50 Jahre nach dem Attentat auf Rudi Dutschke – Die Studentenbewegung verlor ihren Kopf – „Wir haben viel erreicht“ (Gretchen Dutschke) – Positive Bilanz der Achtundsechziger – (WehrWolter – ww 306 – Hans Wolter)

 Attentate gab es immer. Leider leben engagierte Menschen wie Rudi Dutschke, John Lennon, Martin Luther King, John F. Kennedy, um nur einige zu nennen, gefährlich. Am 18. April 1968 schoss der rechte Attentäter Joseph Bergmann dem 27-jährigen Wortführer der Studenten auf dem Berliner Kudamm drei Kugeln in den Kopf. Dutschke überlebte zwar, hatte aber mit starken Folgen zu kämpfen und starb 11 Jahre später an den Folgen.

Heute legten viele Trauernde mit Blumen geschmückte Stiefel und Turnschuhe an die Gedenktafel des Aktivisten, der bei dem Attentat seine Schuhe verloren hatte. Die Witwe Gretchen Klotz-Dutschke kam mit ihren Söhnen Hosea-Che und Rudi-Marek sowie mit Tochter Polly-Nicole zum Ort des Attentats. „Es ist wichtig, dass wir nicht vergessen“, sagte die 76-Jährige. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop erinnerte an die Errungenschaften der damaligen Bewegung: „Die damaligen Studentenproteste 1968 machten offener, hatten starke Auswirkungen auf die politische Kultur und brachten manchen Stein ins Rollen.“ Antje Kapek (Fraktionsvorsitzende der Grünen) ergänzte: „Bürgerrechte, Gleichstellung und Umweltschutz – diese Errungenschaften werden wir gegen all die reaktionären Kräfte verteidigen, die unsere Gesellschaft heute mit Hass und Fakenews zurück in die 1950er Jahre katapultieren wollen.“

Der begnadete Redner Rudi Dutschke polarisierte.

Studenten und progressive Kräfte waren begeistert, konservative Medien und Bürger sahen in ihm eine Gefährdung der Ordnung. Leider gibt es immer wieder Menschen, die es nicht bei der verbalen Auseinandersetzung belassen, sondern zu gewalttägigen Übergriffen neigen, die sich bis zur Tötung steigern. In jüngster Vergangenheit gab es ja zwei Attentatsversuche auf die Bürgermeister von Köln und Altena.

1968 war ein weltweit sehr bewegtes Jahr. Den heutigen Tag möchte ich auch noch einmal zum Anlass nehmen, um an Rudi Dutschke und die damals bewegte Umbruchszeit in Deutschland zu erinnern. Dazu greife ich einen Rück- und Ausblick von Gretchen Dutschke auf.

 

Nachfolgend zitiere ich das Interview welches Julian Dorn für die Frankfurter Allgemeine Zeitung mit der Witwe Gretchen Dutschke führte.

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Foto: Andreas Pein

„Gescheitert sind wir nicht“

Von JULIAN DORN

 

11.04.2018 · Vor 50 Jahren trafen Rudi Dutschke zwei Schüsse in den Kopf. Die Galionsfigur der Studentenbewegung überlebte schwer verletzt und starb erst elf Jahre später an den Folgen. Was bleibt von ihm? Ein Gespräch mit seiner Witwe Gretchen Dutschke über die schwere Zeit nach dem Anschlag, Rudi Dutschkes Verhältnis zu Gewalt und das Vermächtnis der Achtundsechziger.

 

Frau Dutschke, was erzählen Sie Ihren sieben Enkeln heute über Ihren Mann Rudi?

Ich sage ihnen, dass Rudi ein großes Herz hatte, Kinder liebte und mit seinen vielen Enkeln bestimmt viel Freude hätte. Seine große Liebe für Afrika hat schon auf zwei Enkel abgefärbt.

Sie stammen ursprünglich aus Illinois und sind mit 21 Jahren nach Deutschland gekommen. Wie haben Sie Rudi Dutschke kennengelernt?

Wir trafen uns im Sommer 1964 in einem Café in Berlin. Es war schwer einen Platz zu finden. Doch an Rudis Tisch war noch etwas frei. Er saß dort, umringt von Büchern, und war ganz vertieft. Über seine Bücher kamen wir schnell ins Gespräch. Er wollte erst keine Beziehung, weil für ihn die Revolution an erster Stelle stand. Ich ging dann erstmal zurück in die USA. Aber wir konnten nicht ohne einander. Zwei Jahre später heirateten wir und bekamen drei Kinder.

„Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment“ war eine Parole der Achtundsechziger-Bewegung. Wie kamen Sie mit ihrer bürgerlichen Zweierbeziehung bei den anderen Revolutionären an?

Es gab durchaus noch andere in der Bewegung, die ähnliche Einstellungen hatten wie wir. Viele haben einfach geschwiegen. Andere fanden das nicht so toll, denen war das zu spießig – und das haben die uns auch offen gesagt. Aber das war uns egal.

An Ostern 1968 schoss der Hilfsarbeiter Josef Bachmann vor dem SDS-Büro am Berliner Kurfürstendamm dreimal auf Rudi Dutschke. Zwei Kugeln trafen ihn in den Kopf, er überlebte knapp nach einer mehrstündigen Operation. Wie erinnern Sie die Zeit nach dem Mordversuch?

Dass Rudi überhaupt überlebt hat, ist ein Wunder. Die Hälfte seines Gehirns war weggeschossen worden. Er musste alles neu lernen: reden, schreiben, lesen. Es war ein schwerer Schock. Nach seiner zweimonatigen Behandlung im Krankenhaus haben wir Deutschland verlassen. Wir lebten einige Monate in Italien, zogen dann nach London. Dort wollte man nach zwei Jahren unsere Visa nicht verlängern, dabei hatte Rudi ein Stipendium der Universität in Cambridge. Österreich und die Schweiz ließen uns gar nicht erst rein.

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Begnadeter Redner: Rudi Dutschke 1968 in der Aula der Halepaghenschule im niedersächsischen Buxtehude am Rednerpult Foto: dpa

 

Und dann?

Am Ende bekamen wir eine Einladung aus Dänemark. Dort blieben wir, auch wenn wir immer wieder mit dem Gedanken spielten, nach Deutschland zurückzukehren. Ich wollte es. Rudi, das merkte ich erst viel später, hatte wohl Angst vor der Rückkehr.

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Lautstark: Rudi Dutschke (Mitte) sowie der deutsche Lyriker und Schriftsteller Erich Fried (links, mit Helm und Brille) an der Spitze eines Berliner Demonstrationszuges gegen den Vietnamkrieg Foto: dpa

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„Man hat ihm angemerkt, dass er diese unbedingte Liebe zur Menschheit nicht nur gepredigt, sondern auch gelebt hat“: Rudi Dutschke vor seinen Anhängern bei einer Anti-Vietnam-Demonstration im Februar 1968 in Frankfurt Foto: AP

 

Rudi Dutschke verzieh seinem Attentäter und schrieb Briefe mit ihm. Woher nahm Ihr Mann die Kraft, seinem Peiniger zu vergeben?

Rudi war religiös. Er war überzeugt davon, dass Jesus uns die Liebe geschenkt hat, die wir in die Welt tragen müssen. Und Rudi war Humanist. Ich glaube, er konnte überhaupt keinen Hass empfinden, nicht mal für den, der ihm das angetan hat. Er sah Bachmann einfach als ein Opfer der Gesellschaft, die ihn nicht aufgefangen hat.

Nach dem Anschlag litt Rudi Dutschke unter Epilepsie. An Heiligabend 1979 erlitt er einen Anfall in der Badewanne und ertrank. Wie war die Zeit danach für Sie?

Es hat mich völlig aus der Bahn geworfen. Ich war plötzlich allein – mit zwei Kindern und auch noch schwanger mit Rudi-Marek. Letztlich hielt mich aber genau das am Leben: Ich hatte eine Aufgabe und oftmals gar nicht die Zeit, meinen Gedanken nachzuhängen. Ich bin später zurück in die USA gegangen, nach Boston. Von 1990 bis 1995 wohnte ich dann wieder in Deutschland. In Hamburg schrieb ich mit Hilfe eines Stipendiums von Jan-Philipp Reemtsma eine Biografie über meinen Mann. Dann musste ich das Land verlassen.

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Der Tatort: Rudi Dutschke wurde am 11. April 1968 am Kurfürstendamm von drei Kugeln lebensgefährlich verletzt. Foto: Picture-Alliance

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Nach der Tat: das Fahrrad von Rudi Dutschke am Tatort vor der Geschäftsstelle des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) am Kurfürstendamm in Berlin Foto: dpa

 

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Der Täter: Josef Bachmann (Mitte) mit seinen Verteidigern kurz vor der Urteilsverkündung vor dem Berliner Schwurgericht Foto: dpa

Warum?

 

Ich hatte weder die deutsche Staatsbürgerschaft noch Geld, mein Visum wurde nicht verlängert. Also, zurück nach Boston. Erst seit 2004 habe ich auch den deutschen Pass und bin fünf Jahre später wieder nach Berlin gezogen, dorthin, wo ich Rudi kennenlernte. Ich lebe jetzt in einem Wohnprojekt in Friedrichshain.

Ihr Mann gilt auch als einer der Gründer der Grünen. Wenn er nicht so früh gestorben wäre, hätte er eine politische Karriere angestrebt?

Ich weiß nicht, ob er das gewollt hätte. Da hätte er Kompromisse machen müssen, das war nicht so sein Ding (lacht). Auch wenn er sich erstaunlich gut von seinen Hirnverletzungen erholt hatte – er konnte wieder ohne große Schwierigkeiten reden und schreiben, was viele Ärzte verblüffte. Denen ist das bis heute ein großes Rätsel, wie Rudi überhaupt wieder seinen Alltag meistern konnte. Ich denke aber, er hätte eher eine wissenschaftliche Karriere eingeschlagen, er mochte es, Probleme nüchtern zu analysieren.

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Familienzeit: Rudi Dutschke mit seiner Ehefrau Gretchen und den Kindern Polly (10 Monate, 2. von links) und Hosea (zwei Jahre, rechts) 1970 in Cambridge, wohin sie nach dem Anschlag zogen. Foto: Picture-Alliance

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Wollen bleiben: Rudi und Gretchen Dutschke 1970 vor Gericht in London. Dutschke hatte gegen die Entscheidung des britischen Innenministeriums, seine Aufenthaltsgenehmigung für Großbritannien nicht zu verlängern, Berufung eingelegt. Ohne Erfolg. Foto: dpa

 

Rudi Dutschke gilt vielen noch immer als Mythos. Was unterscheidet ihn von den anderen revolutionären Köpfen der Bewegung?

Ich glaube, es war einfach die Energie, die er ausgestrahlt hat, sein Charisma. Man hat ihm angemerkt, dass er diese unbedingte Liebe zur Menschheit nicht nur gepredigt, sondern auch gelebt hat.

Über das Ende der Studentenbewegung schreiben Sie in Ihrem Buch „1968. Worauf wir stolz sein dürfen“, die Bewegung habe zunehmend „anmaßende Militanz“ gezeigt, die teilweise sogar zum „Fetisch erhoben“ worden sei. Tatsächlich zersplitterte die APO bald: in extremistische Gruppierungen wie die Rote Armee Fraktion (RAF) und die Bewegung 2. Juni und in maoistisch orientierte Kleinparteien wie den K-Gruppen. Ist die Revolution also letztlich gescheitert?

Das höre ich so oft von Leuten, die versuchen, alles, was wir erreicht haben, niederzureden. Gescheitert sind wir nicht. Wir sollten stolz sein, es ist sehr viel erreicht worden und Deutschland hat das gut getan. Ich weiß nicht, warum sich unsere Bewegung so zersplittert hat. Vielleicht lag es daran, dass viele von diesen Menschen noch in der Nazi-Diktatur großgeworden sind und sich diese autoritäre Denkweise nie ganz aus ihren Köpfen vertreiben ließ. Manche dachten nach wie vor, man könne mit Gewalt seine Ziele erreichen. Die Haltung war bei denen eindeutig: Wer nicht in den Untergrund ging, war ein Verräter und Schwächling. Die Gewalt war in manchen Kreisen zum Selbstzweck geworden.

Wie meinen Sie das?

Bei der RAF zum Beispiel ging es bald nicht mehr um unsere Sache, die Überwindung des Kapitalismus. Bei ihren Aktionen, vor allem bei denen der zweiten Generation, drehte sich alles nur noch um die Freipressung von Mitgliedern, um banale Rache und um Selbsterhaltung. Bei den Militanten war das Politische bald nicht mehr entscheidend, sie haben sich im Prinzip nur noch um sich selbst gedreht.

Die RAF sah Gewalt als legitimes Mittel an. Wie stand Rudi Dutschke dazu?

Das ist schwierig. Er war kein völliger Pazifist. Die RAF hat er aber entschieden abgelehnt.

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Weltverbesserer: Rudi Dutschke mit Daniel Cohn-Bendit im Oktober 1975 in Offenbach anlässlich einer Protestveranstaltung gegen Todesurteile in Spanien Foto: Barbara Klemm

 

Also war Gewalt unter bestimmten Bedingungen legitim für ihn?

Er verachtete grundsätzlich Gewalt gegen Menschen, fand aber, dass sie unter gewissen Voraussetzungen gerechtfertigt sei. Beispielsweise war er überzeugt davon, man hätte einen tyrannischen Herrscher wie Hitler umbringen müssen, um Millionen von Menschen zu retten. Diese Situation bestand in Deutschland aber nicht mehr, deswegen verurteilte er die Gewalt der RAF. Für ihn war die BRD eben nicht mehr faschistisch. Er fand, dass das Land mit dem Grundgesetz eine gute demokratische Grundlage habe, und man müsse es nun noch demokratischer machen. Aber eben mit Unterstützung der Mehrheit der Bevölkerung.

Sie schreiben im Epilog ihres Buches: „Wir haben die Zeit geprägt.“ Was bleibt von den Achtundsechzigern?

Sehr viel. Was unsere Bewegung geleistet hat, kann gar nicht überschätzt werden. Sie entstand in einer Zeit, in der das autoritäre Denken aus der Nazi-Zeit noch immer in den Köpfen war. Es herrschte Obrigkeitshörigkeit. Heute sind die Menschen kritischer, haben mehr Freiheiten, können sich kreativ entfalten, offen sagen, was sie denken. Unsere Idee einer demokratischen Gesellschaft wird endlich gelebt in Deutschland. Die Bewegung hat der Demokratie erst Leben eingehaucht. Auch das Rollenbild der Frau hat sich gewandelt: Sie muss nicht länger den Haushalt führen und die Kinder großziehen, während der Mann arbeitet.

Die Emanzipation der Frau stand allerdings am Anfang der antiautoritären Bewegung nicht gerade an erster Stelle. Hatten Frauen dort überhaupt etwas zu sagen?

Nein, nicht wirklich. Anfangs hatten wir Frauen im SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund, d. Red.) sehr unter den Chauvinisten und Machos zu leiden, die uns im Prinzip nur als schmückendes Beiwerk gesehen haben. Der Umgang war sehr respektlos. Das wurde erst mit der Frauenrevolte 1968 besser, die Frauenbewegung hat sich dann schnell vergrößert. Das war nach dem Attentat auf Rudi, da war ich nicht mehr in Deutschland. Ich habe aber in den Ländern, wo wir lebten, intensiv an der Frauenbewegung teilgenommen.

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Letzte Ehre: Die Trauergemeinde nimmt im Januar 1980 am offenen Grab auf dem St. Annen-Friedhof in Dahlem Abschied von Rudi Dutschke. Foto: dpa

 

Was dachte Rudi Dutschke über die Gleichberechtigung der Frau?

Er fand, dass Männer und Frauen die gleichen Chancen haben sollten. Aber das war auch ein Lernprozess bei ihm. Ich musste ihm erstmal vor Augen führen, dass die Art, wie mit uns Frauen umgegangen wurde, nicht akzeptabel war. Das war ihm anfangs gar nicht so präsent. Er hat es dann aber gleich begriffen. Zu Hause lernte er dann Windeln zu wechseln und zu kochen. Das hat er auch getan, ohne zu jammern (lacht).

Derzeit gibt es eine große Sexismusdebatte, offenbar scheinen die verkrusteten Strukturen, die Sie bekämpft haben, doch noch nicht ganz aufgebrochen zu sein. Wie sehen Sie die „Me too“- Bewegung?

Es ist wichtig, dass sich die Frauen endlich gegen sexuelle Belästigung wehren. Viel zu lange wurde darüber geschwiegen und Männern, die Frauen wie Müll behandelt haben, freies Spiel gelassen. Aber die Debatte zeigt natürlich auch, dass diese paternalistischen Strukturen noch immer da sind. Und sie werden auch nicht so leicht verschwinden. Das Denken soweit zu verändern, dass Frauen gleichberechtigt sind und Männer nicht das Recht haben, sich zu nehmen, was sie wollen, wird auch eine Frage der Erziehung sein. Das wird eine große Herausforderung für die junge Generation sein.

 

Rechtspopulistische Parteien sind auf dem Vormarsch – nicht nur hierzulande. In ihrem Buch erwähnen Sie auch Alexander Gauland, der damals schon gegen die Studentenbewegung agitierte und jetzt einer der Fraktionsvorsitzenden der AfD im Bundestag ist. Bereitet Ihnen das Sorge?

Ja, denn auf unsere Demokratie können wir stolz sein. Ich hoffe, dass die AfD uns das nicht zerstört. Aber in anderen Ländern ist Rechtspopulismus noch ein viel größeres Problem. Dort stellen die Rechten teilweise sogar die Regierungen. Dass rechtes Gedankengut immer mal wieder hochkommt, ist nichts Neues, das gab es schon oft. Aber jetzt scheint es im öffentlichen Diskurs akzeptiert zu sein. Das ist gefährlich. Doch es gibt Gott sei Dank auch eine Gegenbewegung, die hoffentlich immer stärker wird.

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„Wir konnten nicht ohne einander“: Rudi Dutschkes Witwe Gretchen in ihrer Wohnung in Berlin-Friedrichshain Foto: Andreas Pein

 

In Deutschland sieht sich Pegida als neue außerparlamentarische Opposition.

Das sind sie nicht! Traurig ist vor allem, dass Pegida sich unser Vokabular von damals zu eigen macht. Wir haben nichts, aber auch gar nichts gemein mit denen! Wir traten ein für Demokratie und Emanzipation, für ein solidarisches Miteinander. Pegida will nur Hass verbreiten.

 

Was geben Sie Ihren Enkeln für die Zukunft mit auf den Weg?

Ich hoffe, dass die jungen Menschen unsere Idee, dass es den Menschen überall in der Welt besser gehen soll, verinnerlichen und am Leben erhalten – und eine Welt ohne Krieg, ohne Umweltzerstörung und ohne Ausbeutung schaffen. Ich habe die Hoffnung, dass man sich mit anderen wieder zusammentut, so wie wir damals. Dazu braucht es Fürsprecher, wie Rudi einer war. So jemand, der die Gesellschaft zum Dialog zusammenbringt, fehlt bisher leider. Das ist in unserer wirren Zeit wichtiger denn je.

Zur Person

Gretchen Dutschke, geboren 1942 in Oak Park, Illinois, kam 1964 zum Theologiestudium nach Deutschland, wo sie in einem Westberliner Café Rudi Dutschke kennenlernte. Die beiden heirateten 1966 und bekamen drei Kinder: Hosea-Che, Polly-Nicole und Rudi-Marek, der seinen Vater nie kennenlernte. 15 Jahre lebte sie mit Rudi Dutschke zusammen, bis zu seinem Tod an Heiligabend 1979 in Dänemark. Sie kehrte 1985 in die Vereinigten Staaten zurück und kam erst 2009 zurück nach Deutschland. Heute lebt die mittlerweile 76 Jahre alte Frau in einem Wohnprojekt in Berlin-Friedrichshain, in der Stadt, in der sie Rudi Dutschke einst kennenlernte.

 

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1 Kommentar

  1. Borka Fiolic-Gamborotto

    Sagenhafte Story !

    Gefällt 1 Person

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