Bußgelder nur für die Kleinen? Die Untätigkeit der Bundesregierung im Abgas-Skandal ist ein weiterer Skandal. Klima-Verschlechterung: auch im Vertrauen der Bürger auf Recht und Ordnung – (WehrWolter – ww 264 – Hans Wolter)

Neulich bekam ich eine „Schriftliche Verwarnung mit Verwarnungsgeld“, weil ich die zulässige Höchstgeschwindigkeit um wenige Stundenkilometer überschritten hatte. Einerseits ärgerlich, andererseits sehe ich es irgendwo auch ein, dass die Stadt dafür Sorge tragen muss, dass eine gewisse Ordnung eingehalten wird. Auch wenn es immer wieder Aktionen gibt, die ich mehr als Geldbeschaffungsmaßnahme ansehe, als dass sie wirkliche pädagogisch motiviert wären. Meine Grundbereitschaft in das Vertrauen auf Ordnung in unser Gemeinwesen wird allerdings in letzter Zeit zunehmend strapaziert.

Nach meiner Rechtsauffassung gelten Recht und Gesetze nicht nur für die kleinen Verkehrssünder. Nach europäischem und deutschem Recht müssen auch die Autohersteller, die ihren Kunden Autos verkaufen, die zur Manipulation der Abgaswerte mit einer illegalen Abschalteinrichtung ausgestattet sind, Bußgelder zahlen.

Weshalb weigert sich die Bundesregierung bis jetzt, gegen die überführten Autohersteller entsprechend vorzugehen?

Das ist ein psychologisch gesehen falsches Signal, was die Bundesregierung da setzt. Auf der einen Seite beklagt man einen Rückgang von Moral und Rechtschaffenheit, auf der anderen Seite misst man mit zweierlei Maß. Das führt zu weiterer Unzufriedenheit in unserer Gesellschaft.

Hier wird jetzt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) aktiv. Sie will in Sachen „Bußgeld“ einen Präzedenzfall schaffen. Daher hat die DUH beim Kraftfahrtbundesamt beantragt, gegen den Autobauer Porsche wegen nachgewiesener Abgasmanipulation bei 22000 Autos der Modelreihe Cayenne ein Bußgeld von 110 Millionen Euro – 5000 Euro je Auto – festzusetzen. Hierbei hat sie zutreffend darauf hingewiesen, dass die EU-Kommission bereits im Dezember 2016 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik eröffnet hat. Das begründet sich darin, dass die Bundesregierung es unterlassen hat, gegen VW trotz nachgewiesener Abgasmanipulation bei 2,4 Millionen Autos ein Bußgeld zu verhängen.

Die Schweiz hat aktuell wegen der Abgasmanipulation einen Zulassungsstopp für spezielle Porsche-Autos mit Dieselmotor verhängt. Die Fahrzeuge dürften erst dann wieder neu angemeldet werden, wenn sie den Vorschriften entsprechen würden. In Österreich gilt seit Anfang August ebenfalls ein Zulassungsverbot. Im Herbst sollte die benötigte Software fertig entwickelt sein, so dass Betroffene ein Update machen können, hieß es aus dem Verkehrsministerium. In Deutschland musste Porsche auf Anordnung des Verkehrsministeriums Ende Juli wegen der Entdeckung einer illegalen Abgas-Software die Auslieferungen des Geländewagens einstellen. Europaweit müssen außerdem 22.000 schon zugelassene Wagen in einem Pflicht-Rückruf nachgebessert werden, davon 7500 in Deutschland. Bei amtlichen Tests wurde eine Technik festgestellt, die erkennt, dass der Wagen auf einem Abgas-Prüfstand steht – ansonsten ist der Schadstoffausstoß aber deutlich höher.

Die Begründung des Verkehrsminister überzeugt nicht

Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) begründet den Verzicht auf Bußgeldsanktionen mit laufenden strafrechtlichen Ermittlungen. Darüber hinaus verweist er auf den erzielten Kompromiss beim sogenannten „Diesel-Gipfel“. Beide Argumente liefern jedoch keine Rechtfertigung für den Verzicht auf Sanktionen. Die strafrechtlichen Ermittlungen beziehen sich auf individuelle Straftaten Einzelner. Das entlastet Autohersteller nicht in Sachen Sanktionen. Genauso wenig gilt die Entlastung mit Blick auf das zugesagte Software-Update.

Allgemein werden Täter nicht von einem Bußgeld wegen Betruges befreit, wenn sie den angerichteten Schaden wiedergutmachen. Dies kann lediglich zu einer milderen Strafe führen.
Die Bundesregierung täte gut daran, ihrer Verpflichtung zur Verhängung von Bußgeldern unverzüglich nachzukommen. Dieses Geld sollte dann in dringend notwendige Sofortmaßnahmen zur Luftverbesserung eingesetzt werden. Die bisherige Untätigkeit ist ein Skandal im Skandal.

Der Diesel-Gipfel laboriert doch nur an der Spitze des Eisbergs

Volkswagen & Kumpanen haben nicht nur der Marke „Made in Germany“ großen Schaden zugefügt. Die Untätigkeit der Bundesregierung in einer angemessenen Bestrafung der kriminellen Manipulation verschlechtert auch das demokratische Klima in unserem Land.

Hierzu habe ich im Laufe des Abgas-Skandals schon mehrfach etwas geschrieben. Wer dem weiter nachgehen möchte, kann hier gerne weiterlesen. 

Winterkorn Titel

Winterkorn: Lebenslänglich! täglich 3.100 € Rente: ungebremster Egoismus als soziales Negativ-Vorbild – Faktisch im Recht? Postfaktisch nicht! – Die Legitimation wirtschaftlicher & politischer Strukturen kippt – Wen wundert hier die Wut der Bürger & weltweiter Spannungszuwachs? – (– ww 222 –)

(05. Januar 2017)

Postfaktisch ist nicht zu Unrecht das Wort des Jahres geworden. Die Menschen fühlen, dass an bestimmten Stellen etwas gewaltig aus dem Ruder läuft. Auch wenn formal juristisch Korrektheit beteuert wird. Zahlen kann man nicht vertrauen. Nicht erst seit der Schummel-Software.

Trailer zum Text: Winterkorns Millionengehalt geht in Tagesrente von 3.100 Euro über -hoher Schaden, auch für die Legitimation wirtschaftlicher & politischer Strukturen insgesamt – „Winterkorn ist ein gnadenloser Egoist“ (Prof. Dudenhöfer) – „ach wie gut das niemand weiß …“: VW-Ingenieure konnten kein Stroh zu Gold spinnen, aber die Wut des Rumpelstilzchen verbleibt bei uns – was lernen wir daraus? – Zahlen müssen nicht die Realität abbilden, sie überzeugen, weil sie faktisch wirken – Das ALS-OB scheint wichtiger geworden zu sein als die Realität – da passt es doch, das mit dem „Postfaktischen“ – die modernen Märchen haben kein garantiertes Happy End. Mist aber auch! – 

P.S. heute hat Uli Hoeneß Geburtstag … aber das ist ja ein anderes Märchen … geht eher in Richtung „Kaiser Franz und das Sommermärchen“ … da wollen wir jetzt mal nicht dran rühren …

Martin Winterkorn trat im September 2015 als VW-Chef zurück. Sein Millionengehalt wurde aber bis Ende 2016 weitergezahlt. Jetzt erhält er eine VW-Betriebsrente von 3.100,- Euro pro Tag (!) sowie einen Dienstwagen bis an sein Lebensende. Damit schaden er und VW nicht nur der Reputation der Autobranche, sondern der Legitimation wirtschaftlicher und politischer Strukturen insgesamt.

Nach der deutlichen Schädigung der Marke „Made in Germany“ und dem weltweiten Abbau von 30.000 Stellen bei VW aufgrund der amerikanischen Forderungen von bis zu 18 Milliarden Euro, gefährden diese Auswüchse auch den sozialen Frieden in unserem Land.

Bei einer Vielzahl von Menschen gibt es immer wieder Einzelne, die die Gemeinschaft zu Unrecht ausnutzen. Wir schimpfen über Sozialschmarotzer. Natürlich gibt es auch Menschen, die unsere Gemeinschaft formalrechtlich korrekt ausnutzen. Der Ex-VW-Chef Winterkorn war schon immer Spitze. Jetzt ist er es auch als Negativ-Vorbild für unsere Gesellschaft.

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Heute steht Selbstverwirklichung hoch im Kurs,

aber hier wird diese Tendenz pervertiert.

„Winterkorn ist ein gnadenloser Egoist“   (Prof. Dudenhöfer)

Den Vorschlägen einen Teil seiner Zahlungen für gute Zwecke zu spenden kommt er nicht nach. Ferdinand Dudenhöfer, Professor für Automobilwirtschaft an der Uni Duisburg-Essen meint dazu: „Ein normaler Mensch würde sich sicher Gedanken darum machen, wie man mit dem vielen Geld Gutes tun könnte, aber Winterkorn ist nicht so gestrickt … er ist ein gnadenloser Egoist.“

Allein im Geschäftsjahr 2011 erhielt Winterkorn 17,456 Millionen Euro – so viel wie kein anderer Vorstand in Deutschland jemals. Natürlich ist hier auch bei VW einiges aus dem Ruder gelaufen.

 

Die autoritäre Führung Winterkorns hat schon etwas diktatorisch Angsteinflößendes

Auch wenn es stimmen sollte, dass Martin Winterkorn nichts von den Betrugspraktiken in Sachen Abgaswerten gewusst hat, trägt er doch eine deutliche Schuld in dieser Sache. Winterkorn hat den VW-Konzern dermaßen autoritär geführt, dass die verantwortlichen Ingenieure einen enormen Druck verspürten, außergewöhnliche Ergebnisse vorzuweisen.

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Ach wie gut, dass niemand weiß …

Um zu verstehen was bei Volkswagen passiert ist, müssen wir nur auf die Volksmärchen schauen. Die wurden ja im Ursprung nicht für Kinder verfasst. Das waren tiefe Weisheiten, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden.

Nehmen wir mal das Rumpelstilzchen:

„Es war einmal ein Müller, der war arm, aber er hatte eine schöne Tochter. Nun traf es sich, dass er mit dem König zu sprechen kam, und zu ihm sagte: rumpelstilchen4

»Ich habe eine Tochter, die kann Stroh zu Gold spinnen.« Dem König, der das Gold lieb hatte, gefiel die Kunst gar wohl, und er befahl die Müllerstochter sollte alsbald vor ihn gebracht werden.

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Dann führte er sie in eine Kammer, die ganz voll Stroh war, gab ihr Rad und Haspel, und sprach: »Wenn du diese Nacht durch bis morgen früh dieses Stroh nicht zu Gold versponnen hast, so musst du sterben«. Darauf ward die Kammer verschlossen, und sie blieb allein darin. Da saß nun die arme Müllerstochter, und wusste um ihr Leben keinen Rat, denn sie verstand gar nichts davon, wie das Stroh zu Gold zu spinnen war, und ihre Angst ward immer größer, dass sie endlich zu weinen anfing. Da ging auf einmal die Türe auf, und trat ein kleines Männchen herein …“ (Fortsetzung des Original am Ende des Beitrags)

Das kleine Männchen könnte ein gewitzter Ingenieur gewesen sein, der eine rettende Idee hatte.

„Wenn wir schon die geforderten Werte nicht einhalten können, dann sorgen wir doch dafür, dass wenigstens die Zahlen stimmen.“ Und schon war die Idee der „Schummel-Software“ geboren.

Zahlen überzeugen, weil sie faktisch wirken

Wir kennen alle den Spruch: „ich vertrau nur der Statistik, die ich selbst gefälscht hab“. Scherz bei Seite, unsere Gesellschaft ist zu zahlengläubig. Gehen die Arbeitslosenzahl tatsächlich real zurück oder verbessern sich nur die statistischen Instrumente? Arbeitsvermittler stehen mehr unter dem Druck die Zahlen zu verbessern, als Menschen real in Arbeit zu bringen. Neulich erzählte mir ein Patient etwas von einer Schulungsmaßnahme. Ich hatte ihm einen Englischkurs empfohlen, damit er mehr unter Menschen kommt. Den Englischkurs hat er bekommen. Allerdings in Form eines USB-Sticks, mit dem er zu Hause arbeiten sollte. Die Maßnahme kostet dann ca. 2 Euro und bringt u.U. denjenigen kurzfristig noch aus der einen in die andere Statistik. – Also, wen verwundert es, dass die VW-Ingenieure ihre Kreativität nicht in die Verbesserung der tatsächlichen Werte investiert haben.

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Das ALS-OB scheint wichtiger geworden zu sein als die Realität

Das was im Internet gepostet wird zählt. Neulich sah ich einen Bilderwitz. Ein Kellner fragt den Gast besorgt: „Hat es Ihnen nicht geschmeckt?“ Gast: „Doch ausgezeichnet!“ Keller: „Dann ist es ja gut. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht. Sie hatten es ja gar nicht fotografiert.“

Ich denke, dass auch die zunehmende Radikalisierung in der Gesellschaft zum nicht unerheblichen Teil auf Nebenwirkungen des Internets zurückgeht. Auch hier ist das Phänomen des „Postfaktischen“ beteiligt. Aber das ist ein neues Thema. Hierzu habe ich auch schon einen Beitrag begonnen, den ich in den nächsten Tagen bloggen werde.

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Das hat Dir der Teufel gesagt!

Jetzt kommt erst einmal die versprochene Fortsetzung des Märchens. Danach zitiere ich noch einmal einen Beitrag von mir zu Winterkorn und den Folgen. Hierzu hatte ich ja schon mehrfach etwas veröffentlicht.

Ach übrigens, die Wut, die das Rumpelstilzchen empfindet, bleibt leider beim Bürger. Winterkorn ist als berenteter König fein raus. Leider haben die modernen Märchen kein garantiertes Happy End. Mist aber auch!

„Da saß nun die arme Müllerstochter, und wußte um ihr Leben keinen Rat, denn sie verstand gar nichts davon, wie das Stroh zu Gold zu spinnen war, und ihre Angst ward immer größer, daß sie endlich zu weinen anfing. Da ging auf einmal die Türe auf, und trat ein kleines Männchen herein und sprach: »Guten Abend, Jungfer Müllerin, warum weint sie so sehr?« »Ach«, antwortete das Mädchen, »ich soll Stroh zu Gold spinnen, und verstehe das nicht.« Sprach das Männchen: »Was gibst du mir, wenn ich dirs spinne?« »Mein Halsband«, sagte das Mädchen. Das Männchen nahm das Halsband, setzte sich vor das Rädchen, und schnurr, schnurr, schnurr, dreimal gezogen, war die Spule voll. Dann steckte es eine andere auf, und schnurr, schnurr, schnurr, dreimal gezogen, war auch die zweite voll: und so gings fort bis zum Morgen, da war alles Stroh versponnen, und alle Spulen waren voll Gold. Als der König kam und nachsah, da erstaunte er und freute sich, aber sein Herz wurde nur noch begieriger, und er ließ die Müllerstochter in eine andere Kammer voll Stroh bringen, die noch viel größer war, und befahl ihr das auch in einer Nacht zu spinnen, wenn ihr das Leben lieb wäre. Das Mädchen wußte sich nicht zu helfen und weinte, da ging abermals die Türe auf, und das kleine Männchen kam und sprach: »Was gibst du mir wenn ich dir das Stroh zu Gold spinne?« »Meinen Ring von dem Finger«, antwortete das Mädchen. Das Männchen nahm den Ring, und fing wieder an zu schnurren mit dem Rade, und hatte bis zum Morgen alles Stroh zu glänzendem Gold gesponnen.

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Der König freute sich über die Maßen bei dem Anblick, war aber noch immer nicht Goldes satt, sondern ließ die Müllerstochter in eine noch größere Kammer voll Stroh bringen und sprach: »Die mußt du noch in dieser Nacht verspinnen; wenn dir das gelingt, sollst du meine Gemahlin werden«. »Denn«, dachte er, »eine reichere Frau kannst du auf der Welt nicht haben.« Als das Mädchen allein war, kam das Männlein zum drittenmal wieder, und sprach: »Was gibst du mir, wenn ich dir noch diesmal das Stroh spinne?« »Ich habe nichts mehr, das ich geben könnte«, antwortete das Mädchen. »So versprich mir, wann du Königin wirst, dein erstes Kind.« »Wer weiß wie das noch geht«, dachte die Müllerstochter, und wußte sich auch in der Not nicht anders zu helfen, und versprach dem Männchen was es verlangte; dafür spann das Männchen noch einmal das Stroh zu Gold. Und als am Morgen der König kam, und alles fand wie er gewünscht hatte, so hielt er Hochzeit mit ihr, und die schöne Müllerstochter ward eine Königin.rumpelstilchen5

Über ein Jahr brachte sie ein schönes Kind zur Welt, und dachte gar nicht mehr an das Männchen, da trat es in ihre Kammer und sprach: »Nun gib mir, was du versprochen hast«. Die Königin erschrak, und bot dem Männchen alle Reichtümer des Königreichs an, wenn es ihr das Kind lassen wollte, aber das Männchen sprach: »Nein, etwas Lebendes ist mir lieber als alle Schätze der Welt«. Da fing die Königin so an zu jammern und zu weinen, daß das Männchen Mitleiden mit ihr hatte, und sprach: »Drei Tage will ich dir Zeit lassen, wenn du bis dahin meinen Namen weißt, so sollst du dein Kind behalten.«

Nun dachte die Königin die ganze Nacht über an alle Namen, die sie jemals gehört hatte, und schickte einen Boten über Land, der sollte sich erkundigen weit und breit nach neuen Namen. Als am andern Tag das Männchen kam, fing sie an mit Caspar, Melchior, Balzer, und sagte alle Namen, die sie wußte, nach der Reihe her, aber bei jedem sprach das Männlein: »So heiß ich nicht.« Den zweiten Tag ließ sie herumfragen bei allen Leuten, und sagte dem Männlein die ungewöhnlichsten und seltsamsten vor, Rippenbiest, Hammelswade, Schnürbein, aber es blieb dabei: »So heiß ich nicht.« Den dritten Tag kam der Bote wieder zurück, und erzählte: »Neue Namen habe ich keinen einzigen finden können, aber wie ich an einen hohen Burg um die Waldecke kam, wo Fuchs und Has sich gute Nacht sagen, so sah ich da ein kleines Haus, und vor dem Haus brannte ein Feuer, und um das Feuer sprang ein gar zu lächerliches Männchen, hüpfte auf einem Bein, und schrie:rumpelstilchen6

»Heute back ich, morgen brau ich,
übermorgen hol ich der Königin ihr Kind;
ach, wie gut ist daß niemand weiß
daß ich Rumpelstilzchen heiß!«

Da war die Königin ganz froh daß sie den Namen wußte, und als bald hernach das Männlein kam, und sprach: »Nun, Frau Königin, wie heiß ich?« fragte sie erst »heißest du Kunz?« »Nein.« »Heißest du Heinz?« »Nein.« »Heißt du etwa Rumpelstilzchen?«

»Das hat dir der Teufel gesagt, das hat dir der Teufel gesagt«, schrie das Männlein, und stieß mit dem rechten Fuß vor Zorn so tief in die Erde, daß es bis an den Leib hineinfuhr, dann packte es in seiner Wut den linken Fuß mit beiden Händen, und riß sich selbst mitten entzwei.“

(Quelle: http://gutenberg.spiegel.de/buch/-6248/142)

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P.S. heute hat Uli Hoeneß Geburtstag … aber das ist ja ein anderes Märchen … geht eher in Richtung „Kaiser Franz und das Sommermärchen“ … da wollen wir jetzt mal nicht dran rühren …

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Wem können wir noch glauben? – Ist Glaubwürdigkeit käuflich? – FIFA, VW oder ADAC: tun weh. – Abgasbetrug „Made in Germany“ – USA: VW Chef Müller hat in Detroit viele Dollars im Aktenkoffer dabei. – In elf Millionen Fahrzeuge betrügerische Software einzusetzen ist kein Schummeln. 45 Milliarden Dollar, allein für Verstöße gegen Umweltgesetze, drohen. – (WehrWolter – ww 111 – Hans Wolter)

(11. Januar 2016)

Vergangenen Montag hatte das US-Justizministerium Klage gegen den VW Konzern – Europas größten Autohersteller – eingereicht. Dem droht nun eine Milliardenstrafe. Auf dem Hintergrund versucht VW-Chef Müller in Detroit mit Charme und Geld das ramponierte Image notdürftig zu reparieren. Er hat zum Start der wichtigsten US-Automesse um Verzeihung für die betrügerische Softwaremanipulation gebeten. Zahlreichen Autokäufern und Werkstädten hat Volkswagen etwas vorgegaukelt. Umweltschäden wurden einskalt in Kauf genommen.  Müller – deutscher kann ein Name kaum sein – verspricht nun zusätzliche Millioneninvestitionen in den USA – trotz drohender Milliardenklagen. Zur Besänftigung der amerikanischen Kunden will Volkswagen Einkaufsgutscheine im Wert von 1000 Dollar pro betroffenes Fahrzeug anbieten. Ein ähnliches Angebot gibt es für VW-Besitzer in Deutschland bisher nicht. Wieso?

PfauWeh Abgasbetrug „Made in Germany“

Mehrfach habe ich hier auf meinem Blog schon darüber geschrieben, wie die VW Geschäftsführung nicht nur sich selbst, sondern auch der Marke „Made in Germany“ rücksichtlos & egoistisch einen enormen Schaden zugefügt hat. – Winterkorns militärisch anmutender Führungsstil setzte offensichtlich die beteiligten Techniker so unter Druck, dass sie zu kriminellen Mitteln griffen. Audi &Porsche sind auch betroffen. Dass gestandene Ingenieure vor lauter Angst keinen Klartext sprechen, zeugt schon von einer totalitären Unternehmenskultur in Wolfsburg. Wenn der König von der Müllerstochter verlangt Stroh zu Gold zu spinnen, muss sie es machen.

„Wir wissen, dass wir unsere Kunden, die zuständigen staatlichen Stellen und die allgemeine Öffentlichkeit hier in den USA sehr enttäuscht haben. Ich bitte daher um Entschuldigung für das, was bei Volkswagen falsch gelaufen ist.“ (Matthias Müller )

Elf Millionen Fahrzeuge betrügerisch manipuliert

„Nach US-Ermittlungen hatte Volkswagen im September eingeräumt, weltweit in rund elf Millionen Fahrzeugen eine betrügerische Software eingesetzt zu haben, die bei Emissionstests einen niedrigeren Stickoxidausstoß anzeigt als auf der Straße. In den USA sind rund 600.000 Fahrzeuge betroffen. Vergangenen Montag hatte das US-Justizministerium Klage gegen den Konzern eingereicht, dem eine Milliardenstrafe droht.

Müller, der nach Bekanntwerden des Skandals das Ruder bei VW übernommen hatte, trifft sich auf seiner US-Reise auch mit Vertretern von Politik und Regulierungsbehörden in Washington.

VW will Hunderttausende Katalysatoren einbauen

Am Mittwoch will der VW-Chef der Leiterin der US-Umweltbehörde, Gina McCarthy, ein Maßnahmenpaket vorschlagen. Noch sei offen, ob die Umweltbehörde den Vorschlägen zustimmen werde. „Wir werden sehen, ob wir zu einem Ergebnis kommen werden oder nicht“, sagte Müller. Details sollten danach bekannt gegeben werden.“ (Quelle: Spiegel Online, 11.01.2016)

Die Vereinigten Staaten haben Europas größten Autohersteller verklagt

„Volkswagen steht besonders in den USA vor großen Problemen. Die Vereinigten Staaten haben Europas größten Autohersteller verklagt. Wegen Betrugs und Verstößen gegen Umweltgesetze drohen VW allein in diesem Verfahren Zahlungsforderungen von bis zu 45 Milliarden Dollar (rund 41,2 Mrd. Euro).

Am Donnerstag (14. Januar) steht eine wichtige Entscheidung der US-Aufseher zu Vorschlägen für eine Beseitigung der Betrugsprogramme an. Auf VW könnten teure Nachbesserungen oder sogar Auto-Rückkäufe zukommen. „Es sind nicht nur unsere Autos, die wir reparieren müssen – es ist auch unsere Glaubwürdigkeit”, sagte Müller am Vorabend der Detroiter Messe.

Schon am Mittwoch trifft er sich zu Gesprächen mit der US-Umweltbehörde EPA und deren Leiterin Gina McCarthy.“ (Quelle: Bild, 11.01.2016)

Den Verlauf des VW-Skandals zeichne ich nachfolgend noch einmal auszugsweise mittels meiner bisherigen Beiträgen nach.

 

Auch Du, mein Sohn Audi?! – VW Geschäftsführung hat der Marke „Made in Germany“ rücksichtlos & egoistisch einen enormen Schaden zugefügt. – Winterkorn S militärische Unternehmenskultur setzte Techniker so unter Druck, dass sie zu kriminellen Mitteln griffen. Porsche & Volkswagen auf Talfahrt.

(29. November 2015)

„Auch du, mein Sohn?” … Cäsar soll dies bei seiner Ermordung (44 v. Chr.) dem von ihm väterlich geförderten Brutus zugerufen haben. – AUDI hat nun auch den Betrug im Abgasskandal zugegeben. – VW, kaum eine Marke stand bisher mehr für deutsche Wertarbeit. Die Autos aus Wolfsburg standen weltweit für deutsche Ingenieurskunst, für die Marke „Made in Germany“. Für die Deutschen war VW so etwas wie eine staatliche Behörde. Eine Marke, der man vertraute. Die Philosophie VOLKSWAGEN wurde damals von Adolf Hitler forciert. Jeder Deutsche sollte zunächst einen Volksempfänger, dann einen Volkswagen und letztlich auch einen Fernseher haben. Dass die Produktionsstädten in WOLFSBURG waren, hatte dem „Führer“ auch gefallen. Hieß doch sein damaliges Führerhauptquartier Wolfsschanze.

 Winterkorns militärisches Führungsprinzip

Im VW-Konzern herrschte Insidern zufolge im Management jahrelang ein geradezu militärisches Führungsprinzip. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel umschrieb das Klima unter dem im Abgas-Skandal inzwischen zurückgetretenen VW-Boss Martin Winterkorn einmal als „Nordkorea minus Arbeitslager“. VW-Aufsichtsrat Stephan Weil hat dem Autokonzern eine rückständige Kritikkultur vorgeworfen. (Quelle: Zeit online)

Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt hat Ende letzter Woche ein Prüfverfahren bei Audi eingeleitet. Auch bei Audi ist in den USA illegale Software bei Diesel-Autos eingesetzt worden, wie die VW-Tochter jüngst einräumte. Zuvor hatte die Nobelmarke das noch dementiert.,

Audi-Chef und VW-Konzernvorstand Rupert Stadler solle erklären, warum die Nobelmarke erst den Einsatz von Software, die in den USA als illegal gilt, dementierte, dann aber vor wenigen Tagen doch einräumen musste. Zudem wolle der Aufsichtsrat wissen, was Audi tue, um die Schuldigen zu finden, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ (28.11.2015)).

Audi räumte am Montagabend die Installation eines Programms in 3,0-Liter-TDI-Motoren ein, das in den USA als illegal gilt. Die beanstandete Software werde in Nordamerika eingesetzt und sei nicht identisch mit der europäischen Software. Dennoch werde auch mit dem Kraftfahrt-Bundesamt darüber gesprochen.

Die Marke Volkswagen hat nach den Worten von Betriebsratschef Bernd Osterloh vor allem wegen des Skandals um falsche Angaben zum Spritverbrauch mit sinkenden Verkäufen zu kämpfen. „Das Thema CO2 hat eine Vertrauenskrise ausgelöst“, sagte Osterloh, der auch im Aufsichtsrat sitzt am Freitag. „Es gibt eine Kaufzurückhaltung.“ (Quelle: Wirtschaftswoche, 28.11.2015)

Beim VW-Abgasskandal kommen immer mehr Details ans Licht. Auch 2016-Modelle von Volkswagen haben ein C02-Problem. Der Abgas-Skandal bei Volkswagen weitet sich auf 2016-Modelle aus. In Deutschland müssen 2,4 Millionen Fahrzeuge – Baujahre 2009 bis 2014 – in die Werkstatt. VW teilte Anfang November mit, dass es auch beim Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid (CO2) und beim Spritverbrauch „Unregelmäßigkeiten“ gab. Der Konzern hat Autos mit falschen CO2-Abgaswerten unter anderem von Tüv-Prüfstellen abnehmen lassen.

Die Kfz-Steuer in Deutschland richtet sich nach dem CO2-Ausstoß. Volkswagen will für seine Kunden mögliche Nachzahlungen bei der Kfz-Steuer wegen falscher CO2-Angaben bezahlen.

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Rückblick in die Entstehung des VW Konzerns unter den Nationalsozialisten

Am 8. März 1934 forderte Adolf Hitler in Berlin den Bau eines Wagens für breite Schichten der Bevölerung. Es schwebte ihm die Konstruktion eines Autos vor, das als „autobahnfest“ eine Dauergeschwindigkeit von 100 km/h halten kann, mit vier Sitzen für Familien geeignet ist, sparsam im Verbrauch ist und vor allem unter 1000 Reichsmark kostet. Ferdinand Porsche, der in Stuttgart ein eigenes Konstruktionsbüro betrieb, erhielt am 22. Juni 1934 vom Reichsverband der Deutschen Automobilindustrie den Entwicklungsauftrag zum Bau eines Prototyps. (Quelle Wikipedia)

Führungskultur bei VW soll Abgas-Skandal ermöglicht haben

Der ehemalige VW-Chef Winterkorn soll eine militärische Unternehmenskultur aufgebaut haben. Niedersachsens Ministerpräsident fordert von Mitarbeitern mehr Rückgrat.

VW-Aufsichtsrat Stephan Weil hat dem Autokonzern eine rückständige Kritikkultur vorgeworfen. „Was wir bei VW sehr schmerzlich feststellen, ist, dass die Bereitschaft, rechtzeitig auch dann auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen, wenn man sie nicht persönlich zu verantworten hat, nicht ausreichend entwickelt ist“, sagte der niedersächsische Ministerpräsiden (SPD) der Süddeutschen Zeitung. Es herrsche vor allem großer Nachholbedarf bei den Vorstellungen von Führung, Eigenverantwortlichkeit und Teamwork.

Milliardenverlust trifft Winterkorn wenig

Martin Winterkorn verließ den Konzern im Zuge der Abgasaffäre. VW hatte mit einer Software Abgastests bei Dieselfahrzeugen manipuliert. Dem Autokonzern drohen Milliardenkosten wegen Klagen und Strafzahlungen. Die Affäre hat dem Konzern schon jetzt einen Milliardenverlust eingebracht. (Quelle: Zeit online)

Nachfolgend greife ich noch einmal meinen Text vom 22. September 2015 auf.

 

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Dr. Jetta & Mr. Hyde – GAS-Lüge bei Volkswagen als Karikatur des „Made in Germany“ & der deutschen Zahlengläubigkeit – Hebelt VW Betrug zuerst Winterkorn dann TTIP aus? – Wolfsburg: Gewaltiger Vertrauensverlust in die westliche Ordnung!

22.09.2015

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Vertreibung aus dem Paradies der Zahlengläubigkeit. VertrauensCrash in ungeahntem Ausmaß.

Nine-Eleven wurde von Terroristen herbeigeführt. Das können wir noch weiter fern-halten. Auch beim Blutbad der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo. Der Amokflug der deutschen Lufthansa/Germanwings-Maschine wurde BEWUSST und kaltblütig durch den Piloten Andreas Lubitz herbeigeführt. Das können wir schon nicht mehr so ohne weiteres von uns distanzieren. Bei der vielleicht deutschesten Firma überhaupt wurden – BEWUSST und ausschließlich gewinnorientiert – Abgaswerte mittels moderner Computersoftware manipuliert.

VW-Skandal

Die GAS-Werte sind bis zu 40fach höher als es erlaubt, geschweige denn gesund ist. Das ist hochprofessionelle Kriminalität im Nadelstreifenanzug der Saubermänner. Na ja, es wird auch kein Zufall sein, dass der VW-Manipulationsskandal von den Amerikanern punktgenau während der Internationalen AutoAusstellung (IAA) aufgedeckt wird.

Vielleicht kippt der VW-Betrug ja den Transatlantischen Wirtschafts-FreiBrief TTIP?

Wem sollen wir denn heute noch glauben? Hoffentlich sinkt nun endlich einmal die kindlich anmutende Zahlengläubigkeit in der deutschen Bevölkerung. „Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe“ – witzelte man schon zu meiner Studienzeit an der Uni. Hätten wir heute schon TTIP, wäre es deutlich schwerer mit diesem AbGasBetrug umzugehen, bzw. die Wirtschaftsunternehmen zur Verantwortung zu bringen. Wenn der VW-Skandal TTIP stürzt, wäre das ein gelungenes Paradox

Wenn ich schon diesen „Tanz um die schwarze Null“ sehe, wird mir übel.

Das Wirtschaftsministerium, allen voran Schäuble, inszenieren hier ein merkwürdiges Theater. Wichtiger ist es, so meine Einschätzung, dass es den Menschen gut geht. In Deutschland, Europa und weltweit. Europa hat bisher nur Ansätze einer Wirtschafts-Union geschafft. Wo bleibt die Sozial-Union? Interessiert das überhaupt einen. Nun werden nicht wenige mir vorhalten: erst einmal muss die Wirtschaft stimmen. Okay.

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Wofür bekommt ein Winterkorn 16 Millionen Jahresgehalt? Dafür dass er vorsätzlich gigantische Umweltverschmutzung in Kauf nimmt, uns alle hochzivilisiert verarscht, um Gewinn und Macht eines Wirtschaftskonzerns so zu steigern, dass er der größte Automobilbauer der Welt werden kann. ,

Hier setzen sich Größenphantasien um, die unter dem französischen Napoleon noch einen gewissen Segen brachten. Unter der deutschen Variante in den weltweiten SuperGau führten. Aber auch die Nationalsozialisten legten Wert auf Zahlen und Sauberkeit. Mittels deutscher Ingenieurskunst wurden ja auch die Gaswerte in den Konzentrationslagern optimiert. Zugegeben, ein krasser Sprung, aber Zahlengläubigkeit kann gnadenlos und grausam sein.

Die Gefahr sehen wir ja auch im Umgang mit der Flüchtlingskrise. Auch hier werden archaische Wünsche nach „Sauberkeit“ und Ängste vor zu großen Zahlen an der Grenze und zu kleinen Zahlen im Sparstrumpf geweckt.

In dem Zusammenhang bin ich auch immer wieder skeptisch, wenn ich von den Erfolgsmeldungen zurückgegangener Arbeitslosenzahlen lese. Ich befürchte, dass die Verantwortlichen weniger darauf schauen, dass real mehr Menschen in Arbeit sind. Wichtiger scheint es mir zu sein, dass die Zahlen gut aussehen.

Der Kapitalismus frisst seine Kinder.

Bei Tests in den USA war festgestellt worden, dass einige VW-Diesel-Modelle auf dem Prüfstand deutlich geringere Abgaswerte anzeigten als im normalen Fahrbetrieb auf der Straße. Der bewusste Betrug deutscher Ingenieurskunst, am Beispiel manipulierter Abgaswerte um das vierzigfache (!), ist nicht nur für Volkswagen in den USA ein selbstgemachter Nine/Eleven. Der volkswirtschaftliche Schaden für Deutschland ist langfristig so hoch, dass selbst Winterkorn mit seinem Jahresgehalt von 16 Millionen Euro da nichts mehr retten könnte. Insgesamt drohen Bußgelder von bis zu 18 Milliarden Euro. Bereits am Montag gingen erste Sammelklagen ein. Darüber hinaus drohen auch strafrechtliche Konsequenzen. Medienberichten zufolge ermittelt das US-Justizministerium bereits, ob man Volkswagen kriminelle Machenschaften vorwerfen kann.

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So sind sie, die Amerikaner. Wittern sie Unrecht, was ihnen angetan wird, holen sie ihre ganz große Keule raus. Überschreiten sie selbst Gesetze, wie z.B. beim NSA-Abhörskandal, dann verharmlosen sie die Folgen. Dann wird auf einmal der Überbringer der schlechten Nachricht kurzerhand zum Täter gemacht. Dann wird Edward Snowden zum Staatsfeind erklärt. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Es gibt noch eine zweite Perspektive die paradox anmutet. EPA, ausgerechnet eine Umweltbehörde aus dem Land, indem die Umwelt wenig zählt, überprüft VOLKS-Wagen, DAS deutsche Vorzeigeunternehmen. Amerikanische Umweltverschmutzer verfolgen scheinbare deutsche Saubermänner.

Michael Horn, US-Chef von Volkswagen kommentiert bei der Präsentation eines neuen Passat-Modells in New York, das Unternehmen habe es mit den gefälschten Abgasuntersuchungen „total verbockt“. „Wir waren unehrlich zur Umweltbehörde EPA, wir waren unehrlich zu den Behörden in Kalifornien und, am schlimmsten von allem, wir waren unehrlich zu unseren Kunden“.

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Folgen aus dem vorsätzlichen und systematisch betriebenen Betrug

Wer bei der VW-Aktie auf eine Erholungsbewegung nach dem gestrigen Kurssturz gesetzt hatte, sieht sich bitterlich enttäuscht. Nach einer Gewinnwarnung stürzt der Dax-Titel um weitere 20 Prozent ab.

„Aufgrund der laufenden Untersuchungen unterliegt der angenommene Betrag Einschätzungsrisiken. Die Ergebnisziele des Konzerns für das Jahr 2015 werden dementsprechend angepasst.“

Die VW-Aktie stürzt daraufhin um bis zu 24,2 Prozent ab auf 101,35 Euro. Bereits am Montag war die VW-Aktie um 18,6 Prozent eingebrochen. Vor Bekanntwerden des Schadstoffbetrugs hatte das Papier noch bei über 160 Euro notiert. Seit dem Jahreshoch im März bei 262,45 Euro hat die Aktie mehr als 60 Prozent an Wert verloren.

Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt beauftragte das Kraftfahrtbundesamt, die deutschen Dieselmodelle von VW zu überprüfen. DIW, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung warnte vor massiven Folgewirkungen des Skandals für die deutsche Wirtschaft. Damit werden auch Jobs bei VW und vielen Zulieferern in Deutschland gefährdet sein“, sagte DIW-Präsident Marcel Fratscher. ACE, der Auto Club Europa rechnet damit, dass auch in Deutschland Manipulationen bei der Abgasmessung entdeckt werden.

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„Das ist systematische Verbrauchertäuschung, die weit verbreitet ist und schon lange praktiziert wird“, sagte ACE-Sprecher Klaus-Michael Schaal. Personelle Konsequenzen bei VW werden nicht ausbleiben.

Aus der Traum vom größten Autobauer der Welt

Soll Martin Winterkorn an diesem Freitag als Volkswagen-Chef abgelöst werden?!

Das berichtet der Berliner „Tagesspiegel“ unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Winterkorn habe nach dem Diesel-Abgasbetrug nicht mehr das Vertrauen des Kontrollgremiums, hieß es. Nachfolger des 68-Jährigen soll demnach Porsche-Chef Matthias Müller (62) werden. Gerade höre ich noch im Radio, dass er nicht zurücktreten will. Nach meiner Einschätzung wird es sich hier wie bei FIFA-Blatter verhalten. Er wird vielleicht noch einmal gewählt und später gestürzt. Auch das bezahlen WIR.

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Stefan Böhm von „dax-strategie.de“ meint, der Traum vom größten Autobauer der Welt sei nun erst einmal ausgeträumt. Volkswagen wisse bereits seit einem Jahr über die Vorwürfe Bescheid und habe nichts geändert. Gegen 16 Uhr gab auch die Porsche Holding eine Gewinnwarnung heraus: „Es ist davon auszugehen, dass das Ergebnisziel des Porsche SE Konzerns für das Geschäftsjahr 2015 angepasst wird“. Die Porsche Holding ist Hauptanteilseigner an der Volkswagen AG. (boerse.ARD.de)

11 Millionen Fahrzeuge sind weltweit von Abgas-Manipulationen betroffen. Das räumte Europas größter Autobauer am Mittag ein.

Das entspricht etwa der gesamten Jahresproduktion von Volkswagen.

Tagesschau.de, Stand: 22.09.2015 14:42 Uhr

Der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei VW-Fahrzeugen hat erheblich größere Dimensionen als zunächst angenommen. Die entsprechende Software sei weltweit in elf Millionen Fahrzeugen eingebaut, teilte der Konzern mit. VW musste eine Gewinnwarnung herausgeben.

Die US-Umweltschutz-Behörde EPA beschuldigt VW, vorsätzlich Abgasvorschriften bei nahezu 500.000 Diesel-Fahrzeugen umgangen zu haben. In Autos der Marken VW und Audi sei eine Software eingesetzt worden, mit der die Messung bestimmter Abgaswerte umgangen werden könne.

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„Einfach gesagt, diese Autos hatten ein Programm, das die Abgaskontrollen beim normalen Fahren ausschaltet und bei Abgastests anschaltet“, erklärt eine EPA-Vertreterin. Folge solcher Manipulationen sei, dass die Autos für den Umweltschutz festgesetzte Abgas-Limits um das bis zu 40-Fache überstiegen. Im Fokus der EPA-Ermittlungen stehen laut EPA Vier-Zylinder-Modelle der Jahre 2009 bis 2015. Volkswagen hat inzwischen Manipulationen von Abgastests bei Diesel-Fahrzeugen in den USA eingeräumt.

„Wir hatten keinen Grund für einen Verdacht“, sagte John German, ICCT-Co-Direktor in den USA, „Bloomberg“. „Wir dachten, die Autos wären sauber.“

Wir dachten bisher auch einem Flugzeugpiloten vertrauen zu können.

VWläuft

VW Audi

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Den Gegenentwurf finden wir bei Marc Hieronimus:
 
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1 Kommentar

  1. Ein toller Beitrag lieber Hans. Bei Volkswagen hat das sture Beharren auf veralteter Technik Tradition. Das in den 30-er Jahren wurde, obwohl längst überholt noch bis vor wenigen Jahren verbaut. Zuletzt nicht mehr hierzulande, aber noch in Mexiko und Brasilien. In Deutschland kam das Aus er Mitte der 70-er, als uns die damalige Energiekrise erwischt hat. Vor allem Volkswagen hatte es kalt erwischt. Retten konnte sich der Konzern damals nur durch den Zukauf anderer Hersteller mit zeitgemäßeren Antriebskonzepten, insbesondere Audi und NSU. Daraus entstand damals der erste Golf, basierend auf der von Audi hinzugekauften Technik. Und daran hat sich bis heute nichts grundlegendes geändert. Der Konzern wird seinen Kurs stur beibehalten, bis es definitiv nicht mehr anders geht. Chancen, evtl. noch rechtzeitig die Kurve zu kriegen hat der Konzern in seiner Arroganz ignoriert. Z.B. das überaus spannende Konzept eines Spin-off der THW Aachen, mit dem Ergebnis, dass DHL seine ersten StreetScooter, also seine neuen abgasfreien Fahrzeuge für die Paketzustellung in unseren Städten zunächst im Alleingang produzieren musste. Inzwischen ist Ford eingestiegen. Denn es gibt – zum Glück – Wettbewerb. Der eigentliche Skandal für mich ist, dass unsere staatlichen Institutionen durchaus Einfluss nehmen könnten, wenn sie es denn ernsthaft wollten. Das Land Niedersachsen ist maßgeblich an der Volkswagen AG beteiligt. Für mich ist das im Rückblick ein Déjà-vu. Für mich wiederholt sich gerade das, was wir schon einmal in den 70-ern erlebt haben. Wen wird Volkswagen demnächst kaufen, um noch einmal die Kurve zu kriegen?.Da können wir derzeit nur spekulieren? Denn die eigenen Ingenieure dürfen ja nicht. Ein Trauerspiel.

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