9/11 – die Welt hat sich seit 2001 verändert. Anders verändert DURCH nine eleven. Anders verändert durch die REAKTION auf den Anschlag und den Zusammensturz des World Trade Centers. – Verstehen können wir das Leben nur rückwärts. Leben müssen wir es vorwärts (Kierkegaard) – (WehrWolter – ww 187 – Hans Wolter)

Der Traum vom Wunder trotzt den Wunden

Wunden zeigen uns, wie klein wir sind.
Das halten wir nicht lange aus.
Daher träumen wir lieber vom Wunder.

Wir müssen lernen, auch mit dem Unbegreiflichen umzugehen.
Dabei hilft uns die Zeit.
Auch wenn sie letztlich nie ganz heilt.
Narben erinnern uns daran.
Auch in unserer Seele.
Auch an 9/11.

(Hans Wolter)

Heute vor 15 Jahren geschah das nahezu Unfassbare. Wie aus dem Nichts flogen Flugzeuge in die gewaltigen Türme des amerikanischen Word Trade Centers. Keine Kampfflugzeuge. Normale Passagierflugzeuge mit Menschen an Bord.

Einmal könnte es noch Zufall gewesen sein. Als das zweite Flugzeug in die Twin Towers flog war es gewiss: das ist ein Angriff. Ein Angriff auf die USA. Ein Angriff auf uns alle. Nahezu jeder wird sich noch erinnert, wo er am 09. September 2001 war und wie er auf die Meldung reagiert hat. Ich kam gerade aus meiner Praxis, hatte früher Feierabend und wollte gerade in mein Auto steigen. Da kam der Chef vom Restaurant Cottas mit weit aufgerissenen Augen auf mich zu: „haben sie schon gehört? Amerika wurde angegriffen. Der dritte Weltkrieg bricht aus!“ Ich fuhr nach Hause. Leicht verstört. Und wie alle, starrte ich wie hypnotisiert in den Fernseher. Immer und immer wieder flog ein Flugzeug in die Hochhäuser.

Der Einschlag der Flugzeuge war schon unglaublich. Der komplette Einsturz der über 400 Meter hohen Häuser war unfassbar. Wie kann eine solche Stabilität innerhalb weniger Stunden zusammenbrechen und nahezu verschwinden?

9-11-twin-towers1

Wir alle waren geschockt. Gegen Ohnmacht hilft rasches Handeln. Vor Ort waren es die Feuerwehrleute, die zu Helden im Untergang wurden. Kurze Zeit später reagierte George W. Bush, der Präsident der Vereinigten Staaten Amerikas. Er versuchte rasch das Blatt vom Opfer zum Täter, also zum Tätigsein zu wenden.

Der Angriff war ein terroristischer Akt. Keine Frage. Neu war das Ausmaß. Erschreckend war die Präzision und die durchschlagende Wirkung der Ausführung. Auch wenn die Täter ver-rückt gewesen sein mögen. Dumm waren sie nicht. Die Idee Passagierflugzeuge zu kapern und damit einen Anschlag auszuführen ist zunächst einmal simpel. Es hat aber auch einmal mehr vor Augen geführt: jede Sicherheitsmaßnahme kann durchbrochen werden. Menschen sind nahezu zu allem fähig.

Auf Eskalation mit Eskalation zu antworten beendet diese nicht

Das George W. Bush, der 43. Präsident der USA das Bild von der „Achse des Bösen“ entwarf und zum Einmarsch in den Irak blies, ist als Reaktion auf die Kränkung und Bedrohung einerseits verständlich, andererseits würde ich es nicht als eine besonders intelligente Lösung bezeichnen. Auf Eskalation mit Eskalation zu antworten beendet diese nicht. Es macht sie über kurz oder lang schlimmer.

Der Einmarsch in den Irak hat sicher abschreckende Wirkung auf die arabische Welt. Stärker waren aber Wut und Destruktion, die daraus folgten. Versprach der Westen sich auf der einen Seite wirtschaftliche Gewinne oder Sicherungen hiermit, verschlang es auf der anderen Seite Billionen von Dollars. Natürlich gibt es direkte Bezüge zum Börsencrash 2008 an der Wallstreet.

Besonders schlimm finde ich die Auswirkungen auf das weitere Weltgeschehen. Die In-Stabilisierung vieler Staaten. Zunahme der Terroranschläge. Unberechenbares wie der Überfall auf Charlie Hebdo. Die auf den Irakeinsatz folgenden Flüchtlingsströme. Die autoritären Reaktionen in europäischen Ländern und in unserem Deutschland. Hier suchen die Rechtspopulisten einfache Antworten auf komplexe Probleme. Erschreckend, dass sie deutliche Wahlerfolge erzielen. Das Klima wird nicht nur rauer, sondern auch primitiver. War vor einiger Zeit die Rückkehr des Faschismus noch unvorstellbar, hat sich der öffentliche Diskurs in der jüngsten Vergangenheit erschreckend rasch verschoben. Wenn man vor der Semperoper schon Galgen für Politiker aufstellt sind das schon mehr als symbolische Andeutungen. Bewegungen und Parteien wie Pegida und die AfD scheinen auch für Bürgerliche eine Alternative für Deutschland zu sein.

Vielfalt wird von den Populisten als Bedrohung oder zumindest als Schwäche ausgerufen. Trump wurde in den Vereinigten Staaten lange unterschätzt. Demokratie braucht länger, als die Sehnsucht nach starken Kurzschlüssen.

 

„Verstehen können wir das Leben nur rückwärts. Leben müssen wir es vorwärts“

(Søren Aabye Kierkegaard, dänischer Philosoph)

9-11-text

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