Donald Trump und die Khan Affäre: Endlich gibt es wirkungsvolle, wehrhafte Reaktionen gegen den Populisten. – Mit der Demütigung des US-Kriegsveteranen Khizr Khans hat er sich selbst ins Knie geschossen – Barack Obama bezeichnet Trump als ungeeignet. – Hillary Clinton muss noch weiter die Emotionen der US-Bürger wecken – (WehrWolter – ww 174 – Hans Wolter)

Endlich gibt es wirkungsvolle, wehrhafte Reaktionen gegen den Populisten Donald Trump. Die Kritik an ihm wird lauter und vor allen Dingen emotional wirkungsvoller, nach seinen abfälligen Äußerungen über die Familie des muslimischen US-Kriegsveteranen Khizr Khans. Der Gegenwind kommt nicht nur aus dem konkurrierenden Lager, sondern auch von seinen eigenen Republikanern. Selbst der amtierende Präsident Barack Obama sagt jetzt öffentlich, dass Trump als US-Präsident nicht geeignet sei. Das ist ungewöhnlich für den amerikanischen Wahlkampf.

Obama ruft in einem nächsten Schritt nun noch zu mehr auf. Die Beteuerungen der Republikaner klängen unglaubwürdig, sagt er. „Wenn man wiederholt bekennen muss, dass das, was er sagt, nicht akzeptabel ist, warum unterstützt man ihn dann immer noch?“ fragte er. „Das ist nicht mehr so, dass es hin und wieder einen Fehltritt gibt. Das passiert täglich“, sagte er. „Man muss zu dem Punkt kommen, wo man sagt: Jetzt reicht es!“

Robert Kagan sagt es noch deutlicher: Republikaner sollten aus einem Grund nicht mehr ruhig schlafen können: „Dieser Mann hat sich nicht unter Kontrolle“, schrieb er. „Nicht einmal, wenn es in seinem eigenen Interesse wäre, kann er sich zurückhalten.“ Und er kommt zu dem Schluss: „Seine psychologischen Pathologien werden am Ende selbstzerstörerisch wirken.“

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Starke emotionale Bilder entscheiden Kämpfe

Khizr Khans bewegende Rede in Philadelphia durchkreuzt die populistische Strategie. Populismus arbeitet nämlich mit dem Kunstgriff: „Das Volk muss sich gegen die da Oben wehren“. Das funktioniert nicht mehr, wenn der Kontrahent andere Werte vertritt wie: die Anklage eines Vaters, der seinen Sohn verlor. Einen jungen patriotischen Mann, der im US-Militär fürs Vaterland sein Leben verlor. Mit solchen Bildern lässt sich kämpfen.

 

Bilder wirken mehr als vernünftige Argumente oder kultiviert betroffenes Auftreten

Der Milliardär Donald Trump wurde lange Zeit unterschätzt. Auch von seiner eigenen Partei. Es reicht allerdings nicht, wenn man einen zur Witzfigur erklärt. Das hatte nicht gereicht und reicht bis heute auch nicht im Umgang mit dem Phänomen „Hitler“. Es hat mich schon längere Zeit sehr gewundert, mit welcher Hilflosigkeit man lediglich zugeschaut hat, wie Trump sich Schritt für Schritt nach vorne getankt hat. Mit „vernünftigem“ öffentlichem Diskurs kann man solche Typen nicht stoppen.

 

Ich sehe hier ähnliche Probleme wie beim Umgang mit anderen Rechtspopulisten. Seien es bei uns in AfD und Pegida oder in den Nachbarländern: Le Pen, Geert Wilders, Nigel Farage, Viktor Orbán, Heinz-Christian Strache, Beata Szydlo, Erdogan und wer sich im rechten und teils radikalen Lager noch so hoch emotionalisiert.

 

Denen muss man auch mit populistisch-emotionalen Strategien und systematischer De-Konstruktion der Pseudo-Argumentation begegnen.

 

Trump kann man nur mit seinen eigenen Mitteln schlagen. Mittlerweile macht mir hier auch der Endspurt von Hillary Clinton Hoffnung. Sie ist zwar in den USA keine unumstrittene Sympathieträgerin, doch die Tatsache, dass sie die erste Frau an der Spitze des Weißen Hauses wäre und besonnene Köpfe hinter sich weiß, kann im Endspurt noch weiter emotional wirkungsvoll ausgebaut werden.

Spätestens im Zuge der Debatte um die Familie des aus Pakistan stammenden US-Soldaten, ist es zu einem Paradigmenwechsel im Umgang mit Trump in den USA gekommen. Trump hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, er hat sich mit unantastbaren nationalen Heiligen Amerikas angelegt – den Kriegshelden. Bisher hatten viele die teils skurrilen Äußerungen des New Yorkers noch als Rhetorik abgetan.

 

Auch in Europa muss dem Rechtspopulismus strategischer begegnet werden

In Europa gibt es mittlerweile eine bunte Mischung von Rechtsaußenparteien, die sich durch Europaskepsis und Islamfeindlichkeit verbunden fühlen. Rechtsextreme Parteien gehören genauso zum Spektrum wie Gruppierungen, die mit populistischen Äußerungen auf sich aufmerksam machen wollen. Die formulierten politischen Ziele reichen vom Wunsch nach „Ordnung“, „Autorität“ und „Identität“ über die Agitation gegen Minderheiten wie Sinti und Roma bis hin zur Forderung, ein „weißes Europa“ ohne „jüdischen Einfluss“ zu schaffen. Rechtspopulisten sind schon seit den achtziger Jahren in Europa auf dem Vormarsch. Ihnen gelingen Mandatsgewinne in regionalen und nationalen Parlamenten, aber auch im Europäischen Parlament.

 

Das Paradox der länderübergreifenden rechten „Freunde“ im Kampf gegen multikulturelle Überfremdung

Die teilweise aggressiv nationalistischen Parteien bauen dabei zunehmend auf eine länderübergreifende Zusammenarbeit und verstehen sich meist als „Freunde“ im Kampf gegen multikulturelle Überfremdung.

Nachfolgend zitiere ich einen Beitrag aus Spiegel Online zu Trump und der Khan-Affäre.

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Trump und die Khan-Affäre:“Kampf um die Seele der republikanischen Partei“

(Spiegel Online, 02.08.2016)

Barack Obama, John McCain, Paul Ryan: Nach Donald Trumps Attacken gegen die Eltern eines gefallenen US-Soldaten wächst die Kritik am Präsidentschaftskandidaten. Der hat eine Verschwörungstheorie parat.

Nach seinen abfälligen Äußerungen über die Familie eines muslimischen US-Kriegsveteranen wird die Kritik am republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump lauter. Sie kommt nicht nur von der politischen Konkurrenz, sondern vermehrt auch aus seiner eigenen Partei.

Er könne nicht genug betonen, wie wenig er mit den Kommentaren von Herrn Trump übereinstimme, sagte John McCain, republikanischer Senator und Schwergewicht in der Partei. „Ich hoffe, die Amerikaner verstehen, dass dies nicht die Sichtweise der republikanischen Partei, ihrer Mitarbeiter oder Kandidaten widerspiegelt.“

McCain war 2008 selbst Kandidat im Rennen ums Weiße Haus, er ist außerdem Vietnam-Veteran. Trump hatte McCain im Vorwahlkampf dafür kritisiert, dass er im Kriegseinsatz in Gefangenschaft geraten war.

„Unsere Partei hat ihn zwar nominiert“, sagte McCain nun über Trump, „aber das bedeutet nicht, dass damit eine Lizenz einhergeht, die Besten unter uns zu diffamieren.“ Er bedankte sich bei den Eltern des getöteten Soldaten dafür, dass sie in die USA einwanderten. „Wir sind Ihretwegen ein besseres Land.“

Am vergangenen Donnerstagabend hatten die Eltern, Khizr und Ghazala Khan, beim Demokraten-Parteitag in Philadelphia auf der Bühne gestanden. Khizr Khan hatte eine bewegende Rede über seinen Sohn, der 2004 im Irak mit 27 Jahren bei einem Autobombenanschlag getötet worden war, gehalten. Zudem hatte er Trump und dessen Äußerungen über Muslime kritisiert, denen dieser die Einreise in die USA verbieten wolle. Der Politiker hatte reagiert, indem er zunächst unterstellte, Ghazala Khan habe wohl nichts sagen dürfen (hier lesen Sie mehr zu ihrer Reaktion). Dann hatte er sich selbst als Opfer dargestellt, schließlich sei er „böse attackiert“ worden.

„Trump kann nicht zum Präsidenten gewählt werden“

Paul Ryan, Sprecher des Repräsentantenhauses und einer der einflussreichsten US-Republikaner, sprach am Montag von einem „Kampf um die Seele der republikanischen Partei“. Er nannte Trump nicht beim Namen, sondern redete bei einer Spendengala in Colorado von einem „Kandidaten der anderen Art“. Er warnte davor, aus der Wahl einen „Wettbewerb der Persönlichkeiten“ zu machen. Ryan hatte schon zuvor via Twitter gefordert, die Schicksale von Familien wie den Khans stets zu würdigen.

Noch deutlicher wurde Sally Bradshaw: Sie arbeitete fast 30 Jahre lang für die US-Republikaner, zuletzt als Top-Beraterin von Jeb Bush – jetzt hat sie die Partei verlassen. Das habe sie schon seit Monaten erwogen, sagte Bradshaw dem US-Sender CNN. Aber erst jetzt – nach Trumps Beleidigungen in Richtung des Ehepaares Khan – habe sie es tatsächlich getan. Trumps Worte seien „verachtenswert“ gewesen und hätten sie „krank gemacht“.

Die Republikaner hätten einen „absoluten Narzissten nominiert, einen Frauenfeind, einen bigotten Menschen“, sagte Bradshaw. Sollte es bei der Präsidentschaftswahl im November knapp werden, werde sie für Hillary Clinton stimmen. „Donald Trump kann nicht zum Präsidenten gewählt werden.“

Der amtierende Präsident Barack Obama kritisierte Trump bei einer Rede vor Hinterbliebenen und Veteranen ebenfalls – allerdings ohne ihn beim Namen zu nennen. Als Oberster Kommandierender sei er den Blödsinn leid, den manche Leute über Amerikas Militär und Soldaten erzählten, sagte Obama bei einem Treffen von kriegsversehrten Veteranen in Atlanta. „Sie repräsentieren das Beste in unserem Land“, sagte Obama über Soldaten, die im Kriegseinsatz verwundet oder gar getötet wurden.

US-Milliardär Warren Buffett sagte, Trump habe mit seinen jüngsten Kommentaren „das Fass zum Überlaufen gebracht“. Buffett unterstützt die Demokratin Clinton im Wahlkampf. Er werde alles dafür tun, um Trump zu schlagen, kündigte er nun an und zielte unter anderem auf die Steuererklärung des Republikaners ab. Trump weigert sich seit Monaten beharrlich, diese zu veröffentlichen, im US-Wahlkampf ist das sehr unüblich. Buffett sagte nun, Trump mache das wohl aus Angst. Und: „Du fürchtest dich nur, wenn du etwas zu befürchten hast.“

Die US-Veteranenorganisation VFW veröffentlichte eine Erklärung, in der sie Trumps Worte scharf verurteilt. Er habe schon in der Vergangenheit immer wieder ausgeteilt, sobald er sich angegriffen gefühlt habe, heißt es darin. Aber die Mutter eines getöteten Soldaten zu beleidigen, überschreite eine Grenze. Das könne nicht wiedergutgemacht werden. Die Organisation veröffentlichte einen Link zu der Erklärung über ihren Twitter-Account, unter anderem John McCain verbreitete diesen.

 

Trumps Verschwörungstheorie

Donald Trump selbst meldete sich ebenfalls am Montag zu Wort: Er geht eigenen Angaben zufolge davon aus, dass es bei der Präsidentschaftswahl am 8. November nicht mit rechten Dingen zugehen wird. „Ich befürchte, die Wahl wird manipuliert werden, ich muss da ganz ehrlich sein“, sagte Trump in Columbus im US-Bundesstaat Ohio. Einzelheiten oder konkrete Details nannte er nicht. Aber er höre „immer häufiger“, dass die Wahl womöglich nicht fair ablaufen werde.

Die Veranstaltung in Columbus war Trumps erster Wahlkampfauftritt seit Beginn der Khan-Affäre. Der Politiker sprach etwa eine Stunde, erwähnte den Vorfall aber mit keinem Wort.

Khizr Khan hatte bei seinem Auftritt auf dem Parteitag der Demokraten unter anderem ein Exemplar der US-Verfassung hochgehalten und Trump gefragt, ob er diese überhaupt gelesen habe. Seitdem ist das Werk offenbar sehr gefragt: Die Taschenausgabe der US-Verfassung schaffte es inzwischen auf Platz zwei von Amazons Bestsellerliste.

Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-nach-veteranen-aeusserung-waechst-die-kritik-am-republikaner-a-1105723.html

Video: bewegende Rede in Philadelphia

https://youtu.be/Xzkkk-oJ6bo

 

Weiterführende Texte zum Thema

 

Emotionalisierung punktet! Sachlichkeit ist out. Trump und Clinton erobern New York: „If I can make it there, I’ll make it anywhere! It’s up to you … New York, New York“ (Frank Sinatra) – Öffentlicher Diskurs im Wandel. (WehrWolter – ww 143 – Hans Wolter)

Boateng WW

Wach und wehrhaft sein: Die Mannschaft mit Boateng auf der EM 2016 in Frankreich – Der öffentliche Diskurs verändert sich – Rechtspopulismus stellt eine Gefahr für Demokratie und Pluralismus dar – Populisten schaden Europa – Synergieeffekte mit den Massenmedien – RWTH Aachen dokumentiert Forschungsergebnisse von Paula Diehl – (WehrWolter – ww 163 – Hans Wolter)

 

3 Kommentare

  1. Saidevi Luna

    SENDE TRUMP AN DIE FRONT UND SIEH WAS ER MACHT – VERMUTLICH SCHEI… ER SICH IN DIE HOSE

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  2. Trotzdem wird es knapp werden. Das ist meine Einschätzung.Die große Herausforderung ist, möglichst viele Menschen auch emotional zu erreichen und überzeugend. mitzunehmen. Sachargumente rechen da leider nicht.

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    1. Ja Michael, ich vermute auch, dass es knapp wird. Hillary Clinton ist in den USA auch keine Sympathieträgerin. Es scheint viele unzufriedene Protestwähler zu geben, was Trump zugute kommt.

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