nach diesem Erwachen geht aber auch nichts einfach. Alles ist beschwerlich. Alles ist gefährlich. Alles stellt eigentlich eine unmenschliche Überforderung dar. Vergleichbar mit: Krieg, Flucht oder schwerer Depression.
 

Der Rückkehrer überlebt nur, weil ihn ein inneres Bild,

man kann sagen: ein alttestamentarisches Bild voran treibt.

 

Ausnahmsweise nicht die Liebe, sondern die Rache treibt ihn an.

Der Film hat mir gefallen, auch wenn mir die Bilder streckenweise unnötig brutal erscheinen. Aber unsere Gegenwart ist halt brutal, auch wenn wir es nicht immer so fühlen wollen. Revenant4

Was mir nicht so gefallen hat: über 2,5 Stunden wird überhaupt nicht gelacht. Ausnahme: ein kurzes Lächeln beim gemeinsamen Schneeflockenfangen mit einem Indianer. Diese Sequenz erlebe ich wie ein Zitat an: „Der mit dem Wolf tanzt“. Zwei unterschiedliche Kulturen – der US-Scout und der Indianer – finden deshalb zueinander, weil sie beide ihre Familie in diesen kriegerischen Auseinandersetzungen verloren haben. Größtenteils willkürlich.

 

Ein IchschaffeDas! setzt sich eindrucksvoll in die Tat um.

In anderen Passagen erlebte ich mich wie bei Casteway. Nur angestrengter. Tom Hanks hat auch einen anderen Humor. Aber es dreht sich ja auch um ein anderes Buch.

 

3. Innere Bilder lassen uns überleben

„Nimm einem Durchschnittsmenschen seine Lebenslüge,

so nimmst du ihm zugleich sein Glück.“ (Henrik Ibsen)

 

Häufig ist es die Liebe, oder sagen wir: das innere Bild der Liebe, welches uns Flügel verleiht und eine schwere Zeit durchstehen lässt. Diejenigen, die in den Konzentrationslagern der Nazis keine inneren Bilder hatten, sind als erste gestorben. Nelson Mandela hatte innere Bilder einer gerechteren Welt in sich. Sonst hätte er die jahrzehntelange Einzelhaft kaum überlebt. Schon gar nicht hätte er ohne diese inneren Bilder der Hoffnung, die Kraft gehabt, die Präsidentschaft über Süd Afrika zu übernehmen.

 

4. Fazit: Rückkehr statt Selbstaufgabe

Das Verbindende zwischen Hoeneß und dem Revenent.

Es gibt Menschen, Uli Hoeneß ist ein solcher, die habens leichter im Leben. Und dennoch glaube ich, dass sein, wenn auch recht moderater Haftaufenthalt ihn verändert hat. Vielleicht ist es, wie der Austritt aus einer Depression?

Auch den Revenent könnte man als das Durchschreiten einer Depression verstehen. Die Wut des Hugh Glass hat ihn nicht in den Suizid getrieben, sondern in die Wiederauferstehung. Rückkehr und Mitmischen als bessere Lösung.

 

Hier noch etwas zu den Hintergründen. Auszug aus einem Text, den ich Ende Januar veröffentlicht habe.

uli-hoeness

Reichen-Bonus für Uli Hoeneß, VW-Betrug & TTIP beschleunigen psychologische Klimakatastrophe. – Geld macht nicht glücklich, aber freier. Richter Claus Pätzel bestätigt “Reichen-Bonus” – FC-Bayern macht Weg ins Präsidium frei. –

Zürich: Sepp Blatter drohen 5 Jahre Haft. – Durch Reichen-Vorzugs-Rechte könnte auch Ex Fifa Boss rasch wieder zum Libero (ital.: freier Mann) werden. – (WehrWolter – ww 117 – Hans Wolter)

(28. Januar 2016)

All animals are equal, but some animals are more equal than others„.

(Napoleon, Animal Farm from Georg Orwell)

Uli Hoeneß kommt frühzeitig aus dem Gefängnis frei. Gericht bestätigt „Reichen-Bonus“. Was sollen wir rechtschaffende Bürger davon halten? Nach meiner Einschätzung werden hier kurz nach dem VW-Betrugs-Skandal und den dubiosen TTIP-Geheimverhandlungen und möglichen Folgen – jenseits unserer Demokratie – wichtige Pfeiler unserer sozialen Konstruktion ausgespült. Auch und besonders: aus psychologischer Sicht. Recht und Unrecht verlieren ihre klaren Abgrenzungen und demokratischen Kontrollmöglichkeiten. Das kann durchaus – langfristig und schleichend – zu einer psychologischen Klimakatastrophe führen.

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Das was viele von uns immer schon ahnten, wird jetzt vom Augsburger Richter Claus Pätzel nun höchstrichterlich bestätigt: „Oft kommen Betrüger für den Schaden nicht auf. Sicher sind hierbei Leute im Vorteil, die über viel Geld verfügen.“

Geld macht auch vor Gericht den Unterschied.

Laut Gericht war sein Reichtum ein wichtiges Argument in der Beurteilung. Beim FC Bayern wurde sein Weg für ein großes Comeback freigemacht. Wie der „Stern“ berichtet, konnte der verurteilte Steuerbetrüger bei seiner vorzeitigen Haftentlassung von seinem Reichtum profitieren.

Demnach soll Hoeneß „von einem Reichen-Bonus im deutschen Strafrecht“ profitiert haben. Das zuständige Landgericht in Augsburg bestätigte das dem Magazin.

Dies wird wie folgt begründet: Für das baldige Ende der Haftzeit werde Hoeneß besonders zugutegehalten, dass er den verursachten Schaden „eigeninitiativ“ ausgeglichen und die fälligen rund 43 Millionen Euro an die Staatskasse überwiesen habe. Zitiert wird der Vorsitzende Augsburger Richter Claus Pätzel: „Oft kommen Betrüger für den Schaden nicht auf. Sicher sind hierbei Leute im Vorteil, die über viel Geld verfügen.

Der Fall Hoeneß wir kontrovers diskutiert

Im März 2014 wurde Hoeneß zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Im Juni 2014 trat er die Strafe an. Seit Anfang 2015 ist er bereits Freigänger. Vergangene Woche hatte das Landgericht entschieden, den 64-Jährigen bereits nach der Hälfte der Haftstrafe, also Ende Februar 2016, auf Bewährung in die Freiheit zu entlassen. Gegen die frühestmögliche Haftentlassung hatte sich die Staatsanwaltschaft München ohne Erfolg ausgesprochen. Laut Richter Pätzel handle es sich um eine Ermessensentscheidung. Die andere Rechtssicht sei auch vertretbar.

51 Prozent der Bundesbürger glauben laut einer Forsa-Umfrage an eine Vorzugsbehandlung

Hoeneß ist wieder Libero (ital.: freier Mann) dank seiner dicken Geldbörse.

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Der FC Bayern macht den Weg frei.

Bayern-Präsident Karl Hopfner bekräftigt, dass der Verein, Uli Hoeneß nach dessen Haftentlassung die Rückkehr an die Spitze des deutschen Fußball-Rekordmeisters nicht versperren wolle. Sollten die Gremien den langjährigen Vereinspatron, als Präsident vorschlagen, werde er „selbstverständlich“ Platz machen für seinen langjährigen Weggefährten. Hopfner hatte nach Hoeneß‘ Rückzug 2014 sowohl das Präsidentenamt als auch den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden übernommen. Schon damals hatte er bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung angekündigt, Hoeneß nach dessen Rückkehr aus dem Gefängnis willkommen zu heißen. (Quelle: DIE WELT, 28.01.2016)

 

Sepp Blatter drohen bis zu fünf Jahre Haft. Whistleblower gab Schweizer Behörden wichtige Hinweise im Strafverfahren gegen den gesperrten Präsidenten der Fifa.

Ein Insider aus Kreisen des Fußball-Weltverbandes soll im Zuge der strafrechtlichen Ermittlungen gegen den gesperrten Fifa-Präsidenten Joseph Blatter den Behörden belastende Erkenntnisse geliefert haben. „Ein Zeuge, ein Whistleblower, wie es gemeinhin genannt wird, hat uns Fall-relevante und interessante Informationen gegeben, die uns bei der Aufbereitung der Strafuntersuchung markant weitergebracht haben“, sagte André Marty von der Schweizer Bundesanwaltschaft im ARD-„Morgenmagazin“. Marty glaubt, dass es bis Ende 2016 oder Anfang 2017 klar sein werde, „ob es genügend Beweismittel gibt, um Anklage gegen Blatter zu erheben“. Die Schweizer Bundesanwaltschaft hatte ein Strafverfahren gegen Blatter wegen untreuer Geschäftsbesorgung und Veruntreuung eingeleitet. Dem früheren Fifa-Boss drohen bis zu fünf Jahre Haft. Blatter wir vorgeworfen, TV-Deals mit dem im Korruptionsskandal lebenslang gesperrten einstigen Vizepräsidenten Jack Warner abgeschlossen zu haben. Warner soll TV-Rechte an Weltmeisterschaften für Dumping-Preise erhalten und für Millionen-Summen weiterverkauft haben. Blatter bestreitet die Vorwürfe.

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Zürich: Schmierenkomödie bei der FIFA: ein alter ungepflegter Mann – Sepp Blatter – unrasiert, bepflastert, auf seine Tochter gestützt – gibt bekannt, dass er gegen das Urteil der Ethikkommission gerichtlich vorgehen will. Er und sein Komplize Michel Platini sind für acht Jahre gesperrt. (WW 104)

(21. Dezember 2015)

Was für eine Schmierenkomödie: Der mächtige 79-Jährige Fifa-Boss Joseph Blatter tritt unrasiert, mit einem großen Pflaster unterm Auge, gestützt von seine Tochter, vor die Journalisten in Zürich. Die Inszenierung des armen alten Mannes hält allerdings nicht lange. Keine Stunde nach der Verkündigung seiner achtjährigen Sperre wird wieder deutlich, dass der Wolf nur Kreide geschluckt hat: Gewohnt kämpferisch verkündet er bei der Pressekonferenz, dass er gegen das Urteil der Fifa-Ethikkommission vorgehen wird.

 

APTOPIX Switzerland Soccer FIFA Blatter

Suspended FIFA President Sepp Blatter arrives for a news conference in Zurich, Switzerland, Monday, Dec. 21, 2015 after he has been banned for 8 years from all football related activities. (AP Photo/Matthias Schrader)

„Gut, dass die WM 2022 in Katar stattfinden soll.

Hier wäre es um die Weihnachtszeit einfach zu warm.“

(Ein Kicker von Endlich Dienstag)

Achtjährige Sperre

In Zürich wurde heute bekannt gegeben: „Joseph S. Blatter, FIFA-Präsident, und Michel Platini, Vizepräsident und Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees sowie UEFA-Präsident, jeweils für acht Jahre für sämtliche nationalen und internationalen Fußballtätigkeiten (administrativ, sportlich und anderweitig) gesperrt. Die Sperren treten mit sofortiger Wirkung in Kraft.“

 

Sollte man eine Organisation suchen, die ein schlechteres Image als die Fifa hat, würde man in Europa wohl kaum fündig werden. In dieser selbstherrlichen Organisation sind jahrzehntelang viele Regeln einfach außer Kraft gesetzt worden. Führungskräfte ließen sich hemmungslos schmieren, Wahlen sollen häufig durch Bestechung zustande gekommen sein und sportpolitische Gegner werden kurzer Hand einfach ausgeschaltet. Seit einiger Zeit beschäftigen sich Polizei und Staatsanwaltschaft mit unzähligen Vorwürfen. Durch den amerikanischen FBI hat der ganze Prozess an Fahrt und Schärfe gewonnen. Diesmal wird es drastische Konsequenzen für Sepp Blatter und Michel Platini haben.

 Fifa Ende Blatter2

Bereits im Dezember 2012 stand fest, dass Blatter von Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe bei der Fifa gewusst hat. Vor einiger Zeit wurden seine früheren Kollegen João Havelange und Ricardo Teixeira bereits der Korruption überführt. Ein Schweizer Gericht stellte fest, dass Blatter hier informiert war. Wie das bei Alleinherrschern nicht selten der Fall ist, führte das bei dem Fifa-Patriarchen nicht zur Unruhe. Er stellt kurzer Hand fest, dass die Zahlungen der Marketingfirma ISL an die Funktionäre zur damaligen Zeit (2001) kein Vergehen gewesen seien.

 FifaSommerMärchen

Sommermärchen gekauft?

Frei nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung verkündet er, dass die WM 2006 in Deutschland gekauft worden sei. 2015 wurde durch Nachforschungen des FBI bekannt, dass es zwischen Blatter und Platini dubiose Geldflüsse gab. Diese Vorgänge führten nun zu einer achtjährigen Sperre für beide Funktionäre.

 

Zu den Fakten: Das Urteil der FIFA-Ethikkommission

im Wortlaut

 

„Die rechtsprechende Kammer der Ethikkommission unter dem Vorsitz von Hans-Joachim Eckert hat Joseph S. Blatter, FIFA-Präsident, und Michel Platini, Vizepräsident und Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees sowie UEFA-Präsident, jeweils für acht Jahre für sämtliche nationalen und internationalen Fußballtätigkeiten (administrativ, sportlich und anderweitig) gesperrt. Die Sperren treten mit sofortiger Wirkung in Kraft.

Das Verfahren gegen Joseph S. Blatter betraf in erster Linie eine Zahlung der FIFA von CHF 2 Millionen im Februar 2011 an Michel Platini. In seiner Eigenschaft als FIFA-Präsident bewilligte Joseph S. Blatter die Zahlung an Michel Platini, die einer rechtlichen Grundlage im zwischen den beiden Offiziellen am 25. August 1999 schriftlich abgeschlossenen Vertrag entbehrte. Weder in seiner schriftlichen Eingabe noch in seiner persönlichen Anhörung konnte Joseph S. Blatter eine andere rechtliche Grundlage für diese Zahlung nachweisen. Seine Behauptung einer mündlichen Absprache wurde als nicht überzeugend erachtet und von der Kammer abgewiesen.

Die Beweise, die der rechtsprechenden Kammer im vorliegenden Fall vorlagen, reichten nicht im geforderten Ausmaß für den Nachweis, dass Joseph S. Blatter mit der Zahlung die Ausübung oder Unterlassung einer offiziellen Handlung von Michel Platini im Sinne von Art. 21 Abs. 1 des FIFA-Ethikreglements (Bestechung und Korruption) bezweckte. Die Handlung von Joseph S. Blatter gegenüber Michel Platini ohne rechtliche Grundlage ist aber ein Verstoß gegen Art. 20 Abs. 1 des FIFA-Ethikreglements (Annahme und Gewährung von Geschenken und sonstigen Vorteilen). Joseph S. Blatter befand sich zudem in einem Interessenkonflikt. Dennoch übte er seine davon betroffenen Aufgaben weiterhin aus und versäumte es, diesen Interessenkonflikt und seine persönlichen Interessen hinsichtlich seiner künftigen Tätigkeit offenzulegen, womit er gegen Art. 19 Abs. 1, 2 und 3 des FIFA-Ethikreglements (Interessenkonflikte) verstieß.

Indem er die Interessen der FIFA nicht voranstellte und nicht alles unterließ, was den Interessen der FIFA zuwiderlaufen könnte, verletzte Joseph S. Blatter seine Loyalitätspflicht gegenüber der FIFA und damit Art. 15 des FIFA-Ethikreglements (Loyalität). Joseph S. Blatters Handlungen entbehrten ethischen Verhaltens, verstießen gegen die anwendbaren Gesetze und Bestimmungen sowie das FIFA-Regelwerk, soweit auf ihn anwendbar, und zeugten von einem Missbrauch seiner Stellung als FIFA-Präsident, womit er gegen Art. 13 des FIFA-Ethikreglements (Allgemeine Verhaltensregeln) verstieß.

Er wurde deshalb für acht Jahre für alle Fußballtätigkeiten gesperrt und mit einer Geldstrafe von CHF 50 000 belegt. Die Untersuchung gegen Joseph S. Blatter wurde von Robert Torres, Mitglied der Untersuchungskammer der Ethikkommission, geleitet. Der Schlussbericht zur Untersuchung wurde am 20. November 2015 an die rechtsprechende Kammer überwiesen. Die rechtsprechende Kammer hatte am 23. November 2015 ein formelles Verfahren eröffnet.

Die Anhörung von Joseph S. Blatter fand am 17. Dezember 2015 in Zürich statt. Das Verfahren gegen Michel Platini betraf in erster Linie eine Zahlung von CHF 2 Millionen, die er im Februar 2011 von der FIFA erhalten hatte. Die Zahlung an Michel Platini hatte keine rechtliche Grundlage im schriftlichen Vertrag, den die beiden Offiziellen am 25. August 1999 abgeschlossen hatten. Michel Platinis Behauptung einer mündlichen Absprache wurde als nicht überzeugend erachtet und von der Kammer abgewiesen.

Die Beweise, die der rechtsprechenden Kammer im vorliegenden Fall vorlagen, reichten nicht im geforderten Ausmass für den Nachweis, dass Michel Platini die Zahlung für die Ausübung oder Unterlassung einer offiziellen Handlung im Sinne von Art. 21 Abs. 1 des FIFA-Ethikreglements (Bestechung und Korruption) erhalten hatte. Das Verhalten von Michel Platini ohne rechtliche Grundlage ist aber ein Verstoß gegen Art. 20 Abs. 1 des FIFA-Ethikreglements (Annahme und Gewährung von Geschenken und sonstigen Vorteilen). Michel Platini befand sich zudem in einem Interessenkonflikt. Dennoch übte er seine davon betroffenen Aufgaben weiterhin aus und versäumte es, diesen Interessenkonflikt und seine persönlichen Interessen hinsichtlich seiner künftigen Tätigkeit offenzulegen, womit er gegen Art. 19 Abs. 1, 2 und 3 des FIFA-Ethikreglements (Interessenkonflikte) verstieß.

Indem er die Interessen der FIFA nicht voranstellte und nicht alles unterließ, was den Interessen der FIFA zuwiderlaufen könnte, verletzte Michel Platini seine Loyalitätspflicht gegenüber der FIFA und damit Art. 15 des FIFA-Ethikreglements (Loyalität). Michel Platini ließ zudem ein absolut glaubwürdiges und integeres Verhalten vermissen und offenbarte damit fehlendes Bewusstsein für seine Pflichten und die damit verbundenen Obliegenheiten und Aufgaben. Sein Handeln entbehrte ethischen Verhaltens, verstieß gegen die anwendbaren Gesetze und Bestimmungen sowie das FIFA-Regelwerk, soweit auf ihn anwendbar, und zeugte von einem Missbrauch seiner Stellung als FIFA-Vizepräsident und Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees, womit er gegen Art. 13 des FIFA-Ethikreglements (Allgemeine Verhaltensregeln) verstieß.

Michel Platini wurde deshalb für acht Jahre für alle Fußballtätigkeiten gesperrt und mit einer Geldstrafe von CHF 80 000 belegt. Die Untersuchung gegen Michel Platini wurde von Vanessa Allard, Mitglied der Untersuchungskammer der Ethikkommission, geleitet. Der Schlussbericht zur Untersuchung wurde am 20. November 2015 an die rechtsprechende Kammer überwiesen. Die rechtsprechende Kammer hatte am 23. November 2015 ein formelles Verfahren eröffnet. Die Verhandlung fand am 18. Dezember 2015 in Zürich im Beisein von Michel Platinis Anwälten statt.”

Zum „Fifa-Mafia-Mehrteiler“ habe ich bereits mehrfach berichtet. Nicht nur zu den Fakten, sondern auch zu den psychologischen Hintergründen eines Herrn Blatters.

Wer noch weiterlesen möchte, kann das hier machen:

Zürich im MorgenGrauen: Wirtschaftsflüchtlinge der FIFA in Luxushotel verhaftet. Schweizer Polizei überraschte um 6 Uhr morgens Verbrecher im Nadelstreifen. – Wenn die USA / FBI sich einschalten, werden Sepp Blatter, Michel Platini & Franz Beckenbauer bald Zellennachbarn von Uli Hoeneß – Korruption & Steuerflüchtlinge schaden der deutschen Volkswirtschaft häufig deutlich mehr, als die Flüchtlinge vor Tod und Gewalt. (Hans Wolter)

Am Ricola’s Sepp blattert scheinbar alles ab. Erfunden hat’s der alte Grieche Pyrrhus. (WehrWolter – ww 28 – Hans Wolter)

“Mein Schaaatz” hauchte nicht nur Golum im “Herrn der Ringe”. Auch der FIFA-Boss Sepp Blatter verkörperte diese Gier auf der letzten Wahlversammlung des mächtigsten Fußball-Imperiums. Der 79-Jährige ließ sich für vier weitere Jahre wiederwählen und machte nach vier Tagen eine überraschende Kehrtwende. Wahrscheinlich weil ihm klar wurde, dass die amerikanischen “Bluthunde” ihn kriegen werden. Um der demütigen Abführung in Handschellen zuvor zu kommen, kündigte er seinen Rücktritt an. Die grandiose Fehleinschätzung des “Sepp von Gottes Gnaden”, habe ich ja schon einmal zum Anlass genommen, einmal auf die Psycho-Logischen Fehlentwicklungen bei den Mächtigen hinzuweisen. Wer hier einmal reinlesen möchte findet das auf meinem Blog unter der Überschrift:

Von Macht, Sucht, falschem Selbst und dem fehlenden Glanz im Auge der Mütter. Sepp B., Wladimir P., Helmut K., Margaret T., Napoleon B., Adolf H. & Silvio B. haben eines gemeinsam: Sie dulden und duldeten keine Majestätsbeleidigung.

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