Chancen und Risiken der Selbstliebe – Von Trump Donald über Tramp Charlie zu Steve Jobs – Gedanken zum Narzissmus und der notwendigen Liebe zu uns selbst und unseren Werken – (WehrWolter – ww 270 – Hans Wolter)

„Als ich begann mich selbst zu lieben, befreite ich mich von allem, was nicht gut für meine Gesundheit ist, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von allem, das mich hinunter zog und weg von mir selbst. Anfangs nannte ich diese Haltung gesunden Egoismus. Heute weiß ich, es ist Selbstliebe.“ (Charlie Chaplin an seinem 70sten Geburtstag)

 „Zeig mir jemanden ohne Ego, und ich zeig dir einen Verlierer.“ (Donald Trump)

Gesunde Selbstliebe ist wichtig für unsere seelische Gesundheit, aber nicht unbedingt selbstverständlich. Wobei schon im Bibelwort: „Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst“ zum Ausdruck kommt, dass eine positive Beziehung zu uns selbst die Voraussetzung darstellt, auch den anderen Menschen lieben zu können. Ich möchte gerne für eine gesunde Selbstliebe werben und diese vom ungesunden Narzissmus abgrenzen. Wie viele Dinge im Leben geht es auch hier um das rechte Maß.

Die vorangestellten Zitate markieren Unterschiede. Zunächst einmal gehe ich kurz auf das weite Feld des Narzissmus ein, um dann eine, wie ich finde, großartige Rede von Charlie Chaplin zu dieser Thematik zu zitieren. Abschließend lasse ich auch noch einmal Steve Jobs zu Wort kommen, der in einer Rede vor Studenten darauf hinweist, wie wichtig es ist, dass wir die Dinge, die wir tun, auch lieben.

Wir haben ein ambivalentes Verhältnis zur Selbstliebe,

weil wir auch die ungesunden Seiten des Narzissmus kennen und fürchten. Im Extremfall sind das Menschen, die nur sich selbst sehen, als grandios einschätzen und andere abwerten. Sie schwanken in ihrer Selbstwahrnehmung zwischen übertriebenen Minderwertigkeitsgefühlen und einem übersteigerten Größenselbst.

Nicht selten kommen Narzissten in Macht- und Leitungspositionen. Das ist nicht unproblematisch, weil sie in erster Linie an sich denken und nicht für die Gesamtheit denken können. Oft kommen in Demokratien Selbstdarsteller zum Zug, während bescheidene Leute mit einer hohen Kompetenz, einem selbstlosen Agieren und einem sachlichen Auftreten farblos erscheinen.

Die bisherige Amtszeit von Donald Trump und seine öffentlichen Auftritte lassen vermuten, dass ihm sein Ego wichtiger ist, als das Wohlergehen der Gesamtgemeinschaft die er als amerikanischer Präsident nun einmal Kraft seines Amtes vertritt.

Ebenso trägt auch der türkische Präsidenten Erdogan viele narzisstische Züge. Wenn er über ein Schmähgedicht in irgendeinem Land von irgendeinem Komiker so beleidigt ist, dass er gleich klagt, dann ist das ein Hinweis darauf, dass er mit Kränkungen seines Egos schlecht umgehen kann. Auch der russischen Präsident Putin präsentiert sich mit einer Selbstsicherheit, die an überproportionaler Selbstverliebtheit grenzt.

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Wir müssen unterscheiden, zwischen gesunder Selbstliebe und narzisstischen Störungen.

Störungen haben ihre Ursache in einem frühen Defizit der Persönlichkeitsentwicklung. Davon geht zumindest die Psychoanalyse aus. Wurde ein Kind nicht ausreichend geliebt und konnte es sich die fundamental notwendige Liebe und Anerkennung seiner selbst auch nicht woanders holen, dann kommt es zu Gefühlen der Ablehnung und Minderwertigkeit der eigenen Person. Diese defizitären Gefühle versuchen die Betroffenen durch Erfolgserlebnisse und Anerkennung in der Gegenwart zu kompensieren. Vertreter der modernen Psychoanalyse, der sogenannten Selbstpsychologie, beschreiben das in dem Model der narzisstischen Spaltung. Auf der einen Seite können sich narzisstische Persönlichkeiten sehr klein, auf der anderen Seite als sehr groß erleben. Das Problem liegt im Hin-und-Her-Switchen dieser beiden Seiten. Heilungschancen liegen darin, wenn diese allzuharte Trennungslinie durchlässig wird.

Spüren wir in der Kindheit, dass wir durch Leistung mehr und anders wahrgenommen werden, kann das entscheidende Weichen für unser Leben stellen. Anerkennung und Liebe sind oft der Motor dafür, dass wir Besonderes zu leisten versuchen. Dafür nehmen viele Sportler, Musiker, Wissenschaftler etc. nicht selten viel Anstrengung und Verzicht in Kauf. Nicht selten schon in der frühen Kindheit. Eine Steffi Graf oder ein David Garrett wären uns wahrscheinlich nie aufgefallen, hätten sie nicht schon ganz früh in ihrem Leben viel trainiert. Unbeschwertes Kindsein blieb dabei teilweise auf der Strecke. Aber der wahre Luxus scheint ja zu sein: Geliebt zu werden, einfach dafür, dass man da ist. Gelassen und gefördert zu werden, weil unsere Eltern sich selbst und damit auch ihre Kinder lieben.

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Gesunder Narzissmus ist wichtig

Von gesundem Narzissmus sprechen wir, wenn der Mensch den wahren Zugang zu seinen Gefühlen lebt. Im Gegensatz dazu steht die narzisstische Störung, d.h. das wahre Selbst lebt isoliert und die echten Gefühle werden verdrängt und nicht gelebt.

Mangelnde Selbstliebe ermöglicht es auch nicht den Anderen zu lieben

Das Wort Narzissmus oder narzisstisch begegnet uns heute häufig. Der Begriff ist vielseitig. Er kann einen Zustand, ein Entwicklungsstadium, einen Charakterzug als auch eine Krankheit beschreiben. Im Alltag wird er häufig abwertend verwendet. Es wird dann davon gesprochen, dass einer „in sich selbst verliebt“, „ständig mit sich beschäftigt“, „egozentrisch“, „zur Liebe nicht fähig“ und „egoistisch“ sei.

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Die Sage vom schönen Narzissos, der sein wahres Selbst nicht kennt

Die Sage von Narzissos beschreibt die Tragik der narzisstischen Störung. Die Mutter von Narzissos ist sehr stolz auf ihren Sohn. Auch die Nymphe Echo hat sich in seine Schönheit verliebt. Die Nymphe wurde von den Göttern in der Weise bestraft, dass sie keine eigenen Worte sprechen, sondern nur wiederholen konnte, was die anderen sagten. Unser heutiger Begriff Echo weist noch darauf hin.

Die Rufe der Nymphe täuschten den jungen Narzissos. Als dieser auf einmal sein Spiegelbild im Fluss sieht, unterliegt er der gleichen Täuschung. Er sieht nur die Oberfläche, den vollkommenen, großartigen Teil von ihm, nicht aber seine innere Seite. Der Schatten, also seine Rückenseite, bleibt ihm verborgen. Das liegt daran, dass Narzissos sein wahres Selbst nicht kennt. Dies bleibt ausgeklammert. Der schöne Jüngling verleugnet sein wahres Selbst und wollte sich mit seinem Spiegelbild vereinigen. Dabei fällt er ins Wasser und ertrinkt. Später wachsen an der Stelle schöne Blumen aus dem Wasser. Wir nennen sie seitdem Narzissen.

Der Tod des Narzissos ist auf das falsche Selbst zurückzuführen. Es sind ja nicht nur die schönen und gefälligen Gefühle die uns am Leben erhalten und uns zur eigenen Persönlichkeit verhelfen. Die Tragik besteht also darin, dass Narzissos sich nicht wirklich lieben kann.

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Narzisstischer Missbrauch

In der Psychotherapie haben wir häufiger mit narzisstischem Missbrauch als mit sexuellem Missbrauch zu tun.

Kinder können eine narzisstische Störung bekommen, wenn es die bewussten als die auch die unbewussten Wünsche der Eltern erfüllen und dabei immer wieder erleben, dass sie dann gute Kinder sind. Wenn dieses Kind sich allerdings weigert die fremden Wünsche zu erfüllen, weil es andere und zwar eigeneWünsche verfolgt, bezeichnen diese Eltern es rasch als egoistisch und rücksichtslos. Die Tragik besteht auch darin, dass diese Eltern fest daran glauben, das Richtige zu tun. Sie glauben, dass sie ihre Kinder erziehen müssen, weil sie verpflichtet seien ihnen bei der Sozialisation zu helfen. Was die Erwachsenen dabei nicht merken, ist, dass sie das Kind brauchen, damit es ihre egoistischen Wünsche erfüllt.

Ein solches Kind wird sehr früh verzichten lernen, lange bevor ein echtes Teilen und ein wahrer Verzicht überhaupt möglich geworden sind. Diese Kinder müssen so handeln, denn sie können sich nicht leisten die Liebe der Eltern zu verlieren. Sie erleben sich abhängig von ihnen. Dürfen die Kinder allerdings lange genug egoistisch sein, so entwickeln sie in der Regel von selbst die Fähigkeit und Freude am Teilen und Geben. Dazu müssen sie von den Eltern nicht explizit erzogen werden.

Kindertag

Respekt und Teilen wird hauptsächlich am Leben & Vorbild gelernt

Die für die Bedürfnisse der Eltern erzogenen Kinder erleben die Freude am Teilen vielleicht nie. So sieht es auch mit dem Respekt aus. Hier muss nicht explizit erzogen werden. Es reicht, die Kinder selbst zu respektieren. Darauf werden die Kinder i.d.R. ebenfalls mit Respekt antworten. Wurde allerdings eine Mutter oder ein Vater seinerzeit von den eigenen Eltern früher nicht als das, was sie waren, ernstgenommen, werden diese bei ihren Kindern versuchen, sich mit Hilfe von Erziehung Respekt zu verschaffen.

Alice Miller schrieb ihr Buch „ Das Drama des begabten Kindes“ 1983, also in der Zeit der antiautoritären Erziehung. Erziehung hätte für sie sehr viel mit Manipulation zu tun. Das Kind sollte stattdessen möglichst frei sein und die Möglichkeit haben sich im Sinne Rousseaus entwickeln zu können. In der heutigen Gegenwart sieht man diese Thesen nicht mehr als uneingeschränkt gültig an. Wo ich Miller, aber auch vielen anderen Psychologen der psychoanalytischen Selbstpsychologie zustimme, ist die Wichtigkeit, dass wir Kinder unbedingt erst nehmen. Kinder müssen ihre Gefühle erleben dürfen. Hier gilt für mich der Satz: Beziehung ist wichtiger als Erziehung.

Gesunde Selbstliebe schätze ich als sehr wichtig für seelische Gesundheit ein.

Hierzu möchte ich noch einmal zwei interessante Persönlichkeiten zu Wort kommen lassen, die sich mit dem Spannungsverhältnis auf Auf- und Abwertungen im Verlaufe ihres Lebens nicht zur konfrontiert sahen. Charlie Chaplin und Steve Jobs haben das Phänomen der Liebe zu uns selbst und unserer Tätigkeit auch sehr differenziert und wie ich meine zutreffend reflektiert.

Persönliche Gedanken zum Umgang mit der Seele

Charlie Chaplins Gedanken zur Selbstliebe halte ich für ganz zentral und sehr gut verwortet. Als Psychologe und Psychotherapeut sehe ich in meiner täglichen Arbeit, dass die Selbstliebe der Dreh- und Angelpunkt einer guten Lebensbewältigung darstellt. Psychoanalytisch bin ich ein Schüler der sogenannten „Selbstpsychologie“. Stellte Sigmund Freud noch die Sexualität ins Zentrum seiner Betrachtung, war es bei Heinz Kohut das Selbst.

In meiner über zwanzigjährigen Arbeit als niedergelassener Psychotherapeut muss ich sagen, dass ich die Konzepte der Selbstpsychologie in sehr vielen Bereichen bestätigen kann. Meine persönliche Auslegung hat sich in den letzten Jahren allerdings noch etwas verändert. War mein Schwerpunkt früher die Empathie mit den Patienten, versuche ich heute Entwicklungen durch entschiedene Konfrontation zuzuspitzen und letztlich zu verkürzen. Das klappt natürlich nicht bei Jedem. Aber so ist das ja mit allen Verfahren.

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SELBSTLIEBE

ein Gedicht von Charlie Chaplin,
vorgetragen an seinem 70. Geburtstag am 16. April 1956

Als ich begann mich selbst zu lieben, erkannte ich, dass Schmerz und emotionales Leid nur Warnzeichen dafür sind, dass ich dabei war gegen meine eigene Wahrheit zu leben. Heute weiß ich, das ist Authentizität.

Als ich begann mich selbst zu lieben, habe ich verstanden, wie sehr es jemanden verletzen kann, wenn ich versuche ihm meine Wünsche aufzuzwingen, obwohl ich wusste, dass es nicht der richtige Zeitpunkt war und die Person nicht bereit dafür war, obgleich ich selbst diese Person war.
Heute nenne ich es Selbstachtung.

Als ich begann mich selbst zu lieben, habe ich aufgehört, nach einem anderen Leben zu verlangen, und konnte sehen, dass alles, was mich umgab, mich einlud zu wachsen.
Heute nenne ich es Reife.

Als ich begann mich selbst zu lieben, habe ich verstanden, dass ich in jeder Lebenslage, zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und alles geschieht im absolut richtigen Moment. Also konnte ich ruhig sein. Heute nenne ich es Selbstvertrauen.

Als ich begann mich selbst zu lieben, hörte ich auf, mir meine eigene Zeit zu stehlen und ich hörte auf, riesige Projekte für die Zukunft zu entwerfen.  Heute mache ich nur das, was mir Wonne und Freude bereitet; Dinge, die ich liebe und die mein Herz zum Lachen bringen. Und ich tue sie auf meine eigene Art und Weise und in meinem eigenen Rhythmus. Heute nenne ich es Einfachheit.

Als ich begann mich selbst zu lieben, befreite ich mich von allem, was nicht gut für meine Gesundheit ist,  von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von allem, das mich hinunter zog und weg von mir selbst. Anfangs nannte ich diese Haltung gesunden Egoismus. Heute weiß ich, es ist Selbstliebe.

Als ich begann mich selbst zu lieben, hörte ich auf, zu versuchen immer recht zu haben, und seit dem habe ich mich weniger geirrt. Heute habe ich entdeckt, das ist Bescheidenheit.

Als ich begann mich selbst zu lieben, weigerte ich mich weiter in der Vergangenheit zu leben und mich um die Zukunft zu sorgen. Jetzt lebe ich nur für den gegenwärtigen Moment, in dem alles geschieht. Heute lebe ich jeden einzelnen Tag, Tag um Tag, und ich nenne es Erfüllung.

Als ich begann mich selbst zu lieben, da erkannte ich, dass mich mein Verstand durcheinanderbringen und krank machen kann. Aber als ich ihn mit meinem Herzen verband, wurde mein Verstand zu einem wertvollen Verbündeten.
Heute nenne ich diese Verbindung Weisheit des Herzens.

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten oder irgendwelcher Art Probleme mit uns selbst oder anderen zu fürchten. Sogar Sterne kollidieren und aus ihrem Zusammenprall werden neue Welten geboren.

Heute weiß ich: Das ist das Leben!

Wunderbar bebildert und in Deutsch untertitelt.

 

 

Abschließend möchte ich jetzt, wie zu Beginn angekündigt noch einmal gerne Steve Jobs zu Wort kommen lassen.

In einer sehr persönlichen Rede vor Absolventen der Stanford University im US-Staat Kalifornien sprach Steve Jobs am 12. Juni 2005 über seine biologische Mutter, die ihn zur Adoption freigab, seinen Rausschmiss bei Apple und den Tag, an dem bei ihm Krebs diagnostiziert wurde. Im Folgenden Auszüge aus der Rede im Wortlaut:

Steve Jobs

 

Steve Jobs Stanford-Rede

 

„Du musst finden, was du liebst“

 

„Ich fühle mich geehrt, heute mit euch bei eurer Abschlussfeier von einer der besten Universitäten der Welt zu sein (…) Heute will ich euch drei Geschichten aus meinem Leben erzählen. Das ist es. Keine große Sache. Nur drei Geschichten.

Die erste Geschichte handelt davon, die Punkte zu verbinden.

Ich verließ das Reed College (im US-Staat Oregon, Anmerk. d. Red.) nach den ersten sechs Monaten (des Studiums), blieb dann aber weitere 18 Monate oder so als Besucher da, bis ich endgültig aufhörte. Also, warum hörte ich auf?

Es begann, bevor ich geboren wurde. Meine biologische Mutter war eine junge, unverheiratete Collegestudentin und sie entschied, mich zur Adoption freizugeben. Ihr lag sehr viel daran, dass ich von Hochschulabsolventen adoptiert werden sollte, also wurde alles für mich arrangiert, um bei der Geburt von einem Anwalt und seiner Frau adoptiert zu werden. Außer dass sie, als ich raus kam, in letzter Minute entschieden, dass sie wirklich ein Mädchen wollten. Also bekamen meine Eltern, die auf einer Warteliste standen, mitten in der Nacht einen Anruf, bei dem sie gefragt wurden: ‚Wir haben einen unerwarteten kleinen Jungen; wollen Sie ihn?‘ Sie sagten: ‚Selbstverständlich.‘ Meine biologische Mutter fand später heraus, dass meine Mutter nie ein Studium abschloss und dass mein Vater nie die Highschool abschloss. Sie weigerte sich, die endgültigen Adoptionspapiere zu unterschreiben. Sie gab erst ein paar Monate später nach, als meine Eltern versprachen, dass ich einiges Tages aufs College gehen würde.

Und 17 Jahre später ging ich tatsächlich aufs College. Aber ich wählte naiverweise ein College aus, dass fast so teuer wie Stanford war und all die Ersparnisse meiner Arbeiterklasse-Eltern wurden für meine Studiengebühren ausgegeben. Nach sechs Monaten konnte ich den Wert darin nicht erkennen. Ich hatte keine Ahnung, was ich mit meinem Leben anfangen wollte und keine Ahnung, wie das College mir dabei helfen würde, das herauszufinden. Und hier war ich, all das Geld ausgebend, das meine Eltern ihr ganzes Leben gespart hatten. Also beschloss ich, aufzuhören und mich darauf zu verlassen, dass alles okay werden würde. Es war damals ziemlich beängstigend, aber zurückblickend war es eine der besten Entscheidungen, die ich je traf. Sobald ich (das Studium) abbrach, konnte ich damit aufhören, die Pflichtkurse zu belegen, die mich nicht interessierten und damit anfangen, diejenigen zu besuchen, die interessant aussahen.

(…)Reed College bot damals vielleicht den besten Kalligraphieunterricht im Land an (…) Ich beschloss, einen Kalligraphiekurs zu belegen, um zu lernen wie man das macht (…).

Nichts davon hatte die Chance irgendeiner praktischen Anwendung in meinem Leben. Aber zehn Jahre später, als wir den ersten Macintosh-Computer entwarfen, kam alles zu mir zurück (…) Es war der erste Computer mit schöner Typografie. Hätte ich niemals diesen einen Kurs im College besucht, hätte der Mac nie multiple Schriftarten oder Proportionalschriften gehabt. Und da Windows den Mac einfach kopierte, ist es wahrscheinlich, dass kein PC sie hätte (…)

Nochmal, du kannst die Punkte nach vorne schauend nicht verbinden; du kannst sie nur zurückschauend verbinden. Also musst du dich darauf verlassen, dass die Punkte sich irgendwie in deiner Zukunft zusammenfügen werden. Du musst dich auf etwas verlassen – deinen Bauch, Schicksal, Leben, Karma, was auch immer. Diese Haltung hat mich nie enttäuscht und es hat den entscheidenden Unterschied in meinem Leben gemacht.

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Meine zweite Geschichte handelt von der Liebe und dem Verlust.

Ich hatte Glück – ich entdeckte früh im Leben, was ich gerne tat. Woz (Apple-Mitgründer Steve Wozniak, Anmerk. d. Red.) und ich gründeten Apple in der Garage meiner Eltern als ich 20 war. Wir arbeiteten hart und in zehn Jahren war Apple von nur uns beiden in einer Garage zu einem Zwei-Milliarden-Dollar-Unternehmen mit mehr als 4.000 Mitarbeitern geworden. Wir hatten gerade unsere feinste Kreation – den Macintosh – ein Jahr zuvor veröffentlicht und ich war gerade 30 geworden. Und dann wurde ich gefeuert. Wie kannst du von einem Unternehmen gefeuert werden, das du gegründet hast? Nun, als Apple sich ausweitete stellten wir jemanden ein, von dem ich dachte, dass er sehr talentiert war, um das Unternehmen mit mir zu leiten und das erste Jahr oder so liefen die Dinge gut. Aber dann begannen unsere Zukunftsvisionen auseinanderzugehen und irgendwann hatten wir einen Krach. Als es soweit war, schlug sich unser Vorstand auf seine Seite. Also war ich mit 30 raus (…) Was der Mittelpunkt meines ganzen Erwachsenenlebens gewesen war, war weg und es war niederschmetternd.

(…) Ich war ein sehr öffentlicher Versager und ich dachte sogar darüber nach, aus dem Valley wegzulaufen. Aber etwas wurde mir langsam klar – ich liebte noch immer, was ich tat. Die Wende der Ereignisse bei Apple hatten das kein bisschen geändert. Ich war abgelehnt worden, aber ich war noch immer verliebt. Also beschloss ich, von vorn anzufangen.

(…) Manchmal schlägt dich das Leben mit einem Stein vor den Kopf. Gib‘ die Hoffnung nicht auf. Ich bin davon überzeugt, dass die einzige Sache, die mich weitermachen ließ, war, dass ich noch immer liebte, was ich tat. Du musst finden, was du liebst (…) Wenn du es noch nicht gefunden hast, such‘ weiter. Gib‘ dich nicht zufrieden. So wie mit allen Herzenssachen, wirst du es wissen, wenn du es findest. Und wie jede großartige Beziehung wird es mit den Jahren einfach besser und besser (…)

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Meine dritte Geschichte handelt vom Tod.

Als ich 17 war, las ich ein Zitat, das in etwa so ging: ‚Wenn du jeden Tag so lebst, als ob er sein letzter wäre, wirst du eines Tages ganz sicher Recht haben.‘ Das hinterließ bei mir einen Eindruck und seit dem, für die vergangenen 33 Jahre, habe ich jeden Morgen in den Spiegel geschaut und mich gefragt: ‚Wenn heute der letzte Tage meines Lebens wäre, würde ich das tun wollen, was ich heute im Begriff bin, zu tun?‘ Und immer wenn die Antwort zu viele Tage hintereinander ‚Nein‘ gelautet hat, weiß ich, dass ich etwas verändern muss.

(…)

Vor etwa einem Jahr wurde bei mir Krebs diagnostiziert. Ich hatte einen Scan um 7.30 Uhr morgens und er zeigt deutlich einen Tumor auf meiner Bauchspeicheldrüse. Ich wusste noch nicht einmal, was eine Bauchspeicheldrüse ist. Die Ärzte sagten mir, dies sei nahezu sicher eine Krebsart, die unheilbar ist, und dass ich davon ausgehen solle, nicht länger als drei bis sechs Monate zu leben. Mein Arzt riet mir, nach Hause zu gehen und meine Angelegenheiten in Ordnung zu bringen, was Doktorencode für ‚bereite sich aufs Sterben vor‘ ist (…)

Ich lebte mit dieser Diagnose den ganzen Tag. Später an dem Abend hatte ich eine Biopsie, wo sie ein Endoskop meinen Hals hinunter steckten, durch meinen Magen und in meine Eingeweide, eine Nadel in meine Bauchspeicheldrüse steckten und holten ein paar Zellen vom Tumor. Ich war ruhig gestellt, aber meine Frau, die da war, sagte mir, dass als sie die Zellen unter einem Mikroskop betrachteten, die Ärzte zu weinen anfingen, weil es sich als sehr seltene Form von Bauchspeicheldrüsenkrebs herausstellte, die mit einer OP heilbar ist. Ich ließ die OP vornehmen und jetzt geht es mir gut.

(…) Niemand will sterben. Sogar Menschen, die in den Himmel kommen wollen, wollen nicht sterben, um dorthin zu gelangen. Und dennoch ist der Tod das Reiseziel, das wir alle teilen. Niemand ist ihm je entkommen. Und so sollte es sein, weil der Tod sehr wahrscheinlich die einzig beste Erfindung des Lebens ist. Er ist des Lebens Wandlungskraft. Er räumt das Alte aus, um den Weg für das Neue frei zu machen…

Eure Zeit ist begrenzt, also verschwendet sie nicht damit, das Leben eines anderen zu leben. Lasst euch nicht von Dogma gefangen nehmen – was Leben mit den Resultaten der Denkweise anderer Menschen entspricht. Lasst nicht den Lärm von Meinungen anderer eure eigene innere Stimme überdröhnen. Und am Wichtigsten, habt den Mut, eurem Herzen und eurer Intuition zu folgen. Sie wissen irgendwie bereits, was du wirklich werden willst. Alles andere ist zweitrangig (…).

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Charlie Chaplin Selbstliebe Titel Narzissmus Trump

 

 

 

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