Wenn die Klügeren nachgeben, kommen die Dummen an die Macht. – Von Orwells Animal Farm & 1984 über die deutsche Wiedervereinigung, den Rechtspopulismus zu TTIP – (WehrWolter – ww 192 – Hans Wolter)

Wir leben in einer unruhigen Zeit. Erschreckend finde ich, dass sachliche Argumente zunehmend weniger zählen als populistische Auftritte und gezielte „Ausrutscher“. Nicht mehr nur an den äußeren Rändern unserer Gesellschaft.  Das Klima ist deutlich rauher geworden. Der öffentliche Diskurs verschiebt bisherige Wertemaßstäbe.

In seinen Romanen Animal Farm und 1984 hatte der Schriftsteller George Orwell Welten entworfen, die sich streckenweise schon mehr als realisiert haben. Historisch spielte er damals auf Stalin an. Mit den heutigen Populisten in unserem Land und den USA bewegen wir uns auch in ein gefährliches Fahrwasser. Weg von der Demokratie. Auch auf der Wirtschaftsebene versucht man demokratische Strukturen auszuhebeln, wie wir es gegenwärtig bei den TTIP-Verhandlungen sehen. Hier müssen wir wachsam sein.

Zunächst einmal einige Schritte zurück:  George Orwell wurde am 25. Juni 1903 als Eric Arthur Blair in Indien geboren und starb am 21. Januar 1950 als einer der bedeutendsten Schriftsteller englischer Literatur. Seinen Durchbruch als Schriftsteller erlebte er 1945 mit seiner Fabel „Animal Farm.“ (Deutscher Titel: „Farm der Tiere“). Sein weiteres Werk, welches weltweit Erfolg hatte, war die düstere Zukunftsvision 1984. Würde er heute noch leben, würde er sich wundern, wie selbstverständlich der Bürger heute bespitzelt werden kann und wird. Erstmals Anfang September 2007 bekanntgemachte Geheimdossiers belegen, dass Orwell selbst von 1929 an bis zu den Jahren des Zweiten Weltkriegs vom Britischen Inlandsgeheimdienst überwacht wurde.

Würde Orwell die gegenwärtige Radikalisierung und Verrohung rund um den Globus und im zivilisierten Europa erleben, fühlte er sich in seiner Animal Farm bestätigt. Inhaltlich geht es um die Auflehnung der Tiere einer englischen Farm gegen die Herrschaft ihres menschlichen Besitzers, der sie vernachlässigt und ausbeutet. Die Machtergreifung der Tiere gelingt und sie versuchen ein angenehmeres Zusammenleben zu gestalten. Anfänglich ist das Projekt erfolgreich. Aber nach und nach übernehmen die Schweine immer mehr die Führung und errichten schließlich eine Gewaltherrschaft, die schlimmer ist als diejenige, aus welcher sich die Tiere befreien wollten.

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Georg Orwell hatte zunächst große Schwierigkeit einen Verleger für seinen Roman zu finden. Er galt als Parabel auf die Entwicklung in der Sowjetunion. Hier folgte auf die Oktoberrevolution des Volkes ja die zunehmend diktatorische Herrschaft Stalins. Diese Kritik ging vielen damals zu weit, da Stalin damals in weiten Kreisen eine Aura der Idealisierung umgab. Ich vermute ja, dass das auch mit einer Scheu vorm Vatermord (Freud, Totem & Tabu) zu tun hat.

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Zur „Animal Farm“ fällt mir auch die deutsche Wiedervereinigung ein.

Auch wenn das sicher nicht ganz „fair“ ist. In Deutschland stellte sich ja keine Diktatur der Schweine her. Aber so etwas wie eine Diktatur der D-Mark. Wirtschaftlichkeit und Konsum standen an absolut erster Stelle. Soziale Reformen oder soziale Errungenschaften des damaligen DDR-Regimes traten rasch in den Hintergrund. Hier wurden leider die Chancen eines „dritten Weges“ vertan.

Auch in der Europapolitik geht es fast ausschließlich um die Wirtschafts-Union. Eine Sozial-Union wurde bisher vernachlässigt. Warum hat man bisher noch nicht ernsthaft und effektiv an gemeinsamen Modellen und Strategien gegen Arbeitslosigkeit oder Armut gearbeitet.

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Sollte die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft TTIP tatsächlich durchgesetzt werden, bedeutet das noch einmal die absolute Vorherrschaft von Wirtschaft und Handel. Soziale Errungenschaften der „alten Länder“ werden verloren gehen. Hier liegt eine große Gefahr, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklafft. Auch demokratische Errungenschaften gehen verloren, weil sich alles dem Diktat der Privatwirtschaftlichkeit unterwerfen muss.

TTIP hebelt die demokratischen Strukturen aus

Die Nähe zu Orwells Animal Farm liegt für mich auch darin, dass die Aushandlung des Ganzen hinter verschlossenen Türen stattfindet. Das ist das Gegenteil, was Deutschland nach der Wiedervereinigung mit seiner durchsichtigen Kuppel auf dem Reichstag demonstrieren wollte.

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Bei den TTiP Verhandlungen bekommen selbst unsere gewählten Volksvertreter nur stundenweise Einblicke in diesen Prozess. Diese Entwicklung habe ich in einem meiner vorherigen Texte schon einmal beschrieben (Während Du schliefst: Mauerbau & TTip – Einmauerung & Entgrenzung – Jenseits demokratischer Kontrolle & Macht)

Demokratie als Minimalkonsens im real existierenden Leben

Für ein gutes Arbeitenkönnen ist ein einigermaßen sicherer Rahmen notwendig. Demokratie ist in meiner Einschätzung ein unverzichtbarer Minimalkonsens. Ein Rahmen, indem die Gestaltung eines qualitativ guten Lebens für alle in unserem Land möglich ist. Es wird immer irgendwo hakeln und nie dauerhaft glatt laufen. Weil Leben halt nicht immer einfach ist.

Das sehen wir schon am Wetter. Wir sehen es aber auch an der Börse. Unternehmen investieren da, wo die Lage sicher ist. In Sachsen gehen durch die Pegida- und AfD-Unruhen nicht nur die Zahlen des Fremdenverkehrs deutlich zurück. Wenn sich hier die Lage nicht wieder normalisiert, wird es hier wieder dunkler. Allem Wiederaufbau und üppigen Solidaritätszahlungen zum Trotz.

Erschreckende Ausschreitungen aus der Pegidabewegung in Dresden

Die Berichterstattung zum Tag der deutschen Einheit finde ich erschreckend. Populisten wollen uns nicht nur suggerieren, es hätte mal das einfache, „saubere“ Leben gegeben und das es einfach wäre, dorthin zurückzukehren. Sie haben auch noch eine gewisse Anhängerschaft, die immun gegen die Erfahrung der Geschichte und vernünftige Argumente zu sein scheinen. Es wirkt doch wie ein Märchen, mit denen man kleine Kinder zu manipulieren sucht, dass alles Übel an Merkel und Gauck hängen würde. Politisch kann und sollte man nicht immer einer Meinung sein. Vermeintlich „saubere Ergebnisse“ schaffen nur Parteien der Diktaturen wie die damalige SED oder zuvor die NSDAP.

Exkurs: Die Konstruktion des Fremden stärkt das Vertraute.

Nebenwirkung: Angst.

Die Philosophen und Psychologen wissen es schon lange: das Individuum braucht den Anderen als Gegenüber, um zu sich selbst zu finden. Fremdes kann uns das Vertraute erst bewusst machen. Der Verweis auf das Fremde kann die Identiät von Gruppen erst spürbar machen und ein Gemeinschaftsgefühl enorm stärken. Das sehen wir ja bei unseren Fußballmannschaften. Unsere Mannschaft kann noch so mulitkulturell zusammengewürfelt sein, der FC Bayern bleibt immer der FC Bayern und Schalke ist natürlich immer gänzlich anders als der BVB … usw..

Diese Dynamik nutzen auch Populisten und Extremisten. Gäbe es in Deutschland keine hohen Flüchtlingszahlen, würde dann einer die AfD oder Pegida wahrnehmen?

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Donald Trump trifft auf Frauke Petry

Donald Trump gilt nicht gerade als Frauenversteher. Karl Lagerfeld hat sich ausgemalt, was passiert, wenn Populist Donald Trump auf Populistin Frauke Petry trifft. (Quelle: http://www.faz.net/aktuell/stil/mode-design/2.2576/lagerfelds-karikatur-trump-trifft-auf-frauke-petry-14174344.html)

Demokratie ist nicht einfach. Aber machbar.

Der Verlauf unserer deutschen Geschichte zeigt uns, dass Demokratie nicht einfach ist. Im engeren Sinne schafft diese Staatsform auch keine harmonischen Lösungen. Kleiner Strömungen unterliegen den größeren Strömungen. Die Ergebnisse sind auch nicht immer die besten. Dafür gibt es einfach zu viele Motive, zu viele Perspektiven, zu viele unterschiedliche Persönlichkeiten. Die alten Griechen entwickelten die Form auf die unsere heutige Demokratie zurückgeht. Zentral sind das Mehrheitsprinzip, freie Wahlen und der Grundsatz, dass die Herrschaft vom Volke ausgeht. Dieses wird, entweder unmittelbar oder durch Auswahl entscheidungstragender Repräsentanten, an allen Entscheidungen, die die Allgemeinheit verbindlich betreffen, beteiligt.

Die Populisten setzen immer an der Stelle an, dass sie die Menschen aufzuwiegeln versuchen nach dem Muster: „die da oben vertreten Euch gar nicht. Die machen was sie wollen. Die müssen weg. Wir machen das besser.“ Unzufriedene Menschen nehmen ihnen das leichter ab, als zufriedene. Dann kann es sogar passieren, dass man es einem milliardenschweren Wirtschaftsboss wie Donald Trump abnimmt, dass er „die da oben“ verteufelt. Gefühlsmäßig kann man ihn in den eigenen Reihen erleben.

Noch mal zu uns. Wir in Deutschland haben in den letzten 60 Jahren die Erfahrung gemacht, dass die Demokratie nach den Weltkriegen uns auf Dauer einen guten verlässlichen Rahmen geboten hat. Das gilt zunächst in Westdeutschland. Aber auch der überwiegende Teil der Menschen aus Ostdeutschland hat in den letzten 25 Jahren nach dem Untergang der DDR-Diktatur die Erfahrung machen können, dass die demokratische Staatsform auf Dauer mehr Wohlstand und insgesamt auch mehr Zufriedenheit im Sinne von Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung geben kann, als die Einmauerung.

 

Natürlich könnte die Entwicklung besser sein

In einer Gruppe gibt es immer unterschiedliche Motivlagen. Da passiert es immer wieder, dass manche Strömungen sich mehr durchsetzen als andere. Die Demokratie versucht dies in Form von Wahlen immer wieder zu regulieren. Das gelingt mal mehr mal weniger gut. Bei der Einkommensverteilung in Deutschland, in Europa und weltweit ist es in den letzten Jahren und Jahrzehnten zu immer deutlicheren Polarisierungen gekommen. Bleiben wir bei Deutschland. Setzten beispielsweise noch die Sozialdemokraten unter der Führung von Gerhard Schröder noch auf die Stärkung der Mitte – unter diesem Slogan ist Schröder immerhin Bundeskanzler geworden – so kann man gegenwärtig von einem immer stärkeren Rückgang einer starken Mittelschicht sprechen. Dies führt natürlich zu wachsendem Unmut. Da die Schere der Vermögensverteilung weltweit immer heftiger auseinandergeht, wächst der Unfrieden derzeit weltweit. Kriege und Flüchtlingsbewegungen sind die Folge. Wenn es uns auf Dauer nicht gelingt, für eine gerechtere Verteilung zu sorgen, wird sich die Gesamtlage noch deutlich verschlechtern. Da helfen auf Dauer auch keine Mauern mehr.

 

Was können wir bewirken?

Es gibt die große und die kleine Politik. Letztere können und sollten wir täglich (aus-)üben. Ansonsten können wir aktiv wählen gehen. Darüber hinaus können wir natürlich auch direkt oder indirekt politisch aktiv werden. Ich werde es u.a. mit solchen Beiträgen wie diesem.

Zum Thema Rechtspopulismus habe ich in letzter Zeit schon einiges geschrieben. Wer hier weiterlesen will, dem empfehle ich auf diesen Beitrag zu klicken:

„Der Rechtspopulist Trump ist ein unehrlicher Demagoge, der das Land auf einen sehr gefährlichen Weg führt“ (Meg Witman, Republikanerin und Chefin des IT-Konzerns Hewlett Packard) – Worin liegen Macht und Gefahr des Rechtspopulismus für Demokratie und Pluralismus? – Antworten aus der wissenschaftlichen Forschung (RWTH-Aachen & Humboldt-Universität Berlin, Paula Diehl). – (WehrWolter – ww 175 – Hans Wolter)

Zum Thema Rechtsextremismus in Deutschland nachfolgend noch einmal ein Link zu einem Beitrag, den ich Ende Februar diesen Jahres hier veröffentlicht habe.

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WIR sind das Volk! – Seien wir ehrlich: Sachsen hat ein Naziproblem! – Gutmenschen zahlen Steuern & Solidaritätsbeiträge – Leben ist Vielfalt – Warum las der Künstler Hitler kaum?- (WehrWolter – ww 127 – Hans Wolter)

Zum Abschluß noch eine:

GuteNachtGeschichte

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„Eines Nachts versammeln sich alle Tiere eines englischen Bauernhofes mit Namen „Herren-Farm“ in der großen Scheune, um Old Major zu lauschen. Der preisgekrönte alte Eber hatte einen Traum, in dem die Tiere der Farm das Joch der Unterdrückung abschütteln und nicht mehr nur für den unfähigen und ständig betrunkenen Besitzer, Bauer Jones, arbeiten müssen. Er zeichnet ihnen eine blühende Zukunft und ruft sie zur Rebellion auf, doch kann er selbst nicht sagen, wann diese erfolgen wird. Ebenso lehrt er sie das mitreißende und visionäre Lied „Tiere Englands“.

Kurz darauf stirbt Old Major, und es scheint, als nehme alles weiterhin seinen gewohnten Lauf. Doch die Schweine, die als die intelligentesten Tiere der Farm gelten, und hier besonders der wuchtige Berkshire-Eber Napoleon, der einfallsreiche Schneeball und der redegewandte Schwatzwutz, arbeiten die Lehren Old Majors zu einem Denksystem aus, dem sie den Namen Animalismus geben.

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Erst drei Monate später kommt es für alle Beteiligten überraschend doch zur angekündigten Rebellion, als Bauer Jones, wieder einmal betrunken, vergisst, die Tiere zu füttern, und diese, von Hunger getrieben, in die Futterkammer eindringen. Als Bauer Jones und seine Knechte das mit Gewalt verhindern wollen, werden sie von der Farm gejagt und alle Zeichen der Knechtschaft, wie Ketten, Halfter, Peitschen usw. vernichtet. Auch ein Gegenangriff der Menschen aus dem nahegelegenen Dorf kann relativ problemlos zurückgeschlagen werden. Die Farm gehört nun den Tieren, das Farmhaus selbst soll jedoch nur als Museum erhalten werden, und kein Tier solle je darin wohnen.

Die Farm wird in „Farm der Tiere“ umbenannt, und an die Rückwand der großen Scheune werden die Sieben Gebote des Animalismus geschrieben, nach denen alle Tiere der Farm leben sollen:

Die Sieben Gebote des Animalismus

Alles, was auf zwei Beinen geht, ist ein Feind.

Alles, was auf vier Beinen geht oder Flügel hat, ist ein Freund.

Kein Tier soll Kleider tragen.

Kein Tier soll in einem Bett schlafen.

Kein Tier soll Alkohol trinken.

Kein Tier soll ein anderes Tier töten.

Alle Tiere sind gleich.

Die Farmarbeit ist in den nächsten Tagen zwar hart und ungewohnt, da die Tiere nun alles selbst erledigen müssen und kaum Werkzeuge gebrauchen können, doch die Ernte ist ein größerer Erfolg, als sie erhofft hatten, weil nichts liegengeblieben war und kein Tier ein Maul für sich genommen hatte. Die Tiere sind glücklich, da sie nun nur mehr für sich arbeiten und nicht mehr für Bauer Jones. Sonntags wird nicht gearbeitet, und eine kleine Koppel hinter dem Obstgarten wird als Ruheheim für Tiere bestimmt, die ein gewisses Pensionsalter erreichen.

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Obwohl alle Erträge der Farm brüderlich geteilt werden, beanspruchen die Schweine die von den Kühen gewonnene Milch und die Äpfel alleine für sich. Schwatzwutz begründet dies damit, dass Milch und Äpfel für die Gesundheit der Schweine unerlässlich seien. Da die Schweine gewissermaßen die Leitung der Farm übernommen haben, sei dieses Privileg im Interesse aller Tiere. Würde es den Schweinen nämlich nicht gut gehen, könnten sie ihre Aufgabe nicht richtig erfüllen und vermutlich würde Bauer Jones zurückkehren und die alten Verhältnisse wiederherstellen.

Bereits im kommenden Winter treten die ersten Spannungen zwischen Schneeball und Napoleon auf. Besonders bei dem Thema der geplantenWindmühle, welche die Farm mit Elektrizität versorgen soll, um die Ställe zu beleuchten, im Winter zu heizen und Kreissäge und Häckselmaschine, zu betreiben, scheiden sich die Geister. In die Abstimmung, die aller Voraussicht nach zugunsten von Schneeballs ehrgeizigem Plan ausgehen würde, stürmen plötzlich neun große Hunde. Sie sind die Nachkommen der Farmhunde, die Napoleon im Geheimen aufgezogen hatte und die ihm treu ergeben sind. Nur mit knapper Not kann Schneeball von der Farm flüchten.

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Napoleon schafft daraufhin die gemeinschaftlichen Abstimmungen ab, und die Leitung der Farm wird von einem Schweinekomitee übernommen, in dem er den Vorsitz führt. Spärlich aufkommende Kritik wird von den drohenden Hunden bereits im Keim erstickt, und Schwatzwutz erklärt, was für ein gewaltiges Opfer es doch für Napoleon darstelle, diese Führerschaft als Extraaufgabe zu übernehmen. Außerdem wird Schneeball als Verbrecher denunziert, der nur zu seinem Wohle gearbeitet habe. Drei Wochen später soll die Windmühle dann doch gebaut werden, weil sie in Wahrheit Napoleons Idee gewesen sei. Daher müssen die Tiere nun hart arbeiten. Trotzdem geht es ihnen nicht schlecht, da sie etwa gleich viel Futter haben wie zu Jones‘ Zeiten.

Wenig später nimmt die Farm der Tiere Handelsbeziehungen zu den verhassten Menschen auf, um bestimmte Materialien zu beschaffen, die nicht auf der Farm hergestellt werden können, wie Baustoffe oder Teile für die Windmühle. Daher werden ein Schober Heu und ein Teil der Weizenernte verkauft. Die abermals aufkommende Kritik wird durch die Hunde unterdrückt und Unbehagen durch die Propaganda von Schwatzwutz beschwichtigt. Auch verteidigt dieser den Umzug der Schweine in das Farmhaus damit, dass diese einen ruhigeren Arbeitsplatz brauchen und es für die Würde des Führers Napoleon angemessener sei. Schließlich heißt das 4. Gebot ja: „Kein Tier soll in einem Bett schlafen mit Leintüchern“, und ein Bett ohne Leintücher sei auch nur ein Schlafplatz, so wie ein schlichter Schweinekoben.

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Schwere Herbststürme zerstören die Windmühle. Obwohl es offensichtlich an einem Konstruktionsfehler liegt (die Mauern waren zu dünn), beschuldigt Napoleon Schneeball der Sabotage. In weiterer Folge wird jedes Unglück dem Vertriebenen in die Schuhe geschoben und sogar die Behauptung aufgestellt, Schneeball arbeite mit den Menschen zusammen und sei schon von Anfang an ein Agent von Bauer Jones.

Auf den Herbst folgt ein harter Winter – einerseits wegen des Wiederaufbaus der Windmühle, andererseits auch wegen einer Futterknappheit im Januar. Obwohl nach außen hin signalisiert wird, dass alles in bester Ordnung ist, sollen nun alle Eier verkauft werden, um dringend benötigtes Korn zu beschaffen. Die Rebellion der empörten Hennen wird erbarmungslos niedergeschlagen. Auf einer Versammlung wenig später erklären die vier Schweine, die gegen die Abschaffung der Abstimmungen protestiert hatten, drei Hennen, die bei der Rebellion federführend waren, und noch ein paar weitere Tiere, anscheinend freiwillig mit Schneeball zusammenzuarbeiten, und werden von den Hunden hingemetzelt.

Entsetzt und beschämt darüber, dass es auf ihrer Farm solchen Verrat geben konnte, schweigen die Tiere zu diesen Taten; auch dann noch, als das Lied „Tiere Englands“ abgeschafft wird, weil es angeblich ein Lied der Rebellion gegen die Menschen war und diese doch erfolgreich beendet sei. Einzig Kleeblatt fragt irritiert nach dem 6. Gebot, doch dieses lautet plötzlich: „Kein Tier soll ein anderes Tier töten ohne Grund.“

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Das gesamte nächste Jahr arbeiten die Tiere viel härter als jemals zuvor, meist an der Windmühle, wodurch die eigentliche Farmarbeit oft liegenbleibt und das Futter abermals knapp wird. Trotzdem geht es ihnen, entsprechend den Verlautbarungen und Statistiken von Schwatzwutz viel besser als früher. Im Herbst wird ein großer Stapel Bauholz überraschend an den Nachbarn Mr. Frederik verkauft, obwohl Napoleon diesen zuvor immer wieder schlechtgemacht hatte und mehr dem anderen Nachbarn Mr. Pilkington zugetan schien. Doch das sei Taktik gewesen, wird Schwatzwutz nicht müde zu behaupten. Das ändert sich jedoch schnell, als sich herausstellt, dass Mr. Frederik mit Falschgeld bezahlt hat und wenig später gewaltsam in die Farm der Tiere eindringt und die eben erst fertig gestellte Windmühle sprengt. Trotz schwerer eigener Verluste wird die Zurückschlagung dieses Angriffes von Napoleon als großer Sieg gefeiert. Wenig später finden die Schweine eine Kiste Whisky. Wird am nächsten Morgen noch verlautbart, dass der Genuss von Alkohol mit dem Tode bestraft werde, wird jedoch rasch beschlossen, die kleine Koppel, die als Ruheheim für alte Tiere vorgesehen war, für den Anbau von Gerste umzuwidmen, und abermals wird klar, dass die Tiere ein Gebot falsch in Erinnerung hatten: „Kein Tier soll Alkohol trinken im Übermaß.“

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Der nächste Winter wird noch strenger als der letzte, die Kornrationen werden noch mehr gekürzt, und immer mehr muss von außerhalb eingekauft werden. Trotzdem verkündet Schwatzwutz, dass die Tiere immer noch mehr Futter bekommen als zur Zeit von Bauer Jones und dass überhaupt alles besser sei als früher. Im April wird die Farm der Tiere zur Republik ausgerufen und Napoleon als einziger Kandidat zum Staatspräsidenten gewählt. Unterdessen arbeitet das alte Zugpferd Boxer härter als jemals zuvor, weil es die neue Windmühle noch vor seiner „Pensionierung“ fertiggestellt haben will. Doch bei einem Unglück wird es schwer verletzt und von Kleeblatt und Benjamin medizinisch versorgt. Die Schweine sagen, sie wollen Boxer ins Krankenhaus bringen lassen, wo er besser versorgt werden kann, lassen ihn jedoch vom Abdecker abholen, um Geld für Whisky zu bekommen. Schwatzwutz verkündet später, Boxer sei trotz aller medizinischen Hilfe in einem Krankenhaus in der Stadt gestorben. Dass es sich bei dem Wagen, der Boxer abholte, um den Wagen des Abdeckers handelte, stellt er als schlichten Irrtum hin. Der Tierarzt habe den Wagen vom Abdecker gekauft und sei noch nicht dazu gekommen, die Beschriftung zu ändern.

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Jahre später leben zwar viel mehr Tiere auf der Farm, doch nur mehr eine Handvoll davon hatte die Rebellion gegen Bauer Jones selbst miterlebt. Die Windmühle steht nun zwar, doch wird sie nur zum Kornmahlen verwendet, was einen netten Profit abwirft. Unterdessen arbeiten alle (mit Ausnahme der Schweine und Hunde, die mit der „Verwaltung“ beschäftigt sind) hart an einer zweiten Windmühle, die dann endlich Strom und den versprochenen Luxus liefern soll. Trotzdem erscheint ihnen das Leben als Privileg, weil die Farm immer noch die einzige in England ist, die sich im Besitz von Tieren befindet, und sie somit nur für sich arbeiteten, denn alle Tiere sind gleich.

 

Doch eines Tages laufen die Schweine plötzlich alle auf zwei Beinen und tragen Kleidung, was den Sieben Geboten des Animalismus zu widersprechen scheint. Aber auf der Scheune steht plötzlich nur mehr ein einziges Gebot:

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„Alle Tiere sind gleich,

aber manche sind gleicher.

 

Kurz darauf trifft eine Abordnung der umliegenden menschlichen Farmer ein, und stolz präsentieren die Schweine, wie prächtig die Farm der Tiere doch läuft und wie gut die Tiere doch leben. Die Menschen, allen voran Mr. Pilkington, sind tief beeindruckt. Bei einem abendlichen Festessen sprechen sich Menschen und Schweine für eine gute Zusammenarbeit aus und lassen sich gegenseitig hochleben. Doch als bei einem freundschaftlichen Kartenspiel sowohl Napoleon als auch Mr. Pilkington gleichzeitig ein Pik-Ass ausspielen, kommt es zum Streit zwischen den beiden Parteien. Die anderen Tiere, welche die befremdliche Situation durch ein Fenster von draußen betrachten, können nicht mehr unterscheiden, wer Mensch und wer Schwein ist.“

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(Zusammenfassung aus Georg Orwells Roman „Animal Farm“ in:

https://de.wikipedia.org/wiki/Farm_der_Tiere)

Weiterlesen?

z.B.:

Rainer Maria Rilke starb vor 90 Jahren – Das Paradox: vom Defizit zur Kreativität – Vom Sohn der die Tochter ersetzen sollte, über den bindungsängstlichen jungen Mann zum frauenumschwärmten Dichter mit gewaltigem Tiefgang – (WehrWolter ww 218 – Hans Wolter)

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„Ich bin ein Clown und sammle Augenblicke“ – Zum 30sten Todestag des Kölner Schriftstellers Heinrich Böll – Passend zu Frank Witzel. Preis Frankfurter Buchmesse – Verdamp lang her – im Gespräch mit dem Kölner Sänger & Künstler Wolfgang Niedecken – (WehrWolter – ww 72 – Hans Wolter)

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