Das Leben ist was Du draus machst – Yoko Ono – Happy 85! – Unplanbar – John Lennon – (WehrWolter – ww 294 – Hans Wolter)

Achtet auf die Schritte, die wir machen, wenn wir gehen. Wir schweben, dann betreten wir wieder die Erde, mit jedem Schritt, mit jedem Tag (Yoko Ono)

85 wird sie. Herzlichen Glückwunsch Yoko Ono! Natürlich hatte sie noch viele Pläne mit ihrem John. Am 8. Dezember 1980, fotografiert Annie Leibovitz das Paar für die Titelseite des „Rolling Stone“, John kauert sich nackt an seine schwarzgekleidete Yoko, küsst sie und umrahmt ihr Gesicht mit seinem Arm. Acht Stunden später ist er tot. „Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“ John Lennon schrieb diese Zeile für seinen Song „Beautiful Boy“, die auf dem Album „Double Fantasy“ von 1980 zu hören ist. Noch im selben Jahr sollte dieser Satz für ihn und seine Frau Yoko unfassbare Gewissheit werden. Der frühere Beatles-Sänger und -Gitarrist starb durch die Kugel eines geistig verwirrten Attentäters.

Man möchte denken, ich sei klein, aber ich habe ein Universum in meinem Geiste (Yoko Ono)

Natürlich war Yoko Ono bereits vor ihrem Zusammentreffen mit John Lennon eine selbstbewusste Künstlerin und eigenständige Persönlichkeit. Sie ist eine japanisch-amerikanische Künstlerin, Filmemacherin, Experimentalkomponistin und Sängerin. Sie gilt als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der Fluxus-Bewegung. Bereits vor ihrer Ehe mit dem Beatlechef hatte sich Ono Anfang der 60er Jahre in Künstlerkreisen einen Namen gemacht und trat zunehmend als Friedens- und Menschenrechtsaktivistin auf.

Yoko Ono wurde am 18. Februar 1933 als erstes Kind von Eisuke und Isoko Ono in Tokio geboren. Die Mutter Isoko stammte aus einer wohlhabenden Bankiers-Familie, der Vater Eisuke war ein ehemaliger Pianist, der für eine japanische Bank in San Franziskco arbeitete. Mutter Isoko und Yoko folgten dem Vater 1935 nach Amerika. Nach dem japanischen Angriff auf China kehrten Isoko, Yoko und der 1936 geborene Bruder Keisuke im Jahr 1938 zurück nach Japan, wo sie in luxuriösem Wohlstand lebten. Yoko besuchte unter anderem die Jiyu-Gakuen-Musikschule, lernte Klavierspiel und Komposition und hatte bereits im Kindesalter erste öffentliche Auftritte.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Vater als Soldat eingezogen. Die Mutter flüchtete mit den inzwischen drei Kindern nach einem verheerenden Luftangriff auf Tokio ins bäuerliche Hinterland, wo Yoko sich um die Geschwister kümmern musste. Nach Ende des Krieges schloss Ono ihre Schulausbildung ab und begann ein Studium der Philosophie. Sie entschied sich 1952 jedoch, ihrer Familie in die Vereinigten Staaten nach New York zu folgen. Dort führte sie noch im selben Jahr ihr Studium weiter und belegte auch das Fach Musik am Sarah Lawrence College in New York und studierte dort unter anderem klassischen deutschen Liedgesang. Onos erste eigene Kompositionen entstanden ab etwa 1955. 1956 heiratete sie gegen den Widerstand ihrer Eltern den japanischen Komponisten Toshi Ichiyanagi.

Das Paar siedelte um nach New York City. Yoko brach ihr Studium ab. Ihr gemeinsam bewohntes Loft wurde zum Treffpunkt und zur Bühne für die avantgardistische Kunstszene der Metropole. Sie etablierte sich hier als Konzeptkünstlerin und gilt als eine Wegbereiterin der US-amerikanischen Fluxus-Bewegung. 1962 kam es zur Trennung von Ichiyanagi und Ono kehrte für zwei Jahre nach Japan zurück, um in Tokio Solo-Ausstellungen und Performances zu bestreiten. Noch im selben Jahr heiratete sie den US-amerikanischen Filmproduzenten Anthony Cox, der die junge Künstlerin finanziell und künstlerisch unterstützte. Am 8. August 1963 kam die gemeinsame Tochter Kyoko Chan Cox zur Welt. 1964 zog Ono zurück nach New York.

Ich habe bemerkt, dass nichts endgültig ist. Du willst nichts besitzen, das dir lieb ist, weil du es verlieren könntest (Yoko Ono)

Zu ihren markantesten genreübergreifenden Konzeptarbeiten der 1960er Jahre zählen „Wall piece for orchestra“ (Yoko Ono schlug zu Musikbegleitung kontinuierlich ihren Kopf auf den Bühnenboden, 1962) und „Cut Piece“ (Das Publikum durfte nach eigenem Ermessen mit Scheren Onos Kleidung abschneiden, 1964 in Tokio und 1965 in der Carnegie Hall, New York).

Yoko Ono war Teilnehmerin der Documenta 5 in Kassel im Jahr 1972 in der Abteilung Individuelle Mythologien und war auch auf der Documenta 8 (1987) als Künstlerin vertreten.

JOHN LENNON AND YOKO ONO - 1971

Ein Traum, den man alleine träumt, ist nur ein Traum. Ein Traum, den man zusammen träumt, ist Wirklichkeit (Yoko Ono)

Yoko Ono war gerade in London künstlerisch recht aktiv und umtriebig. Ihr Film „Bottoms“ aus dem Jahr 1966 zeigt fünfeinhalb Minuten lang die nackten Hinterteile von Menschen, die auf einem Laufband trainieren, in schwungvoller Großaufnahme. John Lennon besuchte im selben Jahr die Londoner Indica Gallery, als Ono dort gerade ihre Ausstellung aufbaut. Widerwillig besteigt der Beatle die Leiter, auf deren oberster Sprosse ein Fernglas liegt. Er guckt durch das Glas, sucht nach den winzigen Buchstaben auf dem weißen Bild an der Decke. Er findet sie. Sie sagen: „Yes“.

„Ocean Child calls me“, singt Lennon in „Julia“, dem Liebeslied für seine tote Mutter. Kind des Ozeans, so lautet die Übersetzung der beiden Schriftzeichen, die den Namen Yoko ergeben. In nur einer Nacht nehmen John und Yoko ihr erstes gemeinsames Album auf, „Two Virgins“ heißt es. Auf dem Cover posieren sie unbekleidet, Arm in Arm, wie neu.

Wir schweben, dann betreten wir wieder die Erde … (Yoko Ono)

Yoko Onos fröhliche Neugeburten sind dem eigenen Leiden abgetrotzt. Nach dem Krieg zieht die Familie bettelnd durchs zerbombte Tokio. Alles, was ihnen geblieben ist, schieben sie auf einem Rollstuhl vor sich her. Seitdem gehört ihr Herz den Außenseitern. Später brennt sie mit einem Komponisten durch. Als der sie verlässt, landet sie in der Psychiatrie. Ihr zweiter Ehemann, Amerikaner, Jazzmusiker, holt sie raus.

Yoko und John

Niemand könnte eine Band zerstören, vor allem nicht eine von der Grösse der Beatles (Yoko Ono)

Yoko Ono war bereits mit John Lennon verheiratet, da entführte ihr Exehemann die gemeinsame Tochter, Yoko sieht sie erst 27 Jahre später wieder. In der Öffentlichkeit gab es keinerlei Mitleid. Die britische Boulevardpresse verfolgt sie mit offen rassistischer Hetze. Sie habe die Beatles auf dem Gewissen. Ihr Name wird zum Mahnwort.  

Walking on Thin Ice (John Lennon)

Ein halbes Jahr nach dem furchtbaren Attentat auf John Lennon erscheint Onos Soloalbum „Season of Glass“, auf dem Cover ist neben einem halbvollen Glas Wasser John Lennons blutverschmierte Brille zu sehen. „Walking on Thin Ice“, das Stück, dessen Demokassette Lennon in der Hand hielt, als er erschossen wurde, wird ein Hit in den Diskotheken der Stadt. Völlig unerwartet.

Yoko und John Brille

Vom dünnen Eis hebt sich der Fuß wieder, bis er schwebt. 2001 wird die Retrospektive “ Yes Yoko Ono“ zur besten Ausstellung New Yorks gewählt. Künstler wie Sonic Youth, Cat Power oder die Flaming Lips covern ihre Songs.

Yoko und John Dakota

Die Künstlerin lebt bis heute im Dakota Building in New York – dem Haus, vor dem John Lennon 1980 ermordet wurde. Im Gegensatz zu ihrem Engagement für die Menschlichkeit steht ihre unnachgiebige Haltung in der Frage nach der Freilassung von Lennons Mörder Mark David Chapman. Nachdem dieser seine zwanzigjährige Mindesthaftstrafe verbüßt hatte, hat Ono seit 2000 regelmäßig die Verantwortlichen aufgefordert, Chapman niemals zu entlassen, weil sie sich selbst gefährdet fühle, der Täter kein normales Leben verdient habe und da Gewalt Gewalt erzeuge („violence begets violence“). Nach zahlreichen Versuchen, zuletzt im August 2016, wurde auf ihr Betreiben ein Entlassungsgesuch Chapmans abgelehnt.

yoko-ono

Das Leben ist was du daraus machst (Yoko Ono)

… schreibt sie wenige Tage vor ihrem Geburtstag auf Twitter. Yoko Ono hatte es nicht immer leicht in ihrem bewegten Leben. Aber: sie hat immer wieder „Ja“ gesagt.

Manche Menschen sind mit 18 alt, andere sind mit 90 jung. Zeit ist ein von Menschen erschaffenes Konzept (Yoko Ono)

Herzlichen Glückwunsch zum 85sten Geburtstag!

 

Weiterlesen?

 

Yoko Ono und John Lennon

„Life is what happens when you have made other plans.“ – Imagine John Lennon 75th Birthday – Bilder & Gedichte von der Prager John-Lennon-Mauer – und Neues von JL – (WehrWolter – ww 69 – Hans Wolter)

Yoko Art

Art Cologne – Kunst als Sex der reifen Jahre? – (WehrWolter – ww 245 – Hans Wolter)

Yoko Ono Bob Dylan

Wenig nobel, aber formal korrekt: Bob Dylan hält es mit Mark Twain: „Gäbe es die letzte Minute nicht, so würde niemals etwas fertig.“ – Last-Minute-Nobelvorlesung – Der Meister lässt sich nicht sehen, aber hören – „Literatur die mich prägte“ – (WehrWolter – ww 254 – Hans Wolter)

Yoko Urban Art

Urban Art! Biennale 2017 – Junge freche Kunst im flirtiven Dialog mit dem melancholischen Charme einer rostigen Eisenwelt – Streifzug durch das Weltkulturerbe Völklinger Hütte – (WehrWolter – ww 241 – Hans Wolter)

 

Yoko Ono und Leonard Cohen

Weh-Mut – Leonard Cohen – Versuch einer kunstanalogen Annäherung – Über Melancholie, Trauer & Depression in seinem Werk – Zwischen Brüchiger Heilung & Geheilten Brüchen erklingt ein leiden-schaftliches: Halleluja! – (WehrWolter – ww 208 – Hans Wolter)

 

 

Yoko Ono Titel

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s