Abschied von Hans-Dietrich Genscher mit einem Staatsakt: „Er konnte zäh wie das Leder eines texanischen Cowboystiefels sein“ (Baker, USA) – Würdigung des „ewigen Außenminister“ im ehemaligen Plenarsaal des Bundestags in Bonn. – (WehrWolter – ww 142 – Hans Wolter)

Mit einem Staatsakt haben am Sonntag mehr als 800 Ehrengäste Abschied von dem früheren Außenminister Hans-Dietrich Genscher genommen. Das Zeremoniell fand im ehemaligen Plenarsaal des Bundestags in Bonn statt. Das ein verstorbener Bundesminister mit einem Staatsakt gewürdigt wird ist selten. Dem „ewigen Außenminister“ wurde diese Ehre zuteil. An seiner alten Wirkungsstätte wurde hierzu sein Sarg aufgebahrt.

Verstorben war der FDP-Politiker am 31. März im Alter von 89 Jahren. Aufgrund seiner besonderen Verdienste hatte Bundespräsident Joachim Gauck den Staatsakt angeordnet. Genscher war von 1969 bis 1974 Innenminister und anschließend bis 1992 Außenminister. Er gilt als einer der Architekten der deutschen Einheit.

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Bundespräsident Gauck würdigte den Verstorbenen als einen „deutschen Patrioten und überzeugten Europäer“. Genscher sei ein „Glück für unser Land“ gewesen, sagte er in seiner Rede. „Wir alle können uns ein Deutschland ohne ihn eigentlich nur schwer vorstellen.“ Als Soldat im letzten Aufgebot der Wehrmacht habe Genscher „nichts so sehr fürchten und hassen gelernt wie den Krieg“. Die Arbeit für den Frieden wie auch für die Freiheit sei deshalb zum Leitmotiv seiner politischen Arbeit geworden.

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Klaus Kinkel, der ehemalige Außenminister nannte seinen Vorgänger Genscher einen „Akteur der Weltpolitik“, der gleichzeitig „Menschenfreund“ und „Brückenbauer“ gewesen sei. „Er war ein Meister des Gesprächs „. .Kinkel betonte, dass sich Genscher zuletzt Sorgen um Europa gemacht habe. „Als er bei öffentlichen Auftritten zum Schluss schon im Rollstuhl saß, hielt er noch flammende Vorträge zu seinem Europa, verbunden mit dem Wunsch des Neubeginns der Beziehungen zu Russland.“

Staatsakt für verstorbenen früheren Außenminister Genscher

Bundespräsident Joachim Gauck verneigt sich am 17.04.2016 beim Staatsakt für den verstorbenen früheren Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) im ehemaligen Plenarsaal des Bundestags in Bonn (Nordrhein-Westfalen) vor dem Sarg. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa +++(c) dpa – Bildfunk+++

Der ehemalige amerikanische Außenminister James Baker sagte, Genscher sei „ein wahrhaft heroischer Staatsmann“ und ein „Titan unter den Diplomaten Europas“ gewesen. In seiner Geburtsstadt Halle, aber auch in anderen Städten der ehemaligen DDR sei er später „wie ein Rockstar gefeiert“ worden. „Er konnte zäh wie das Leder eines texanischen Cowboystiefels sein“, erinnerte sich Baker.

Begraben wird Genscher in seinem Wohnort Wachtberg bei Bonn. Die Beisetzung ist jedoch nicht mehr Teil des Staatsaktes, sondern privat.

Nachfolgend zitiere ich noch einmal meinen Beitrag vom 01. April 2016 zum Tod von Hans-Dietich Genscher.

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Hans-Dietrich Genscher ist gestorben – R.I.P. – Ein großer Europäer mit Ost-West-Werdegang. „Genschman“, der volksnahe ewige Außenminister und Chefdiplomat der deutschen Einheit, bleibt unvergessen: „Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise. . .“ (WehrWolter – ww 135 – Hans Wolter)

(01. April 2016)

„Man sagt, dass es in der Politik keine Freunde geben kann. Das stimmt nicht. Ich habe einen Freund verloren.“ (Michael Gorbatschow)

Hans-Dietrich Genscher ist tot. Der langjährige deutsche Vize-Kanzler und Bundesminister wurde 89Jahre alt. Er war einzigartig Anders als Politiker wie Helmut Schmidt oder Helmut Kohl, hatte Genscher einen gelebten doppelten Blick auf Deutschland. Aufgewachsen ist er im Osten, politisch entwickelt hat er sich im Westen Deutschlands. Das ist sein Alleinstellungsmerkmal. Dies machte ihn, nach meiner Einschätzung,  zum glaubhaftesten und authentischsten Diplomat und Außenminister, den Deutschland in seiner Geschichte bisher hervorgebracht hat.,

Der in Halle geborene Genscher gehörte zu den Politikern, die die Bundesrepublik über Jahrzehnte hinweg geprägt haben. Er war in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich: Niemand war solange deutscher Außenminister und niemand prägte solange und nachdrücklich die Politik der FDP wie er. Kaum ein deutscher Politiker war im In- wie Ausland so anerkannt. Er war Minister und Vizekanzler unter Willy Brandt, Helmut Schmidt und Helmut Kohl. Dabei blieb er immer unverwechselbar mit seiner flexiblen Außen- und Entspannungspolitik. 1989 handelte er mit Helmut Kohl bei Michail Gorbatschow die deutsche Einheit aus – Das war für ihn die Erfüllung eines auch persönlichen Traums.

 

„Wir sind heute zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass Ihre Ausreise…“

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Durch sein großes Engagement im Umfeld des Berliner Mauerfalls hat er noch einmal sehr an Sympathie gewonnen. Auch ich nenne ihn seitdem liebevoll: „Genschman“.

 

Er hatte den damaligen Flüchtlingen aus Ostdeutschland Mut gemacht, als diese sich in der westdeutschen Botschaft in Prag verschanzt hatten. Er hatte ihren Weg in die Freiheit mit seinem persönlichen Einsatz zum Durchbruch verholfen.

 

Einzigartig hat er es am 30. September 1989 mit dem wohl berühmtesten unvollendeten Satz der jüngeren Geschichte bewiesen als er vom Balkon der deutschen Botschaft herunterrief: „Wir sind heute zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass Ihre Ausreise…“

Das Ende des Satzes verschluckte der Jubel von Tausenden DDR-Bürgern, die in der Botschaft Zuflucht gesucht hatten. Genscher schenkte ihnen damit die Freiheit und entzündete die Freiheitsbewegung in der DDR.

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Das war eine zentrale Weichenstellung in Richtung Mauerfall & Wiedervereinigung. Wäre er und die anderen damals eng und ängstlich gewesen, gäbe es heute weder Pegida noch AfD.

 

 

Genscher lebte mit Brand die Idee: Wandel durch Annäherung von Ost und West

 

Genscher hatte seine ostdeutsche Heimat in den 1950er-Jahren verlassen und war wie viele in den Westen gegangen. Er suchte die Gedankenfreiheit, die ihm in der jungen DDR nicht zugestanden wurde. Dennoch gab er die Hoffnung auf die Wiedervereinigung nicht auf. Er lebte als Außenminister die politische Idee Willy Brandts vom Wandel durch Annäherung zwischen Ost und West, selbst nach dem Ende der sozialliberalen Koalition 1982 auch unter dem neuen Bundeskanzler Helmut Kohl weiter. Genscher war ein hervorragender Diplomat. Mal mit Härte, wie bei der Durchsetzung des NATO-Doppelbeschlusses, um dem Warschauer Pakt in den späten Jahren des Kalten Krieges bei der Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen die Stirn zu bieten, mal mit Verständnis und Entgegenkommen, als er den skeptischen westlichen Verbündeten nach dem Mauerfall 1989 das Ja zur deutschen Einheit abrang. Auch dabei vergaß er nie seine Heimat.

 

Der ewige und rastlose Diplomat fühlte sich in Halle daheim

 

Genscher war überzeugter Hallenser. Er lud die Außenminister James Baker, Eduard Schewardnadse und Roland Dumas lud er in seine Heimatstadt an der Saale ein, um sie von seiner politischen Mission der Wiedervereinigung zu überzeugen. Er wurde bereits 1991 Halles Ehrenbürger. „Wer überall zuhause ist, ist nirgends daheim“, sagte er damals in Anspielung auf seine rastlose diplomatische Tätigkeit – und fügte dann mit Tränen in den Augen hinzu, „aber ich bin es hier“.

 

 

So diplomatisch Genscher auch war, er hatte eine klare Linie, die letztlich zum Koalitionsbruch führte

 

Genscher konnte auch das Feuer für die liberale Idee im Osten Deutschlands nicht so entfachen, wie es ihm zu den liberalen Hochzeiten in den 1970er- und 1980er-Jahren in der alten Bundesrepublik gelungen war. Sicher profitierte dabei die FDP auch von seinem Glanz als Außenminister, aber er vertrat auch einen sehr klaren eindeutigen Liberalismus, der nur in Grenzen zu Kompromissen bereit war. So erklärt sich auch der Wechsel von Schmidt zu Kohl, von der Koalition mit der SPD zur Koalition mit CDU/CSU 1982. Wirtschaftspolitisch hatten sich SPD und FDP auseinander gelebt. In der Rückschau gab es für Genscher nicht wirklich eine Alternative zum Koalitionsbruch.

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Ein unbedingter Wille zum Frieden trieb ihn an

 

1992 verabschiedete er sich konsequent aus seinem Amt. Einerseits hatte  Zum einen hatte sich seine politische Mission mit der Wiedervereinigung Deutschlands und dem Fall des Eisernen Vorhangs erfüllt. Andererseits fühlte er sich wohl den neuen aufkommenden Konflikten um das auseinanderbrechende Jugoslawien mit seinem diplomatischen Mitteln nicht mehr gewachsen.

 

Mit dem Tod Genschers stirbt ein letzter Vertreter jener politischen Generation, die ihr politisches Handeln aus der jugendlichen Erfahrung als Kriegsteilnehmer bestimmte, deren Kompass der unbedingte Wille zum Frieden in Europa war, auch über die Systemgrenzen hinweg. Daher entwickelten sie auch ihren Wertekanon, egal ob sie sich nun wie Helmut Schmidt der Sozialdemokratie, wie Helmut Kohl den Christdemokraten oder Hans-Dietrich Genscher den Liberalen zuwandte.

 

 

Hans-Dietrich Genscher war einzigartig

 

 

Anders als Politiker wie Helmut Schmidt oder Helmut Kohl, hatte Genscher einen einzigartigen doppelten Blick auf Deutschland. Aufgewachsen ist er im Osten, politisch entwickelt hat er sich im Westen Deutschlands. Das ist sein Alleinstellungsmerkmal. Dies machte ihn zum glaubhaftesten und authentischsten Diplomat und Außenminister, den Deutschland in seiner Geschichte bisher hervorgebracht hat.

Warum gibt es heute so wenige Charismatiker und Charakterköpfe in der Politik. Dazu hatte ich mir nach dem Tod Helmut Schmidts vor wenigen Montaten schon einmal Gedanken gemacht.

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Helmut Schmidt. Der Lotse ist von Bord gegangen. – Ein intellektueller Macher. – Ein hanseatischer Europäer. – Ein kettenrauchender John Wayne. -Warum gibt es heute so wenig Charismatiker & Charakterköpfe in der Politik? (WehrWolter – ww 82 – Hans Wolter)

(10. November 2015)

Helmut Schmidt ist heute im Alter von 96 Jahren gestorben. (23.12.1918 – 10.11.2015)

Er war eine klare Führungs-, eine starke Vaterfigur. – Für seine zupackende, wenn nötig kämpferische Haltung, auch wenn er kräftigem Gegenwind ausgeliefert war, habe ich ihn immer bewundert. Selbst im Alter setzte er sich mit seiner Zigarette gegen die Etikette durch. Sogar die Medien ließen sich darauf ein, weil sie auf den weisen Gesprächspartner nicht verzichten wollten. Im Umgang mit Sturmfluten, der RAF und anderen terroristischen Erpressungsversuchen ging er tatkräftig den Weg, den er, in Abstimmung mit anderen, für richtig hielt.

Es gibt verschieden Typen von Politikern.

So unterschiedlich wie unsere Automarken.

Helmut Schmidt: Hanseatischer Kopf-Typ

Helmut Schmidt war ein Macher, ein Managertyp, ein Mann, der pragmatisch, nordisch nüchtern und klar dachte und führte.

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Seine Stärke lag in der Reaktion auf und im Umgang mit Krisen. Bekannt wurde er durch seine Reaktion auf die Sturmflut 1962 in Hamburg. Hier schaffte er Ordnungen und Lösungen im Umgang mit den Naturgewalten. Das rettete Leben und Werte. „Es waren lauter aufgeregte Hühner und einer musste die Sache in die Hand nehmen“ (Helmut Schmidt). „Er war durch andere nicht zu gängeln.“ (Gregor Gysi)

Willy Brandt: Romantischer Herz-Typ

Willy Brandt war ein anderer Typ. Er war ein Visionär, der Entwürfe und Ideen für die Friedenspolitik, die Wiedervereinigung und den Abbau der Ost-West-Polarisierung hatte. Schmidt war kühl und emotionsreduziert. Brandt konnte die Herzen wärmen und die Augen zum Glänzen bringen. Er konnte allerdings auch in depressive Verfassungen abrutschen und damit an Strahlkraft einbüssen.

Helmut Kohl: Barocker Netz-Typ

Helmut Kohl war schon nicht mehr ein so klarer Typ wie die beiden SPD-Kanzler. Er war weniger Macher, mehr MachtMensch.Schmidt Kohl

Kohl war eher ein Netzwerker, der auf Mehrheiten und Lobbybefriedigung schaute. So etwas wie ein Unternehmer, dem die Produkte nicht so wichtig sind und von dem keine klare Botschaft ausging. Er schien mir primär an der Macht und weniger an der Sache oder Idee interessiert zu sein.

Gerhard Schröder: Durchbeissender Medien-Typ

Gerhad Schröder war wieder etwas klarer in seiner Führung. Er war vor allen Dingen ein Medienkanzler. „Ich will hier rein“ hat er vor Bundeskanzleramt zaunrüttelnd gesagt. Aus der Sozialpolitik der alten SPD hat er sich mit seiner Agenda 2010 verabschiedet. Von Kohl hatte er den Willen zur Macht.

Angela Merkel: Pommerscher Naturwissenschafts-Typ

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Angela Merkel hatte zunächst noch weniger Profil und Kanten als die Vor-Männer. Ihren Führungsstil würde ich als „naturwissenschaftlich“ bezeichnen. Sie als Physikerin scheint sich die Dinge nüchtern anzuschauen. Damit hat sie eine gewisse Nähe zu Schmidt. Nur sie war zunächst keine Macherin. Das wandelt sich gegenwärtig. In der Flüchtlingspolitik zeigt sie mit ihrem „Wir schaffen das“ Farbe. Merkel zeigte bereits Kante mit ihrer klaren Reaktion auf die Nuklearkatastrophe in Fukushima. Der damit verbundene Ausstieg aus der Atomkraft ist ungewöhnlich für eine CDU-Vorsitzende.

Vom Tiki-Taka und falschen 9nern zurück zu echten Neunern, Bombern & Führungspersönlichkeiten

Wir leben nun schon seit einigen Jahren in der Zeit des Internets. Wir können alles outsourcen. Unser Wissen verlagern wir eher in die Cloud oder wir rufen es bei Wikipedia ab. Das führt m.E. zu einer Rückentwicklung der eigenen Stellungnahme. Als wäre nicht mehr die Intelligenz des Einzelnen gefragt, als ginge es nur noch um Schwarmintelligenz. Helmut Kohl war schon weniger am Machen und mehr an der Macht interessiert. Er knüpfte Netze und orientierte sich an Mehrheiten. Seine Nachfolgerin Angela Merkel hat ja auch jahrelang die Probleme ausgesessen. Als wolle sie keinen Fehler machen, für den man sie zur Verantwortung ziehen könnte. Sie ist halt ein Kind ihrer Zeit. Ich denke viele trauen sich heute nicht eine eigene Stellungnahme öffentlich zu formulieren. Auf diese Weise ergibt sich allerdings Mittelmaß. Keiner traut sich mehr Tore zu schießen. Unterstützt wird das noch von der Machtzunahme der Juristen. Auch hier trauen sich immer weniger klare Aussagen zu machen, weil sie befürchten dafür abgestraft werden zu können. Mit der Forderung nach der „Politischen Korrektheit“ geht auch viel Langeweile und Mittelmaß einher.

Es ist an der Zeit, dass die Menschen wieder Farbe bekennen: Die Eltern wieder Erziehung in Beziehung leben, die Lehrer wieder mutig Orientierung bieten, die Politiker wieder führen.

Mann und Frau in Politik & Gesellschaft müssen schon fest im Sattel des eigenen Selbstbewusstseins sitzen, um deutlich Farbe zu zeigen und klare Ansagen machen zu können. In Angela Merkels Wandlung scheint sich ein Umbruch zu mehr Führung zu zeigen. Klare Stellungnahmen in Sachen Atomkraft und Flüchtlingsaufnahme.

Auch Jogi Löw ändert derzeit offensichtlich seine Taktik, indem er Mario Gomez wieder in die Mannschaft zu integrieren versucht. Gomez ist ein Mittelstürmer alter Prägung, der primär in Strafraumnähe auf Tore lauert. Pep Guardiola ist ja bei Barcelona mit seiner Tiki-Taka-Taktik des überragenden Ballbesitzes auch letztlich ins Torlose gelaufen. Echte Neuner sind wieder gefragt, die den Ball, wie einst Gerd Müller, aus jeder Lage aufs Tor bomben können.

Was hätte Helmut Schmidt mit der Herausforderung Flüchtlingskrise gemacht?

Der intellektuelle Manager Helmut Schmidt war überzeugt von der Notwendigkeit der Europäischen Integration. Er sah sich zunehmend als Weltpolitiker und warnte die aktuellen SPD-Politiker nicht die Nähe zu Frankreich zu verspielen. So wie er die Sturmflut schaffen konnte, hätte er sicher auch eine mutige Haltung in der Völkerwanderungs-Flut an den Tag gelegt. Er hätte wahrscheinlich dynamisch daraufhin gearbeitet, dass die Krise auf die Schultern Europas verteilt wird. Vielleicht hätte er als Kosmopolit auch noch die USA ins Boot genommen. Zumal wir hier in Europa etwas auslöffeln müssen, was uns die Amerikaner mit der Destabilisierung arabischer Staaten eingebrockt haben

Schmidt Zeit

Helmut Schmidt der Elder Statesment. Ein Politiker, der niemals außer Dienst war.

Elder Statesman Schmidt nahm über seine Funktion als Mitherausgeber der ZEIT weiter Einfluss auf die Politik. Seine Artikel in der ZEIT hatten häufig den Subtext „Wenn ich Kanzler wäre, würde ich es so und so machen.“ Darüber wurde er zur moralischen Autorität, zum Mentor der Nation. Aber die Politiker verstopften sich die Ohren. „Politik ist in gewisser Art ein Kampfsport“, sagte er einmal, ein Sport der ihm Spaß mache.

Die Zigarette wurde Teil der Marke Schmidt.

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Helmut und Loki haben mit 10 ihre erste Zigarette auf dem Schulhof geraucht. Helmut ist beiden treu geblieben. Die Zigarette wurde Teil der Marke Schmidt. Er fasste seinen Genuss, seine Sucht positiv auf: „Leidenschaft braucht man nicht. Willen braucht man und Zigaretten.“

Die Stationen Helmut Schmidts

Helmut Schmidt ist nach Angaben seines Arztes am Dienstag gegen 14.30 Uhr im Alter von 96 Jahren in seiner Heimatstadt Hamburg gestorben. In den vergangenen Tagen hatte sich sein Gesundheitszustand wohl deutlich verschlechtert. Er starb in seinem privaten Haus in Hamburg-Langenhorn. Mehreren Berichten aus den vergangenen Tagen zufolge war er bereits nicht mehr ansprechbar gewesen und hatte hohes Fieber. Der Altkanzler musste in den vergangenen Wochen wiederholt im Krankenhaus behandelt werden, nachdem ihm im September ein Gefäßverschluss entfernt worden war.

„Schmidt hat die deutsche Politik geprägt wie kaum ein anderer, zunächst als Senator und Minister, dann als Bundeskanzler. Seinen Ruf als erfolgreicher Krisenlenker und Pragmatiker erwarb er sich als Hamburger Innensenator, als er während der Sturmflut von 1962 die Rettungsmaßnahmen organisierte: Ohne verfassungsrechtliche Befugnis forderte er damals Hubschrauber der Bundeswehr und der Royal Air Force an, um Menschen aus dem Katastrophengebiet retten zu können.

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Vier Jahre später war er mit Willy Brandt an der Bildung der ersten Großen Koalition der Bundesrepublik beteiligt, 1967 wurde er Fraktionsvorsitzender der SPD. 1969 wurde er unter Bundeskanzler Brandt und seiner sozialliberalen Koalition Verteidigungsminister. Kurz vor der Bundestagswahl 1972 übernahm er das Finanz- und vorübergehend auch das Wirtschaftsministerium. Als Brandt 1974 im Zuge der Guillaume-Affäre zurücktreten musste, wählte die SPD-FDP-Koalition Schmidt zum Bundeskanzler. Seine Regierung sah sich mit zahlreichen außen- und innenpolitischen Krisen konfrontiert. Doch kam die Bundesrepublik unter seiner Führung relativ gut durch den weltweiten wirtschaftlichen Abschwung und die Ölkrisen der 1970er Jahre.

Schmidt RAF

Es war der Terror der Roten Armee Fraktion (RAF), der ihm die schwierigsten Entscheidungen seiner Amtszeit abverlangte. Darf sich der Staat von Terroristen erpressen lassen? Diese Frage stellte sich, als 1977 die Lufthansa-Maschine Landshut nach Mogadischu entführt wurde und die RAF mit der Ermordung des Arbeitgeber-Präsidenten Hanns Martin Schleyer drohte, um RAF-Gefangene freizupressen. Schmidt entschied sich dagegen. Er ließ das Flugzeug durch ein GSG-9-Kommando befreien, woraufhin die RAF Schleyer ermordete.

Auf Distanz zu Schmidt gingen seine Partei und Teile der Bevölkerung zwei Jahre später, als er den Nato-Doppelbeschluss durchsetzte, der die Stationierung von Mittelstreckenraketen auch in Westdeutschland vorsah. 1982 scheiterte die sozialliberale Koalition, durch ein konstruktives Misstrauensvotum wurde Helmut Kohl zu seinem Nachfolger als Bundeskanzler gewählt.

Nur wenig später gewann der Gründungsverleger der ZEIT, Gerd Bucerius, Schmidt als Herausgeber der Wochenzeitung. Mehr als 32 Jahre blieb er es. Bis zuletzt bereicherte er die Redaktion mit seinen Analysen, Kommentaren und Interviews zum aktuellen Weltgeschehen. “ (Quelle: Zeit Online)

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„Wer nicht redet, wird nicht gehört.“ – Zitate des intellektuellen Machers „Schmidt Schnauze“

„In der Krise beweist sich der Charakter.“

„Ich teile die Menschheit in drei Kategorien: Wir normale Menschen, die irgendwann in ihrer Jugend mal Äpfel geklaut haben, die zweite hat eine kleine kriminelle Ader, und die dritte besteht aus Investmentbankern.“

Schmidt Honnecker

„Die Glaubwürdigkeit der Politiker war noch nie so gering wie heute. Das liegt nicht zuletzt an einer Gesellschaft, die in die Glotze guckt. Die Politiker reden nur oberflächliches Zeug in Talkshows, weil sie meinen, es sei die Hauptsache, man präge sich ihr Gesicht ein.“

„Mut zur Zukunft!“

„Märkte sind wie Fallschirme: sie funktionieren nur, wenn sie offen sind.“

„Ich war als Schüler relativ faul. Was mich nicht interessiert hat, habe ich nur flüchtig gemacht. (…) Meine Frau und ich waren ja in derselben Klasse; wir hatten eine ähnliche Handschrift und es ist vorgekommen, dass Loki meine Hausaufgaben in mein Heft geschrieben hat, zum Beispiel in Mathematik, da war sie besser.“

„Wohl aber ist mir sehr klar bewusst, dass ich – trotz aller redlichen Bemühungen – am Tode Hanns Martin Schleyers mitschuldig bin. Denn theoretisch hätten wir auf das Austauschangebot der RAF eingehen können.“

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“

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„Vor zehn Jahren wäre keiner auf die Idee gekommen, dem Vorstandsvorsitzenden von VW 15 Millionen Euro Gehalt zu zahlen.“

 

# 1 Jahr WehrWolter-Blog: www.WehrWolter.com

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