Politisch aktiv werden & gemeinsam dem Rückgang der Demokratie entgegenwirken! – AfD-Parteitag – „Köln stellt sich quer“ & „Köln gegen Rechts“ – Doppel-Demo auf dem Heumarkt – Christen beteiligen sich mit: „Unser Kreuz hat keine Haken“ – (WehrWolter – ww 243 – Hans Wolter)

Erschreckende Zunahme des Rechtspopulismus, nationale Alleingänge, Brexit, America first: wäre es dazu gekommen, wenn die Wähler, wenn die Mitte unserer Gesellschaft, wachsamer und aktiver gewesen wären? Relativer Wohlstand und mehr passiv mediales als aktiv reales Engagement scheinen uns müde gemacht zu haben. Die Jungen in England sind erst nach der Brexit-Entscheidung aufgewacht. Selbst amerikanische Wahlforscher hätten den Sieg eines Donald Trumps nicht für möglich gehalten.

Die Karten werden gegenwärtig neu gemischt und wir müssen mitmischen. Ansonsten gehen uns Errungenschaften unserer Demokratie verloren. Fatalerweise passiert das auf demokratischen Wegen.

Vor einigen Woche war ich noch zuversichtlich und dachte, dass es gelingen könnte, den geplanten Parteitag der AfD aus dem Kölner-Maritim-Hotel wieder rauszuwerfen. Jetzt denke ich, wir sollten es nutzen, eine breite Öffentlichkeit mobil zu machen. Gegen das Geschäft mit der Angst sollten wir einen Schulterschluss der Vielfalt setzen. Das macht Mut.

Am Mittwoch erreichte das Bündnis „Köln gegen Rechts“ (etwa 15.000 erwartete Teilnehmer) vor dem Verwaltungsgericht die Genehmigung, den Heumarkt (in Rufweite zum Maritim-Hotel) als Plattform seiner Proteste gemeinsam mit dem Bündnis „Köln stellt sich quer“ (etwa 30.000 erwartete Teilnehmer) nutzen zu können.

Der Protesttag auf dem Heumarkt beginnt um sieben Uhr morgens mit einem „solidarischen Frühstück“ Nach und nach werden dann die Teilnehmer von fünf Sternmärschen dort eintreffen. Die Märsche starten auch jeweils um sieben Uhr vom Chlodwigplatz, Ebertplatz, Rudolfplatz, Ottoplatz und vom Fischmarkt. Beide großen Bündnisse werden sich den Heumarkt zeitversetzt teilen und ansonsten durch die Innenstadt ziehen.

Auf der Bühne von „Köln stellt sich quer“ werden u.a. sprechen: Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos), Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und Grünenchef Cem Özdemir.

Wir hoffen auf eine friedliche Kundgebung. Insgesamt werden rund 4000 Polizeibeamte im Einsatz sein.

Die Christen beteiligen sich mit einem politischen Nachtgebet

„Unser Kreuz hat keine Haken“

Es kommt zu einem Comeback des „Politischen Nachtgebt“s. Seinen Ursprung hat es beim Katholischen Kirchentag 1968 in der Kölner Antoniterkirche gehabt. Diese Aktion wird am Freitag, 21. April, in der Evangelisch-Freikirchlichen Friedenskirche, Rheinaustraße 9-13 wiederbelebt – bewusst in der Nähe des Kölner Maritim-Hotels.

Der besondere Gottesdienst gehört zu den Aktionen, mit denen Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche sowie der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Köln (ACK) gegen den Parteitag der AfD mobil machen. Das ursprüngliche Politischen Nachgebet wurde geprägt von Heinrich Böll, Dorothee Sölle und Vilma Sturm. Diesmal stehen vier Namen für die christlich-politische Botschaft.

Unter dem Motto „Unser Kreuz hat keine Haken“ sprechen u.a.: Stefan Vesper (Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken), Michael Noss (Präsident des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland) Erzpriester Constantin Miron (Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland) und Pfarrerin Dorothee Schaper (Beauftragte für das christlich-muslimische Gespräch im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region)

Weitere Repräsentanten der Kirchen nehmen am Samstag ab 11 Uhr an der Kundgebung auf dem Heumarkt und am Protestmarsch teil. Am Sonntag werden viele Gemeinden beim Gottesdienst Fürbitten für Frieden und Gerechtigkeit sprechen. Am Sonntag wird ab 11 Uhr an der Antoniterkirche (Schildergasse 57) eine Mahnwache gehalten. Wahrscheinlich auch ab 11.45 Uhr vor dem Domforum (Domkloster 3)

Es gibt kein „Deutsches Christentum“

Robert Kleine sagte bei der Vorstellung des Programms: christliche Werte verteidigt „man nur, indem man danach handelt, und nicht – wie bei Pegida-Demonstrationen geschehen – , indem man das Zeichen unseres Glaubens Schwarz-rot-Gold anmalt. Denn das ist Blasphemie. Es gibt kein deutsches Christentum“

Natürlich gibt es am Wochenende auch zahlreiche Initiativen aus der Kölner Kunst- und Kulturszene. Hier gibt es in Köln ein wehrhaft kreatives Potential, vor allen Dingen in der vielfältigen Musikszene. Hierzu hatte ich ja vor kurzem schon einmal berichtet.

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Schulterschluss der Kölner Karnevalisten gegen geplanten AfD-Parteitag im Maritim-Hotel – Karneval-Stars und Gesellschaften wollen einer menschenverachtenden Gesinnung kein Gehör verschaffen – Die AfD soll im Schatten des Doms nicht an der Spaltung unserer schützenswerten Gesellschaft arbeiten können – (WehrWolter – ww 229 – Hans Wolter)

(08. Februar 2017)

Köln war durch die Silvesternacht 2015 weltweit als Stadt der Übergriffe in den Medien. Hier wurden Fehler der Stadtverwaltung und Polizei begangen. Köln ist eigentlich schon immer als tolerante Stadt bekannt. Besonders die Kölner Kulturszene setzt sich seit Jahrzehnten wirkungsvoll und wehrhaft gegen Rechtsradikalismus ein. Daher hatten auch Ableger der Pegida hier nie ernstzunehmende Chancen.

Köln ist und war immer eine bunte Stadt, in der die Vielfalt des Lebens, der Menschen, der Kulturen gefördert wurde und wird. Der Karneval ist seit Generationen Aushängeschild der Stadt Köln und lebendige Umsetzung der Lebensfreunde und Buntheit. Die Auftritte im großen Saal des Maritim-Hotels am Heumarkt gehören während der knapp dreimonatigen Session für die Musiker der Kölner Karnevalsbands genauso zum beinahe täglichen Programm wie Auftritte im Gürzenich, im Sartory oder im Kristallsaal der Messe.

Allerdings soll im Maritim, wo die Karnevalisten derzeit „den Menschen im Saal das bunte Köln so präsentieren, wie wir es lieben,“ im April der Bundesparteitag der AfD stattfinden. Das geht den Künstlern gehörig gegen den Strich: „Der Moment ist gekommen, an dem alle der Stadt Köln verbundenen Menschen fest geschlossen und Arm in Arm dagegen protestieren,“ verkünden sie in einem Brief und fordern vom Hotel, den Vertrag mit der rechtspopulistischen Partei aufzulösen.

Der offen Brief der Karnevalstars im Wortlaut:

 

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„… Nachdem eines der prominentesten Gesichter dieser Partei, Björn Höcke, in infamer und unerträglicher Weise das Erinnern an einen der grausigsten Völkermorde beschmutzt und herabgewürdigt hat, war die AfD trotz vieler Worte und Pseudoempörung nicht bereit, die logische Konsequenz zu ziehen und dieses Mitglied aus der Partei auszuschließen.

… Alle Unterzeichner dieses Aufrufs, die in den vergangenen und kommenden Wochen auf der Bühne des Maritim Hotels als Musiker, Redner, Karnevalsvereine, Tanzgruppen oder auch Techniker ihr Bestes geben, um den Menschen im Saal das bunte Köln so zu präsentieren, wie wir es lieben, wollen und werden nicht hinnehmen, dass in Kürze der AfD und Björn Höcke auf eben diesen Brettern der Maritim-Bühne Gelegenheit gegeben werden soll, einer menschenverachtenden Gesinnung Gehör zu verschaffen. Diese Vorstellung bereitet uns tiefes Unbehagen!

Köln stand, steht und soll immer stehen für Weltoffenheit, Toleranz und nicht zuletzt Nächstenliebe. Wir sind uns sicher, dass wir gemeinsam ein Zeichen setzen können, um zu verhindern, dass eine Partei wie die AfD im Schatten des Doms an der Spaltung unserer schützenswerten Gesellschaft arbeiten kann.“

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Zahlreiche professionelle Karnevals-Künstler hatten sich am 07.02.2016 im „Kölner Stadt-Anzeiger“ in einem offenen Brief gegen den geplanten Parteitag einzusetzen. Die führenden Bands, darunter Bläck Fööss, Höhner, Brings, Paveier, Kasalla oder Cat Ballou sowie Redner wie Bernd Stelter und Marc Metzger setzen sich dafür ein, diesen Parteitag zu verhindern, damit AfD und Björn Höcke keine Gelegenheit hätten, „einer menschenverachtenden Gesinnung Gehör zu verschaffen“ – auf derselben Bühne, auf der sie ein buntes Köln präsentieren, das steht „für Weltoffenheit, Toleranz und nicht zuletzt Nächstenliebe.“

Auch das Festkomitee Kölner Karneval unterstützte seine Künstler: „Wir ziehen an einem Strang,“ sagte FK-Sprecherin Sigrid Krebs am Dienstag. „Wir wollen Flagge zeigen und gemeinsam ein Zeichen für Toleranz und Vielfalt setzen.“

Die Kölner Traditionskorps beziehen ebenfalls Stellung. „Ich bin fassungslos über die Aussagen von Björn Höcke zum Holocaust-Mahnmal und über die Art und Weise, wie er in der AfD überlebt hat,“ sagte Heinz-Günther Hunold, Präsident der Roten Funken dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Partei habe einen deutlichen Ruck nach rechts gemacht: „Da muss man mit aller Entschiedenheit aufschreien und sich wehren.“ Natürlich müsse ein Demokrat andere Denkweisen zulassen. Vor allem aber gelte es herauszufinden, wo die Politikverdrossenheit vieler Menschen herkomme. „Rattenfänger nutzen das aus. Weltweit. Wir müssen gucken, wie wir das verändern können.“

„Statt Parteitag machen wir ein Fest der Kulturen.“

Mit Blick auf den Bundesparteitag in Köln sagte Hunold: „Mit der Entgleisung Höckes hat sich die Situation verändert. Da muss man auch von Seiten des Maritim eine Reaktion erwarten.“ Konkret schlug Hunold vor, der Karneval könne den Termin im April übernehmen und den Saal im Maritim selbst bespielen: „Statt Parteitag machen wir ein Fest der Kulturen.“ Darüber sei man mit den anderen Korps im Gespräch.

Jochen Ott wünscht sich, „dass das Maritim seine Entscheidung für den Parteitag überdenkt“

Ehrengarde-Präsident Hans-Georg Haumann sagte: „Auch die Ehrengarde ist auf demokratischen und liberalen Werten aufgebaut. Wir sind ist erschüttert über den Inhalts des Höcke-Zitats und dessen Dimensionen. Vor diesem Hintergrund sollte man wirklich ernsthaft überlegen, ob eine AfD dort, wo wenige Wochen vorher die Grundwerte der Freiheit und Menschlichkeit gefeiert wurden, ihren Parteitag abhalten sollte.“

Jochen Ott, Chef der Kölner SPD und Landtagsabgeordneter, wünschte sich, „dass das Maritim seine Entscheidung für den Parteitag überdenkt“. Er begrüßte überdies den Aufruf der Künstler gegen die AfD-Veranstaltung, „auch, weil sie als Staatsbürger dagegen protestieren“. Köln sei eine bunte Stadt, in der Ausgrenzung keinen Platz habe. Der Parteitag selbst und die damit verbundenen Gegendemonstrationen seien zudem erneut Großereignisse, von denen es in der jüngeren Vergangenheit übermäßig viele gegeben habe. „Es wird von allen Seiten versucht, Köln als Symbol zu vereinnahmen. Das schadet der Stadt“, sagt Ott. Für den AfD-Bundesparteitag wünsche er sich vor allem friedlichen Protest im Sinne eines Familienfests.

Eine gezielte Provokation

Es wird kein Zufall sein, dass der Parteitag ausgerechnet in Köln, der Stadt der Silvester-Übergriffe 2015, stattfindet. Es habe zwar sicherlich auch mit der bevorstehenden Landtagswahl zu tun, doch die Künstler sehen eine gezielte Provokation darin. Sie wollen für das Thema sensibilisieren.

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Maritim Hotel bleibt hart

Das Maritim hält indes an dem Parteitag fest. „An der vertraglichen Situation hat sich nichts geändert“, sagt Hartmut Korthäuer, Direktor des Maritim-Hotels Köln.  Die AfD gehöre zur demokratisch legitimierten Parteienlandschaft. „Auch wenn wir nicht zu den AfD-Wählern gehören“, ergänzt Korthäuer. Die Äußerungen Höckes seien zudem nach Abschluss des Vertrags mit der AfD zum Parteitag gefallen. Der Kontrakt sei im vergangenen Sommer unterzeichnet worden. „Wir erläutern den Künstlern gern unseren Standpunkt“, sagt der Direktor. Daran ändern werde sich jedoch nichts.

Die AfD selbst war auch am Dienstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Quelle: Kölner Stadtanzeiger

 

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Wer zieht den autoritären Traum einem liberalen vor? – Jürgen Becker:“Der autoritäre Traum mag ja attraktiv sein, für Menschen, denen Freiheit zu kompliziert ist“ – Von Trump, über die AfD zu Erdogan – Politische Bilder von Thomas Baumgärtel – (WehrWolter – ww 230 Hans Wolter)

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Köln schafft im Karneval den Spagat zwischen Heimat und Integration – Besonders in seinen Liedern – Alternative Fakten: zum Rosenmontagszug 2017 – „Mer Kölsche danze us der Reih“ lautet das Motto 2018 – Aktion: Kein Parteitag der AfD im Maritim – (WehrWolter – ww 232 – HansWolter)

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Über Verführbarkeit zum Extremismus und die psychologische Wirkung von Worten: Der gemeinsame Nenner zwischen Rechtspopulisten und radikalen Islamisten – Michel Houellebecqs Roman „Unterwerfung“ birgt eine gewaltige Sprengkraft – Paradoxe Intervention – (WehrWolter – ww 233 – Hans Wolter)

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Ängste nehmen zu: daher auch Gewalt und die Sehnsucht nach starken radikalen Lösungen – Kleine Werbung für mehr BINDUNG – Gegen das Geschäft mit der Angst: Radikaler Islamismus, Flüchtlingsnot und Rechtspopulismus liegen in ihren Unsicherheiten nahe beieinander – Psycho-Logik und Bindungstheorie – (WehrWolter – ww 231 – Hans Wolter)

Böll 100 Jahre

Unsere Augen sind weder trocken, noch nass, sondern ein wenig feucht – und das lateinische Wort für Feuchtigkeit ist: Humor. Heinrich Böll wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Er hatte sehr gute Augen und Humor. – Wird der Literaturnobelpreisträger weniger gewürdigt, auch in Köln, weil er Dinge sah, die viele so nicht sehen wollten? – (WehrWolter – ww 238 – Hans Wolter)

AfD Parteitag Köln Titel

 

2 Kommentare

  1. Auch ich war zunächst einmal fassungslos, dann entsetzt, später auch wütend. Warum ausgerechnet in Köln? Mir ist aber danach klar geworden: Es geht um Selbstinszenierung und maximale öffentliche Wirkung. Jetzt sollen sogar rd. 20 Hochzeitsgesellschaften per Polizei-Eskorte geschützt werden, damit niemand Schaden nimmt, weil irgendwelche Egomanen ihre Ideologien unbedingt hier ausbreiten möchten. Ich hätte den Mut, Ihnen anschließend eine gesalzene Rechnung für den angerichteten Schaden zuzustellen. Gleich mehrere. Von jedem, der irgendwie betroffen ist. Stadt Köln: Imageschaden. Polizei: Kosten für erforderliche Einsatkräfte, Gastronomen und Händler für die verlorenen Umsätze. Und wenn dann alle Gegenveranstaltungen friedlich verlaufen, wird das diesen Verein und seine Mitläufer auf den Boden der Realitäten zurückführen. Ich bedaure gerade, dass ich keine Kneipe oder irgendein Ladenlokal am Heumarkt besitze. Denn ich wüsste schon, wie ich es aufziehen würde.

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    1. Danke für Deine aktive Rückmeldung lieber Michael. Ich sehe das auch so. Die Selbstinszenierung der Rechtspopulisten kostet uns, der Gemeinschaft viel Geld und Nerven und die erhoffen sich einen Stimmenzuwachs. Den sie ärgerlicherweise auch noch bekommen können. Die Proteste der Bürger sind auch deshalb wichtig, damit es nicht „chic“ wird AfD zu wählen.

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