Loslassen: eine lebenslange Aufgabe für jeden von uns. Warum fällt es uns so schwer? Überlegungen & Tipps am Beispiel: Generationswechsel im Unternehmen – (WehrWolter – ww 281 – Hans Wolter)

Wir werden in unserem Leben immer wieder mit dem Thema Loslassen konfrontiert. Denn das Loslassen ist die Gegenseite der Bindung. Wir müssen unsere Kindheit loslassen, die eigenen Kinder loslassen, wenn sie erwachsen geworden sind, irgendwann müssen wir unsere Berufstätigkeit loslassen oder auch das eigene Unternehmen. Hierzu hat mich das Unternehmerradio interviewt und vor kurzem dazu einen Podcast veröffentlicht. Weiterlesen oder Reinhören auf: WehrWolter.com

Link zum Podcast:  https://www.unternehmer-radio.de/063-generationswechsel-im-unternehmen-6-tipps-wie-sie-richtig-loslassen-mit-dipl-psych-hans-wolter/

Danilo Manka im Gespräch mit Hans Wolter

„Beim Generationswechsel im Unternehmen kann das Loslassen der Firma zur Herausforderung für den Alt-Inhaber und den Unternehmensnachfolger werden.

Laut DIHK Unternehmensnachfolge Report 2016 können 37 Prozent der Inhaber nicht richtig loslassen. Woran das liegen könnte und was wir dagegen tun können, darüber haben wir mit Dipl.-Psych. Hans Wolter gesprochen

Generationswechsel im Unternehmen: Warum das Loslassen so schwer fällt

Wir werden in unserem Leben immer wieder mit dem Thema Loslassen konfrontiert. Denn das Loslassen ist die Gegenseite der Bindung. Wir müssen unsere Kindheit loslassen, die eigenen Kinder loslassen, wenn sie erwachsen geworden sind, irgendwann müssen wir unsere Berufstätigkeit loslassen oder auch das eigene Unternehmen.

Die Bindung zum eigenen Unternehmen ist umso stärker, je stärker sich der Inhaber mit dem Zweck der Firma identifizieren kann. Das eigene Unternehmen ist damit Bestandteil der eigenen Identität und trägt damit zum eigenen Selbstwert bei. Spüren wir, dass unser Selbstwert von einer Sache abhängig ist, die wir über Jahre aufgebaut haben, dann fällt es uns schwer diesen Teil von uns loszulassen. Besonders schwer wird es dann, wenn wir nicht wissen, was danach kommen wird. Denn dann kommt die Angst vor dem Ungewissen hinzu.

Generationswechsel im Unternehmen: Loslassen Tipp Nr. 1

Damit Sie etwas mehr Gewissheit bekommen wie es nach der Unternehmensübergabe weitergeht, könnten Sie sich zunächst einmal die Frage stellen: Warum möchte ich eigentlich aufhören? Wirtschaftliche Gründe mögen hier auf dem ersten Blick logisch und sinnvoll erscheinen. Diese Motive reichen jedoch oft nicht aus, um wirklich ins Handeln zu kommen.

Man kann die wirtschaftlichen Gründe als Oberbau betrachten. Die zentralen Gründe liegen aber eher in der Psyche des Unternehmers selbst. So kann es beim Generationswechsel innerhalb der Familie eine größere Erfüllung darstellen, die Firma an die eigenen Kinder zu übergeben, als selbst geführt zu haben.

Ähnlich kann es auch bei externen Unternehmensnachfolgen möglich sein. Zum Beispiel wenn es dem Inhaber viel bedeutet, dass sein Werk nach seiner Führung weiter existieren kann, um weiterhin den Zweck für Firmenkunden und Mitarbeiter zu erfüllen. Schließlich habe beide maßgeblich zum Wachstum der Firma und damit zum Erfolg des Unternehmers beigetragen.

Tipp Nr. 1 -> Suchen Sie den Grund für das Loslassen ihrer Firma nicht darin, dass es wirtschaftlich an der Zeit ist oder logisch erscheint. Suchen Sie diesen Grund in ihnen selbst

Generationswechsel im Unternehmen: Loslassen Tipp Nr. 2

Machen sie sich Gedanken darüber, wie es nach der Übergabe weitergehen soll. Damit sollten sie nicht warten bis die Firma komplett übergeben ist. Starten sie heute (!) mit etwas Neuem. Neue Dinge benötigen Zeit, um zu wachsen. Fangen sie klein an. Möchten sie zum Beispiel ein Buch schreiben, könnten sie sich damit auseinandersetzen, wie man hierbei vorgeht und entsprechend an einer Seminarreihe teilnehmen. Das Loslassen wird dann fließend in etwas Neues übergehen können.

Tipp Nr. 2 -> Starten sie schon heute etwas Neues, um während Ihrer Unternehmensnachfolge ein neues Hobby oder eine neue Leidenschaft zu entwickeln.

Generationswechsel im Unternehmen: Loslassen Tipp Nr. 3

Wenn sie noch nicht genau wissen was sie nach ihrem Unternehmerdasein tun möchten, macht es Sinn sich selbst neu kennenzulernen. Was machen Sie gerne? Was machen Sie nicht gerne? Was wollten Sie immer schon einmal tun? Sie werden vielleicht nicht sofort die richtigen Antworten auf all diese Fragen haben, aber es wird sich ein Prozess einstellen in dem sie ihren Antworten näherkommen werden. Sie könnten diesbezüglich eine Achtsamkeit entwickeln und sich diese Dinge in Listen aufschreiben. Mithilfe eines Coaches könnten sie diesen Prozess vielleicht sogar beschleunigen.

Tipp Nr. 3 -> Lernen sie sich selbst neu kennen und schreiben sie die Dinge, die sie gerne tun auf eine Liste.

 

Generationswechsel im Unternehmen: Loslassen Tipp Nr. 4

Fühlen sie sich von dem Gedanken etwas Neues zu starten nicht richtig angesprochen, kann es Angst sein, die sie blockiert. Wenn sie sich permanent in Arbeit stürzen, kann das ein Zeichen dafür sein, dass sie dieser Angst unbewusst ausweichen. Die jahrelang aufgebaute Bindung zum eigenen Unternehmen erzeugt Trennungsangst. Angst ist vermutlich sogar das zentrale Element, welches versucht die Bindung aufrecht zu erhalten, um Schmerzen zu vermeiden.

Ängste können wir uns jedoch genau anschauen. Wenn uns das allein nicht gelingt, können Freunde, Familie, Coaches oder Therapeuten als Gesprächspartner helfen. Ist die Angst identifiziert, kann mit ihr gearbeitet werden, um sie aufzulösen. Dafür ist es aber enorm wichtig, dass sie versuchen ihre Angst auszudrücken. Z.B. in Form eines Tagebuches, Malerei, Listen schreiben, Gespräche mit Freunden oder Geschichten zu schreiben. Und nicht selten stellen wir fest, dass wir uns manchmal viel zu große Sorgen machen, so der Diplompsychologe Hans Wolter.

Tipp Nr. 4 -> Drücken sie ihre Ängste aus und versuchen sie diese dadurch aufzulösen.

 

Generationswechsel im Unternehmen: Loslassen Tipp Nr. 5

Wenn die Ängste nicht richtig greifbar sind, warum nicht mal das Experiment wagen und sich einfach für zwei Wochen aus allem rauszunehmen? Wenn Sie plötzlich krank werden würden, dann würde ihr Unternehmen trotzdem weiterlaufen. Vielleicht nicht problemlos, aber es würde irgendwie gehen. Es ist nur unsere individuelle Wahrnehmung, die uns suggeriert: Das geht nicht!

Die Folge ist, dass es unmöglich zu sein scheint aus diesem Hamsterrad auszubrechen. Aber wenn sie sich in eine neue Umgebung begeben und sich neuen Reizen aussetzen, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dadurch auch neue Gedanken und Ideen angeregt werden. Hans Wolter bezeichnet diese Methodik auch als „Probehandeln“. Dabei handelt es sich um eine Übung, die ihnen in Form einer Probe zeigen soll was passiert, wenn sie eine bevorstehende Situation proben.

Tipp Nr. 5 -> Brechen sie aus aus dem Hamsterrad und üben sie das Loslassen in Form eines Experiments.

 

Generationswechsel im Unternehmen: Loslassen Tipp Nr. 6

Wenn Sie sich auf dieses Experiment nicht einlassen möchten, versuchen sie sich einen oder einen halben Tag in der Woche frei zu nehmen. In dieser Zeit könnten Sie versuchen etwas abzuschalten und sich ein paar Gedanken über ihre Ängste und ihre Zukunft zu machen. Oder aber sie probieren in dieser freien Zeit neue Dinge aus, die ihnen vielleicht Spaß machen könnten. Ihr Gehirn benötigt neue Reize, um neue Interessen entstehen zu lassen.

Tipp Nr. 6 -> Alternativ zu Tipp 5 starten sie in kleinen Schritten sich freie Zeit einzuräumen, um Zeit für sich zu haben.

Wie denken sie über das Thema Loslassen? Fällt es ihnen leicht oder schwer? Haben sie für sich einen Weg gefunden loslassen zu können? Dann hinterlassen sie gerne einen Kommentar.

Ich wünsche ihnen viel Erfolg beim Loslassen!

Loslassen Unternehmerradio

 

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