Tag Archives: Literaturnobelpreis

Krass, konnte Günter Grass sein – 90 wäre er heute geworden– Der streitbare Schriftsteller war anders – Im kleine Oskar mit der Blechtrommel, dem großen Nein-Sager, sehen wir einen charakteristischen Selbstanteil des nicht unumstrittenen Nobelpreis-Autors (WehrWolter – ww 275 – Hans Wolter)

„Erst als die immer schon Heimischen sich fremd genug waren, begannen auch sie in all den Fremden, die mühsam gelernt hatten, ihr Fremdsein zu ertragen, sich selbst zu erkennen und mit ihnen zu leben.“

Das sagte der Literaturnobelpreisträger Günter Grass, der heute 90 Jahre alt geworden wäre – in seinem letztem Buch: „Vonne Endlichkait“, an dem er bis zum letzten Tag seines Lebens geschrieben hat.

Bekannt wurde der streitbare und stets politisch aktive Schriftsteller mit seinem grotesk-satirischen Entwicklungs- und Zeitroman „Die Blechtrommel“ (1959) Zu diesem Buch habe ich eine besondere, eine persönliche Verbindung. Auf meiner AbiAbschlussfahrt mit dem Deutsch-LK, schaffte es unsere Lehrerin, die taffe Frau Zumpe, dass wir mit Volker Schlöndorff und seiner Frau Margarethe von Trotta, am Rande der Dreharbeiten in Danzig über das Werk diskutieren konnten. Dazu später ein wenig mehr.

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Wenig nobel, aber formal korrekt: Bob Dylan hält es mit Mark Twain: „Gäbe es die letzte Minute nicht, so würde niemals etwas fertig.“ – Last-Minute-Nobelvorlesung – Der Meister lässt sich nicht sehen, aber hören – „Literatur die mich prägte“ – (WehrWolter – ww 254 – Hans Wolter)

Nun hat er es doch noch gemacht. Insgesamt nicht nobel, aber formal gerade noch korrekt, um sein Anrecht auf das enorm hohe Preisgeld zu wahren. Nobelpreis to go. Bob Dylan, der 76-jährige Sänger nahm schon den Preis an sich erst mit monatelanger Verspätung entgegen. Gewissermaßen im Nebenbei. Vom Status ist ein Nobelpreis immer noch so etwas wie die Aufnahme in den Olymp. Bedingung ist noch eine entsprechende Rede. Wie eine Antrittsvorlesung nach der erfolgten Aufnahme in den Kreis der Noblen. Diese nahm der singende Poet am 4. Juni in Los Angeles bei leiser Klavierbegleitung auf. Darauf erfolgte die unpersönliche Zustellung an die schwedische Akademie. Das Akademie-Mitglied Sara Danius fand eine lobende Einschätzung: „Die Rede ist außergewöhnlich“. Mir gehen bei diesem Auftritt verschiedene Fragen durch den Kopf; wie: Wird reale Präsenz überschätzt? Sind wir womöglich präsenter, wenn wir fern bleiben? Spielt Dylan mit dem Paradox von Achtung? Weiterlesen …

Was rückt Bob Dylan mit seinen Mysterienspielen bei der Abholung des Literaturnobelpreises ins Bild? – Der Meister des „I’m Not There“ spielt mit den Identitäten, dem Ineinanderfließen der Zustände, der Zeiten und Personen, mit der Auflösung des Ichs – (WehrWolter – ww 239 – Hans Wolter)

Bob Dylan ist doch noch leibhaftig erschienen. Kurz, wortkarg, ohne Öffentlichkeit. Mit mehr als drei Monaten Verspätung hat er sich seinen Literaturnobelpreis in Stockholm abgeholt. Die Inszenierung blieb mysteriös. Der Termin fand an einem geheimen Ort statt, bei seinem Konzert in der schwedischen Hauptstadt schweigt der Sänger zum Thema. Für das stattliche Preisgeld (840.000 €) muss er bis zum 10. Juni noch eine Vorlesung halten. Allerdings hat er bei der Gestaltung seines Auftritts viel Spielraum: Er kann eine kurze Rede halten, ein Lied singen oder sich per Video-Schaltung zu Wort melden.

 

Was will uns Bob Dylan mit seinem Fernbleiben wortlos sagen?

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Unsere Augen sind weder trocken, noch nass, sondern ein wenig feucht – und das lateinische Wort für Feuchtigkeit ist: Humor. Heinrich Böll wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Er hatte sehr gute Augen und Humor. – Wird der Literaturnobelpreisträger weniger gewürdigt, auch in Köln, weil er Dinge sah, die viele so nicht sehen wollten? – (WehrWolter – ww 238 – Hans Wolter)

Anfang des Jahres lernte ich René Böll, den Sohn des Schriftstellers Heinrich Böll persönlich kennen. Der zurückhaltende Mann lächelte, als ich ihm sagte, dass ich seinen Vater vor fast 40 Jahren für einen kleinen privaten Film einmal interviewt hatte. Durch sein aufflackerndes mildes Lächeln, stand sein Vater wieder vor mir. Nach diesem kurzen Gespräch ging er auf die Bühne. Dort fragte er sich, mich und das Publikum zum Auftakt des Böll-Jahres, bei einem Vortrag im Bonner LVR-Museum, warum sein Vater von der Stadt Köln nicht mehr Beachtung und Würdigung findet. Vielleicht durch ein Museum oder ähnliches. Diese Frage wurde nicht beantwortet und war auch eher rhetorisch gestellt. Da ich auch schon mehrfach darüber nachgedacht hatte, möchte ich hier meine Ideen dazu kurz kundtun.

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„How many roads … “ Bob Dylan, der singende Poet, erhält den Nobelpreis für Literatur – „Das ist Bob Dylan, und ich bin nur Präsident der Vereinigten Staaten.“ (Barack Obama) – Ein moderner Dichter, „Homer der Gegenwart“ (Sara Danius, Komitee, Stockholm) … must a man walk down, before you call him a man?– (WehrWolter – ww 194 – Hans Wolter)

„The answer, my friend, is blowin‘ in the wind … “ – Mit Bob Dylan erhält erstmalig ein Liedermacher den Nobelpreis für Literatur. „Er ist ein großartiger Dichter, der sich seit 45 Jahren immer wieder neu erfindet. Dylan ist eine Ikone. Sein Einfluss auf die zeitgenössische Musik ist groß …“, sagt Sara Danius, die Chefin der Schwedischen Akademie nach der Bekanntgabe in Stockholm. Dylan schreibe, um mit seinen Werken aufzutreten, sagte die Jurorin. Nichts anderes habe der Dichter Homer vor einigen Jahrtausenden auch getan. Weiterlesen …