Ideen zur Psycho-Logik von Radikalität – Die AfD bewegt sich zurück in eine autoritäre, unfreie, obrigkeitsstaatliche Rechtsordnung. Ein Weg zurück, vor die globalisierte, mobile und multikulturelle Welt wäre nicht sinnvoll. – Die neuen rechten Zauberlehrlinge haben mehr mit dem radikalen Islam gemeinsam, als es ihnen klar und lieb sein kann. Ayatollah Khomeini hat 1979 einen gewaltigen ZivilisationsRückschritt geschafft. Aber das war vor dem Internet. – (WehrWolter – ww 161 – Hans Wolter)

Kurzüberblick: Ich vergleiche die Motive der AfD mit denen der radikalen Ayatollahs, zeige die Funktionsweise und Psycho-Logik von Radikalität auf und zitiere abschließend den Beitrag „Klartext bitte“ von Jürgen Rüttgers

  1. Gegensätze liegen oft näher beieinander als es ihnen klar und lieb ist
  2. Radikale haben immer eine Sauberkeitslogik im Kopf
  3. Dem übertriebenen Sauberkeitsideal liegt ein fundamentaler Irrtum zu Grunde
  4. Anpassungs-Künstler sind die wirklich Starken
  5. „Wer ist die AfD? Es wird Zeit für Klartext“ (Gastbeitrag von J. Rüttgers, KSTA, 02.06.16)

 

Gegensätze liegen oft näher beieinander als es ihnen klar und lieb ist

 

Zugegeben, es hört sich gewagt an, wenn ich den fundamentalistischen iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini in die Nähe der AfD bringe. Das wäre ja zunächst einmal eine maßlose Überschätzung der Partei, die sich „Alternative für Deutschland“ nennt. Ihre Anhänger würden ja auch die Welt nicht mehr verstehen, da sie ja Deutschland gerade vor dem Islam retten wollen. Aber Gegensätze liegen oft näher beieinander als es ihnen klar und lieb ist.

 Radikal AfD2

 

Radikale haben immer eine Sauberkeitslogik im Kopf

 

Ayatollah Khomeini wollte damals Persien von westlichen Einflüssen befreien. Letztlich „säubern“. Er hat 1979 Resa Pahlewi, den Schah von Persien gestürzt und einen gewaltigen ZivilisationsRückschritt bewirkt. Das bis zu diesem Zeitpunkt schon recht westlich orientierte Persien muss man nicht unbedingt gut heißen. Aber es war für alle Beteiligten berechenbarer und freier als das was die Ayatollahs dann aus dem Land gemacht haben. Religion musste für Willkür, Unterdrückung, Morden und Gewaltherrschaft herhalten.

Der Begriff radikal kommt vom lateinischen Wort radix. Was so viel wie ‚Wurzel‘ oder ‚Ursprung‘ bedeutet. Ein Radikaler will zu den Ursprüngen zurück. Daher kann er das Gefühl haben, er müsse ein von ihm erlebtes Übel von der Wurzel her angehen und letztlich ausrotten.

Adolf Hitler hatte die Idee, dass Fehlentwicklungen Deutschlands oder Europas mit dem Einfluss der Juden zu tun haben könnten. Wobei er die Möglichkeitsform sicher gar nicht in Erwägung gezogen hätte. Daher war sein Grundkonzept, was er verfolgt hatte, die „radikale Säuberung“ des deutschen Volkes von außergenetischen Einflüssen. Er glaubte dass das Heil im sauberen Arierer liegen müsse und dass am deutschen Wesen die Welt genesen würde.

Kurzer Exkus: Gauland, der stellvertretende Chef der AfD sagte ja kurz vorm Vorbereitungsspiel DER MANNSCHAFT, dass zwar viele Menschen Boateng als Fußballer gut fänden, ihn aber nicht als Nachbarn haben wollten. Auch wenn er jetzt wenig glaubhaft zurückrudert, wissen wir ja, wie er diesen und ähnliche Sätze meint. Als ich nun vor zwei Tagen auf Facebook ein Bild von zwei fußballbegeisterten Jungs postete, die mit unterschiedlicher Gesichtsfarbe beide ein Trikot der deutschen Nationalmannschaft trugen, erwiderte einer mit seinem Klarnamen: „nennt man eine Ratte, die im Pferdestall aufgewachsen ist Pfratte?“

Radikal AfD3

Sigmund Freud nannte so etwas einen „Analen Charakter“. Dazu werde ich in einem Gastbeitrag des Philosophen Dr. Marc Hieronimus in den nächsten Tagen einen Text vorstellen. Hier auf meinem Blog. Nur kurz: So wie der Teufel Scheiße zu Gold macht, glaubt auch der Anale Charakter sein eigenes Schmutzigkeitsempfinden im Außen bekämpfen zu müssen, indem er die Anderen als Dreckspatzen ansieht, die es zu säubern gilt.

Und da sind wir schon bei der sogenannten „Alternative für Deutschland“. Vor allen Dingen in ihrem zentralen Anliegen, Deutschland von fremdländischen Einflüssen säubern zu wollen, zeigen sie sich als anal und letztlich radikal.

 

Dem übertriebenen Sauberkeitsideal liegt ein fundamentaler Irrtum zu Grunde.

 

Früher dachte man Allergien mit möglichster Keimfreiheit schon in der Entstehung entgegenwirken zu müssen. Hier forderte man eine unnatürliche, möglichst keimfreie Atmosphäre bereits im Säuglingsalter. Das ist eine Unterschätzung des Lebens. Unser Körper braucht ein gewisses Maß an „Schmutz“, an fremden, gar feindlichen Stoffen, um dagegen eine körpereigene Abwehr heranzubilden. So ist es ja auch kein guter Schutz, wenn ich mich, um eine Erkältung verhindern zu wollen, nicht raus gehe. Abhärten ist hier gesünder als schonen. Das gilt übrigens auch für die Psyche. Verwöhnung schafft ja auch keine lebensstarken Persönlichkeiten.

 

Anpassungs-Künstler sind die wirklich Starken

 

Wenn ich dies einmal auf das Miteinander von Menschen in einem sozialen Gefüge übertrage, kann man feststellen, dass sich soziale Einheiten besser regulieren, wenn sie nicht heterogen sind. Schon den Eifelbauern war klar, dass Inzucht die Überlebensfähigkeit eines Stammes weder stärkt noch sichert. Daher ist das Inzestverbot ja das Verbot, was weltweit am weitesten verbreitet ist. Auch Biologen wie Charles Darwin konnten uns ja aufzeigen, dass Mischungsverhältnisse die Evolution vorantreiben. Okay, ein Radikaler hätte sicher Spaß an der Formulierung, dass in der Natur „das Gesetz des Stärkeren“ wirkt.

Aber wer ist der Stärkere?

Das sind letztlich diejenigen, die sich am besten auf eine sich ständig entwickelnde und veränderte Umwelt einstellen können: die Anpassungs-Künstler.

 

Nun möchte ich noch einen Beitrag von Jürgen Rüttgers zitieren, der mir heute als Gastbeitrag im Kölner Stadtanzeiger positiv aufgefallen ist. Jürgen Rüttgers war Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie. Er arbeitet als Anwalt und als Professor an der Universität Bonn. 

 AfD Rüttgers

Wer ist die AfD? Es wird Zeit für Klartext

(Gastbeitrag Jürgen Rüttgers, Kölner Stadtanzeiger 02.06.2016)

 

Als ich zum Frühstück die Zeitung aufschlug, fielen mir mehrere Artikel auf, die sich mit der Krise der Parteien und des Parteiensystems befassten. Ein Psychologe forderte die SPD auf, die große Koalition zu verlassen. Nur so könne sie wieder als Partei des Aufbruchs erscheinen. Früher hätte die SPD aus brüderlichem Gemeinsinn gehandelt. Heute gäbe es einen Entfremdungsprozess mit den Wählern. Aber es gäbe auch Hoffnung, nämlich Gabriels Auftritt mit der Putzfrau Susanne Neumann.

 

Ein weiterer Medienanalyst stellte fest, dass Gaulands Äußerung über Jérôme Boateng ein „kalkuliertes Missverständnis“ der AfD gewesen sei. Ein besseres Thema für die Medien sei kaum vorstellbar. Es habe sogar den Tortenwurf auf die Linke-Fraktionschefin Wagenknecht in den Schatten gestellt. Die Bundeskanzlerin ließ mitteilen, dass die Äußerung des AfD-Vizechefs Gauland ein „niederträchtiger und trauriger Satz“ sei.

 

Die städtischen Grünen stritten sich mit der Initiative „Birlikte“ (Zusammenstehen) über die Einladung eines AfD-Mitbegründers zu einer vom städtischen Schauspiel und dem WDR unterstützten Diskussionsveranstaltung. Die Antifa kündigte an, den Auftritt verhindern zu wollen, was den Verfasser des Artikels zu folgendem Satz veranlasste: „Dass möglicherweise ein Polizeiaufgebot eine Birlikte-Veranstaltung gegen linke Demonstranten schützen muss, damit ein rechter Aktivist ins Schauspielhaus gelangt, ist nur schwer vorstellbar.“ Die SPD hat vorgeschlagen, die geplante Diskussion zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden zu lassen. Der Hauptkommentar empfiehlt unterdessen, die Bürger sollen das Nationalbewusstsein nicht Pegida und AfD überlassen: „Patrioten braucht das Land.“

 

Wofür steht die AfD?

 

Mann, oh Mann, dachte ich. Und so wollen die verhindern, dass die AfD in den Bundestag kommt. Schon lange ärgere ich mich darüber, dass weder die Parteien, noch meine Kollegen aus der politischen Wissenschaft klare Begrifflichkeiten erarbeiten und auch keine schlüssigen Strategien aufzeigen, wie man die AfD demokratisch bekämpfen kann. Wofür steht die AfD? Ist die AfD eine rechtspopulistische oder eine rechtsradikale Partei? Gehört eine Partei, die mit einer teilweise rechtsradikalen Bewegung zusammenarbeitet, noch zum Verfassungsbogen? Solche Fragen müssen gestellt und beantwortet werden.

Ich will einen Versuch wagen, dies klar und deutlich zu tun: Die AfD ist deutschlandfeindlich, europafeindlich, ausländerfeindlich, islamfeindlich und demokratiefeindlich. Sie verstößt mit ihrer Politik gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland. Ich bin dagegen, diese undemokratische Partei zu verbieten. Aber ich erwarte, dass die Demokraten in diesem Land endlich anfangen, sich mit dieser Partei auseinanderzusetzen.

Wer wie die AfD

nicht ausschließen will, Gewalt in der Politik einzusetzen (Waffeneinsatz gegen Flüchtlinge),

völkisches Gedankengut verbreitet (Wiedereinführung des Abstammungsprinzips),

die Religionsfreiheit (zumindest für den Islam) einschränken will,

die Grenzen in Europa wiederaufbauen will,

der verstößt gegen die europäische Verfassung, das Grundgesetz und die Werte des christlich-jüdischen Abendlandes und der Aufklärung. Er bekämpft die moderne Gesellschaft und will zurück in eine autoritäre, unfreie, obrigkeitsstaatliche Rechtsordnung.

 

 

In den letzten Jahren ist manches falsch gelaufen

 

Der Rückzug in ein neues Biedermeier ist keine Antwort auf die Ängste der Menschen vor der Globalisierung, der Digitalisierung und die Probleme des Vereinten Europas. Den Wandel zu gestalten, der Veränderung eine Richtung zu geben, für Sicherheit und Lebenschancen zu sorgen, ist die Aufgabe von Staat und Politik. Da ist sicher in den letzten Jahren manches falsch gelaufen. Es gibt aber etwas, auf das wir uns verlassen können: Unsere Verfassung, unsere soziale Marktwirtschaft und unsere Zivilgesellschaft leben von Werten, die sie zwar selbst nicht schaffen können, die Menschen- und Bürgerrechte, unsere Freiheit, die Gerechtigkeit und Solidarität aber möglich macht. Der Friede und der Rechtsstaat sowie die Demokratie sind Errungenschaften, die verteidigungswürdig sind. Sie sind das Erbe der amerikanischen Revolution von 1772, der französischen Revolution von 1789 und der friedlichen europäischen Revolution von 1989/90.

Wir haben heute einen Wohlstand, Selbstbestimmung und Mitbestimmungsmöglichkeiten in einem Maße, das es sonst auf der Welt kaum gibt. Wer dies gefährdet, zerstört die Lebenschancen unserer Kinder. Wer Menschen mit anderer Herkunft, anderer Meinung, anderer Religion diffamiert und politisch bekämpft, spaltet unser Volk, unsere Gesellschaft, Europa und unsere Nation. Wir sollten unsere freiheitlich demokratischen Grundlagen gegen ihre Feinde verteidigen.“ (Quelle: http://www.ksta.de/politik/gastbeitrag-von-juergen-ruettgers-wer-ist-die-afd–es-wird-zeit-fuer-klartext-24155364)

 Radikal AfD0

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