„Als ich begann mich selbst zu lieben …“ Charlie Chaplin: „Wir denken zu viel und fühlen zu wenig.“ – Was wir vom kleinen, großen, weisen Tramp auch heute noch lernen können … – (WehrWolter – ww 247 – Hans Wolter)

„Als ich begann mich selbst zu lieben, da erkannte ich, dass mich mein Verstand durcheinanderbringen und krank machen kann. Aber als ich ihn mit meinem Herzen verband, wurde mein Verstand zu einem wertvollen Verbündeten. Heute nenne ich diese Verbindung Weisheit des Herzens.“ (Charlie Chaplin)

662 Tramps feierten im April wieder Charlies Geburtstag. Chaplins Gedanken zur Selbstliebe halte ich für ganz zentral und sehr gut verwortet. Er teilte sie uns in einer Rede zu seinem 70sten Geburtstag selbst mit. Als Psychologe und Psychotherapeut sehe ich in meiner täglichen Arbeit, dass die Selbstliebe der Dreh- und Angelpunkt einer guten Lebensbewältigung darstellt.

Charlie Chaplin, der “Tramp” ist so etwas wie eine unvergessliche Marke: Im schwarzen Anzug mit weißem Hemd, Melone, Gehstock und Schnauzbart. Für einen Weltrekordversuch haben sich am Ostersonntag 662 Menschen als Charlie Chaplin verkleidet. Die Männer und Frauen stehen im selben Kostüm, das der britische Komiker im Film “The Tramp” anhatte, vor dem Museum “Chaplin’s World by Grevin” im schweizerischen Corsier-sur-Vevey.

 

Mit ihrer Aktion wollten sie das einjährige Bestehen des Museums feiern und zum 128. Geburtstag des Schauspielers und Regisseurs einen Weltrekord mit der höchsten Anzahl von Menschen im Chaplinkostüm aufstellen.

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Der britische Komiker hat knapp 25 Jahre (1952-1977) in der Villa in Corsier-sur-Vevey gewohnt, in der heute das Museum untergebracht ist. Es ist dem Leben und Werk des Künstlers gewidmet, der vor allem durch seine Darstellung in Filmen weltweit bekannt wurde.

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Charlie Chaplin war ein ganz besonderer Selfmade-Man.

Wie so viele Stars startete er seine Karriere aus einer defizitären Ausgangslage. Zwischen dramatischer Kindheit und außergewöhnlichem Tod stieg er zum ersten Weltstar auf. Armut und Leid prägten die Kindheit der späteren Filmlegende Charlie Chaplin. Kurz nach seiner Geburt vor 127 Jahren am 16. April 1889 trennten sich seine Eltern. Seine Mutter zerbrach daraufhin an psychischen Problemen, während sich sein Vater zu Tode trank. Chaplin landete in London auf der Straße – und fand doch noch seinen Weg. 

Er ging nach Hollywood. In Amerika schaffte er seinen großen Durchbruch. Paradoxerweise in der Rolle des bettelarmen Vagabunden mit Spazierstock, Hut, übergroßer Hose und Zweifingerschnurrbart. Dieses Aussehen steht heute noch für ihn. Er sagte einmal: „Der Spazierstock steht für die Würde des Menschen, der Schnurrbart für die Eitelkeit und die ausgelatschten Schuhe für die Sorgen.“

Als Vagabund erlebte er komische Abenteuer, auch wenn seine dramatische Kindheit in ähnlich armen Verhältnissen im Hintergrund stand. Londons Straßen hatten lange Zeit kein gutes Schicksal für den kleinen Jungen bereitgehalten, der mit vollem Namen Charles Spencer Chaplin hieß. Er schlug sich als Zeitungsjunge, Spielzeugmacher und Glasbläser durch.

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Plötzlich ging Chaplins Leben in eine andere Richtung, als Londoner Theaterhäuser sein Talent als Komiker entdeckten. Während einer Bühnen-Tournee durch Amerika wurde schließlich auch die dortige Filmindustrie auf ihn aufmerksam. Er bekam einen Vertrag bei den Keystone Studios – und begann damit seine legendäre Filmkarriere.

Chaplin ließ als Diktator den Stummfilm hinter sich

Hollywood war 1910 noch ein ganz anderes: Die schwarz-weißen Stummfilme dauerten meisten nur einige Minuten und wurden innerhalb weniger Tage gedreht. Chaplin blieb nur ein Jahr bei den Keystone Studios – spielte in der Zeit aber bei 35 Filmen mit. Dabei entwickelte er auch seine schicksalhafte Rolle als Vagabund. Er wechselte mehrmals das Filmstudio. Mit seinem Erfolg stiegen auch seine Gage und seine Freiheiten. Er bewies nicht nur als Schauspieler Talent, sondern auch als Regisseur, Produzent und Komponist. Über seinen Erfolg sagte er: „Ich bin selbst in Teilen der Welt bekannt, in denen die Menschen noch nie etwas von Jesus gehört haben.“

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Das Ende des Stummfilms machte Chaplin nicht stumm

Im Gegensatz zu anderen Kollegen seiner Zeit schadete das Ende der Stummfilm-Ära seiner Karriere nicht. Im Gegenteil: Chaplins erster Tonfilm „Der große Diktator“ war einer seiner größten Erfolge. Der Komiker schaffte es in der Parodie auf den Nationalsozialismus, Adolf Hitlers Gesten und dessen Stimme perfekt zu imitieren. In dieser Karikatur entlarvte er bereits 1940 Hitlers Größenwahn. Dies geschah zu einer Zeit, als ihn Amerikas Konservative noch für einen großartigen Politiker hielten.

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Einen Charlie Chaplin beerdigt man nicht so einfach

Konservative Politiker waren damals misstrauisch, weil Chaplins Filme oft gesellschaftskritisch waren. Bestärkt wurde das noch durch die privaten Skandale des Komikers, der eine Vorliebe für sehr junge Frauen hatte: Zweimal heiratete Chaplin 16-Jährige – eine davon hatte er zuvor geschwängert. Ruhe in sein Privatleben brachte erst seine vierte und letzte Ehe: Im Alter von 54 Jahren heiratete er die 18-jährige Oona O’Neill, mit der er später acht Kinder haben sollte.

Politiker der USA blieben misstrauisch, da sie Chaplin für einen Kommunisten hielten. Als der Komiker 1952 die USA für einen kurzen England-Besuch verließ, handelte das FBI: Es setzte durch, dem Briten die Wiedereinreise nach Amerika zu verbieten. Chaplin beschloss daraufhin, in Europa zu bleiben und zog in die Schweiz. Die USA wollte ihn viele Jahre später als Bürger zurückhaben. Chaplin sagte dazu nur: „Ich würde nicht einmal zurückkehren, wenn Jesus jetzt der Präsident wäre.“

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Diese Vertreibung verarbeitete Chaplin in dem Film „Ein König in New York“. Darin spielt er einen gestürzten Monarchen aus Europa, der nach Amerika eingeladen wird. In der letzten Szene spült er durch ein Missgeschick die Mitglieder eines Kommunismus-Ausschusses mit einem Wasserschlauch aus dem Fenster.

Charlie Chaplin starb am 25. Dezember 1977 in Alter von 88 Jahren in der Schweiz. Sein Tod klingt erst einmal ungewöhnlich: Der Weltstar wachte einfach nicht mehr auf. Aber mit der Beerdigung war es noch nicht vorbei: Verbrecher entführten die Leiche und forderten Lösegeld. Doch damit kamen sie nicht durch: Die Polizei verhaftete die Täter und brachte den Sarg zurück. Chaplin wurde ein zweites Mal beerdigt. Seitdem ruht der Komiker, Vagabund und Diktator entführungssicher unter einer zwei Meter dicken Betonschicht.

Persönliche Gedanken zum Umgang mit der Seele

Zum Abschluss noch ein Beitrag vom Meister Chaplin selbst. Seine Gedanken zur Selbstliebe halte ich für ganz zentral und sehr gut verwortet. Als Psychologe und Psychotherapeut sehe ich in meiner täglichen Arbeit, dass die Selbstliebe der Dreh- und Angelpunkt einer guten Lebensbewältigung darstellt. Psychoanalytisch bin ich ein Schüler der sogenannten „Selbstpsychologie“. Stellte Sigmund Freud noch die Sexualität ins Zentrum seiner Betrachtung, war es bei Heinz Kohut das Selbst.

In meiner über zwanzigjährigen Arbeit als niedergelassener Psychotherapeut muss ich sagen, dass ich die Konzepte der Selbstpsychologie in sehr vielen Bereichen bestätigen kann. Meine persönliche Auslegung hat sich in den letzten Jahren allerdings noch etwas verändert. War mein Schwerpunkt früher die Empathie mit den Patienten, versuche ich heute Entwicklungen durch entschiedene Konfrontation zuzuspitzen und letztlich zu verkürzen. Das klappt natürlich nicht bei Jedem. Aber so ist das ja mit allen Verfahren.

SELBSTLIEBE

ein Gedicht von Charlie Chaplin,
vorgetragen an seinem 70. Geburtstag am 16. April 1956

Als ich begann mich selbst zu lieben, erkannte ich, dass Schmerz und emotionales Leid nur Warnzeichen dafür sind, dass ich dabei war gegen meine eigene Wahrheit zu leben. Heute weiß ich, das ist Authentizität.

Als ich begann mich selbst zu lieben, habe ich verstanden, wie sehr es jemanden verletzen kann, wenn ich versuche ihm meine Wünsche aufzuzwingen, obwohl ich wusste, dass es nicht der richtige Zeitpunkt war und die Person nicht bereit dafür war, obgleich ich selbst diese Person war.
Heute nenne ich es Selbstachtung.

Als ich begann mich selbst zu lieben, habe ich aufgehört, nach einem anderen Leben zu verlangen, und konnte sehen, dass alles, was mich umgab, mich einlud zu wachsen.
Heute nenne ich es Reife.

Als ich begann mich selbst zu lieben, habe ich verstanden, dass ich in jeder Lebenslage, zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und alles geschieht im absolut richtigen Moment. Also konnte ich ruhig sein. Heute nenne ich es Selbstvertrauen.

Als ich begann mich selbst zu lieben, hörte ich auf, mir meine eigene Zeit zu stehlen und ich hörte auf, riesige Projekte für die Zukunft zu entwerfen.  Heute mache ich nur das, was mir Wonne und Freude bereitet; Dinge, die ich liebe und die mein Herz zum Lachen bringen. Und ich tue sie auf meine eigene Art und Weise und in meinem eigenen Rhythmus. Heute nenne ich es Einfachheit.

Als ich begann mich selbst zu lieben, befreite ich mich von allem, was nicht gut für meine Gesundheit ist,  von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von allem, das mich hinunter zog und weg von mir selbst. Anfangs nannte ich diese Haltung gesunden Egoismus. Heute weiß ich, es ist Selbstliebe.

Als ich begann mich selbst zu lieben, hörte ich auf, zu versuchen immer recht zu haben, und seit dem habe ich mich weniger geirrt. Heute habe ich entdeckt, das ist Bescheidenheit.

Als ich begann mich selbst zu lieben, weigerte ich mich weiter in der Vergangenheit zu leben und mich um die Zukunft zu sorgen. Jetzt lebe ich nur für den gegenwärtigen Moment, in dem alles geschieht. Heute lebe ich jeden einzelnen Tag, Tag um Tag, und ich nenne es Erfüllung.

Als ich begann mich selbst zu lieben, da erkannte ich, dass mich mein Verstand durcheinanderbringen und krank machen kann. Aber als ich ihn mit meinem Herzen verband, wurde mein Verstand zu einem wertvollen Verbündeten.
Heute nenne ich diese Verbindung Weisheit des Herzens.

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten oder irgendwelcher Art Probleme mit uns selbst oder anderen zu fürchten. Sogar Sterne kollidieren und aus ihrem Zusammenprall werden neue Welten geboren.

Heute weiß ich: Das ist das Leben!

Wunderbar bebildert und in Deutsch untertitelt.

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Weitere Infos auf: HansWolter.com

 

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