Eine wehrhafte und zugleich bewegliche Psyche ist die stärkste Waffe gegen Krankheit – Gedanken zum Weltkrebstag – Fakten und Ideen werden häufig durcheinander geworfen – Nicht nur bei Trump – (WehrWolter – ww 227 – Hans Wolter)

Kurz zusammengefasst: Weltkrebstag – Der Einfluss der Psyche wird nach wie vor noch unterschätzt – Der Körper beginnt zu sprechen, wenn wir die Gefühlssignale überhören – Fallbeispiel mit negativem Ausgang – Fallbeispiel mit positivem Ausgang: Krebs kränkt auch die Seele – Wehren lohnt sich – Auch gegen Ärztefehler. Brustkrebs – Behandlungsfehler endet fast tödlich – Sybille Hauser-Gaulke hat es geschafft – Raus aus der Opferrolle!

„Die eigentliche Ursache des Leids liegt in unserer Unwilligkeit, Tatsachen als reelle Tatsachen und Ideen als bloße Ideen zu sehen, und dadurch, dass wir ununterbrochen Tatsachen mit Konzepten vermischen. Wir tendieren dazu, Ideen für Tatsachen zu halten, was Chaos in der Welt schafft“(Paul Watzlawick)

Jede dritte Frau und jeder zweite Mann erkranken im Laufe des Lebens an Krebs. Die meisten nach dem 65. Lebensjahr. Keiner ist vor der Krankheit gefeit. Aber jeder kann sein Risiko senken.

Den heutigen Weltkrebstag nehme ich einmal zum Anlass, um auf die Wichtigkeit psychischer Gesundheit hinzuweisen. Forschung schreitet ja ständig voran. Mittlerweile kommt es auch in der Medizin an, dass Psyche und Körper in ständiger Wechselwirkung stehen. Eigentlich wussten es schon die alten Römer:

Mens sana in corpore sano

ist eine lateinische Redewendung. Sie bedeutet „ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“. Diese Erkenntnis ist keine Einbahnstraße. Der Körper ist umso gesünder, je gesünder die Psyche ist. Eigentlich ist der Mensch ja eine wunderbare Konstruktion, die sich immer wieder selbst reparieren kann. Manchmal brauchen wir Hilfe zur Selbsthilfe, damit unsere Selbstheilungskräfte wieder aktiviert werden.

In der Krebsbehandlung legt man schon seit längerer Zeit ein Augenmerk auf die Psychoonkologie. Damit ist allerdings häufig das Denken verbunden, der kranke Patient braucht Hilfe, um mit der psychischen Belastung einer Krebserkrankung zu Recht zu kommen. Das ist ja auch richtig und gut. Allerdings beobachte ich in meiner nunmehr über zwanzigjährigen Tätigkeit als niedergelassener Psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis, dass auf die Prophylaxe kaum Augenmerk gerichtet wird. Dem Ausbruch des Krebs geht eine längere Vorentwicklung voraus. Kriege entstehen auch nicht aus dem Nichts. Viele Menschen haben zunächst eine kranke Seele, die sich bei zu lange anhaltendem Druck dann sekundär auf den Körper ausdehnt.

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Häufig beginnt der Körper zu sprechen, wenn wir die Gefühlssignale überhören

 

Hier hat die Psychosomatik schon viel erforscht. Die älteste aller beobachteten psychischen Störungen ist die Hysterie. In den antiken Beschreibungen der Hysterie in altägyptischen Papyri wie bei Platon und Hippokrates wird die Ursache der Krankheit in der Gebärmutter gesehen. Jean-Martin Charcot und Sigmund Freud wiesen schon um 1870 darauf hin, dass die Hysterie nicht ausschließlich bei Frauen auftritt. Der Begriff „Hysterie“ wurde von Freud neu definiert, wobei er unter anderem den Begriff Konversionsneurose einführte, weil hier nach seiner Ansicht psychisches Leiden in körperliches konvertierte. Allerdings hat sich diese Umbenennung nicht durchsetzen können, zumal später erkannt wurde, dass nahezu jedes psychische Leiden körperliche Symptome hervorruft, die keineswegs „hysterische“ Merkmale aufweisen müssen. Die Hysterienstudien waren für Sigmund Freud der Ausgangspunkt zur Erforschung des Unbewussten. In vielen körperlichen Beschwerden konnte er nachweisen, dass sie Ausdruck unbewusster psychischer Konflikte waren.

Vielleicht ist es der Medizinerausbildung geschuldet, dass über lange Zeiträume die psychischen Einflüsse zu wenig mitgedacht wurden. Im Medizinstudium wird auch heutzutage kein wissenschaftlich fundiertes psychologisches Wissen vermittelt. Vielleicht ein wenig im AuswendiglernQuiz-Charakter. Aber nicht in wirklich fundierter psycho-logischer Gegenstandsbildung. Die Mediziner sind durch ihre jahrhundertelange Politik machtvoll. Kein Wunder, dass viele sogar selbst daran glauben mögen „Götter in Weiß“ zu sein. Die Psychologie ist dagegen an den Universitäten noch eine vergleichbar sehr junge Wissenschaft.

Natürlich sind es auch wirtschaftliche Gründe, wieso erkrankte Patienten häufig erst jahrelang durch die Arztpraxen tingeln, bis mal einer auf die Idee kommt, den Kranken zu einem psychotherapeutisch tätigen Psychologen zu überweisen. Landen solche Patienten bei mir, sagen sie sinngemäß: „mein Arzt weiß nicht mehr weiter, dann wäre mein Schmerz vielleicht psychisch bedingt“. Nicht selten fühlen sich diese Patienten auch zunächst einmal abgeschoben, bis sie in mühevoller Überzeugungsarbeit die Zusammenhänge zwischen ihrem Leiden und ihrer Psyche anerkennen vergehen viele Monate. Bei Männern dauert es häufig länger als bei Frauen. Die meisten Männer haben nämlich keine Angst. Richtiger müsste man sagen: sie spüren keine Angst. Hier spielen natürlich große Ängste des zivilisierten Menschen, vor der „unkontrollierbaren“ Psyche eine Rolle.

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Das UNBEWUSSTE ist immer noch unheimlich

Ich persönlich finde es erschreckend, wie wenig im heutigen Jahre 2017 das Unbewusste mitgedacht und vor allen Dingen mitberücksichtigt wird. Und dass auf dem Hintergrund der systematischen Erforschung von Sigmund Freud und seinen Kollegen seit 1870. Viele Jahre hat man der Psychoanalyse vorgeworfen, dass sie keine wissenschaftlichen Nachweise für ihre Thesen geben konnte. Diese Stimmen werden kleinlauter, seitdem die aktuelle Hirnforschung mit ihren bildgebenden Verfahren in vielen Dingen, wie z.B. dem Phänomen der „Verdrängung“ die Erkenntnisse Sigmund Freuds bestätigt. Mit der Wissenschaftlichkeit ist das ja so eine Sache. Viele Zusammenhänge werden auch heute nicht verstanden, selbst wenn noch so sauber daherkommende zahlenmäßige Wahrscheinlichkeitskonstrukte aufgestellt werden.

Keine Sorge!?

Um konkret zum Thema Krebs zurückzukommen: Letztes Jahr um diese Zeit beruhigte ein führender Kölner Urologe einen meiner Patienten, der an Prostatakrebs erkrankt war, damit, dass an eine Chemotherapie frühestens erst in fünf Jahren zu denken sei. Als die Blutwerte sich verschlechterten empfahl ich meinem Patienten eine zweite medizinische Meinung einzuholen. Ein Professor der Kölner Universitätsklinik beruhigte ihn mit dem Hinweis: „Keine Sorge, das dauert noch. Sie werden eines Tages nicht an dieser Krankheit, sondern mit dieser Krankheit sterben!“ Leider unterbrach mein Patient unsere psychotherapeutische Behandlung, als er dann plötzlich doch eine chemotherapeutische Behandlung bekam. Vielleicht auch, weil es ihm dann zunächst einmal kurz ein wenig besser ging. Vor allen Dingen hatte er neue Hoffnung geschöpft. Vielleicht hatte er Angst, dass Gespräche über den Krebs nicht gut für ihn sein könnten? Ich befürchte – rückblickend – dass eine Psychotherapie in diesem bereits fortgeschrittenen Stadium, die Aggressivität des Krebses auch nicht mehr aufgehalten hätte. Drei Monate später bekam ich an einem Montagabend einen Anruf in meiner Praxis, dass ich rasch ins Krankenhaus kommen sollte. Dort verabschiedet sich der stark geschwächte 57jährige Mann von mir. Zwei Tage später war er tot.

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Wir wissen weniger, wir fühlen weniger, als wir denken

Diesen Fall habe ich nicht geschildert, um den beteiligten Ärzten ernsthafte Vorwürfe zu machen. Allerdings beschreibe ich es deshalb, um aufzuzeigen, wie WENIG wir oft wissen. Da schließe ich mich natürlich nicht aus. Natürlich beruhigt es uns, wenn unser Arzt uns rasch eine Diagnose gibt. So werden die Mediziner ja auch bereits vom ersten Tag im Studium ausgebildet. Bei den Psychologen läuft es anders. Hier wird bereits zu Anfang im Studium Wert darauf gelegt, dass es DIE Wirklichkeit letztlich nicht gibt. Sicher kennen einige den Kommunikationsforscher Professor Paul Watzlawik. Seine bekanntesten Buchtitel „Anleitung zum Unglücksein“ oder „Wie wirklich ist die Wirklichkeit“ gehören nicht zur Unterhaltungsliteratur. Obwohl das Buch vom Unglücklichsein recht unterhaltsam geschrieben ist.

„Die eigentliche Ursache des Leids liegt in unserer Unwilligkeit, Tatsachen als reelle Tatsachen und Ideen als bloße Ideen zu sehen, und dadurch, dass wir ununterbrochen Tatsachen mit Konzepten vermischen. Wir tendieren dazu, Ideen für Tatsachen zu halten, was Chaos in der Welt schafft“ – (Paul Watzlawick)

Watzlawik dachte systemisch. Dieses Denken erläuterte er in einem Interview:

„Der systemische Ansatz basiert auf der Situation im Jetzt und Hier. Das heißt auf der Art und Weise, in der die Menschen miteinander kommunizieren und im Kommunizieren dann in Schwierigkeiten kommen können. Wir versuchen also zu verstehen, wie das menschliche Bezugssystem funktioniert, in dem der sogenannte Patient mit drinnen steht und mitwirkt … Unsere Frage ist: Wozu? Was ist die Funktion des sogenannten Symptoms? Das geht so weit für mich, dass, wenn ich zum Beispiel Ehe-Therapie betreibe, der Patient nicht mehr der Mann oder die Frau sondern die Beziehung zwischen diesen beiden Menschen ist. Das ist mein Patient. An der Beziehung will ich arbeiten.“

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Fakten und Ideen werden häufig durcheinander geworfen

Es gibt kaum Fakten, die in Stein gemeißelt sind. Da sehen wir ja aktuell beim amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Hier meine ich weniger die sogenannten „Alternativen Fakten“. Hier meine ich die Tatsache, dass alle führenden Meinungsforschungsinstitute, auch in den USA, vorausgesagt haben, dass Trump nicht Präsident wird. Gute Meinungsforschung ist auch wissenschaftlich fundiert. Guter Wetterbericht übrigens auch. Und dennoch hält sich das Wetter lange nicht immer an die Meteorologen. Auch wenn uns die Visionen der Kontrollierbarkeit von Leben beruhigen: Leben ist nie gänzlich berechenbar. Schon gar nicht der Mensch.

Auch Wissenschaft ist hergestellt.

Ein Produkt, das im Moment wahr-ScheinLich erscheint. Wir Menschen sollten in einer gesunden Art skeptisch sein. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind keine von Gott übergebenen Tafeln. Auch wenn sie es uns glauben machen wollen und wir es nur allzu gerne glauben. Es sind Erkenntnisse, die auf eine gewisse Art gebildet wurden. Mit den Jahren zeigt es sich, welche Erkenntnisse überdauern, welche von neuen Modellen abgelöst werden. Wir selbst sollten die Verantwortung über uns übernehmen. Wenn uns etwas merkwürdig vorkommt, sollten wir wie ein Detketiv an der Aufklärung mitarbeiten. Wir können uns heute besser denn je im Internet informieren und sollten dies aber auch immer wieder mit wechselnden Experten abgleichen.

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Zurück zum Thema Krebs.

Ein kurzer Überblick zum aktuellen Forschungsstand:

Mentale Erkrankungen sind unter Patienten mit malignen Erkrankungen offenbar häufig.

Patienten mit malignen Erkrankungen leiden überdurchschnittlich häufig an psychischen Erkrankungen, insbesondere Angst- und Anpassungsstörungen sowie Stimmungsveränderungen. Das berichteten Wissenschaftler aus Heidelberg, Leipzig, Dresden, Hamburg, Würzburg, Freiburg, Zwickau und Mainz kürzlich im Journal of Clinical Oncology.

Als Teilnehmer für die Studie kamen alle Personen zwischen 18 und 75 Jahren in Frage, bei denen eine maligne Erkrankung diagnostiziert worden war, vorausgesetzt, sie konnten Deutsch sprechen und lesen. 5.889 Krebspatienten aus 30 Krankenhäusern, Krebskliniken und Rehabilitationszentren wurden identifiziert, von denen 68,3 Prozent (n = 4.020) antworteten. 2.710 dieser Patienten wurde ein vollständiges Composite International Diagnostic Interview for Oncology übertragen (CIDI-O), 2.141 Patienten (79%) wurden schlussendlich interviewt.

31,8 Prozent der Patienten litten unter einer mindestens vier Wochen andauernden mentalen Störung (95% CI 29,8-33,8). Bei den untersuchten Erkrankungen handelte es sich um Angststörungen (11,5%; 95% CI 10,2-12,9), Anpassungsstörungen (11,1%; 95% CI 9,7-12,4), Stimmungsveränderungen (6,5%; 95% CI 5,5-7,5), somatoforme/Konversionsstörungen (5,3%; 95% CI 4,3-6,2), Nikotinabhängigkeit (4,5%; 95% CI 3,6-5,4), Alkoholmissbrauch/-abhängigkeit (0,3%; 0,1-0,6), gesundheitsbezogene mentale Störungen (2,3%; 95% CI 1,7-2,9) und Essstörungen (0%). Psychosomatische Erkrankungen, Nikotin- und Alkoholabhängigkeit kamen unter den Krebspatienten seltener vor in der Allgemeinbevölkerung.

Am häufigsten von einer mentalen Störung betroffen waren Brustkrebspatientinnen (41,6%; 95% CI 36,8-46,4), gefolgt von Patienten mit Kopf-Halstumoren (40,8%; 95% CI 28,5-53,0). Am seltensten erkrankten Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs (20,3%; 95% CI 8,9-31,6) und Magen-/Speiseröhrenkrebs (21,2%; 95% CI 12,8-29,6) an einer psychischen Störung.

Die Studie verdeutliche, dass Patienten mit malignen Erkrankungen psychologische Betreuung benötigten, die spezifisch auf die Patienten und die verschiedenen Indikationen zugeschnitten sein müsse, so die Interpretation der Studienautoren.

Quelle: Mehnert, A. et al.: Four-Week Prevalence of Mental Disorders in Patients With Cancer Across Major Tumor Entities. Journal of Clinical Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 6. Oktober 2014, 10.1200/JCO.2014.56.0086

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Nun ein Beispiel einer gelungen Krebsbehandlung und einer wehrhaften Frau

Krebs kränkt auch die Seele – Wehren lohnt sich – Auch gegen Ärztefehler. Brustkebs – Behandlungsfehler endet fast tödlich – Sybille Hauser-Gaulke zeigte nach 18 Chemotherapien ihren Gynäkologen Dr.S. an. – 150.000,- € Schmerzensgeld – Wichtiger: Raus aus der Opferposition. Das ist psychologisch wichtig für die seelische Verarbeitung und gut für die körperliche Genesung. – Embodiment Konzept – (WehrWolter – ww 155 – Hans Wolter)

12. Mai 2016

Richtig stolz bin ich. Stolz, auf meine alte Schulfreundin Sibylle Hauser-Gaulke. Wir beide hatten damals auf der Kreuzgasse eine echt taffe Lehrerin im Deutsch Leistungskurs. Die politisch und gesellschaftlich aktive Frau Zumpe hat uns sicher ein wenig mitgeprägt, dass wir uns zu wehrhaften Mitbürgern entwickelt haben. Auf unserer Abschlussfahrt nach Polen hatte sie uns ein „Date“ mit Volker Schlöndorff und Margarethe von Trotta besorgt, die gerade die „Blechtrommel“ in Danzig verfilmten. Wieder in Köln angekommen, wurden wir im WDR interviewt zur Frage, ob wir als junge Deutsche Ressentiments gegenüber den Polen in den ehemaligen deutschen Ostgebieten empfunden hätten. Auch damals gab es schon Flüchtlingsschicksale. Nur da waren die Deutschen diejenigen, die  vertrieben wurden. Unsere Frau Zumpe war für uns so etwas wie die weibliche Version vom „Club der toten Dichter“.

Wehren will gelernt sein

So wie es wenig interessierte, mittelmäßige und berufene Lehrer gibt, so gibt es auch Menschen die Verletzungen passiv wegstecken oder solche, die sich aktiv zur Wehr und damit auseinander setzen. Letztere leben psychisch gesünder. Denn alle Verletzungen, die die wir manifest körperlich erfahren oder die verbalen Angriffe auf unser Selbst, die wir „runterschlucken“, wirken sich nicht nur auf unser Selbstbewusstsein aus. Solche seelischen Verwundungen können sich auch psychosomatisch weiter entwickeln und sich später als handfeste körperliche Störung manifestieren.

 

Krebs kann auch als seelische Kränkung erlebt werden

Schon die Krebserkrankung selbst stellt häufig auch eine psychische Verletzung dar. Mein Körper funktioniert nicht mehr nur, er greift mich auch an. Wird dieses dann allerdings nicht anerkannt, abgewehrt oder gar abgewertet, wie in dem aktuell vorgestellten Fall, dann kann das maligne Folgen auf den Genesungsprozess haben. Körperlich und seelisch.

 

Embodiment: Psyche und Körper sind enger verwoben als die Forschung bisher dachte

 

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Der aktuelle Forschungsstand zeigt, dass Psyche und Körper wesentlich komplexer zusammenwirken, als es die Medizin und Psychologie bisher angenommen hat. Aktuell spricht man vom Embodiment.

Das Embodiment-Konzept stellt die bisherige Diskussion in der Psychoanalyse gemäß dem Leitsatz »Die Seele im Körper entdecken« auf den Kopf: Es geht nicht mehr nur um das Entschlüsseln der Körpersprache, sondern um die Einsicht, dass der Körper an allen seelischen Prozessen, an Gefühlen, Gedanken, Erinnerungen, kausal beteiligt ist. Dies ist eine radikal neue Sichtweise auf das Mind-Body-Problem. Embodiment ist daher inzwischen zu einem innovativen Konzept geworden, das sowohl in der Grundlagenforschung als auch in Anwendungsfeldern – von den Neurowissenschaften bis zur Mikrobiologie und Genetik – Eingang gefunden hat. (Weiterlesen auf: http://www.v-r.de/pdf/titel_inhalt_und_leseprobe/1009971/inhaltundleseprobe_9783525451304.pdf)

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Brustkrebs übersehen:

Behandlungsfehler endet fast tödlich

Ärger um Brustkrebs-Behandlung

„Jedes Jahr werden nach Informationen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen Tausende Menschen in Deutschland Opfer von Behandlungs- und Diagnosefehlern. Sibylle Hauser-Gaulke ist eine der betroffenen Patientinnen. Obwohl die 56-Jährige regelmäßig bei ihrem Frauenarzt war, soll der ihren Brustkrebs schlicht übersehen haben.

Sie standen sich seit langer Zeit wieder gegenüber – und an diesem Tag vor Gericht: Sibylle Hauser-Gaulke und ihr ehemaliger Gynäkologe. „Ich bin natürlich immer noch wütend. Jetzt gerade im Moment habe ich keine Angst, jetzt gerade bin ich erleichtert, dass ich es soweit geschafft hab und ich bin erleichtert, dass ich noch lebe“, sagt O-Ton Sibylle Hauser-Gaulke. „Es war ja nicht unbedingt gesagt, dass ich den Tag erlebe, an dem er tatsächlich vor Gericht steht.“

Die 56-Jährige war 14 Jahre lang Patientin bei ihrem Gynäkologen Dr. S. und sie ging regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen. 2009 hatte sie bei sich selbst einen Knoten in der Brust ertastet. Sie ließ sich daraufhin von ihrem Arzt untersuchen – sechs Mal. Fünf Mal machte er einen Ultraschall, ohne bedenklichen Befund. Erst als sie selbst zur Mammografie ging, erhielt sie Klarheit: Vier Zentimeter groß war der Tumor in ihrer Brust, außerdem hatte sie bereits Metastasen in der Leber.

 
 

Sibylle Hauser-Gaulke durchlitt achtzehn Chemotherapien und suchte sich Hilfe bei einem Anwalt. Als sie ihre Patientenakten in der Praxis abholen wollte, warf Dr. S. sie aus der Praxis. „Dann kam er irgendwann und schrie mich an und hat dann seiner Sprechstundenhilfe den Hörer gegeben und gesagt ‚Rufen Sie mal die Polizei'“, erinnert sich Sibylle Hauser-Gaulke.

Sie beschloss ihren ehemaligen Arzt auf 150.000 Euro Schmerzensgeld zu verklagen. Ihre Chancen, den Prozess zu gewinnen stehen momentan gut. Das endgültige Urteil fällt aber erst am 29. Juni. Die 56-Jährige hat trotzdem viele Gründe zu feiern. Unter anderem, dass sie so lange tapfer und erfolgreich gekämpft hat. Gegen einen unachtsamen Arzt und gegen ihre Krankheit.“ (mehr dazu bei www.frauenzimmer.de)

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Wegen falscher Diagnose mussten Sibylle beide Brüste amputiert werden 

150 000 Euro für Krebs-Pfusch

  • Von PETRA BRAUN  (Bild-Zeitung, 12.05.2016)

Köln – Sibylle Hauser-Gaulke (56) konnte es kaum fassen. „Ich habe es geschafft“, freute sie sich mit Familie und Freunden.

Gerade hatte der Richter erkennen lassen: Das Brustkrebsopfer wird die Klage gegen ihren Frauenarzt gewinnen. „Hier sieht es nach einer Haftung aus“, sagte er.

Mindestens 150 000 Euro fordert die Frau, außerdem soll der Mediziner für alle Schäden aufkommen. Weil er einen Tumor in der Brust nicht rechtzeitig erkannte.

Doch wichtiger ist Sibylle: „Er muss zur Rechenschaft gezogen werden. Ich hoffe auch, dass ich andere Frauen warnen kann.“ Sie habe viele kennengelernt, bei denen geschlampt wurde.

Für die Frau war der Alptraum 2009 wahr geworden – Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium. In der Leber waren schon Metastasen. Dabei war sie regelmäßig zur Vorsorge, machte mehrere Ultraschalluntersuchungen, klagte beim Gynäkologen über Schmerzen.

Operationen folgten, die Brüste wurden entfernt und wieder aufgebaut, 18 Chemotherapien. Sie muss heute noch Medikamente nehmen. Dazu immer die Angst, dass der Krebs wiederkommt. Sibylle Hauser-Gaulke positiv: „Ich bin froh, dass ich noch lebe.“

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Der Arzt im Landgericht. Seine Haftpflichtversicherung hat schon 45 000 Euro gezahlt

Foto: Chuck

Ihr Anwalt Martin Reinboth: „Fünf Gutachter haben festgestellt, dass die Behandlung fehlerhaft erfolgte.“ So auch der Professor (63), der gestern als Sachverständiger befragt wurde.

Der Gynäkologe hatte beteuert, er habe eine Mammographie empfohlen. Aber die Patientin hätte Strahlenangst. „Unsinn“, so Sibylle Hauser-Gaulke. Der Gutachter: „Das hätte dokumentiert werden müssen.“ In den Unterlagen stehe nichts.

Urteil am 29. Juni.

(Quelle: http://www.bild.de/regional/koeln/behandlungsfehler/150000-euro-fuer-krebs-pfusch-45781338.bild.html)

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Aktuelle Meldung 29. Juni 2016

Sibylle Hauser-Gaulke aktuell: „Meine lieben Freunde
Ich habe es geschafft! Nach sechs Jahren ist nun das Urteil in meinem Prozess gegen Dr. Scholz gefallen!
Natürlich war dieser Kampf nur ein Nebenkriegsschauplatz, aber ich habe da viel Energie hineingesteckt, weil ich es einfach wichtig finde, nicht zu erlauben, dass ein Arzt so leichtfertig mit dem Leben seiner Patienten umgeht!
 
Ohne die Unterstützung meines lieben Mannes, meiner Kinder, Zoé und Philipp, und die Unterstützung meiner Freunde, hätte ich das nicht geschafft!
 
Außerdem hatte ich auch das Glück eine ganze Reihe von guten Ärzten an meiner Seite zu haben, die nicht nur mit mir um mein Leben gekämpft haben und das auch weiter tun, sondern mich auch „in Sachen Dr. Scholz“ unterstützt haben.
Danke liebe Sabine Latta ! Danke lieber Gisbert (Papa von Christina Witter-Mallmann) – um nur zwei zu nennen.
 
Auch gab es eine ganze Reihe von Frauen, die ich nur oberflächlich kenne, die mich aber unterstützt haben, weil sie solidarisch sind und nicht erlauben wollen, dass man so mit uns umgeht, wie es Dr. Scholz getan hat. Sie haben mir Erklärungen an Eides statt geschrieben, um zu bestätigen, dass Dr. Scholz so arbeitet, wie er es nun mal tut. Das hätte mir ja sonst niemand geglaubt.
 
Na ja, und meine Hundis. Das wisst Ihr ja, was die für mich bedeuten!
 
Ich bin sooooo froh, dass ich es geschafft habe, dass ich diesen Prozess gewonnen habe!!!
 
Ich wünsche mir so sehr, dass sich meine Geschichte weiter herum spricht.
Ich wünsche mir, dass alle Frauen ein gesundes Misstrauen entwickeln. Dass sie auf ihre Intuition hören. Auf sich aufpassen!!!!!
Und ich wünsche mir, dass auch einige von den Ärzten, die eher leichtfertig mit den Sorgen Ihrer Patientinnen umgehen, von meiner Geschichte hören.
Und dass diese bei der nächsten Patientin die sie für hysterisch halten, zu ihrer eigenen Sicherheit doch mal genauer hinschauen, denn wenn es schief geht, dann könnte das ja unangenehme Folgen haben, denn hinter der „Verrückten“ (wie Dr. Scholz mich bezeichnet), könnte ja eine Sibylle stecken!!!!
Und dann ist zumindest die Reputation im Eimer!
Krebs Sibylle Hauser
 
Im Interesse all seiner Patientinnen hoffe ich, dass die Arzthaftpflichtversicherung von Dr. Scholz ihm kündigt.
Denn natürlich passiert dem nichts!!!!
 
Ich hatte noch einmal einen Brief geschrieben, in dem ich das Gericht gebeten habe, Dr. Scholz wenigstens nur unter Auflage einer Weiterbildung, die Ultraschalluntersuchung weiter vornehmen zu lassen.
Denn die beherrscht er ja offensichtlich nicht.
Aber da gibt es keine Chance!!!
 
Ich werde jetzt versuchen diese Geschichte, so weit das möglich ist, loszulassen. Mich nur noch um meine Gesundheit und das LEBEN zu kümmern.
 
Ich Danke Euch allen von Herzen und hab‘ Euch lieb.
Ihr habt hier so oft meinen Quatsch und meinen Frust gelesen und mir immer Mut zugesprochen und zu mir gehalten!
Passt auf Euch auf!!!!!
Ich gehe jetzt mit meinem Robert und meinen pelzigen Therapeuten an den Strand. Die sind schon ganz ungeduldig….
 
Eure Sibylle
 
Übrigens liegt das Schmerzensgeld weit unter der geforderten Summe. Aber macht nix, denn selbst mit ’ner Million könnte ich meine Gesundheit nicht zurück kaufen. Und ansonsten hab‘ ich alles zum glücklich sein.
 
Und – Morgen steht nochmal was in Bild und Express.
Jetzt aber los….“

Anstossen auf den Sieg vor Gericht

Sibylle

 

 

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