Internationaler Kindertag 2016. – Deutschland geizt bei seinem Nachwuchs. Wirtschaftlich & emotional. – Staat und Gesellschaft investieren zu wenig in Chancen, Selbstvertrauen und ins GlücklichSein unser Kinder. – (WehrWolter – ww 160 – Hans Wolter)

„Als ich 5 Jahre alt war, hat meine Mutter mir immer gesagt, dass Glück der Schlüssel zum Leben ist. – Als ich zur Schule ging, fragten sie mich was ich werden will wenn ich groß bin. Ich schrieb ‚glücklich‘. Sie sagten mir, dass ich die Aufgabe nicht verstanden habe, aber ich sagte ihnen, dass sie das Leben nicht verstanden haben.“ (John Lennon)

Uns geht es doch nicht wirklich so schlecht, dass jedes siebte  Kinder von Harz IV leben muss. Oder? Deutschland investiert zu wenig in die Chancen seiner Kinder. Immer mehr Kinder leben von Hartz IV. Das geht aus Daten der Bundesagentur für Arbeit hervor. In Bremen und Berlin sind es besonders viele, in Bayern besonders wenige.

Nach einer kurzen Darstellung der wirtschaftlichen Kinderarmut in Deutschland, gehe ich auf die emotionale Armut unseres Nachwuchses ein. Gegeizt wird nämlich auch mit der emotionalen Unterstützung unserer Kinder. Wieso ist das so? Ich denke, dass in unserem Land, in unserer Kultur immer noch Niederschläge von unnötiger Strenge und Angst in Erziehung und Begleitung von Kindern vorhanden sind. Dies verstehe ich als Nachwirkungen unserer Geschichte. Pädagogische Wertvorstellungen des Nationalsozialismus, der Preußen und der sogenannten „schwarzen Pädagogik“ wirken immer noch nach. Viele Zeitgenossen in unserem Land gehen ja auch nicht unbedingt liebevoll mit sich selbst um.

Nicht nur den jungen Terroristen fehlt der Sinn im Leben. Wir und vor allen Dingen unsere Kinder brauchen mehr Beziehung, Sinn und Liebe.

 

„Mit einer Kindheit voll Liebe aber kann man ein halbes Leben hindurch für die kalte Welt aushalten.“ (Jean Paul)

 

Nachfolgend stelle ich dazu noch folgende Dinge kurz dar:

  1. Sind Aggression gottgegeben oder teuflische Produktionen? Sind menschliche Aggressionen angeboren oder hergestellt?
  2. Eros versus Thanatos – Sigmund Freud nahm noch einen Todes-/Destruktionstrieb an.
  3. Kurze Skizzierung der aktuellen psychoanalytischen Selbstpsychologie
  4. Versuche aus der Säuglingsforschung
  5. Wie verhält es sich mit dem von jedem zu lösenden Grundkonflikt von Autonomie und Bindung
  6. Kurze Skizzierung der Bindungstheorie
  7. Wie sicher oder unsicher sind unsere Kinder gebunden?
  8. Welche Bindungstypen sind wir selbst?

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Die wirtschaftliche Armut der Eltern wirkt sich auf die Kinder aus

Die Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann (Die Linke) wertet anlässlich des internationalen Kindertages die Unterlagen der Bundesagentur für Arbeit aus. Hier kommt sie zu dem Ergebnis, dass jedes siebte Kind in Deutschland von Harz IV abhängig ist.

Im vergangenen Jahr waren im Schnitt 1,54 Millionen der unter 15-Jährige betroffen. Das waren gut 30.000 mehr als im Vorjahr. In einzelnen Regionen ist die Lage deutlich schlechter: So ist in Bremen und Berlin mit 31,5 Prozent fast jedes dritte Kind unter 15 Jahren von Hartz-IV-Leistungen abhängig (Ende 2015). In Sachsen-Anhalt sind es 21,8 Prozent, in Hamburg 20,4 Prozent. Prozentual am wenigsten Betroffene gibt es in Bayern mit 6,5 Prozent.

Kinderarmut3

Insgesamt sind in Ostdeutschland 20,3 Prozent der unter 15-Jährigen Hartz-IV-abhängig, in Westdeutschland 13,0 Prozent. Den stärksten Anstieg gegenüber dem Vorjahr gab es mit 2,1 Prozentpunkten in Bremen, den deutlichsten Rückgang mit minus 0,7 Prozentpunkten in Brandenburg und Sachsen.

Beim Thema Kinderarmut geht es nicht direkt um die Armut der Kinder, sondern um die Armut ihrer Eltern und deren Auswirkung auf die Kinder, sagte Zimmermann. „In der enormen Anzahl der Hartz-IV-Beziehenden mit Kindern spiegeln sich die in vielen Regionen immer noch angespannte Arbeitsmarktlage mit viel zu wenigen Arbeitsplätzen und Niedriglöhne wider.“ Der Koalition warf die stellvertretende Vorsitzende der Linkenfraktion vor, zu wenig gegen das seit Jahren bekannte Problem zu tun. So müssten die Regelsätze für Kinder erhöht werden. (Quelle: n-tv.de , bad/dpa)

Nachfolgend greife ich noch einmal meine Ausarbeitung vom November letzten Jahres auf.

Ambivalenz

„Mit einer Kindheit voll Liebe aber kann man ein halbes Leben hindurch für die kalte Welt aushalten.“ (Jean Paul) – Für mehr Beziehung in der Erziehung – Nicht nur den jungen Terroristen fehlt der Sinn im Leben – Experimente der Selbstpsychologie & Bindungsforschung (WehrWolter – ww 85 – Hans Wolter)

(21.11.2015)

In meinem Text stelle ich die Wichtigkeit von Beziehung und sicherer Bindung dar. Nach meiner Einschätzung nehmen sichere Bindungen und Sinnfindung in der Gesellschaft ab. Ausgangspunkt meines Artikels ist ein Fernsehbeitrag den ich wenige Tage nach dem Anschluss der Terroranschläge in Paris sah. Hier wurde dargestellt, dass ein Teil der äußerst jungen Attentäter (20 – 25 Jahre) aus scheinbar guten Verhältnissen kam. Sie waren nach Aussage von Nachbarn, Freunden und Bekannten nicht sonderlich auffällig und scheinbar normal sozial integriert. Es seien aber junge Menschen gewesen, die offensichtlich auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens waren. Da sie hier offensichtlich weniger Orientierung hatten, scheint ihnen der sogenannte „Islamische Staat“ so etwas wie Identität und Lebensperspektive gegeben haben. Offensichtlich so viel, dass diese jungen Menschen bereit waren, für diese Ideologie zu sterben.

Beziehung ist wichtiger als Erziehung. Nicht in einem Entweder-Oder. Nur: ich beobachte in meinem Praxisalltag, dass in Deutschland noch viel zu viel erzogen wird. Gehorsam war früher wichtiger als Selbstentfaltung. Leider scheint das in vielen Familien immer noch der Fall zu sein. Die Gefahr ist am größten, wenn Eltern den Stil ihrer eigenen Eltern – mehr oder weniger unreflektiert – übernehmen. Wir müssen uns klar machen, dass die Kriegsgeneration noch ganz anders erzogen wurde. In den inneren Bildern der Deutschen ist leider noch viel Nationalsozialismus präsent. Ob wir das wollen oder nicht. Auch wenn alle sagen: so wie meine Mutter oder mein Vater will ich nicht sein. Unbewusst wird viel mehr wiederholt, als es uns bewusst lieb ist. Das gilt natürlich nicht nur für die autoritäre Variante. Es gibt auch erschreckend viel WohlstandsVerwahrlosung.Tendenz steigend. Eltern, denen die Kinder eigentlich egal sind, wahrscheinlich, weil sie selbst ihren Eltern auch egal waren. Da soll das Liebesdefizit mit bezahlten Angeboten gefüllt werden. Die Rechnung geht natürlich nur mehr schlecht als recht auf …

 

Gestern sah ich kurz einen Bericht im Fernsehen, dass die jungen Terrorattentäter von PARIS zum Teil aus guten Verhältnissen stammten. Unauffällig gelebt haben. Nicht nur Jungs. Warum haben die sich eines Tages vom IS anwerben lassen? – Ich vermute, weil sie einen Sinn im Leben suchten. Einen Sinn, den ihnen ihre Eltern & das Internet nicht vermittelten. Hier trifft das Vorurteil vom Loser-Täter nicht zu.

 

Da halte ich es lieber mit Scott Fitzgerald, der seinem Kind mit auf den Weg gab: – „Es ist nie zu spät – oder in meinem Fall zu früh – der Mensch zu sein der du sein willst. Es gibt dafür kein Zeitlimit. Halte inne, wann immer du möchtest. Du kannst dich ändern oder so bleiben wie du bist. Es gibt keine Regeln dafür. Wir können das Beste oder das Schlechteste daraus machen. Ich hoffe, du machst das Beste daraus. Und ich hoffe, du wirst Dinge sehen, die dich aufschrecken lassen.

Ich hoffe, du wirst Dinge fühlen, die du noch nie gefühlt hast. Ich hoffe, du wirst Menschen treffen, die eine andere Sichtweise haben. Ich hoffe, du lebst ein Leben, auf das du stolz bist. Wenn du herausfindest, dass das nicht der Fall ist, hoffe ich, dass du den Mut haben wirst, noch einmal von vorne anzufangen …

… Ich liebe dich. Zieh los, mache großartige Fehler und verliebe dich in dein Leben.“

 

 

Erziehung ohne Beziehung. Macht. Aggressionen. – Wird der Mensch mit so etwas wie einem Aggressionstrieb geboren, oder sind aggressives Verhalten & Erleben hergestellt?

Nicht nur Eltern verzweifeln regelmäßig daran, wenn Erziehung nicht mehr fruchtet. Waren die Sprösslinge bis zur Pubertät noch einigermaßen zahm und willig, kann sich das fast eruptiv von einem auf den anderen Tag ändern. Als unser Sohn und drei weitere Jungs in eine Schulklasse kamen, in der bisher 24 Mädchen vier Jungs gegenüberstanden, glaubten die Mütter beim Elternabend einen enormen Aggressionszuwachs zu beobachten. Das Männliche war in den Augen dieser Mütter für den Untergang von Bullerbü verantwortlich. Den eigenen Töchtern wurde hier weniger ein pubertärer Entwicklungsumbruch unterstellt.

Tendenziell gibt es diese Atmosphäre sogar in sogenannten Fachkreisen. So bemerkte ich auf einer Psychotherapeutischen Tagung, auf der das Frauen-Männer-Verhältnis ca. 70 zu 30 war, dass in der Diskussion häufig noch „alte Bilder“ aus der Frauenemanzipation machtvoll wirken. Als ein männlicher Kollege beim Thema „Wandel der Familienverhältnisse“ darauf aufmerksam machte, dass es heute die Jungs und die jungen Männer sind, die auf der Strecke zu bleiben drohen, wurde dieser Gedanke nicht weiterentwickelt. Obwohl er diese Beobachtung an mehreren Beispielen ausführte, wie z.B. an der deutlich rückläufigen Zahl männlichen Studienanfänger. Es hört sich jetzt schon fast wie eine Karikatur an, dass darauf unmittelbar die Wortmeldung einer weiblichen Kollegin folgte, die ein Thema männlicher Vergewaltigung aufgriff. Damit war die formulierte Männernot weggewischt. Dies stellte keine Antwort, sondern ein Ignorieren dieser Thematik dar. Dies sind allerdings nur persönliche Beobachtung von mir, als durchaus aufmerksamer Beobachter der Welt in der ich mich unmittelbar bewege.

 

Mir geht es hier jetzt hier allerdings nicht um das Thema: „Wie unterscheiden sich männliche und weibliche Aggression“, sondern grundsätzlich um die Frage:

 

Sind Aggression gottgegeben oder teuflische Produktionen?

 

Viele Menschen gehen davon aus, dass der Mensch schon mit seiner Geburt so etwas wie einen Aggressionstrieb mit auf die Welt bringt. Das alte lateinische Wort „Homo homini lupus“ stammt aus der Kommödie Asinaria (Eseleien) des Titus Maccius Plautus (ca. 254–184 v.Chr.). Hier sagt der Kaufmann zu Leonida: „Ein Wolf ist der Mensch dem Menschen, kein Mensch, wenn man sich nicht kennt.“ Bekannt wurde die Sichtweise besonders durch den englischen Staatstheoretiker und Philosophen Thomas Hobbes.

 

„Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf“

 

lautet die prägnante Abkürzung. Hierbei wird allerdings oft übersehen, dass Hobbes die Bedeutung des Satzes auf das Verhältnis der Staaten zueinander und ihre kriegerischen Auseinandersetzungen beschränkt.

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Eros versus Thanatos

 

Sigmund Freud ging in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts noch von zwei antagonistischen Trieben aus. 1920 stellte er in seinem Buch „Jenseits des Lustprinzips“ den großen Gegenspieler des Lebens vor: den Todestrieb. Poetischer klingt es, wenn er von Eros versus Thanatos sprach. Nun gibt es aber nicht DIE Psychoanalyse. Diese Seelen-Wissenschaft hat sich ständig weiterentwickelt. Heute spricht man schon allein in der Freudschen Psychoanalyse von mindestens vier verschiedenen Seherfahrungen, Schulen oder Richtungen.

 

Dies sind im Einzelnen, die: 1. Triebtheorie, 2. Ichpsychologie, 3. Objekt-Beziehungs-Theorie, 4. Selbstpsychologie. Darüber hinaus gibt es noch weitere Schulen, wie z.B. Individualpsychologie nach Alfred Adler oder die Analytische Psychologie nach C.G. Jung. Und noch einiges mehr, wie die Bindungsforschung etc..

 

Eingehen möchte ich kurz auf die neueste Richtung der Freudschen Psychoanalyse: die Selbstpsychologie. Die Selbstpsychologie wurde von Heinz Kohut in den 1970er Jahren begründet. Sah Sigmund Freud die Sexualität und die Triebe als Dreh- und Angelpunkt seiner Theorie und Behandlung an, so ist es bei Kohut die Organisation und Aufrechterhaltung des Selbst in Abhängigkeit zu den Objekten den bedeutsamen Beziehungen des Individuums. Ich beziehe mich hier deshalb auf die Selbstpsychologie, da diese einen deutlich anderen Ansatz zur Aggressionsentstehung entwickelt hat, als die anderen Theorien.

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Aggression ist nach Ansicht der Selbstpsychologen nicht von Anfang an da, sondern sie entsteht, wenn wir in der Entfaltung unserer Grundmotive gehindert werden.

 

Die Selbstpsychologen gehen von 5 Grundmotiven des Menschen aus:

 

Physiologische Regulation

Neugier & Selbsterforschung der Welt

Zugehörigkeit & Resonanz

Sinnlich intimer Austausch

Möglichkeiten des Rückzuges, Nein-Sagens und Anders Sein.

 

Werden ein oder mehrere Motive gestört oder nicht erfüllt, entwickelt sich Aggression.

 

Ging Freud noch in seiner Entwicklungstheorie von Rückschlüssen aus der Erwachsenenbehandlung aus, untersuchen die heutigen Selbstpsychologen das Säuglingsalter empirisch und systematisch. In der sogenannten

 

 

Säuglingsforschung

 

Hier werden Säuglinge in der Interaktion mit ihren Bezugspersonen beobachtet und gefilmt. Im Anschluss werden die Bezugspersonen interviewt. Beeindruckt bin ich hier besonders von den Beispielen, in denen die Mutter-Kind-Interaktion letztlich entgleist. Nicht dramatisch, aber am Ende protestiert der Säugling mit lautem Geschrei. Was ist passiert.

 

Die Mutter bekam nur die Anweisung sich einige Minuten mit ihrem Kind auf dem Arm zu beschäftigen. Im Anschluss sahen sich die Versuchsleiter mit ihr den Film an. Sie befragten sie an bestimmten Stellen, wie sie sich gefühlt habe und warum sie bestimmte Dinge gemacht hatte.

 

Beobachtung der Mutter-Kind-Interaktion

 

Mutter und Kind sind guter Dinge. Blickkontakt. Die Mutter lacht. Das Kind erwidert es. Nach einiger Zeit dreht sich das Kind kurz weg und unterbricht damit den Blickkontakt zur Mutter.

Die (unsichere) Mutter dreht ihren Kopf hinterher, so dass sie dem Kind wieder in die Augen schaut. Bei der anschließenden Befragung sagt die Mutter, dass sie gedacht habe, das Kind habe sich abgewandt, weil sie nicht gut genug sei. Also wollte sie es mit der Wiederherstellung des Blickkontaktes wieder mehr „bemuttern“. Etwas später dreht das Kind wieder sein Gesicht weg. Die Mutter folgt ihm wieder. Das wiederholt sich jetzt noch einige Male, bis das Kind letztlich zu schreien beginnt. Die Mutter ist verärgert und traurig.

 

Befragung der Mutter

 

Die Mutter glaubte zunächst nicht gut genug zu sein. Deshalb unterband sie das Weggucken des Kindes. Dann glaubte sie, ihr Kind sei böse auf sie oder grundsätzlich böse. Als ihr mehrfaches Hinterhergucken zum Schreien des Säuglings führte, glaubte sie sich bestätigt: das Kind ist aggressiv. Manche interpretierten jetzt weiter. Vielleicht: „das hat es vom Vater … der hört mir auch nie zu“ etc.

So reagierten natürlich nicht alle Mütter. Nur die Unsicheren. Bei weiteren Untersuchungen ließ sich feststellen, dass diese Frauen selbst zum Typus der „Unsicher Gebundenen“ gehören.

Die Bindungsforschung (nach Bowlby) unterscheidet vier Bindungstypen, die ich gleich noch einmal kurz vorstelle.

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Schlussfolgerungen

 

  1. Der Mensch braucht schon von Geburt an nicht nur Bindung, sondern zugleich auch Autonomie. Das kurze Wegschauen des Säuglings stellt eine kurze Autonomietendenz da. Wir brauchen Zeit unseres Lebens beides: Bindung und Autonomie. So wie das Ein- und Ausatmen.

 

  1. Aggression ist nicht grundsätzlich im Menschen. Aggression wird hergestellt, wenn Grundbedürfnisse nicht erfüllt und/oder gestört werden.

 

 

Bindung

Bindungstheorie

 

Hierzu zitiere ich einfach einmal Wikipedia: „Die Bindungstheorie ist eine psychologische Theorie, die auf der Annahme beruht, dass Menschen ein angeborenes Bedürfnis haben, enge und von intensiven Gefühlen geprägte Beziehungen zu Mitmenschen aufzubauen. Sie wurde von dem britischen Kinderpsychiater John Bowlby, dem schottischen Psychoanalytiker James Robertson und der US-amerikanisch-kanadischen Psychologin Mary Ainsworth entwickelt.

 

Ihr Gegenstand ist der Aufbau und die Veränderung enger Beziehungen im Laufe des Lebens. Die Bindungstheorie basiert auf einer emotionalen Sichtweise der frühen Mutter-Kind-Beziehung. Sie verbindet ethologisches, entwicklungspsychologisches, psychoanalytisches und systemisches Denken.

 

Eines der ursprünglichen Anliegen Bowlbys war es, eine wissenschaftliche Basis für den psychoanalytischen Ansatz der Objektbeziehungstheorien herzustellen und psychoanalytische Annahmen empirisch überprüfbar zu machen. Dabei entfernte er sich im Laufe seiner Forschungsarbeit von der Psychoanalyse. Die Bindungstheorie weist Verbindungen zur Individualpsychologie von Alfred Adler, zur Systemtheorie und zur kognitiven Psychologie auf und hat einen großen Beitrag zur Familientherapie, kognitiven Therapie sowie zur Psychoanalyse, Entwicklungspsychologie und zu den Grundlagen der Pädagogik geleistet.“

Grundlagen der Bindungsstheorie

Ich gehe hier nur auf die wichtigsten Aspekte der Bindungstheorie ein. Wer dies vollständig nachlesen möchte, findet dies auf: https://de.wikipedia.org/wiki/Bindungstheorie

Nachfolgend stelle ich (über Wikipedia) die Grundlagen der Bindungstheorie und letztlich die sogenannten Bindungstypen vor.

„Bindung (engl.: attachment) ist die Bezeichnung für eine enge emotionale Beziehung zwischen Menschen. Das Neugeborene entwickelt eine spezielle Beziehung zu seinen Eltern oder anderen relevanten Bezugspersonen. Die Bindung veranlasst das Kleinkind, im Falle objektiv vorhandener oder subjektiv erlebter Gefahr (Bedrohung, Angst, Schmerz) Schutz und Beruhigung bei seinen Bezugspersonen zu suchen und zu erhalten. Bezugspersonen bzw. Bindungspersonen sind die Erwachsenen oder älteren Personen, mit welchen das Kind den intensivsten Kontakt in seinen ersten Lebensmonaten hatte.

Das Bindungsverhalten besteht aus verschiedenen beobachtbaren Verhaltensweisen wie Lächeln, Schreien, Festklammern, Zur-Mutter-Krabbeln, Suchen der Bezugsperson usw. Diese Verhaltensweisen werden als ein Verhaltenssystem beschrieben. Es ist genetisch vorgeprägt und bei allen Primatenkindern zu finden, besonders beim Menschen.

Konkretes Bindungsverhalten wird bei Wunsch nach Nähe oder in „Alarmsituationen“ aktiviert. Letztere werden von emotionalem Stress begleitet, beispielsweise bei zu großer Distanz zur Bezugsperson, bei Unwohlsein, Schmerz und Angst. Abgewiesene Bindungswünsche verstärken bindungssuchendes Verhalten, welches ebenfalls bei Wiederkehr einer Bezugsperson beobachtet werden kann.

Nähe zur Bindungsperson mit Blick- und/oder körperlichem Kontakt über eine kurze Zeit beenden i. d. R. bindungssuchendes Verhalten. Das Kind fühlt sich sicher und kann neugieriges Explorationsverhalten (Erkundungsverhalten) zeigen. Hierbei zeigt die häufige Rückversicherung durch Blickkontakt zur Bindungsperson bei jungen Kindern, wie wesentlich sichere Bindung für die Erforschung der Welt und die spätere Aussteuerung beider Pole im Sinne gesunder Autonomie ist.

Bindungsverhalten verändert sich im Laufe des Lebens. Bei älteren Kindern und Erwachsenen ist das „ursprüngliche“, direkt beobachtbare Bindungs- und Explorationsverhalten im Sinne von Annäherung und Entfernung von Bindungspersonen nicht mehr so offensichtlich. Dennoch hat die Forschung auf Basis der Bindungstheorie Zusammenhänge zwischen frühem Bindungsverhalten und dem Verhalten älterer Kinder, Jugendlicher und Erwachsener gefunden. Durch die individuellen Unterschiede in der Eltern-Kind-Interaktion in den ersten Lebensjahren werden nach Bowlby die inner working models (engl. für „innere Wirkungs-/Arbeitsmodelle“) gebildet. Diese werden im Verlauf der Entwicklung in der Psyche eines Menschen relativ stabil repräsentiert (also abgebildet).

Das inner working model beinhaltet die individuellen frühen Bindungserfahrungen sowie die daraus abgeleiteten Erwartungen, die ein Kind gegenüber menschlichen Beziehungen hegt. Sie dienen dazu, das Verhalten der Bindungsperson zu interpretieren und ihr Verhalten vorherzusagen. Nach der Entwicklung im ersten Lebensjahr werden die inner working models zunehmend stabiler. Sie bilden sich zu Bindungsrepräsentationen aus. Während der Begriff der Bindungsrepräsentanz eher auf die psychoanalytische Tradition zurückgeführt werden kann, würden Kognitionspsychologen hier eher von Schemata, also Bindungsschemata sprechen.

Wesentlich ist, dass die sich entwickelnden Bindungstypen aus der Eltern-Kind-Beziehung hervorgehen und somit eine zwischenmenschliche Qualität spiegeln, in die das Verhalten beider Seiten einfließt. Dabei ist für die spätere Bindungsqualität die Feinfühligkeit der Bezugspersonen entscheidend. Unter Feinfühligkeit wird situationsangemessenes und promptes Reagieren erwachsener Bezugspersonen auf die Äußerungen und Bedürfnisse des Säuglings verstanden. Insofern ist das spätere Bindungsverhalten des Kindes weniger Spiegelbild seines Temperaments oder Charakters, sondern primär Ausdruck der erlebten Interaktion mit der Bezugsperson.

Der Begriff Interaktion (synonym: Wechselwirkung) ist eine Bezeichnung zwischenmenschlichen wechselseitigen Verhaltens. In der Sozialpsychologie steht der Begriff heute für jede Art der Wechselwirkung oder wechselseitigen Bedingtheit im sozialen Kontext. John Bowlby hatte ihn zuerst in seinem Aufsatz Über das Wesen der Mutter-Kind-Bindung im Zusammenhang mit dem Sozialverhalten verwendet. Der auf Basis der Bindungstheorie entstandenen empirischen Forschung ist es gelungen, das zum Bindungsverhalten führende frühe Interaktionsverhalten mittels des „Fremde-Situations-Tests“ (s. u.) zu operationalisieren und somit empirisch fassbar zu machen. Dabei interessiert besonders die Feinfühligkeit seitens der Bezugsperson, auf Seiten des Kindes das sich entwickelnde Bindungsverhalten sowie der Zusammenhang zwischen beidem.

Bindungsverhalten entwickelt sich im ersten Lebensjahr. Bis zur sechsten Lebenswoche kann hierbei die Bindungsperson beinahe beliebig wechseln. Dann entsteht – etwa gleichzeitig mit dem ersten personenbezogenen Lächeln – eine zunehmend festere Bindung zu einer oder mehreren Personen (bspw. Mutter, Vater, Geschwister oder Pflegemutter). Sobald das Kind sich fortbewegen kann (Lokomotion), ist es ab dem siebten bis achten Monat fähig, sich entweder aktiv in die Nähe der Bezugsperson zu bewegen oder von dieser weg die Umgebung selbstständig zu erkunden (Individuationsphase). Dies wird möglich auf Grund der jetzt wachsenden Objektpermanenz, welche dem Kind die innere Vorstellung eines Objekts ermöglicht, ohne dass ein solches direkt anwesend ist. Ab etwa dem dritten Lebensjahr versucht das Kind das Verhalten des anderen je nach Situation zu beeinflussen.

 

Mit dem Bindungsverhalten versucht das Kind Trost von seiner Bezugsperson zu bekommen

Vierphasenmodell der Bindungsentwicklung nach Bowlby 1969:

Vorphase: bis ca. 6 Wochen

Personenunterscheidende Phase: 6. Woche bis ca. 6./7. Monat

Eigentliche Bindung: 7./8. bis 24. Monat

Zielkorrigierte Partnerschaft: ab 2 / 3 Jahren

Das individuelle Bindungsverhalten/der Bindungstyp eines Neugeborenen entsteht durch die Anpassung an das Verhalten der zur Verfügung stehenden Bindungspersonen. Hierbei bilden die ersten sechs Lebensmonate die Phase stärkster Prägung. Es kann jedoch von gewisser Plastizität ausgegangen werden: Bindungsverhalten ändert sich gegebenenfalls bei entsprechenden Erfahrungen im Verlauf der Kindheit und Jugend. Hierbei haben sich bestimmte, die Bindung betreffende Schutz- und Risikofaktoren (wie z. B. eine im späteren Leben auftauchende, sichere Bindung oder aber Psychotraumata) als wichtige Einflüsse erwiesen. Im Erwachsenenalter gilt es als relativ konstant und bestimmt spätere enge Beziehungen. Die frühe Mutter-Kind-Interaktion zeigt somit die Tendenz zur Generalisierung. Darüber hinaus belegen Forschungen, dass das Bindungsmuster einen transgenerativen Aspekt aufweist: Unsicher gebundene Kinder haben, wenn sie Eltern werden, überdurchschnittlich häufig wieder unsicher gebundene Kinder. Mittels spezifischer Testverfahren kann mit hoher Wahrscheinlichkeit von Aussagen werdender Mütter über ihr Ungeborenes die spätere Entwicklung eines bestimmten Bindungstypus des Kindes vorhergesagt werden.

Im Verlauf ontogenetischer Entwicklung wurden signifikante Zusammenhänge zwischen der Bindungsqualität im Alter von einem Jahr und einer Psychopathologie im Alter von sechs Jahren gefunden. Neuere Forschungen in dem Bereich weisen zudem signifikante Zusammenhänge zwischen sicherer Bindung und psychischer Stabilität bzw. unsicherer Bindung und psychopathologischen Störungen (emotionale Störungen des Jugendalters, Borderline-Persönlichkeitsstörungen, Angststörungen, Impulskontrollstörungen und Abhängigkeitserkrankungen) hin.“

 

„Fremde Situation“

 

Exploratives Verhalten: Spielen ist entspannter, wenn die Bezugsperson Sicherheit geben kann

(Siehe hierzu auch den Hauptartikel: Fremde Situation auf Wikipedia)

Mary Ainsworth und ihre Kollegen entwickelten 1969 mit der sogenannten Fremden Situation ein Setting zur Erforschung kindlicher Bindungsmuster. Dabei stützten sie sich auf frühere experimentelle Arbeiten aus dem Umfeld des Gestaltheoretikers Kurt Lewin, nämlich die von F. Wiehe zum „Behavior of the child in strange fields“ (Ende der 1920er-Jahre) und die von Jean M. Arsenian (1943) zum Verhalten von „Young children in an insecure situation“[26]. Daran anknüpfend gelang es Mary Ainsworth, individuelles kindliches Bindungsverhalten im Sinne von Bowlbys Theorie in einer qualitativen Testsituation beobachtbar zu machen. Hierbei finden 11 bis 18 Monate alte Kinder die typischen Gegebenheiten in einer annähernd natürlichen Situation vor, die nach Bowlbys Theorie sowohl Bindungs- als auch exploratives Verhalten aktivieren. Wesentlich für die Analyse des Bindungsmusters ist das Verhalten des Kindes bei An- bzw. Abwesenheit der Mutter sowie bei deren Rückkehr.[22][24] Dieses wird mittels Videokamera aufgezeichnet und hinsichtlich der Verhaltens- bzw. Bewältigungsstrategien des Kindes bei Trennungsstress analysiert. Heute ist es möglich, die Bindung bis zu einem Alter von 5 Jahren durch das Testverfahren zu bestimmen.

Zunächst wurden lediglich drei Ausprägungen von Bindungstypen festgestellt, welche sich innerhalb der Interaktion mit der Bindungsperson entwickeln können: sicher (B), unsicher-vermeidend (A) und unsicher-ambivalent (C). Später kam im Zuge der Untersuchung schwer vernachlässigter Kinder die Kategorie desorganisiert (D) hinzu; das kindliche desorganisierte Verhalten konnte mit der Unmöglichkeit, Bindungsverhalten aufzubauen, in Verbindung gebracht werden.

Bindungstypen des Kindes

In einer Fremden Situation aber auch in anderen Untersuchungskonstellationen konnten bestimmte Bindungstypen klassifiziert werden. Das Bindungsverhalten ist sehr vielfältig und oft individuell unterschiedlich in der Ausprägung. Heute werden meist vier Bindungsqualitäten bei Kindern genannt:

 

Bindungstypen Abkürzung Beschreibung Verhalten in der Testsituation
Sichere Bindung B-Typ Solche Kinder können Nähe und Distanz der Bezugsperson angemessen regulieren. Sie sind kurzfristig irritiert und weinen ggf., wenn die Bezugsperson den Raum verlässt, lassen sich jedoch von der Testerin trösten und beruhigen sich schnell wieder; sie spielen im Raum auch mit der Testerin; laufen der Bezugsperson bei deren Wiederkehr entgegen und begrüßen diese freudig.
Unsicher vermeidende Bindung A-Typ Die Kinder zeigen eine Pseudounabhängigkeit von der Bezugsperson. Sie zeigen auffälliges Kontakt-Vermeidungsverhalten und beschäftigen sich primär mit Spielzeug im Sinne einer Stress-Kompensationsstrategie. Sie wirken bei der Trennung von der Bezugsperson unbeeindruckt; sie spielen auffallend oft für sich allein; bei der Wiederkehr der Bezugsperson bemerken sie diese kaum oder zeigen Ablehnung durch Ignorieren.
Unsicher ambivalente Bindung C-Typ Diese Kinder verhalten sich widersprüchlich-anhänglich gegenüber der Bezugsperson. Sie wirken bei der Trennung massiv verunsichert, weinen, laufen zur Tür, schlagen gegen diese und sind durch die Testerin kaum zu beruhigen. Bei Wiederkehr der Bezugsperson zeigen sie abwechselnd anklammerndes und aggressiv-abweisendes Verhalten und sind nur schwer zu beruhigen.
Desorganisierte Bindung D-Typ Die Kinder zeigen deutlich desorientiertes, nicht auf eine Bezugsperson bezogenes Verhalten. Hauptmerkmal solcher Kinder sind bizarre Verhaltensweisen wie Erstarren, Im-Kreis-Drehen, Schaukeln und andere stereotype Bewegungen; daneben treten (seltener) Mischformen der anderen Bindungsmuster wie beispielsweise gleichzeitiges intensives Suchen nach Nähe und deren Ablehnung auf.

 

Sichere Bindung

Für die sichere Bindung eines Kindes hat sich die Bezeichnung B-Bindung etabliert. Sicher gebundene Kinder entwickeln aufgrund von elterlicher Feinfühligkeit eine große Zuversicht in die Verfügbarkeit der Bindungsperson. Diese Feinfühligkeit in der Eltern-Kind-Interaktion ist gekennzeichnet durch die prompte Wahrnehmung der kindlichen Signale, der richtigen Interpretation dieser und einer angemessenen sowie prompten Reaktion auf diese Signale, welche keine starke Frustration beim Kind hervorruft.

Diese Kinder weinen durchaus innerhalb der „fremden Situation“. Sie zeigen die Gefühle deutlich, akzeptieren den Trost einer fremden Frau (einer zum Test gehörenden Helferin) im Raum sogar zum Teil. Obwohl die Trennung bei solchen Kindern also mit negativen Gefühlen verbunden ist, vertrauen sie darauf, dass die Bindungsperson sie nicht im Stich lassen oder in irgendeiner Weise falsch reagieren wird. Die Bindungsperson erfüllt in einer derartigen Bindung die Rolle eines „sicheren Hafens“, der immer Schutz bieten wird, wenn das Kind dessen bedarf. Die Kinder sind traurig, dass die Bindungsperson nicht bei ihnen ist – und gehen davon aus: „Sie kommt zurück.“ Erscheint die Bindungsperson im Raum, freuen sich die Kinder. Sie suchen Nähe und Kontakt, wenden sich kurz danach wieder der Exploration des Raumes zu.

 

Unsicher-vermeidende Bindung

Kinder vom Typ A-Bindung reagieren scheinbar unbeeindruckt, wenn ihre Bindungsperson hinausgeht. Sie spielen, erkunden den Raum und sind auf den ersten Blick weder ängstlich noch ärgerlich über das Fortgehen der Bindungsperson. Durch zusätzliche Untersuchung der physiologischen Reaktionen der Kinder während der Situation wurde jedoch festgestellt, dass ihr Cortisolspiegel im Speichel beim Fortgehen der Bindungsperson höher ansteigt als der sicher gebundener Kinder, welche ihrem Kummer Ausdruck verleihen – was auf Stress schließen lässt. Auch ihr Herzschlag beschleunigt sich. Kommt die Bindungsperson zurück, wird sie ignoriert. Die Kinder suchen eher die Nähe der fremden Person und meiden ihre eigentliche Bindungsperson.

Unsicher-vermeidenden Kindern fehlt die Zuversicht bezüglich der Verfügbarkeit ihrer Bindungsperson. Sie entwickeln die Erwartungshaltung, dass ihre Wünsche grundsätzlich auf Ablehnung stoßen und ihnen kein Anspruch auf Liebe und Unterstützung zusteht. Ein solches Bindungsmuster ist bei Kindern zu beobachten, die häufig Zurückweisung erfahren haben. Die Kinder finden einen Ausweg aus der belastenden bedrohlichen Situation des immer wieder Zurückgewiesen-Seins nur durch Beziehungsvermeidung.

 

Unsicher-ambivalente Bindung

Diese Bindungsform wird auch ängstlich-widerstrebende, resistente, ambivalente Bindung oder auch C-Bindung genannt. Kinder, die hier beschrieben werden, zeigen sich ängstlich und abhängig von ihrer Bindungsperson. Geht die Bindungsperson, reagieren die Kinder extrem belastet. Eine fremde Frau wird ebenso gefürchtet wie der Raum selbst. Schon bevor die Bindungsperson hinausgeht, zeigen die Kinder Stress. Da sie die ungewohnte Situation fürchten, wird ihr Bindungsverhalten schon von Beginn an aktiviert. Die Kinder reagieren so auf das korrelierende Bindungsverhalten der Bezugsperson: Die Bindungsperson reagiert für das Kind nicht zuverlässig, nachvollziehbar und vorhersagbar. Der ständige Wechsel von einmal feinfühligem, dann wieder abweisendem Verhalten führt dazu, dass das Bindungssystem des Kindes ständig aktiviert sein muss. Es kann schwer einschätzen, wie die Bindungsperson in einer bestimmten Situation handeln oder reagieren wird. Das Kind ist somit permanent damit beschäftigt, herauszufinden, in welcher Stimmung sich die Bindungsperson gerade befindet, was sie will und was sie braucht, damit es sich entsprechend anpassen kann. Dies führt zu einer Einschränkung des Neugier- und Erkundungsverhaltens des Kindes, welches sich nicht auf die Exploration des Raumes konzentrieren kann. Die Kinder können keine positive Erwartungshaltung aufbauen, weil die Bindungsperson häufig nicht verfügbar ist – meist auch dann nicht, wenn sie in der Nähe ist. Dementsprechend erwarten sie keinen positiven Ausgang der Situation und reagieren extrem gestresst und ängstlich innerhalb der „fremden Situation“.

 

Desorganisiert/desorientierte Bindung

Bei diesem Bindungstyp hat sich die Bezeichnung Desorganisierte Bindung oder D-Bindung etabliert. Der desorganisierte Bindungstyp wurde erst wesentlich später festgestellt. Mary Main, die auch Erwachsene mit dem AAI (Adult Attachment Interview) untersuchte, Judith Solomon und Berry Brazelton, führten die Klassifikation ein. Es gab immer auch Kinder, deren Verhalten sich nicht eindeutig in eine der drei Hauptreaktionsschemata einordnen ließen. Ainsworth und auch nachfolgende Kollegen stuften solche Kinder meist innerhalb der sicheren Kategorie ein, und einige wenige als vermeidend. Einen großen Anteil dieser Kinder klassifizierte man, nach Einführung des 4. Bindungstyps (der D-Bindung), schließlich als desorganisiert/desorientierten Bindungstyp. Kinder, deren Verhalten diesem Bindungstyp zugeordnet wird, zeigen äußerst unerwartete, nicht zuzuordnende Verhaltensweisen. Dazu gehören Stereotypien und unvollendete oder unvollständige Bewegungsmuster. Desorganisiert gebundene Kinder erschrecken oft, wenn ihre Eltern den Raum nach kurzer Trennung wieder betreten, und zeigen eine Mischung von Strategien, wie unsicher-vermeidendes und unsicher-widersetzendes Verhalten. Einige der desorganisiert eingestuften Kinder schreien nach ihren Bindungspersonen nach der Trennung, entfernen sich aber bei der Wiedervereinigung von ihnen. Andere reagieren wie gelähmt mit einem benommenen Gesichtsausdruck für 30 Sekunden, oder drehen sich im Kreis oder lassen sich auf den Boden fallen, wenn sie sich an den jeweiligen Elternteil wenden. Wieder andere desorganisierte Kleinkinder erscheinen ängstlich in der Fremden Situation mit geängstigtem Gesichtsausdruck, hochgezogenen Schultern oder einem Einfrieren aller Bewegungen. Die Bindungstheorie geht davon aus, dass ein Kind auf jeden Fall eine Bindung zu seiner Bindungsperson aufbauen muss. Die Bindungsverhaltensweisen werden aktiviert, sobald es Schutz und Unterstützung bedarf oder die Bindungsperson nicht in der Nähe ist. Allerdings konnte das Kind keine einheitliche Bindungsstrategie entwickeln, um Schutz und Trost zu bekommen: Wenn die Bindungsperson – der Mensch, der Schutz bieten soll – zugleich der Auslöser für das Bindungsverhalten ist, somit selbst die Bedrohung darstellt, gerät das Kind in eine sogenannte Double Bind-Situation, aus der es für das Kind keinen Ausweg gibt.

Eine andere Ursache für dieses Bindungsverhalten zeigt sich bei Kindern, deren Bindungspersonen unter den Folgen eigener Psychotraumata leiden. Die traumatischen Erfahrungen zeigen sich den Kindern im verängstigten Verhalten ihrer Bindungspersonen. Die Angst, die sich im Gesicht einer Bindungsperson spiegelt, welche unter Intrusionen (hartnäckiges Eindringen von den traumatischen Bildern und Gefühlen in die Gedanken/Vorstellungen) leidet, ist für ein Kind erschreckend und aktiviert sein Bindungssystem. Die Quelle der Angst ist für das Kind nicht nachvollziehbar. Die Bindungsperson kann in einer solchen Situation zumeist nicht adäquat auf die Versorgungsbedürfnisse ihres Kindes eingehen. So zeigten manche Mütter beispielsweise das beinahe eine Minute lange Einfrieren aller Bewegungen, oder zeigten sich durch neutrale Verhaltensweisen ihrer Kinder in Angst versetzt. Das Kind erlebt schließlich die Welt ständig als einen bedrohlichen Ort, dessen Schrecken sich in der Bezugsperson widerspiegelt.[29][24] Untersuchungen von Ainsworth und Crittenden legen eine ähnliche Klassifizierung nahe, die sie als ambivalent-vermeidend (A/C-Bindung) bzw. unstabil-vermeidend bezeichneten.[24]

 

Häufigkeit und Stabilität

Die sichere Bindung liegt mit einer Häufigkeit von 60-70 % vor, gefolgt von der unsicher-vermeidenden Bindung und der unsicher ambivalenten Bindung mit jeweils 10-15 %. Vergleichsweise selten tritt die desorganisiert-desorientierte Bindung mit einer Häufigkeit von 5-10 % auf (Berk 2005). In einer Studie von Waters, Merrick et all (2000) stellte sich heraus, dass 72 % der untersuchten Stichprobe eine Bindungsstabilität von mindestens 20 Jahren aufweisen. Es wird jedoch auch darauf hingewiesen, dass in Fällen, in denen stärkere Beziehungsveränderungen erlebt werden, weniger stabile Bindungsmuster zu finden sind.[30]

 Narzissmus

Auswirkungen von Bindungstypen auf die weitere Entwicklung des Kindes

Durch die Bindungstheorie konnten langfristige Effekte der frühen Bindungsperson-Kind-Beziehung nachgewiesen werden. Aus der Qualität der Bindung, die beim Fremde-Situations-Test bei den 12 bis 18 Monate alten Kindern festgestellt wurde, lassen sich einige zutreffende Vorhersagen ableiten:

Sicher gebundene Kinder zeigen später adäquateres Sozialverhalten im Kindergarten und in der Schule, mehr Phantasie und positive Affekte beim freien Spiel, größere und längere Aufmerksamkeit, höheres Selbstwertgefühl und weniger depressive Symptome. In anderen Studien zeigten sie sich offener und aufgeschlossener für neue Sozialkontakte mit Erwachsenen und Gleichaltrigen als vermeidende und oder ambivalent gebundene Kinder. Sicher gebundene Jungen zeigten mit sechs Jahren weniger psychopathologische Merkmale als die unsicher gebundenen.[25] Auch könnten frühe Bindungserfahrungen einen neurophysiologischen Einfluss ausüben. Hierbei konnte ein Einfluss von Bindungserfahrungen auf die Ausbildung der Rezeptoren des Hormons Oxytocin gefunden werden, welches wiederum das Bindungsverhalten beeinflusst.

 

Hochrisikogruppen

In Hochrisikogruppen, also Gruppen psychisch kranker, stark traumatisierter oder vernachlässigter Kinder, konnten verschiedene Forscher noch weitere Bindungstypen identifizieren. Dazu gehören Mischungen aus unsicher-vermeidendem und ambivalentem Bindungsverhalten. Darüber hinaus fanden sich Kinder mit zwanghaftem Pflegeverhalten sowie Überangepasstheit bei den unsicher-vermeidenden sowie aggressives Drohverhalten und hilflose Verhaltensstrategien bei den unsicher-ambivalenten Bindungstypen.

 

Bindungseinstellung älterer Kinder und Erwachsener

Das Bindungsverhalten konnte in verschiedene Bindungstypen des Kindes eingeteilt werden, wie in der Fremden Situation erforscht werden konnte. Das Kind versucht, mit diesen unterschiedlichen Strategien die emotionalen Bedürfnisse, die auf seine Bezugspersonen gerichtet sind, zu regulieren.

Welche Reaktionen die Bezugspersonen dem Bindungsverhalten des Kindes gegenüber zeigen, welche Einstellung Erwachsene gegenüber Bindung haben und wie sich die Ursache für diese Einstellung erklären lässt, ist ein weiteres Interesse der Bindungsforschung.

Während bei 12–36 Monate alten Kindern das Bindungsverhalten leicht zu beobachten ist, ist dies bei älteren Kindern und Erwachsenen schwieriger. Das primäre Bindungsverhalten aus Annäherung und explorativem Verhalten kann dann nicht mehr beobachtet werden. Ab dem Vorschulalter sind aber zumeist Einstellungen gegenüber Bindungen zu finden oder es ist möglich, die Einbeziehung von vergangenen Bindungserfahrungen in die persönliche Lebensgeschichte zu erfragen.

Neben der von Ainsworth eingeführten Fremde-Situation-Untersuchungsmethode wurden weitere Interviewverfahren und spezifische Testverfahren für Kinder und Erwachsene entwickelt, um die Bindung im Lebensverlauf beurteilen zu können.

Für Kinder im Vorschulalter und frühen Schulalter steht ein Test zur Verfügung, der mit Hilfe von vorgegebenen Geschichten, die im Spiel ergänzt werden, auf den Bindungstyp des Kindes schließt.

Für ältere Kinder zwischen dem achten und dreizehnten Lebensjahr wurde das Child Attachment Interview (CAI) konzipiert.

Für Erwachsene gibt es verschiedene Selbstauskunftsfragebogen, d.h. sie sind von der betreffenden Person selbst zu beantworten. Sie arbeiten dabei mit drei oder vier verschiedenen Bindungstypen.

 

Zur Forschung steht der Bindungstheorie auch die Beobachtung der Mutter-Kind-Interaktion als Mittel zur Verfügung, die ein genaues Bild vom Verhalten der Bindungspartner in der entsprechenden Situation geben kann.

Die hinter dem Verhalten liegende kognitive und emotionale Einstellung der erwachsenen Interaktionspartner wird in der Bindungsforschung vor allem mit dem Adult Attachment Interview (AAI) (engl. für „Erwachsenen-Bindungs-Interview“) von Mary Main untersucht und bewertet.[35] Das Besondere des Tests ist, dass nicht die Beschreibungen der Erwachsenen über ihre frühen Kindheitserfahrungen ausgewertet werden, sondern die Kohärenz der Aussagen über diese Zeit und die aktuelle Einstellung gegenüber Bindung.

Es wird also bewertet, inwieweit Erwachsene logisch und zusammenhängend von ihrer früheren und aktuellen Situation berichten können. Hierbei spielt es keine Rolle, ob traumatische Erfahrungen tatsächlich gemacht wurden, sondern durch die Kohärenz der Erzählungen kann darauf geschlossen werden, inwieweit die Erfahrungen der Kindheit in der aktuellen Situation verarbeitet werden. Als kohärent betrachtet wird eine kurze, zusammenhängende und logische Beschreibung der vergangenen Erfahrungen und der aktuellen Einstellungen.

Mit dem Adult Attachment Interview lässt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Bindungstyp des Kindes und der Bindungseinstellung der Bezugsperson nachweisen. So gibt es Untersuchungen in denen bei während der Testung schwangeren Erstgebärenden ein Zusammenhang zwischen der Bindungseinstellung der Mütter und dem Bindungstyp des Kindes gefunden wurde. Es konnte eine Vorhersage von bis zu 80 Prozent zwischen den Aussagen der werdenden Mütter und deren Klassifikation der „Erwachsenen Bindungseinstellung“ und dem sich entwickelnden Bindungstyp des – zu diesem Zeitpunkt noch ungeborenen – Kindes gefunden werden. Hierfür wurden die Kinder zu einem späteren Zeitpunkt mit der Fremden Situation bewertet.

Aus dem Adult Attachement Interview konnten einige Klassifikationen von den verschiedenen Bindungseinstellungen erarbeitet werden. Diese wurden wiederum in Verbindung mit den Bindungsverhalten von Kindern in der Fremden Situation gesetzt. Dieser Forschungsgegenstand geht auf den von Bowlby eingeführten Begriff der inner working models zurück, also den psychischen Auswirkungen der Bindungserfahrungen (siehe oben bei: Grundlagen der Bindungstheorie).

(Siehe hierzu auch auf Wikipedia  den Hauptartikel: Adult Attachment Interview)

 NarzissmusBlog5

Bindung Erwachsener und die Auswirkungen auf die Bindungsqualität ihrer Kinder

Bestimmte Klassifikationen von Bindungsrepräsentanzen oder Bindungsschemata, die bei der Durchführung des Adult Attachment Interviews gefunden wurden, konnten bestimmten Bindungstypen ihrer Kinder zugeordnet werden, die ebenfalls in der Fremden Situation untersucht wurden:

 

Autonome Bindungseinstellung

 

Diese Bindungseinstellung, auch engl. free-autonomous genannt, wird oft mit „F“ abgekürzt. Diese Bindungspersonen werden als solche mit Selbstvertrauen, Frustrationstoleranz, Respekt und Empathie beschrieben. Sie sind sich der negativen wie positiven Affekte und Einstellungen gegenüber ihren eigenen Bindungspersonen bewusst und reflektieren diese in angemessener Weise und Distanz. Eine unbewusste Identifikation mit ihren Eltern zeigt sich kaum – die eigene Eltern-Kind-Beziehung wird realistisch betrachtet und nicht idealisiert. Diese Elternteile hatten zumeist selbst Bezugspersonen mit einer autonomen Bindungseinstellung oder haben ihre sichere Bindung im Laufe ihrer Biographie durch die Möglichkeit zu alternativen Beziehungserfahrungen mit anderen, nicht primären Bindungspersonen, durch einen Partner oder zum Beispiel mit Hilfe einer psychotherapeutischen Unterstützung erhalten.

Diese Eltern reagieren vorhersehbar auf ihre Kinder und können angemessen auf das Bindungsverhalten ihrer Kinder eingehen.

Distanziert-beziehungsabweisende Bindungseinstellung

Diese Beziehungseinstellung, auch engl. dismissing genannt, wird oft mit „Ds“ abgekürzt. Erwachsene mit dieser Bindungsrepräsentanz können sich kaum an ihre eigene Kindheit erinnern, was bedeutet, dass sie viel verdrängt haben. Tendenziell idealisieren sie ihre Eltern und deren Erziehungsmethoden, wenngleich keine konkreten Situationen aufgezählt werden können, welche diese Idealisierung rechtfertigen. Berichtet wird hingegen von mangelnder elterlicher Unterstützung sowie von Zurückweisung (offen oder verdeckt) der kindlichen Bedürfnisse. Die Erwachsenen mit einer distanziert-beziehungsabweisenden Bindungseinstellung verleugnen die Bedeutung ihrer eigenen Erfahrungen mit den Eltern und deren Folgen für die Färbung ihrer aktuellen Affekte. Sie zeigen ein sehr großes Unabhängigkeitsbestreben und verlassen sich lieber auf die eigene Stärke. Sie formulieren, die fehlende Hilfe nicht vermisst zu haben und diesbezüglich auch keine Wut oder Trauer zu verspüren. Kinder dieser Erwachsenen können eher mit affektiver Unterstützung und Einstellung auf ihre Bedürfnisse rechnen, wenn sie versuchen, eine Aufgabe zu bewältigen. Die Kinder werden früh unter Leistungsdruck gesetzt. Den Ergebnissen des Adult Attachment Interviews zufolge, gefällt es diesen Müttern, wenn die Kinder Anhänglichkeit zeigen. Allerdings neigen sie dann dazu, das Kind zu ignorieren, wenn es Beruhigung und Unterstützung braucht.

Präokkupierte, verstrickte Bindungseinstellung

Diese Bindungseinstellung, auch engl. entangeld-enmeshed genannt, wird oft mit „E“ abgekürzt. Diese Einstellung haben häufig Menschen, welche von den Erinnerungen an die eigene Kindheit flutartig überschüttet und permanent belastet sind. Die Probleme und Schwierigkeiten innerhalb der Beziehung zur eigenen Bindungsperson konnten sie nicht verarbeiten; sie überbewerten sie und pendeln zwischen Gefühlen wie Wut und Idealisierung hin und her. Letztlich stehen sie noch immer in einer Abhängigkeitsbeziehung zu den eigenen Bindungspersonen und sehnen sich nach deren Zuwendung und Wiedergutmachung. Die Mütter von Menschen mit dieser Bindungsrepräsentanz waren in den häufigsten Fällen „schwach“ und „inkompetent“ und konnten dementsprechend in Bedrohungssituationen, in denen ihre Kinder das Bindungssystem aktivierten, weder Schutz noch Beruhigung bieten. Kann die Mutter (oder entsprechende Bindungsperson) die Angst ihres Kindes nicht beseitigen, kommt es zu vermehrtem Anklammern. Die Ablöseprozesse beim Kind werden auch deshalb als besonders erschwert gesehen, weil die „schwache“ Mutter das Kind häufig parentifiziert und es daher schließlich das Gefühl hat, die Mutter versorgen zu müssen. Kindern solcher Eltern wird durch Verwöhnung und/oder durch das Hervorrufen von Schuldgefühlen verwehrt, sich explorativ zu verhalten und Wut, Aggressionen, Trotz und Unabhängigkeitsbestreben zu zeigen. Dadurch ist die Identitätsentwicklung der Kinder erschwert.

Von unverarbeitetem Objektverlust beeinflusste Bindungseinstellung

Diese Bindungeinstellung, auch engl. unresolved genannt, wird oft mit „U“ abgekürzt. Bindungspersonen, die unter einem unverarbeiteten Trauerprozess leiden oder nicht verarbeitete Erfahrungen von Misshandlung oder sexuellem Missbrauch erlebten, haben sehr häufig Kinder des desorganisierten Bindungstyps. Als Erklärung dient die Annahme, dass Bindungspersonen, welche unter Traumatisierungen leiden, keinen Schutz bieten können, bei ihren Kindern jedoch verhältnismäßig oft das Bindungsverhalten aktivieren, da sie ausgeprägte Furcht vor einem Grauen zeigen, welches für das Kind nicht greifbar ist. Wenn die traumatisierte Bindungsperson das Kind unter Umständen misshandelt, missbraucht, permanent beschämt etc., wird sie nicht zu einer vor Gefahren schützenden Instanz für das Kind, sondern selbst zu einer Quelle der Angst und Gefahr. Auch hier kommt es häufig zu einer Parentifizierung der Kinder durch ihre Eltern. Mütter mit einer Bindungsrepräsentanz dieses Typs überlassen ihren Kindern die Führung in der Beziehung in ungewöhnlichem Ausmaß. Generationsgrenzen werden überschritten und die Kinder fühlen sich in der Pflicht, ihre Eltern zu versorgen und ihr psychisches wie auch physisches Wohl zu sichern.

Nicht klassifizierbarer Bindungstyp

Innerhalb der Untersuchungen zum AAI wird diskutiert, eine weitere Kategorie für nicht zuzuordnende Erwachsene zu schaffen. Diese wird zumeist als Cannot classify (CC) bezeichnet. Dieser ist durch Folgendes gekennzeichnet:

Der Proband wechselte im AAI zwischen distanziertem und präokkupiertem Bindungstyp, ohne dass eine klare Strategie zu erkennen war.

Meist stellten die Untersuchten schwerwiegende traumatische Erfahrungen dar.

Sie zeigten häufig zutiefst negative Einstellung gegenüber Bindung.

Sie verfügten über unvereinbare Denk- und Verarbeitungsstrategien.

Zusammenhänge zwischen der Bindung Erwachsener und kindlichen Bindungstypen

Wie zu erwarten zeigten sich bei der Untersuchung sowohl der Eltern als auch der Kinder statistische Zusammenhänge, welche die Bedeutung der Bindungsrepräsentanzen bei den Eltern für die Entwicklung von bestimmten Bindungstypen bei den Kindern haben.

Autonom klassifizierte Eltern (Bindungtyp F) hatten häufiger sicher gebundene Kinder (B-Bindung).

Beziehungsabweisende (Distanzierte, Bindungstyp Ds) eher vermeidend gebundene Kinder (A-Bindung).

Verstrickte Eltern (Bindungstyp E) eher ambivalente Kinder (C-Bindung).

Eltern, die unter einem unbewältigten Trauma leiden (Bindungstyp U), hatten vermehrt desorganisiert gebundene Kinder (D-Bindung).

Hierbei liegt die Übereinstimmung der Ergebnisse besonders hoch bei der sicher gebundenen Gruppe. Autonome Eltern haben mit 75 bis 82 Prozent sicher gebundene Kinder. Die anderen Gruppen liegen etwas darunter.“

 

Weitere Empfehlungen:

 

www.HansWolter.com

 

 Kinderarmut0

 

 

 

 

 

1 Kommentar

  1. Schöner Beitrag. Ich habe hierzu noch ein persönliches Erlebnis. Ich habe es diesmal tatsächlich geschafft meine einpackte Urlaubslektüre zu lesen. Auch die „Kriegsenkel“, die mir meine Schwester ans Herz gelegt hat. Und dann habe ich nach knapp 3 Wochen erstmals meinen kleinen Enkel Basti wieder in den Arm genommen. Wir sind durch unsere Wohnung gegangen und Basti hat sich noch viel intensiver das angeschaut, was er von seiner Welt sehen wollte Ich denke, darauf kommt es an. Wir müssen unsere tradierten Wertvorstellungen kritisch hinterfragen und uns im Zweifel zurücknehmen. Egal, was Basti aus seinem Leben macht. Ich möchte ihm schon konkrete Angebote machen und Orientierungen geben, aber er soll ein glückliches Leben führen. Frei nach John Lennon.

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