Von Usain Bolt lernen: Leben zwischen Lässigkeit und punktgenauer Höchst-Präsenz – Dabeisein, aber richtig, bei unserer persönlichen Olympiade – Leben ist eigentlich gar nicht so schwer und Zeit ist relativ. Usain rät uns: „Genießt was ihr tut!“-(WehrWolter – ww 181 – Hans Wolter)

„Genießt, was ihr tut! Und wenn es euch keinen Spaß macht, dann tut es nicht. Ich habe so viele Menschen erlebt, die Tag für Tag Dinge tun, die sie gar nicht machen möchten. Darin wirst du niemals richtig gut werden. Egal, wie hart du an etwas arbeitest. Wenn du es liebst, ist es keine Arbeit. Nur dann genießt du dein Leben und wirst Großes erreichen. Sonst artet das doch alles in Stress aus.“ (Usain Bolt)

„Lightning Bolt“ der jamaikanische Blitz hat in Rio zum neunten mal gold eingeschlagen. Vor einigen Jahren hatte ich mal ein Buch in der Hand, das titelte: „Der Minutenmanager“. Würde ich ein Buch über Usain Bolt schreiben, wäre mein Arbeitstitel: „Der Sekundenmanager“.  Aber es ist wie immer. Mir fehlt die Zeit, all meine Ideen zu verwirklichen. – (Einfallender Gedanke: Eigentlich bräuchte ich einen Mäzen.) – Wobei: Zeit ist eigentlich immer da. Wir müssen sie uns nehmen. Aber das ist ein anderes Kapitel. Stimmt das? Sind wir nicht schon mittendrin? Es geht um uns und unser Leben. Das läuft in einer gewissen Zeitspanne. Auf jeden Fall begrenzt. Zeit ist relativ. Das wissen wir spätestens seit Einstein. Zeit ist qualitativ unterschiedlich. Das wissen wir zwar, aber leben wir danach?

Wenn ich Usain Bolt sehe, muss ich immer lächeln

Und dann denke ich: Leben ist eigentlich gar nicht so schwer. Der Mensch muss „nur“ an sich glauben und dass er dafür lebt, was er liebt.

 

Vor seinem Lauf macht Usain Bolt immer noch kleine Späßchen. Dann geht er in sich. Startet. Liegt nicht sofort an der Spitze. Jetzt gibt er kurzzeitig alles. Wobei ich mich immer frage: ist es wirklich alles? Was wäre wenn er kurz vorm Ziel nicht abbremsen würde? So sieht es zumindest aus. Nach 10 bis 20 Sekunden ist alles vorbei.

„Lightning Bolt“ der Blitz hat wieder eingeschlagen.

Dann kommt eine Triumphgeste, die an einen Bogenschützen erinnert. Das passt zu seiner punktgenauen Höchst-Präsenz. Er hat wieder ins Schwarze geschossen. Aber dafür lieben wir ihn nicht. Wir lieben ihn wegen des Mix. Nach seiner Geste geht er wieder zu Späßchen über. Er flirtet mit den Kameras, mit der Welt, mit uns. Neider würden Züge der Selbstverliebtheit mokieren. Abwertend. Bolt erinnert mich hier an Muhammad Ali. Der war auch ein überzeugter Selbstdarsteller. Er nahm das Maul voll und tänzelte zugleich. Und das als Schwergewichtler. So etwas gibt mir immer wieder das Gefühl: das Leben ist eigentlich gar nicht so schwer. Zumindest nicht durchgängig.

Bolt

Usain Bolt wurde einmal von einem Reporter gefragt, ob sein Showeinlagen vor dem Start auch Teil einer Strategie seien, um möglichst locker zu bleiben?

Bolt: „Strategie würde ich nicht sagen. Aber es hilft mir auf jeden Fall. Außerdem bin ich der Meinung, dass dies ein Teil meines Jobs ist. Ich laufe ja nur für wenige Sekunden. Die Leute kommen dennoch ins Stadion, also unterhalte ich das Publikum und bereite den Menschen ein wenig Freude. Das passt zu mir, ich bin einfach so. Schon im Alter von 15 Jahren habe ich in Richtung Tribüne gegrüßt. Dann habe ich gemerkt, dass die Leute das mögen, und habe noch ein bisschen mehr Flair dazugepackt. Mir hilft es dabei, locker zu bleiben. Und so sind am Ende alle zufrieden.“

 

Zwischen Lässigkeit und punktgenauer Höchst-Präsenz

 

Auf die Frage, wie es Bolt gelingt sich so extrem zu fokussieren, antwortet er:

„Das ist exakt das, was ich trainiere. Und das ist übrigens auch der Grund, warum ich versuche, immer locker zu sein und es auch bis zum Start zu bleiben. Wenn du nervös bist, wenn die Anspannung zu hoch ist – dann wirkt sich das direkt auf deinen Körper und deine Muskulatur aus. Du verkrampfst und verlierst an muskulärer Leistungsfähigkeit. Schnelle Zeiten sind nur möglich, wenn du absolut relaxed bist.“

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Augen-Blicke entscheiden

Ich weiß nicht, ob einer von Euch den „Minutenmanager“ gelesen hat. Eigentlich reicht schon die Quintessenz. Es kommt auch in der Führung nicht auf eine ständige Präsenz an. Häufig reicht auch hier die Kurzstrecke. Nur die sollte sich durch eine authentische Präsenz auszeichnen. Das gilt nicht nur für die Führung von Mitarbeitern. Das gilt auch für unsere vielfältigen Beziehungen. Letztlich gilt es für die Führung unseres Lebens.

 

Häufig ist Qualität wichtiger als Quantität

Ab und zu werde ich mit dem Vorwurf konfrontiert, dass ich zu spät irgendwo hinkomme. Da stelle ich mir die Frage: hat mein Gegenüber etwas von der Tatsache, dass ich pünktlich oder sagen wir mal früh da bin? Wenn ich noch nicht da bin, bin ich eben noch woanders da. Oft sind wir da, aber nicht richtig da. Sind wir aber richtig da, dann geht es weniger um Quantität. Qualität kann auch in der Kurzstrecke liegen. Dann dehnt sich der Augenblick. Dann werden wir durchlässig. Durchlässig für die Welt im Außen und in uns. Meine Frau würde jetzt wieder sagen: „da hast Du ja wieder eine tolle Ausrede gefunden.“ Das hat sie auch schon bei meinem Einstein Artikel gesagt. Den hatte ich überschrieben mit: 

Plädoyer für das Ungefähre – Wenn Einstein immer pünktlich zum Mittagessen gekommen wär, … – ww 14 –

 (zum Weiterlesen einfach anklicken)

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Auch Disziplin ist relativ – Leben ist wichtig

 

Der Mensch muss an sich glauben und dass er dafür lebt, was er liebt.

 

Usain Bolt: „Ich habe in all den Jahren beobachtet, wie sich Stars anderer Sportarten verhalten. Viele von ihnen sind hochtalentiert und verordnen sich höchste Disziplin. Und dann? Packen sie es irgendwann nicht mehr. Der Druck wird zu groß, sie haben Angst, etwas im Leben zu verpassen. Und auf einmal flippen sie aus und produzieren einen Rieseneklat.

Bolt Oktoberfest

Ich gehe die Sache anders an. Ich bin gerne abends unterwegs. Also verzichte ich auch nicht aufs Nachtleben. Allerdings weiß ich, wann die Party zu Ende sein muss, und trinke mich nicht unter den Tisch. Ich liebe es Quad zu fahren. Also fahre ich Quad. Vielleicht nicht am Tag vor einer Weltmeisterschaft, aber an anderen Tagen. Ich mache, was ich will. Natürlich gibt es Grenzen, die gibt es allerdings für jeden. Wenn du dir zu viele Dinge verbietest, machst du dich doch nur verrückt. Und das macht dich mit Sicherheit nicht besser in dem, was du tagtäglich tust und erreichen möchtest.“

 

Fakten zum besten Sprinter aller Zeiten

Usain St. Leo Bolt (* 21. August 1986 in Sherwood Content, Jamaika) ist ein jamaikanischer Sprinter. Er ist neunfacher Olympiasieger, elffacher Weltmeister und Weltrekordhalter in der 4-mal-100-Meter-Staffel, im 100- und im 200-Meter-Lauf. Mit einer Weltrekordzeit von 9,58 s, aufgestellt am 16. August 2009 im Finale bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin, ist er der bislang einzige Mensch, der die 100 Meter in weniger als 9,6 Sekunden lief. Bei dieser WM stellte er außerdem mit 19,19 s auch den Weltrekord über die 200-Meter-Distanz auf.

Usain Bolt ist der einzige Sprinter, dem bei Olympischen Spielen die Verteidigung eines Doubles aus Siegen im 100- und 200-Meter-Sprint gelang und das sogar zweimal. So gewann er 2008, 2012 und 2016 Olympisches Gold sowohl im 100- als auch im 200-Meter-Sprint. Er ist gemessen an der Anzahl an Goldmedaillen der erfolgreichste Teilnehmer bei Freiluft-Weltmeisterschaften. Ferner gilt er als der „bestbezahlte Sportler in der Geschichte der Leichtathletik“[1] und wurde mehrmals zum Leichtathleten und Weltsportler des Jahres gekürt. Von vielen Experten wird Bolt als einer der größten Leichtathleten der Geschichte angesehen und oftmals auch als bester Sprinter aller Zeiten bezeichnet. (https://de.wikipedia.org/wiki/Usain_Bolt)

 

Aktuell: „Da habt ihr es. Ich bin der Größte“

 

Usain Bolt holt das 9te Gold bei seinen letzten Olympischen Spielen.

Nachdem die Stafel Jamaikas mit seinem Schlussläufer Usain Bolt die Goldmedaille holte, wurde erst einmal Samba getanzt, dann wurden Fotos gemacht, und am Ende ließen die schnellsten Reggae-Boys der Welt noch die Bauchmuskeln spielen. Alles cool, schließlich waren sie gerade mit der 4 x 100-Meter-Staffel in 37,27 Sekunden zu Gold gelaufen. Bolt komplettierte damit seinen dritten Titel-Hattrick bei Olympischen Spielen in Folge und schraubte sein Goldkonto auf sagenhafte neun Medaillen. „Da habt ihr es. Ich bin der Größte“, rief er den Journalisten zu.

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Usain hatte als Schlussläufer die Staffel ins Ziel geführt. Er war zwar gleichauf mit dem Japaner, Aska Cambridge rechts, sowie US-Sprinter Trayvon Bromell, links neben ihm. Doch ihm war klar, dass ihn keiner der beiden auf den letzten 90 Metern würde stoppen können. Und natürlich sollte er Recht behalten. Er zog an, er lief allen davon, er war einfach unaufhaltsam. Es sah mal wieder so aus, als fände Bolt einen nächsten Gang, während seine Gegner Brems- mit Gaspedal verwechseln würden.  „Ich hatte keine Zweifel. Die Hauptsache war, dass wir den Staffelstab nicht verlieren“, sagte der 29-Jährige, der eine heftige Partynacht in Rio ankündigte. „Ich werde heute sehr lange wach bleiben und sehr viel Spaß haben“, sagte er. Verdient hat es sich.

Über fast ein Jahrzehnt dominierte er den Sprint nach Belieben. Bis zur WM 2017 in London will er noch weitermachen, aber das Kapitel Olympia ist für ihn, den erfolgreichsten Leichtathlet aller Zeiten, abgeschlossen. So zumindest seine aktuelle Aussage. In den vergangenen acht Jahren gab es keinen besseren Sprinter, keinen interessanteren Entertainer und keinen souveräneren Sieger, als Usain St. Leo Bolt.

(Quelle fast aller Bolt-Zitate: http://www.welt.de/sport/leichtathletik/article131538216/Geniesst-was-ihr-tut-Usain-Bolt-privat.html)

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1 Kommentar

  1. Wir haben uns heute „Der Marsianer“ angeschaut. Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Marsianer_%E2%80%93_Rettet_Mark_Watney
    Mark Watney handelt vergleichbar. Nur ist der Rahmen dramatischer. Es geht nicht nur um eine weitere Medaille, es geht ums Überleben. Und er meistert seine zunächst scheinbar aussichtslose Situation, indem er cool bleibt, seine Stärken kreativ nutzt und in besonders kritischen Momenten einfach selbst entscheidet und sein Ding dann durchzieht. So viel zu der Parallele. Es gibt aber auch einen Unterschied. Watney kalkuliert das Risiko seines Scheiterns ein. das gelingt ihm, weil er sich bewusst macht, dass er schon Dinge erlebt hat, die kein Mensch vor ihm erfahren durfte, die kein Mensch vor ihm erfahren durfte.Auch Bolt wäre schon jetzt eine Legende, wenn er in Rio irgendwo nur Zweiter geworden wäre. Ich denke, erst das macht uns wirklich stark. Wenn wir uns darauf besinnen, gehen wir die nächste Herausforderung noch lockerer und unverkrampfter an.
    Nun zum Faktor Zeit: Seit Einstein wissen wir, dass die Dimension Zeit relativ ist. Heutige Wissenschaftler behaupten sogar, dass Sie nicht wirklich existiert, sondern nur eine individuelle Wahrnehmung der Welt ist. Und jedes Individuum nimmt sie eben unterschiedlich wahr. Was für den einen schnell ist, ist für den anderen Betrachter langsam. Was für den einen unpünktlich ist, das ist für den anderen noch akzeptabel. Deshalb könnte mich jetzt jemand fragen, warum schaust Du Dir erst heute einen Film an, der schon seit Sept. 2015 in den Kinos ist? Ich könnte antworten: „keine Zeit“. Aber das wäre zu kurz gegriffen. Ich habe mir einfach bewusst oder unbewusst Prioritäten gesetzt und einfach erst heute diesen Film aus dem Stapel der Bücher, die ich noch unbedingt lesen will, und der Filme, die ich noch unbedingt sehen will, heute spontan ausgewählt. Für mich war es der passende Zeitpunkt.

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