Category Archives: Literatur

Freie Einfälle zu krummen Jamaika Dingern, Ego-First, Paradise Papers und dem kaukasischen Kreidekreis von Bertolt Brecht (WehrWolter – ww 283 – Hans Wolter)

Jamaika, schon das Wort mutet an wie eine Kindergartengeschichte vom kleinen Tiger und kleinen Bären. Auch wenn die nach Panama wollten und das mit den Paradise Papers nicht wirklich etwas zu tun hat: die Geschäfte der Großen lassen sich doch alle auf Märchenbilder herunterbrechen. Zum Iszenario der aktuellen Regierungsbildung des Deutschen Bundestages drängt sich mir spontan das Bild von Bertolt Brechts kaukasischen Kreidekreis auf. Wer das Bild kennt, sieht sicher rasch die Verbindung, die sich mir hier aufdrängt. Weil die Geschichte aufschlussreich ist, werde ich sie gleich noch einmal kurz inhaltlich zusammenfassen. Weiterlesen …

Astrid Lindgren zum 110. Geburtstag: Wie die Mutmacherin sich erfolgreich aus ihrer frühen tiefen LebensKrise schreiben konnte – Literatur fördert seelische Bearbeitungsprozesse (WehrWolter – ww 280 – Hans Wolter)

„Schriftstellerin wäre ich wohl allemal geworden, aber ohne das mit Lasse wohl nie eine berühmte.“ (Astrid Lindgren)

Astrid Lindgren wäre 110 Jahre alt geworden. Heute am 14. November 2017. So alt wird so gut wie keiner. Aber irgendwie ist sie ja unsterblich. Wer öfter schon einmal im Inhaltsverzeichnis meines Blogs gestöbert hat, dem wird aufgefallen sein, dass ich schon öfter über die Mutter von Pippi Langstrumpf geschrieben habe. Diese Frau begeistert mich auf mehreren Ebenen. Herausheben möchte ihre Qualitäten  und Verdienste als Mutmacherin und ihren ungraden Weg einer sich frei schreibenden Schriftstellerin. Weiterlesen …

Krass, konnte Günter Grass sein – 90 wäre er heute geworden– Der streitbare Schriftsteller war anders – Im kleine Oskar mit der Blechtrommel, dem großen Nein-Sager, sehen wir einen charakteristischen Selbstanteil des nicht unumstrittenen Nobelpreis-Autors (WehrWolter – ww 275 – Hans Wolter)

„Erst als die immer schon Heimischen sich fremd genug waren, begannen auch sie in all den Fremden, die mühsam gelernt hatten, ihr Fremdsein zu ertragen, sich selbst zu erkennen und mit ihnen zu leben.“

Das sagte der Literaturnobelpreisträger Günter Grass, der heute 90 Jahre alt geworden wäre – in seinem letztem Buch: „Vonne Endlichkait“, an dem er bis zum letzten Tag seines Lebens geschrieben hat.

Bekannt wurde der streitbare und stets politisch aktive Schriftsteller mit seinem grotesk-satirischen Entwicklungs- und Zeitroman „Die Blechtrommel“ (1959) Zu diesem Buch habe ich eine besondere, eine persönliche Verbindung. Auf meiner AbiAbschlussfahrt mit dem Deutsch-LK, schaffte es unsere Lehrerin, die taffe Frau Zumpe, dass wir mit Volker Schlöndorff und seiner Frau Margarethe von Trotta, am Rande der Dreharbeiten in Danzig über das Werk diskutieren konnten. Dazu später ein wenig mehr.

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SelbstWerdung: Ideen zu Goethes 268. Geburtstag: „Sobald du dir vertraust, sobald weißt du zu leben.“ Der abenteuerliche Weg zum Selbstbewusstsein: im Auf-und Ab von LebensVerDichtungen – (WehrWolter – ww 267 – Hans Wolter)

Goethe wurde am 28. August 1749 im auslaufenden Sommer geboren. Für viele Zeitgenossen scheint er antiquiert zu sein. Fack ju Göhte? Ich finde ihn immer wieder spannend! Daher wage ich anlässlich seines 268. Geburtstags einen kleinen Ausritt auf dem Entwicklungs-Weg seiner schwindelerregenden SelbstWerdung: von einer geburtlichen Nahtoderfahrung, über die Berufung im zweiten Bildungsweg, die Überwindung einer psychischen Impotenz in seinen sexuellen Italienerlebnissen, der Win-Win-Situation mit Schiller, zur produktiven Einsamkeit und Alters-Weisheit ~

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Vater-Bilder wirken. Besonders in Abwesenheit. – Von Kohl & Kafka über Niki de Saint Phalle und Picasso zu Dostojewski & Freud (WehrWolter – ww 257 – Hans Wolter)

Das Leben ist wie ein Kartenspiel; wir werden geboren, ohne die Regeln zu kennen, aber jeder von uns muss mit dem Blatt spielen, das er bekommt. (Niki de Saint Phalle)

Im Juni 2017 starb Helmut Kohl. Für die Söhne scheint es eher ein Trauerspiel als Trauer zu sein. Darüber wurde das Thema „Vater“ zum Wochenmotiv in unserem „Club der lebenden Poeten“. Unsere Facebookgruppe knöpft sich wöchentlich ein neues Thema vor. Ich war erstaunt, wie viele persönliche Beiträge zu Missbrauch und Misshandlung auf Ausdruck drängten und intensive Anteilnahme erfuhren. Natürlich gab es auch zahlreiche positive Beiträge zum Phänomen Vater. Weiterlesen …

Beziehung & Erziehung werden einfach, wenn wir uns gegenseitig vertraut machen – Entschleunigung und das rechte Maß zwischen Nähe und Distanz finden: hört sich einfacher an, als es ist – Vom HänschenKlein zum Kleinen Prinz – (WehrWolter – ww 255 – Hans Wolter)

Früher war vieles einfacher. Dachte man zumindest. In Deutschland achtete man in Erziehung und Beziehungen mehr auf äußere Formen. Die empathische Einstellung auf das jeweilige Individuum stand nicht im Mittelpunkt. Sie wurde teilweise sogar als „gefährlich“ angesehen. „Wehret den Anfängen.“ Man befürchtete, Kinder oder Partner zu sehr verwöhnen zu können. Da stecken Menschenbilder von Gier und Maßlosigkeit hinter. Bilder denen wir ab und zu nochmal im Protest gegen Geschwindigkeitsbegrenzungen auf deutschen Autobahnen begegnen. Um diese Triebhaftigkeit zu kontrollieren, verfiel man ins Gegenteil. Formalität, Sachlichkeit und vermeintliche Objektivität waren auch im sozialen Miteinander wichtiger, als der individuelle Mensch und das subjektive Empfinden. Kontrolle kann streckenweise vielleicht vor Willkür und Gefühlsausbrüchen schützen. Meist weisen aber diese Beziehungen weniger Tiefe und Echtheit aus. Damit geht nicht nur geringere innere Stabilität einher, es führt auch zu weniger Motivation und Leistungsvermögen. Vor allen Dingen führt es zu weniger Selbst-Vertrauen. Weiterlesen …

Wenig nobel, aber formal korrekt: Bob Dylan hält es mit Mark Twain: „Gäbe es die letzte Minute nicht, so würde niemals etwas fertig.“ – Last-Minute-Nobelvorlesung – Der Meister lässt sich nicht sehen, aber hören – „Literatur die mich prägte“ – (WehrWolter – ww 254 – Hans Wolter)

Nun hat er es doch noch gemacht. Insgesamt nicht nobel, aber formal gerade noch korrekt, um sein Anrecht auf das enorm hohe Preisgeld zu wahren. Nobelpreis to go. Bob Dylan, der 76-jährige Sänger nahm schon den Preis an sich erst mit monatelanger Verspätung entgegen. Gewissermaßen im Nebenbei. Vom Status ist ein Nobelpreis immer noch so etwas wie die Aufnahme in den Olymp. Bedingung ist noch eine entsprechende Rede. Wie eine Antrittsvorlesung nach der erfolgten Aufnahme in den Kreis der Noblen. Diese nahm der singende Poet am 4. Juni in Los Angeles bei leiser Klavierbegleitung auf. Darauf erfolgte die unpersönliche Zustellung an die schwedische Akademie. Das Akademie-Mitglied Sara Danius fand eine lobende Einschätzung: „Die Rede ist außergewöhnlich“. Mir gehen bei diesem Auftritt verschiedene Fragen durch den Kopf; wie: Wird reale Präsenz überschätzt? Sind wir womöglich präsenter, wenn wir fern bleiben? Spielt Dylan mit dem Paradox von Achtung? Weiterlesen …

Love out loud – Carolin Emcke wirbt auf der re:publica in Berlin gewohnt wortmächtig für Empathie im Internet – (WehrWolter – ww 248 – Hans Wolter)

„Wir wollen die Welt nicht den Arschlöchern überlassen“, lautet der deutliche Appell zu der Eröffnung der 11. re:publica. „Wir müssen Solidarität zeigen, nicht nur weiterscrollen und wegklicken.“ Die Kommunikationsfreiheit sei bedroht.

„Eine Gesellschaft, in der jeder nur sich selbst rettet, ist keine Gesellschaft“. Wer gedemütigt und verletzt wird, solle nicht sich selbst wehren müssen. „Es braucht andere, die widersprechen, die nicht gemeint sind, aber sich gemeint fühlen“ betonte Carolin Emke in Berlin zur Eröffnung größten Digitalkonferenz auf unserem Kontinent.

Die Friedenspreisträgerin machte sich wortmächtig Gedanken über das diesjährige Motto „Love out Loud“. Emke warnte das Publikum, nur sich selbst zu sehen, sonst bliebe nichts als ein „neolibertäres Spektakel“. Sie bekam am Ende ihres Vortrags Standing Ovations. Weiterlesen …

Was rückt Bob Dylan mit seinen Mysterienspielen bei der Abholung des Literaturnobelpreises ins Bild? – Der Meister des „I’m Not There“ spielt mit den Identitäten, dem Ineinanderfließen der Zustände, der Zeiten und Personen, mit der Auflösung des Ichs – (WehrWolter – ww 239 – Hans Wolter)

Bob Dylan ist doch noch leibhaftig erschienen. Kurz, wortkarg, ohne Öffentlichkeit. Mit mehr als drei Monaten Verspätung hat er sich seinen Literaturnobelpreis in Stockholm abgeholt. Die Inszenierung blieb mysteriös. Der Termin fand an einem geheimen Ort statt, bei seinem Konzert in der schwedischen Hauptstadt schweigt der Sänger zum Thema. Für das stattliche Preisgeld (840.000 €) muss er bis zum 10. Juni noch eine Vorlesung halten. Allerdings hat er bei der Gestaltung seines Auftritts viel Spielraum: Er kann eine kurze Rede halten, ein Lied singen oder sich per Video-Schaltung zu Wort melden.

 

Was will uns Bob Dylan mit seinem Fernbleiben wortlos sagen?

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Unsere Augen sind weder trocken, noch nass, sondern ein wenig feucht – und das lateinische Wort für Feuchtigkeit ist: Humor. Heinrich Böll wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Er hatte sehr gute Augen und Humor. – Wird der Literaturnobelpreisträger weniger gewürdigt, auch in Köln, weil er Dinge sah, die viele so nicht sehen wollten? – (WehrWolter – ww 238 – Hans Wolter)

Anfang des Jahres lernte ich René Böll, den Sohn des Schriftstellers Heinrich Böll persönlich kennen. Der zurückhaltende Mann lächelte, als ich ihm sagte, dass ich seinen Vater vor fast 40 Jahren für einen kleinen privaten Film einmal interviewt hatte. Durch sein aufflackerndes mildes Lächeln, stand sein Vater wieder vor mir. Nach diesem kurzen Gespräch ging er auf die Bühne. Dort fragte er sich, mich und das Publikum zum Auftakt des Böll-Jahres, bei einem Vortrag im Bonner LVR-Museum, warum sein Vater von der Stadt Köln nicht mehr Beachtung und Würdigung findet. Vielleicht durch ein Museum oder ähnliches. Diese Frage wurde nicht beantwortet und war auch eher rhetorisch gestellt. Da ich auch schon mehrfach darüber nachgedacht hatte, möchte ich hier meine Ideen dazu kurz kundtun.

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Tschö Poldi: Einer der großen Kölner Söhne hätte Dir ins Poesiealbum geschrieben: „Ich bin ein Clown und sammle Augenblicke“ 100 Jahre Heinrich Böll – 130 Länderspiele Lukas Podolski – Lebensfreude trifft Melancholie – (WehrWolter – ww 236 – Hans Wolter)

Das Bild des Clowns bringt Poldi und Böll in einer ambivalenten Figur zusammen. Lebensfreude und Melancholie machen die Tiefe und den Charme Kölns aus.

Zunächst zum Ball. Fußball ist für uns mehr als ein Ballspiel. Fußball ist ein großer Mutmacher in unserem Alltag. Neues Spiel heißt neues Glück. Es gibt keine Kleinen mehr. Fußball kann Spiegel unserer inneren Tragödien und Lustspiele sein. Jede Woche neu. Nahezu täglich. Brot und Spiele waren schon bei den Römern fast Religion. Sie vereinten, unterhielten und faszinierten das Volk. Selbst als Zuschauer geraten wir in große Gefühls-Bewegung. Gestandene Männer können sich weinend in die Arme fallen, schimpfen, lachen und Kind sein. Verbundenheit fühlen mit tausenden Anderen. Standesschranken fallen für das eine Ziel: Unsere Mannschaft!

Die Religion Fußball hat ihre Priester, Jünger und Heiligen.

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„Romane schreibt man von innen nach außen“ Paul Auster auf der 17. lit.Cologne – Erfolgreiches Literaturfestival – Von der Freiheit des Wortes in der Türkei, den unveröffentlichten Tagebüchern von Heinrich Böll, Matthias Brandts Vatersehnsucht und Liedermacher Axel Bosse – (WehrWolter – ww 235 – Hans Wolter)

Auf der 17. lit.Cologne las Paul Auster aus seinem 17. Roman „4321“. Der US-Autor legte sein 1260-Seiten-Monument vor, während sein neuer Präsident am liebsten 140 Zeichen kurze Twitter-Botschaften in die Welt hinauspustet. Mit einem Rekord von 110 000 Besuchern ging am Samstag das Literaturfestival lit.Cologne erfolgreich zu Ende. Die Auslastung der 200 Veranstaltungen lag bei 95 Prozent. Das Kölner Literaturfestival setzte sich in diesem Jahr für verfolgte Schriftsteller in der Türkei ein. Weiterlesen …

Über Verführbarkeit zum Extremismus und die psychologische Wirkung von Worten: Der gemeinsame Nenner zwischen Rechtspopulisten und radikalen Islamisten – Michel Houellebecqs Roman „Unterwerfung“ birgt eine gewaltige Sprengkraft – Paradoxe Intervention – (WehrWolter – ww 233 – Hans Wolter)

In Unterwerfungen gibt es nicht selten einen geheimen Pakt zwischen Tätern und Opfern. Wenn Herrschende ein Volk unterwerfen, ist das Volk nicht unschuldig. Wenn Rechtspopulisten vor der Gefahr fremder Machtübernahme oder „denen da oben“ warnen, wollen sie sich eigentlich an die gleiche Stelle setzen und eine tendenziell radikale Macht ausüben.

Dieses Phänomen greife ich am Roman „Unterwerfung“ des französischen Autors Michel Houellebecq auf. Ort des Geschehens: Frankreich im Jahre 2022. Französischer Präsident ist ein Muslimbruder. Humanistisch gesinnte Islamisten regieren das Land. Der Autor Michel Houellebecq entlarvt in seinem Roman die völkische Gesinnung, die vorgibt das Abendland vor dem Islam retten zu wollen. Dieses Buch steigerte nicht nur die Bekanntheit des Autors, löste nicht nur Diskussion, sondern auch reale Gewalt aus. Mit etwas Abstand könnte man es heute auch als Aufrüttelungsversuch verstehen. Im Sinne einer paradoxen Intervention.

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Der Schritt zur Seite – Ideen für 2017(+) – Weniger Besitz, mehr Beziehungen – Marc Hieronimus stellt in seinem neuen Buch die französischen Wachstumskritiker vor – (WehrWolter – ww 219 – Hans Wolter)

MehrWert im Weniger. Schon wieder ein Paradox. Wir sprechen viel über das Weniger. Seit über drei Jahren stehe ich – mal mehr, mal weniger – im fruchtbar-freundschaftlichen Austausch mit Marc Hieronimus. Philosophierender Historiker der tagsüber Ausländern beim sprachlichen Schritt zum Inländer hilft. Abends widmet er sich gerne dem „Lichtwolf“. Die Aufgabe dieser seit 2002 erscheinenden philosophischen Zeitschrift sei es: „Die subversive Kraft des Denkens gegen die akademischen und literarischen Blabla-Betriebe zu rehabilitieren. Weiterlesen …

Rainer Maria Rilke starb vor 90 Jahren – Das Paradox: vom Defizit zur Kreativität – Vom Sohn der die Tochter ersetzen sollte, über den bindungsängstlichen jungen Mann zum frauenumschwärmten Dichter mit gewaltigem Tiefgang – (WehrWolter ww 218 – Hans Wolter)

Verdichtet: Von frühem Mobbing über  Identifikation mit Christus und der Unfähigkeit, mit Aggressionen umzugehen – Nähe-Distanz-Regulierung übers Schreiben. Heute wäre RMR ein Freund von Social-Media-Kommunikation. – Die Untiefen seiner Seele –Ein Ikarus im Gefängnis der Mutter – Enorme Selbstheilungskräfte – Rilkes Sehnsucht nach und Angst vor den Frauen – In der Militärschule gemobbt – Verwandlung von Schwäche in kreative Stärke – Ideen zur Produktivität des Künstlers …

Und nun wollen wir glauben an ein langes Jahr,
das uns gegeben ist, neu, unberührt, voll nie gewesener Dinge,
voll nie getaner Arbeit, voll Aufgabe, Anspruch und Zumutung;
und wollen sehen, dass wirs nehmen lernen,
ohne allzuviel fallen zu lassen von dem, was es zu vergeben hat,
an die, die Notwendiges, Ernstes und Großes von ihm verlangen.
. . . Guten Neujahrsmorgen . . .
(Rainer Maria Rilke)

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Musikalische Poesie im Engtanz – Bosse: „Ich such nicht mehr und finde nur … war immer jemand da, der mir tief in den Kopf sah …“ – Tiefe. Melancholie. Lebensfreude. – (WehrWolter – ww 210 – Hans Wolter)

„Alter wir spielen tatsächlich im ausverkauften Kölner Palladium und die können sogar alle Texte …“ – Bosse. Als ich von dieser Band das erste Mal hörte, fand ich den Namen provokant. Axel wirkt zunächst mal nicht wie ein Boss, er heißt nur so. Als ich ihn am Wochenende erstmalig live auf einem Konzert im Kölner Palladium erlebte, war sofort klar, dass er der Boss ist. Als Frontsänger stehst du schon im Vordergrund. Aber er ist auch der Autor und das kommt rüber. In Autor steckt Autorität. „Aki“ tritt nicht dominant auf. Der 36jährige wirkt zunächst eher etwas schüchtern und jungenhaft. Natürlich kokettiert er auch mit diesem Bild. Weiterlesen …

Weh-Mut – Leonard Cohen – Versuch einer kunstanalogen Annäherung – Über Melancholie, Trauer & Depression in seinem Werk – Zwischen Brüchiger Heilung & Geheilten Brüchen erklingt ein leiden-schaftliches: Halleluja! – (WehrWolter – ww 208 – Hans Wolter)

„Da ist ein Riss, ein Riss in allem. Das ist der Spalt, durch den das Licht einfällt“ Leonard Cohen war ein Meister der tiefen Bilder. Er verstand etwas vom Paradox des Lebens. In vielen seiner Texte erwähnt er die Brüche und Risse, durch die Leben erst lebendig wird. Das ist eine ganzheitlichere Sicht als die polarisierten Aufspaltungen in Gut und Böse. Viele Zeitgenossen möchten in den Liedern, Filmen, Geschichten und Kunstwerken möglichst nur das Helle, Gute, Erbauenende, Optimistische des Lebens gezeigt bekommen. Sie haben Angst davor, in das Dunkel einer Depression gezogen zu werden. Ich versuche aufzuzeigen, dass es v.a.D. das Paradox war, zu dem uns Cohen einen Zugang ermöglichte. Dem versuche ich anhand eines Musikvideos von „Halleluja“ kunstanalog nachzugehen. Kurz verfolge ich Stationen seiner Lebensgeschichte, um abschließend noch etwas dazu aufzuzeigen, wieso traurige Musik glücklich machen kann. Weiterlesen …

„Freiheit ist nichts, das man besitzt, sondern etwas, das man tut.“ Carolin Emcke findet eine klare Versprachlichung gegen ein Klima von Fanatismus und Gewalt. Dankesrede zur Verleihung des Friedenspreis, im Anschluss an die Frankfurter Buchmesse 2016 – (WehrWolter – ww 200 – Hans Wolter)

„Wow. So sieht es also aus dieser Perspektive aus“ eröffnet Carolin Emcke ihre Dankesrede. Vor meinem inneren Auge erscheint unmittelbar das Bild von Robin Williams als charismatischem Lehrer im „Club der toten Dichter“. Wie er auf dem Pult stehend seinen Schülern veranschaulicht, dass Leben durch Perspektivwechsel vielfältiger, tiefer und letztlich reicher wird.

Sie spricht darüber, dass Verschiedenheit kein Grund für Ausgrenzung, Ähnlichkeit keine Voraussetzung für Grundrechte darstellen. Sie stellt klar, dass Menschenrechte voraussetzungslos sind und diese nicht verdient werden können und müssen. Weiterlesen …

„How many roads … “ Bob Dylan, der singende Poet, erhält den Nobelpreis für Literatur – „Das ist Bob Dylan, und ich bin nur Präsident der Vereinigten Staaten.“ (Barack Obama) – Ein moderner Dichter, „Homer der Gegenwart“ (Sara Danius, Komitee, Stockholm) … must a man walk down, before you call him a man?– (WehrWolter – ww 194 – Hans Wolter)

„The answer, my friend, is blowin‘ in the wind … “ – Mit Bob Dylan erhält erstmalig ein Liedermacher den Nobelpreis für Literatur. „Er ist ein großartiger Dichter, der sich seit 45 Jahren immer wieder neu erfindet. Dylan ist eine Ikone. Sein Einfluss auf die zeitgenössische Musik ist groß …“, sagt Sara Danius, die Chefin der Schwedischen Akademie nach der Bekanntgabe in Stockholm. Dylan schreibe, um mit seinen Werken aufzutreten, sagte die Jurorin. Nichts anderes habe der Dichter Homer vor einigen Jahrtausenden auch getan. Weiterlesen …

„Nur im Süden ist Rettung“- Begegnung mit André Heller. Vom neuen Roman und „Anima“, dem Garten des Zauberkünstlers & Poeten. – Heller Wahnsinn zwischen Wien und Marrakesch. – Sei Poet. Denn: es scheint, die Zeit heilt alle Wunder … (WehrWolter – ww 190 – Hans Wolter)

„Wahrscheinlich ist André Heller im Grunde ein Flüchtling“, schrieb Hans Magnus Enzensberger einmal über den Verwandlungskünstler, „auf die Vertreibung aus dem Garten Eden reagiert er dadurch, dass er sich seine eigenen Paradiese erfindet.“

Davon sang er schon in den achtziger Jahren. Bei unserem Treffen in Wien sprach ich ihn auch auf mein Lieblingslied von ihm, „Sei Poet“, an. Dazu meinte er nur nüchtern, das sei doch schon „hundert Jahre her“. Heute entwirft er Paradiese handfest. Aktuell drückt er sich in „Anima“ (Seele), seinem Traumgarten in Marrakesch ganz konkret und materiell aus. Heller machte auf mich einen weisen und gelassenen Eindruck, als ich ihn im auslaufenden September an einem schönen Herbsttag in Wien traf. Ab und zu müsse er nach der Mutter schauen, die mit ihren 101 Jahren schon in die Nähe einer Scheherazade rückt.

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VerDichte Dein Leben. Weimar lädt Dich dazu ein – Rendezvous mit Goethe & Schiller – angereichert mit Ideen zu: Freud, Traumdeutung, Kunst, Poesie, Psychologie & Morphologie – (WehrWolter – ww 172 – Hans Wolter)

Als der Club der toten Dichter damals (1989) in die Kinos kam, hatte ich ihn rasch in mein Herz geschlossen. John Keating (Robin Williams) machte den Jungs in der Eliteschule und uns Zuschauern die alten Dichter schmackhaft. Mit unkonventionellen Methoden fordert der Lehrer sie zu selbstständigem Handeln und freiem Denken auf. Dieser Film fällt mir gerade ein, während ich diese Zeilen in meinen Laptop tippe. Über Weimar will ich schreiben. Nun war ich aktuell mal wieder für einige Tage in dieser kleinen großen Stadt. Diesmal bin ich dem Geheimnis, sagen wir vielleicht angemessener, dem Geist, dieser geschichtsträchtigen Stadt, noch einmal tiefer auf die Spur gekommen.

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Bob Dylan: der Poet wird 75. – Auch BAP gratuliert Bob – Die Folklegende entzieht sich jeder Kategorisierung, indem er immer wieder mit dem Erreichten bricht. Hier zeigt sich ein radikal gelebter Individualismus, der sich niemandem unterwirft. – (WehrWolter – ww 158 – Hans Wolter)

,Das ist Bob Dylan, und ich bin nur Präsident der Vereinigten Staaten.‘ (Obama)

Als ich in den 70ern begann Gitarre zu spielen, gehörte „Blowin‘ in the Wind“ zu meinen absoluten Favoriten. Die Hymnen der Hippi- und Friedensbewegung sangen wir mit großer Leidenschaft. Seine Texte fand ich brillant. Seine Stimme war mir zu hoch. Da gefiel mir der Haudegen Johnny Cash besser. Die zwei kann man natürlich schwer vergleichen. Auch wenn sie beide teilweise Lieder der Hobos und Railway-Romantik sangen, waren sie doch vom Typus diametral entgegengesetzt. Cash stand für gleichbleibende, verlässliche Bodenständigkeit. Dylan war ein Verwandlungskünstler. Lange bevor Madonna und Lady Gaga mit Identitäts-Metamorphosen zu spielen begangen.

„Wenn Bob wirklich mal den Literaturnobelpreis bekommt, dann kann das heiter werden. Ich sage nur: Preisverleihung 2012, als Barack Obama ihn fürs Lebenswerk ehrte. Das war ganz großes Kino. Bob ist nun mal absolut kein Rampenlicht-Mensch. Manchmal setzt er sogar zu einer Rede an, stammelt zwei Wörter und huscht wieder von der Bühne. Das ist schon chaplinesk“ (Wolfgang Niedecken)

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Georg Orwell starb vor 66 Jahren. Er wusste schon früh: Wenn die Klügeren nachgeben, kommen die Dummen an die Macht. – Von der Animal Farm & 1984 über die Deutsche Wiedervereinigung zu TTIP (WehrWolter – www 114 – Hans Wolter)

George Orwell wurde am 25. Juni 1903 als Eric Arthur Blair in Indien geboren und starb am 21. Januar 1950 als einer der bedeutendsten Schriftsteller englischer Literatur. Seinen Durchbruch als Schriftsteller erlebte er 1945 mit seiner Fabel „Animal Farm.“ (Deutscher Titel: „Farm der Tiere“). Sein weiteres Werk, welches weltweit Erfolg hatte, war die düstere Zukunftsvision 1984. Würde er heute noch leben, würde er sich wundern, wie selbstverständlich der Bürger heute bespitzelt werden kann und wird. Erstmals Anfang September 2007 bekanntgemachte Geheimdossiers belegen, dass Orwell selbst von 1929 an bis zu den Jahren des Zweiten Weltkriegs vom Britischen Inlandsgeheimdienst überwacht wurde.

Würde Orwell die gegenwärtige Radikalisierung und Verrohung rund um den Globus und im zivilisierten Europa erleben, fühlte er sich in seiner Animal Farm bestätigt. Inhaltlich geht es um die Auflehnung der Tiere einer englischen Farm gegen die Herrschaft ihres menschlichen Besitzers, der sie vernachlässigt und ausbeutet. Die Machtergreifung der Tiere gelingt und sie versuchen ein angenehmeres Zusammenleben zu gestalten. Anfänglich ist das Projekt erfolgreich. Aber nach und nach übernehmen die Schweine immer mehr die Führung und errichten schließlich eine Gewaltherrschaft, die schlimmer ist als diejenige, aus welcher sich die Tiere befreien wollten. Weiterlesen …

Pippi Langstrumpf wird 70 – Sie ist das Kind einer tiefen Lebenskrise ihrer schuldgeplagten Mutter Astrid Lindgren – Gelungene kreative Bearbeitung einer Depression. – Astrid & Pippi hätten auch gesagt: „Wir schaffen das!“ – Da bin ich mir sicher. (WehrWolter – ww 91 – Hans Wolter)

Pippi feiert heute 70sten Geburtstag. Ein starkes Mädchen, das glücklich und lebensfroh im idyllischen Schweden aufwuchs. Wer wollte damals nicht Pippi sein? – Helden wachsen oft ohne Eltern auf. Sei es Harry Potter, Batman oder eben Pippi. Die Heldengeschichten lesen sich nicht so traurig wie Hänsel & Gretel oder Aschenputtel. Helden machen uns vor, dass es auch ohne Eltern geht. Dass man auch alleine stark sein kann.

„Ausländerfeindlichkeit finde ich geradezu widerlich! Wenn ich jünger wäre, würde ich mich politisch einmischen.“ (Astrid Lindgren mit 90 Jahren)

Astrid Lindgren, die große Mutter Schwedens und aller Pippis dieser Welt, war in jungen Jahren in eine heftige Krise geschlittert. Sie wurde ungewollt von ihrem ersten Chef im Verlag im Alter von 18 Jahren geschwängert. Der verheiratete, deutlich ältere Mann wollte weder zu ihr, noch zu ihrem Kind stehen. Die junge Astrid wusste nicht ein noch aus. Sie wollte weder abtreiben, noch ihre gläubigen Eltern belasten.

„Schriftstellerin wäre ich wohl allemal geworden, aber ohne das mit Lasse wohl nie eine berühmte.“

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Sie gab ihren kleinen Sohn Lasse an eine Pflegefamilie. In ihren vor kurzem veröffentlichen Kriegstagebüchern berichtet sie auch über ihre Schuldgefühle. Lasse war schon vier, als sie ihn wieder zu sich nahm. Meine Vermutung ist, dass Astrid Lindgren die Figur Pippi Langstrumpf geschaffen hatte, um ihr damaliges eigenes Alleinsein und ihre Schuldgefühle als Mutter verarbeiten zu können. Pippi war ein fröhliches und starkes Mädchen. Mutterlos und ihr Vater war selten da, weil er zur See ging. Astrid Lindgren verkehrt die Kräfteverhältnisse einfach ins Gegenteil, indem die Tochter den Vater rettet. Mir ist mal die These begegnet, dass Pippis Vater ein Alkoholiker gewesen sein könnte, der fast im Alkohol ertrunken ist, hätte die Tochter ihn nicht immer wieder rausgeholt.

Unter solchen Verhältnissen gehen Kinder entweder unter oder sie werden besonders stark.

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Sie können nur schon sehr früh keine Kinder mehr sein. Pippi war Beides: stark und Kind. Wenn das keine gute Lösung ist. Astrid Lindgren selbst ist ja auch durch ihre Krisen gewachsen. Sie wurde weltweit die erfolgreichste Kinderbuchautorin. Auch mit ihrer Krisenbewältigung ist sie ein großes Vorbild. Auch ein strahlender Leuchtturm unter den wenigen weiblichen Vorbilder.

Astrid & Pippi hätten auch gesagt:

„Wir schaffen das!“

Da bin ich mir sicher.

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„Ich bin ein Clown und sammle Augenblicke“ – Zum 30sten Todestag des Kölner Schriftstellers Heinrich Böll – Passend zu Frank Witzel. Preis Frankfurter Buchmesse – Verdamp lang her – im Gespräch mit dem Kölner Sänger & Künstler Wolfgang Niedecken – (WehrWolter – ww 72 – Hans Wolter)

Vor 30 Jahren starb Heinrich Böll. Nicht auf den Tag. Da aber heute aus diesem Anlass sein verfilmtes Buch „Ansichten eines Clowns“ gezeigt wurde, habe ich mich gedanklich noch einmal etwas mit ihm beschäftigt.

Es gibt auch noch einen ganz aktuellen Bezug. Die Frankfurter Buchmesse ist eröffnet. Hier gibt es ja schon einen ersten Preis. Die wichtigste Literaturauszeichnung des deutschsprachigen Raums geht an Frank Witzel. Der Offenbacher Schriftsteller erhielt gestern in Frankfurt für seinen Roman „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ den Deutschen Buchpreis 2015. Witzel schaut zurück auf die alte Bundesrepublik, die 68er, die RAF und den Deutschen Herbst. Er tut dies mit den Augen eines 13-Jährigen Wiesbadener Teenager. Dazu passt Heinrich Bölls Werk. Er hatte in dem „heißen Herbst“ der späten 60er auch viel Trouble mit seinen RAF-Statements. Als er für die Freilassung von Ulrike Meinhof plädierte bekam er damals großen Ärger.

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Anfang der achtziger Jahre konnte ich Heinrich Böll einmal für einen eigenen kleinen Super-8-Film interviewen. Er hat mir bereitwillig auf meine damaligen Fragen geantwortet. Weiterlesen …

Verwandlung einer schuldgeplagten Mutter zur grandiosen Mutmacherin. – Stirb und Werde: Kriegstagebücher geben tiefe Einblicke in die komplexe Psyche Astrid Lindgrens. – (WehrWolter – ww 66 – Hans Wolter)

„Schriftstellerin wäre ich wohl allemal geworden, aber ohne das mit Lasse wohl nie eine berühmte.“

(Astrid Lindgren)

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Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter, Michel aus Lönneberg, die Kinder von Bullerbü – die Bücher von Astrid Lindgren verkaufen sich millionenfach. Ihr sogenanntes “Kriegstagebuch” ist allerdings bislang weitgehend unbekannt. Sie führte während des Zweiten Weltkriegs ein Tagebuch und berichtete voller Abscheu über Judenverfolgung und Deportationen – Erkenntnisse aus ihrer Arbeit für den schwedischen Geheimdienst, für den sie im Krieg zeitweise Briefe ausgewertet hat. Ihr Tagebuch gibt aber auch tiefe neue Einblicke in die Seele einer schuldbeladenen jungen Mutter. Sie wurde mit 19 Jahren von ihrem viel älteren, verheirateten Chef ungewollt schwanger und gab ihren Sohn weg. Nach vier Jahren holte sie Lasse von den Pflegeeltern zurück. Er starb 16 Jahre vor ihr.

Pippi Langstrumpf entdeckte während des Krieges das Licht der Welt. Wir lernen in diesem Jahr noch einmal eine neue Seite der Autorin Astrid Lindgren kennen. In ihren jetzt veröffentlichten Kriegstagebüchern gibt sie neue Einblicke in ihr bewegtes Leben.

Die Geburt, Weggabe und Zurücknahme ihres Sohnes Lasse war – in ihrer eigenen Einschätzung – der große und entscheidende Wendepunkt in ihrem Leben.

Hier frage ich mich, ob sie mit ihrer Erfolgsgeschichte Pippi Langstrumpf ihre damit verbundene schwere Zeit und ihre Schuldgefühle verarbeitete. Pippi ist ein Kind, das ohne Eltern bestens zurecht kommt. Das kann einerseits sie selbst sein, andererseits der Wunsch, dass Lasse gut durchkommt.

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“Erst als die immer schon Heimischen sich fremd genug waren, begannen auch sie … ihr Fremdsein zu ertragen, sich selbst zu erkennen und mit ihnen zu leben.” – “Vonne Endlichkait” Günter Grass. Auch zu: Flüchtlinge, Flüchtlingskrise & Heinrich Böll – (WehrWolter – ww 54 – Hans Wolter)

„Als Millionen Vertriebene mit lastendem Gepäck und lastender Erinnerung im restlichen Vaterland zwangseinquartiert wurden, riefen viele Heimische, die sich durch Zuzug beengt sahen:

Geht hin, wo ihr hergekommen seid!

Aber sie blieben, und eingeübt blieb der Ruf: Haut endlich ab!

Bald galt er Fremden, die später, noch später von weither gereist kamen und unverständlich sprachen; sie blieben gleichfalls und vermehrten sich seßhaft.

Erst als die immer schon Heimischen sich fremd genug waren, begannen auch sie in all den Fremden, die mühsam gelernt hatten, ihr Fremdsein zu ertragen, sich selbst zu erkennen und mit ihnen zu leben.“

Das sagt Günter Grass in seinem letztem Buch: „Vonne Endlichkait“. Morgen, zum 266sten Geburtstag von Goethe, kommt sein Buch mit einer Auflage von 50.000 Exemplaren in den Buchhandel. Hieran hat der Literaturnobelpreisträger bis zum letzten Tag seines Lebens geschrieben. Weiterlesen …

Happy Birthday Animal Farm – Wenn die Klügeren nachgeben, kommen die Dummen an die Macht. – Von Georg Orwell über die Deutsche Wiedervereinigung zu TTIP (WehrWolter)

Heute vor siebzig Jahren, am 17.08.1945, erschien Georg Orwells Roman „Animal Farm“ (Deutscher Titel: „Farm der Tiere“). Inhaltlich geht es um die Auflehnung der Tiere einer englischen Farm gegen die Herrschaft ihres menschlichen Besitzers, der sie vernachlässigt und ausbeutet. Die Machtergreifung der Tiere gelingt und sie versuchen ein angenehmeres Zusammenleben zu gestalten. Anfänglich ist das Projekt erfolgreich. Aber nach und nach übernehmen die Schweine immer mehr die Führung und errichten schließlich eine Gewaltherrschaft, die schlimmer ist als diejenige, aus welcher sich die Tiere befreien wollten.

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Georg Orwell hatte zunächst große Schwierigkeit einen Verleger für seinen Roman zu finden. Er galt als Parabel auf die Entwicklung in der Sowjetunion. Hier folgte auf die Oktoberrevolution des Volkes ja die zunehmend diktatorische Herrschaft Stalins. Diese Kritik ging vielen damals zu weit, da Stalin damals in weiten Kreisen eine Aura der Idealisierung umgab. Ich vermute ja, dass das auch mit einer Scheu vorm Vatermord (Freud, Totem & Tabu) zu tun hat.

Zur „Animal Farm“ fällt mir auch die deutsche Wiedervereinigung ein.

Auch wenn das sicher nicht ganz „fair“ ist. In Deutschland stellte sich ja keine Diktatur der Schweine her. Aber so etwas wie eine Diktatur der D-Mark. Wirtschaftlichkeit und Konsum standen an absolut erster Stelle. Soziale Reformen oder soziale Errungenschaften des damaligen DDR-Regimes traten rasch in den Hintergrund. Hier wurden leider die Chancen eines „dritten Weges“ vertan.

Auch in der Europapolitik geht es fast ausschließlich um die Wirtschafts-Union. Eine Sozial-Union wurde bisher vernachlässigt. Warum hat man bisher noch nicht ernsthaft und effektiv an gemeinsamen Modellen und Strategien gegen Arbeitslosigkeit oder Armut gearbeitet.

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Sollte die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft TTIP tatsächlich durchgesetzt werden, bedeutet das noch einmal die absolute Vorherrschaft von Wirtschaft und Handel. Soziale Errungenschaften der „alten Länder“ werden verloren gehen. Hier liegt eine große Gefahr, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklafft. Auch demokratische Errungenschaften gehen verloren, weil sich alles dem Diktat der Privatwirtschaftlichkeit unterwerfen muss.

TTIP hebelt die demokratischen Strukturen aus

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Sei Pippi Lang. nicht Heidi Klu. oder Aa Kurzsocke! – Plädoyer für MutterWitz & Mut. – (WehrWolter – ww24 – Hans Wolter)

„Alle Menschen sollten ihre Kindheit von Anfang bis Ende mit sich tragen.“ Das meint die große kleine Astrid Lindgren (1907 – 2002), deren Tochter Pippi Langstrumpf heute ihren siebzigsten Geburtstag feiert. Die schwedische Schriftstellerin gehört mit einer Gesamtauflage von über 145 Millionen Büchern zu den bekanntesten Kinderbuchautoren der Welt. Ronja Räubertochter ist eine weitere literarische Tochter, mit denen sie Mädchen Mut zur Unangepasstheit macht.

Es gibt nur wenige weibliche Vorbilder in Film und Literatur, die Mädchen und junge Frauen ermutigen, ein eigenes, kreatives, weniger angepasstes Leben zu leben. Mit der Romanfigur Hermine Granger schafft die Schriftstellerin Joanne K. Rowling, meines Erachtens, nur eine Ergänzung zu Harry Potter. Sie verkörpert eher den kulturell gewollten Typus der vernünftigen, fleißigen Frau. Sie ist weniger kreativ, ihre Intelligenz macht einen eher lexikalischen und weniger kreativen Eindruck Weiterlesen …